Bei jeder Bewerbung musst du dir aus den Fingern saugen, warum du schon als Kind bei Müller-und-Schmidt-Schmierstoffe arbeiten wolltest. Als deutscher Politiker aber kannst du offen sagen, dass dir Volk und Land (= Arbeitgeber) genau gar nichts bedeuten.

Der neue Grünen-Chef heißt Felix Banaszak. Man kennt ihn von dem Versuch, seinem Vorgänger Robert Habeck zu ähneln. (Indem er sich für PR-Fotos in der Deutschen Bahn in Nähe der Toiletten auf den Boden setzt; cicero.de, 25.07.2025. Als Nächstes wohl der Bahnsteig, während die Mitarbeiter stehen, wie normale Menschen es tun.)

Nein, Herr Banaszak – mit dem sympathischen Lispeln statt des Habeckschen Du-lass-uns-drüber-reden-Raunens – wird nicht das Schmachtobjekt deutscher Journalistinnen werden. Jana Hensel aus Köln wird keine erotisierten Elegien auf die Löcher in Banaszaks schwitzigen Socken schreiben (zeit.de, 04.06.2019).

In seinem Versuch, nach Kräften den Robert zu klonen, scheint Herr Banaszak aber nicht nur die Vorliebe fürs Sitzen auf dem dreckigen Boden zu kopieren. Da wäre noch etwas und das ist, sagen wir mal: bezeichnend.

Wieder »stets zum Kotzen«

Es gibt da dieses Zitat, mit dem sich Habecks Ägide als Minister und der Geist der Grünen und eigentlich die deutsche Politik seit Merkel zusammenfassen lassen:

Patriotismus, Vaterlandsliebe also, fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland nichts anzufangen und weiß es bis heute nicht. (Robert Habeck)

Die Liebe zu seinem Land »zum Kotzen« zu finden, ist nicht nur eine Momentaufnahme in Habecks Entwicklung; es ist exemplarisch.

Von Grünen und ihrem linksradikalen Umfeld hört man regelmäßig Widerwärtiges wie: »Nie wieder Deutschland« (hubertus-knabe.de, 30.9.2020), »Zuwanderung bis zum Volkstod« (sueddeutsche.de, 27.9.2019), »Deutschland, du mieses Stück Scheiße« (ndr.de, 03.10.2023), und noch vulgäreren Hass auf Deutschland, den ich hier nicht zitieren will.

Umso spannender ist, dass Banaszak im Sommerinterview mit dem deutschen Staatsfunk tatsächlich eine Frage gestellt wurde, die auf den ersten Blick als eine PR-Falle gedeutet werden könnte.

Auch ein Problem?

Formal ist es eine Frage von einem Zuschauer aus dem Internet, aber natürlich von der Redaktion ausgewählt – nicht zufällig. (Selbst schauen: Im Video ab 2:01:12; YouTube-Link zu genau der Stelle.)

Die Staatsfunker zitieren Habeck, inklusive »Vaterlandsliebe« und »stets zum Kotzen«.

Und dann wird Banaszak gefragt: »Haben Sie auch ein Problem mit dem Vaterland?«

Als Reaktion spielt Banaszak zunächst ein sehr einstudiert wirkendes Lachen ein. Dann behauptet er tatsächlich, entgegen allem Augenschein und als Beleidigung für den Verstand der Zuschauer, jenes Zitat habe wenig mit der Politik Habecks zu tun.

Doch natürlich ist dieses Zitat eine der plausibelsten Erklärungen für die Politik seit Merkel!

Weitere mögliche Erklärungen für manches Politikerhandeln wären zum Beispiel: klinische Blödheit bei erstaunlicher Befähigung zur Erlangung von Macht, totale Korruption, Status als feindliche Agenten, Erpressung durch fremde Geheimdienste … Dass er mit dem Land »nichts anfangen« kann, ist tatsächlich noch die mildeste der möglichen Erklärungen.

Erst mal meine Frau

Nach einstudiert wirkendem Lachen und Bullshit-Erwiderung, stammelt Banaszak zunächst: »Was soll ich dazu sagen?«

Vielleicht hat Banaszak heimlich die Relevanten Strukturen gelesen, denn tatsächlich beginnt er nach kurzer Sammlung, seine relevanten Strukturen aufzuzählen.

»Ich liebe erst mal meine Frau«, sagt er, »und meine Tochter. Das über alle Maßen. Ich möchte, dass Deutschland ein Land ist, in dem sich alle Menschen wohlfühlen, das für alle Menschen eine Heimat ist. Das habe ich mit Robert Habeck gemeinsam.«

Das bedeutet: Weder für Habeck noch für Banaszak ist Deutschland eine relevante Struktur.

Deutschland ist für diese Grünen auf eine Funktion reduziert. Und das nicht einmal für die Deutschen, sondern für alle Menschen.

»Mein konkretes Umfeld«

Der Staatsfunker fragt nach: »Aber ›Ich liebe Deutschland‹ sagen Sie nicht?«

Banaszak wedelt ratlos mit den Armen, schnauft und stammelt wieder, erneut seine relevanten Strukturen aufzählend: »Ich liebe Duisburg. Ich liebe mein konkretes Umfeld.«

Banaszak merkt vermutlich nicht, dass er seine Moral hier auf die Moral von Tieren und Kleinkindern reduziert: Nur zu lieben, was einem unmittelbar nahe ist, ist verständlich und menschlich, doch allein für sich eben auch animalisch, primitiv und vorzivilisatorisch.

Banaszak wirkt überfordert. Er verliert sich in Floskeln, und das Beste, was er über Deutschland sagen kann, ist, dass er »ein gutes Verhältnis zu diesem Land, (er korrigiert sich:) zu unserem Land« hat.

Und dann: »Ich kann mit dem Begriff ›Liebe‹ für so etwas Abstraktes …«

Er unterbricht sich, weil er offenbar merkt, dass er hier Habecks ›nichts anfangen‹ wörtlich zitieren würde.

Also schließt er: »Aber das soll jeder für sich entscheiden.«

Immerhin, es ist erfrischend, dass ein Politiker offen zugibt, dass ihm sein Land am Bahnbodensitzhintern vorbeigeht.

Dass das Land nur etwas Abstraktes ist.

Dass das Land keine Liebe verdient.

Dass es ihm eigentlich nur um die Versorgung seiner Familie geht.

Ja, es wirkt erfrischend.

Und wir wissen: Kein geistig weitgehend gesundes Land würde Leute wie Habeck und Banaszak irgendein politisches Amt bekleiden lassen.

Wenn du dich für den simpelsten Job bei irgendeinem Unternehmen bewirbst, musst du dir im Bewerbungsgespräch einen Grund ausdenken, warum du schon als Kind davon geträumt hast, bei Müller-und-Schmidt-Schmierstoffe als Nachtwächter zu arbeiten. Nur wenn du über Deutschland herrschen willst, scheint es für eine bestimmte politische Richtung geradezu zwingend, zur Schau zu stellen, wie gleichgültig dir das Land und die Menschen sind, deren Schicksal du »umbauen« willst.

Leider nicht blöd

Meine erste und instinktive Reaktion auf dieses Nachhaken der Staatsfunk-Interviewer war positiv – bis ich mich wieder daran erinnerte, dass das böse Leute sind, also etwas nicht stimmte.

Die allzu offene Abneigung gegenüber dem Land, das diese Parteibonzen ernähren soll, ist vielleicht dann doch suboptimal für die Akzeptanz in der Reihenhaus-Wählerschaft, wie gehirngewaschen die Tagesschau-Klientel auch sonst sein mag.

Und natürlich wussten die Staatsfunker das. Die wirken auf mich böse, aber leider nicht blöd.

Warum also fragten sie diese entlarvende Frage? Ich will euch meine diesbezügliche Verschwörungstheorie vorlegen.

Immer häufiger hören wir in diesen Jahren, dass es die Politik wieder kitzelt, deutsche Männer zu bewaffnen, auf dass sie kämpfen, sprich: töten und getötet werden. (Siehe etwa den Essay »Wir sehen, die wollen Frieden« aus dem Jahr 2023.)

Dass sie es offen tun

Das Ministerium für Bumm-und-Peng heißt offiziell noch »Bundesministerium der Verteidigung«. In der Polit-PR ist man aber inzwischen ehrlicher.

Es genügt nicht mehr, dass das Land »verteidigungsfähig« ist (wenn es das denn wäre). Jetzt sagt man offen, dass man kriegstüchtig sein soll.

Ich sage nicht, dass diese Leute heimlich einen Krieg vorbereiten. Ich sage, dass sie es offen tun.

Doch sie haben ein klitzekleines Problem dabei: Man hat den Deutschen über Jahrzehnte aberzogen, ihr Land lieben zu dürfen. Doch für ein Land, das man nicht liebt, will man weder töten noch sterben.

Das zu lieben unfein ist

Schon 2018 fragte ich: »Was ist ein Land, für das man kämpfen würde?«

Du bist Bürger dritter Klasse, die Propaganda demütigt dich täglich, in Schulen, Gerichten und anderen Institutionen wirst du systematisch benachteiligt – doch plötzlich heißt es, dass du für das Land, das von seiner eigenen Regierung offen verachtet wird, das zu lieben unfein ist, im Ausland sterben sollst?

Mancher denkt sich: »Ach, wenn es darum ginge, das Land im Inneren zu verteidigen, dann ließe sich darüber reden. Aber nein: Ihr wollt, dass wir im Ausland sterben, während ihr unsere Heimat immer weiter verschandelt und verscherbelt.«

Diese öffentliche Demütigung

Ich kann das Entsetzen über Banaszaks offene und vermutlich ehrliche Emotionslosigkeit gegenüber Deutschland verstehen.

Ich kann auch die Überraschung und spontane Freude verstehen, wenn der Grüne von den Staatsfunkern darin vorgeführt wird.

Vertun wir uns nicht: Die plausibelste Erklärung ist vermutlich, dass diese öffentliche Demütigung tatsächlich Teil einer Vorbereitung auf den Krieg ist.

Politiker sollen ein Minimum an »Vaterlandsliebe« heucheln. Im kommenden Jahr, bei der nächsten Fußball-WM, werden wir überraschend viel nationalen Stolz erleben.

Im Buch Talking Points beschreibe ich allerdings, wie Fußball als Ersatzkrieg wirkt. 2026 wird es die Form einer »psychologischen Kriegsübung« einnehmen.

Wer meinem Rat von 2018 gefolgt ist und »Das Lied der Innenhöfe« gesungen hat (und einige von euch taten es tatsächlich, und schrieben mir darüber), der ist vielleicht ein wenig besser darauf vorbereitet, was kommt.

Man regiert uns in den Abgrund, also nach unten. Bald will man unsere Söhne und Väter zum Sterben weit wegschicken, also nach außen.

Ich empfehle den Weg weiter nach innen – aber unbedingt bei maximaler Ehrlichkeit hinsichtlich dessen, was außen passiert. Den Innenhof aufräumen, auch den geistigen.

Den Blick vom Abgrund hoch

»Im Abgrund die Chimären«, so schrieb ich 2021 in einem Essay. Immer wieder warne ich vor dem näher rückenden Abgrund. (Für innere Erklärungen siehe das Abgrund-Fachbuch »Dazwischenwesen«.)

Selbstverständlich ist es wahr und wichtig, dass Nietzsche davor warnt, zu lange in den Abgrund zu blicken. Ich schrieb: »Du blickst nach Berlin, und der Abgrund blickt zurück«.

Wenn, weil und während der Abgrund naht, ist es ratsam, seinen eigenen Blick gelegentlich vom Abgrund wegzuheben.

Die wollen marschieren, nach außen und in den Abgrund. Du ordne dich im Inneren.

Und hebe den Blick vom Abgrund hoch, nach oben. Und zwar regelmäßig.

Mindestens einmal in der Woche.

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Der Essay Der Grüne liebt sein Land nicht von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/der-gruene-liebt-sein-land-nicht/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!