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Verschiedene Staatsformen, große politische Thesen – doch am Ende zählen nur zwei Fragen: Wird das Volk überleben? Und sind die Menschen samt ihrer Familien glücklich? Alles übrige wie Parteien und Staatsformen sind zweitrangige Etiketten.

Ich weiß nicht, ob ich dieser Tage weise werde oder dumm. Ich hoffe auf das eine, ich befürchte das andere. Womöglich wird es beides sein, jedes auf seine Art.

»Das Problem sind die Midwits«, so schrieb ich mal. Es bedeutet, dass die besonders Klugen und die eher weniger Feinsinnigen häufig zu denselben, oft richtigen Schlüssen gelangen. Es ist die leicht zu manipulierende Mehrheit in der Mitte, die von der Propaganda am Ring in der gerümpften Nase durch die Manege ihrer Zeit geführt wird.

Die Leute in der Mitte sind es, die Gebildeten und Feinsinnigen, die Theoretiker und Träger funktionaler Kleidung. Die zwischen Staatsformen abwägen. Die die wahren Absichten dieser oder jener Kandidaten zu verstehen meinen.

Ich wische all die Debatten weg. Lässt mich das nun dumm oder weise dastehen? Es ist Illusion, Ablenkung, Beschäftigungstherapie. Wer Politik diskutiert, ja auch wer zwischendurch demonstriert oder gar laut schimpft, der begehrt nicht auf. Das ist die deutsche Rebellion: Erst flucht der Deutsche, dann fügt er sich, dann flucht er auf die, die sich nicht fügen wollen.

Die Jahre haben mir den Mut gegeben, dem »Populismus angeblicher Komplexität« zu widerstehen. Ich sehe die Trennlinien und Gräben, wo sie sich wirklich auftun, nicht wo sie laut Autoritäten verlaufen.

Ich unterscheide kaum noch zwischen Demokratie und Gottesstaat, Kommunismus, Sozialismus, Faschismus oder dieser neuen Staatsform in Großbritannien, dem islamisch-monarchischen Totalitarismus mit der Banken-Stadt City of London als Staat im Staate. Ich mache mir nicht einmal die Mühe, Kurz-vorm-Untergang-Staatsformen wie Unsere Demokratie engagiert zu sezieren.

Nicht, weil es keine Unterschiede zwischen diesen Formen und Zuständen gäbe; es gibt sie durchaus. Ich verzichte auf die Unterscheidung auch nicht deshalb, weil ich weiß, dass praktisch nichts von dem, was uns vorgespielt wird, wirklich wahr ist. (Was passierte vor Covid wirklich? Was geschieht in der Ukraine wirklich? Wer betreibt und lenkt die EU-Kommission wirklich?)

Ich unterscheide nicht, weil mir eine theoretisch höher angeordnete Unterscheidung begrifflich genügt: Ich unterscheide zwischen der gerechten Ordnung und der ungerechten Ordnung – und es ist weitgehend bedeutungslos, welchen Schneider der Ordnende hat.

Selbstbewahrung ist Pflicht

In Europa erleben wir etwa, wie Regierungen aktiv und wissentlich die Länder zerstören, in denen sie leben. Politiker, Propagandisten und sogar Kirchenfunktionäre, die aktiv den Untergang des eigenen Landes forcieren, die die Erosion des Sozialsystems und die Verhinderung von Familien für ihre eigentlichen Absichten in Kauf nehmen.

Die erste Aufgabe jedes Systems muss seine Selbstbewahrung sein. Ein System, das nicht seine Selbstbewahrung als erste Priorität ansieht (und diese auch klug und wirksam umsetzt), wie edel und gut es sich auch sonst selbst bewerten mag, wird eben ersetzt werden durch ein anderes, das Selbstbewahrung selbstverständlich priorisiert, wie grob und ungeschlacht dieses ersetzende System auch sonst sein mag.

Ich nenne es ungerecht, wenn ein Staat die Arbeit und Hoffnung seiner Bürger verschleudert, weil die Politiker die Selbstbewahrung des Staates zugunsten externer oder privater Interessen hintanstellen – oder gar aktiv die Vernichtung oder Auflösung des Staates und Volkes anstreben.

Doch Überleben nicht genug

Selbstbewahrung ist also sine qua non, doch auch Bakterien, Schlangen, Konzerne oder sogar Software-Systeme können Selbstbewahrung anstreben. Eine Gesellschaft, die keine Selbstbewahrung priorisiert, wird stets unmenschlich werden, doch will sie menschlich sein, muss sie mehr leisten, als »nur« zu überleben.

Eine menschliche Gesellschaft sollte meines Erachtens eine weitere grundlegende Dimension umsetzen, um gerecht genannt werden zu können. Und diese Dimension muss eben speziell menschlich sein.

Der Mensch ist mit der Fähigkeit zur Glücks- und Sinnfindung ausgestattet, das unterscheidet ihn von jeder anderen Lebensform. Eine Gesellschaft wird nie gerecht zu nennen sein, wenn sie nicht den Rahmen schafft, in dem der Mensch glücklich werden kann.

Ich rede nicht von dem utopischen Glücksversprechen der Sozialisten, das der menschlichen Natur widerspricht. Ich rede nicht vom schalen Glücksversprechen der Konsumkultur.

Ich rede von dem Glück, das sich seit Jahrtausenden bewährt hat. Das ist auch, aber nicht nur religiös.

Das Glück, »seine Kreise geordnet« zu wissen (siehe Relevante Strukturen).

Das Glück, durch das Studium alter Weisheit das »große Ganze« und die eigene Rolle darin ein wenig besser zu verstehen.

Und dann, ja, als persönliches Alpha und Omega: Das Glück, die Einordnung in die ganz große Ordnung zu leben – im Alltag wie auch am Sonntag.

Zuerst, zuletzt: Gerechtigkeit

Der Prophet beschreibt Gerechtigkeit recht präzise, und es ist nicht zuerst diese oder jene Staatsform:

Er hat dir kundgetan, o Mensch, was gut ist; und was fordert der HERR
anderes von dir, als Gerechtigkeit zu üben und dich der Liebe zu
befleißigen und demütig zu wandeln mit deinem Gott?
Micha 6:8

Vielleicht ist es simpel, vielleicht ist es weise, auf jeden Fall scheint es mir richtig und wahr zu sein und dazu ausreichend präzise: Die eine wirklich wichtige Unterscheidung von Staatsformen und Systeme ist die in gerecht und ungerecht.

Womit aber beginnt ein gerechter Staat? Wie ist ein Staat aufzustellen, so dass das Volk froh wird?

Auch das ist uns gesagt:

Wenn die Gerechten die Oberhand haben, so freut sich das Volk;
wenn aber ein Gottloser herrscht, so seufzt das Volk.
Sprüche 29:2

Lasst uns darum streiten – betend, politisch und in persönlichen Entscheidungen –, wieder von Gerechten regiert zu werden.

Denn auch das erklärt das Wort genau genug: Wir werden von Gottlosen regiert, und darum seufzt das Volk.

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Der Essay Und darum seufzt das Volk von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/und-darum-seufzt-das-volk/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!