Die Niederlande planen Steuern auf Papiergewinne. Vermögen liquidieren, um theoretischen Wertzuwachs zu versteuern. Es wäre Enteignung. Ein Todesurteil für die Mittelschicht – und wohl Vorbild für Europa. »Du wirst nichts besitzen« – die meinten es ernst!

»Denk nicht so negativ«, so könnte ein Realist dieser Tage hören.

Du redest zu viel »doom and gloom«, so könnte einer sagen, der dem Englischen nahe ist, um sich dann falschen Propheten zuzuwenden, die ihm zuraunen: »Think positive! Have a sandwich! Take care!«

Psychologen haben festgestellt, so habe ich gehört, dass Pessimisten präzisere Schätzungen über die Realität anstellen. Dennoch treffen Pessimisten interessanterweise nicht zwingend auch die klügeren Entscheidungen fürs Leben.

Ja, ein Pessimist könnte tatsächlich noch elender dastehen als ein zwanghafter »Optimist« – wenn ihm etwas Entscheidendes fehlt.

36-%-Steuer auf unrealisierte Gewinne

Als Beispiel: Aus den Niederlanden wird berichtet, dass dort ab 2028 eine 36-%-Steuer auf unrealisierte Gewinne aus Aktien, Anleihen und Krypto eingeführt werden soll (nltimes.nl, 20.01.2026). Bei Immobilien gilt eine Mischform: Mieteinnahmen werden jährlich besteuert, Wertsteigerungen jedoch erst beim Verkauf.

Wenn du Geld in Aktien angelegt hast, und der Wert der Aktien steigt, will die niederländische Regierung noch im selben Jahr über ein Drittel des Papier-Gewinns – in cash. Du musst das Geld irgendwoher aufbringen, etwa indem du Vermögen verkaufst.

Sinkt der Wert der Aktien (oder Anleihen, Krypto-Währungen) im nächsten Jahr wieder, kann das als »Verlustvortrag« verbucht werden, falls doch wieder Gewinne gemacht werden – doch die Substanz, aus der Gewinne erzielt werden, wird vom Staat dezimiert.

Buy-Borrow-Die

Die Verteidiger dieser recht offenen Enteignung führen an, dass man damit auf einen Trick der Superreichen eingeht: Ein Musk oder ein Bezos besitzen viel Papier-Vermögen. Sprich: Unverkaufte Aktien im theoretischen Wert vieler, vieler Milliarden. Würden sie die verkaufen, würden sie sehr viele Steuern zahlen. Doch sie verkaufen nicht. Sondern sie gehen zur Bank und beleihen ihre Aktien. Von den »Schulden« leben sie dann, recht komfortabel. Und auf Schulden zahlt man keine Steuern. Diese Strategie trägt den charmanten Namen »Buy-Borrow-Die« – denn auch beim Erbe wird die Wertsteigerung nicht besteuert. (Zugleich sei angemerkt, dass die Fabriken und Angestellten von Musk oder Bezos sehr viele Steuern generieren, nur halt nicht die Herren persönlich.)

Musk oder Bezos sind meines Wissens keine Niederländer (vielleicht der Elon, ehrenhalber). Es soll also wohl superreiche Niederländer treffen, die an der Nasdaq mit einem Startup superreich wurden, aber steuerlich rätselhafterweise immer noch an den Deichen angesiedelt sind.

Doch wenn man wirklich nur diese mythischen niederländischen Startup-Supereichen treffen wollte, würde man den Freibetrag nicht auf bloß 1.800 Euro setzen. (So viel verdient Musk in sechs Sekunden.)

Vermögen verloren, Steuern geschuldet

Wessen Papiervermögen um mehr als 1.800 Euro wächst, der muss als Niederländer jeden weiteren Papier-Euro versteuern – selbst wenn der Wert nach dem Stichtag, aber vor dem Verkauf wieder fällt.

Wenn ein Niederländer also im November eine Krypto-Währung für 100.000 Euro kauft, diese im Dezember auf 200.000 hochgeht, und im Januar auf nahe Null abstürzt, hat er nicht nur sein Vermögen verloren – er schuldet auch noch 35.352 Euro an Steuern – für einen »Gewinn«, den er nie realisiert hat. Er kann sich später an einem »Verlustvortrag« erfreuen – doch wenn sein Kapital aufgebraucht ist, gibt es keine künftigen Gewinne mehr, gegen die er den Verlust verrechnen könnte.

So sagt es der Pessimist

Der Optimist wie auch der Sozialist, beides erfahrene Lügner, lügen sich in die Tasche, dass die Niederlande jetzt endlich etwas unternehmen, um die Superreichen »ihren gerechten Anteil« zahlen zu lassen.

Der »Pessimist« deutet: Die Niederlande wollen ein (nur) unter »Pessimisten« bekanntes Versprechen aus WEF-Kreisen wahr werden lassen. Nämlich: Du wirst nichts besitzen. (Jaja, ich weiß: Die behaupteten später sinngemäß, das sei deskriptiv und nicht präskriptiv gemeint gewesen. Ich habe Zweifel: Wenn du buchstäblich die Mächtigen der Welt versammelst, verschwimmen deskriptiv und präskriptiv.)

Die Niederlande haben nichts weniger vor, als die Mittelschicht wirtschaftlich hinzurichten. So sagt es der Pessimist in mir. Und derselbe Pessimist weiß: Solche Maßnahmen werden häufig zunächst in Globalismus-nahen Staaten ausprobiert, um bald darauf wie Krebs international zu streuen. (Wir denken hier an die Totalüberwachung von Social Media, die von Australien aus auf weitere WEF-freundliche Staaten und Funktionäre übergreift; siehe dazu auch den gestrigen Essay »Mehr Diktatur wagen«.)

In Deutschland und anderen Ländern Europas ist der Erwerb eigener Immobilien für neue Generationen faktisch unmöglich, zumindest aus eigener Kraft. Regierungen haben die Familien des eigenen Volkes weitgehend abgeschrieben und fokussieren Wohnungsbau et cetera auf Einwanderer. Das heißt: Aktien, Fonds etc. sind de facto die einzige Möglichkeit, eigenes Vermögen aufzubauen und damit so etwas wie »Mittelschicht« zu sein. Und auch dies soll unmöglich gemacht werden.

Hoffnung durch Handeln

Das alles stellt der Pessimist fest. Und weil der Pessimist zu oft auch der Realist ist, wird er recht behalten – in der Sache.

Dieser Moment der Erkenntnis wäre aber auch der Punkt, an dem der Pessimist zum Optimisten werden sollte. Der Optimist im Pessimisten im Essayisten.

Pessimismus ist nicht sinnlos! Der Sinn und Zweck von Pessimismus sind realistische Prämissen für die nächsten Schritte.

Doch wenn der Mensch, dank Pessimismus, ein realistisches Bild seiner Lage hat, sollte er im nächsten Schritt den Optimismus und die Hoffnung aufbringen, dass ein lebenswerter Weg nach vorn existiert.

Es geht ja nicht nur um Holland und Papiergewinne. Eine Regierung nach der anderen halten ihrer Wirtschaft und Gesellschaft die Pistole an die Schläfe. Einige haben schon abgedrückt, andere spannen noch den Hahn.

Selbst wenn die Niederlande das Ende der eigenen Mittelschicht vorderhand doch noch absagen sollten, wir wissen, dass die »Du wirst nichts besitzen«-Ideologie es wieder und wieder versuchen wird.

Was wirst du tun?

Welche Konsequenzen wirst du ziehen?

Was sind deine nächsten Schritte?

Wenn du glaubst, dass deine pessimistische Analyse richtig ist, dann habe auch den Mut zum realistischen Optimismus – zur Hoffnung durch Handeln.

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Der Essay Du wirst nichts besitzen (die meinten es ernst) von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/du-wirst-nichts-besitzen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!