7.7.2020

»Die Weißen« und Bildung als Bringschuld

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Christine Donaldson
Vize-Präsident von Zimbabwe sagt, »die Weißen« seien schuld an Problemen des Landes, weil sie die dortige Regierung nicht lehrten, wie man Wirtschaft steuert. – Ist die Bildung der Welt eine Bringschuld »der Weißen«? (Will man überhaupt auf sie hören?)
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Kembo Dugish Campbell Mohadi ist ein sympathisch-jugendlicher 70-jähriger Herr. Mohadi fungiert derzeit als einer von zwei Vize-Präsidenten Zimbabwes, und er hat – endlich! – den Grund dafür gefunden, so sagt er, warum das Land im »Human Development Index« auf Platz 150 (von 189) steht (siehe hdr.undp.org/en/countries/profiles/ZWE) und auch sonst nicht gut da.

Der Grund ist, in seinen Worten (zunächst Englisch, mein Transkript nach Gehör):

We are talking about them uprises. We are talking about the financial situation, inflation, and all the like. Is it the government that is causing that? Well? How are they causing it? I’m saying this, because, one: We got our political independence, but the White man never gave us the knowledge of how to run the economy. (Kembo Mohadi, ca. Anfang Juli 2020, vielfach dokumentiert, etwa via YouTube oder Twitter)

Übertragung:

Wir sprechen über diese Aufstände. Wir sprechen über die finanzielle Situation, die Inflation und dergleichen. Ist es die Regierung, die das verursacht? Nun? Wie verursachen die das? Ich sage das, denn, [Punkt] Eins: Wir erhielten unsere politische Unabhängigkeit, doch der Weiße lehrte uns nie, wie man die Wirtschaft betreibt.

Natürlich erinnert ein solcher Vorwurf an die Äußerungen der einen oder anderen Gruppe in Deutschland, welche sich mit der Integration etwas schwer tut – und wir reden dabei vielleicht nicht von Spaniern, Schweden, Japanern oder Jerseyianern – doch alle Schuld für ihre Integrationsproblemchen bei den immerzu zahlenden Gastgebern sucht. Natürlich erinnert es an den Schüler, der im Unterricht auf dem Smartphone rummacht und auch sonst nicht aufpasst – und dann die Schuld dem Lehrer gibt, wenn er in Prüfungen und Leben versagt. Natürlich erinnert es an die Aussage einer Dame, die Gender-Gedöns, Rumjammern und Soziologie studiert – und dann dem »Patriarchat« die Schuld dafür anlastet, dass sie sich als Journalistin oder NGO-Personal verkaufen muss. – Natürlich könnte man dezent erwähnen, dass Zimbabwe »die Weißen« erst enteignete und dann sehr, sehr, sehr nachdrücklich aus dem Land warf – nur um sie später zu bitten, zurück zu kommen und ihre verwahrlosten Farmen wieder aufzubauen (bloomberg.com, 13.3.2020, meine Übertragung: »Zimbabwe gibt Land zurück an weiße Farmer, nachdem die Wirtschaft ruiniert wurde«).

Und: Natürlich schlug dem 70-Jährigen viel Hohn entgegen. Man wies den Herrn in den sozialen Medien sarkastisch darauf hin, dass schon bei Erlangung der Unabhängigkeit vor 40 Jahren ein Lehrbuch zur Wirtschaft durchaus im Rahmen des Bezahlbaren lag. Und man wies ihn, dies durchaus ernsthaft, darauf hin, dass Präsident Mugabe sehr wohl im Westen ausgebildet worden war (ich notierte dies übrigens im Essay »Gegen Links, für die Menschlichkeit«).

Jedoch, erlauben Sie mir eine geradezu revolutionäre Idee: Was wäre, wenn man den Anwurf des Vize-Präsidenten Mohadi tatsächlich ernst nähme – so ernst wie möglich?

X ist offensichtlich, Y eher nicht

Mohadis Versuch, die Verantwortung fürs eigene Versagen bei »den Weißen« abzuladen, transportiert unbeabsichtigt ein durchaus interessantes Geständnis.

Der logische Aufbau seines Statements ist in etwa: »X ist der Fall, und Y ist Schuld daran.«

»X« steht für: »Uns fehlen die Fähigkeiten, Wirtschaft zu steuern.«

»Y« steht für: »Die Weißen sind schuld daran, denn sie gaben uns jene Bildung nicht.«

Der Teil »Y« lässt sich leicht widerlegen und/oder übergehen. »Die Weißen«, speziell »alte weiße Männer«, bieten ja durchaus gern ihre Kenntnisse und Erkenntnisse an, inzwischen sogar gratis übers Internet, seit langer Zeit schon in Form von Austauschprogrammen, Entwicklungshilfe und Beratungsprogrammen. Einige davon sind dem Melanin nach überhaupt nicht weiß, man denke etwa an den großartigen Salman Khan (siehe Wikipedia) von der Khan Academy (khanacademy.org)! – Sein Wissen zu teilen ist zweifellos Teil westlicher Ethik. Es ist allerdings schwer, sein Wissen weiterzugeben, wenn ganze Gruppen sich dem Lernen verweigern, wenn sie es sogar als moralisch verwerflich ablehnen (»mansplaining«, »whitesplaining«), die Erklärung von Dingen auch nur anzubieten.

Der erste logische Teil allerdings, dass offensichtlich etwas an Bildung, Fähigkeiten oder »praktischer Weisheit« fehlen muss, wenn rohstoffreiche Länder in Armut leben, das sollte für die meisten Menschen außer ein paar verblendeten Gutmenschen unbestritten sein.

Fakten und Kausalitäten

Ja, ich würde durchaus zustimmen, dass in einigen Gebieten dieses Globus es durchaus an Grundkenntnissen, Fähigkeiten und Erkenntnissen fehlt, die für Lebenserfolg im modernen Sinne unabdingbare Voraussetzung sind. Ich würde allerdings nicht mit der impliziten Behauptung einher d’accord gehen, dass der Mangel erst bei höherer Volkswirtschaft einsetzt.

Westliche Bildung beginnt – und das ist eine wenig kontroverse Aussage – mit den alten Griechen. Durch geschickte Dialoge versucht Platons Sokrates seinen Gesprächspartnern kluge Gedanken zu entlocken, wahre Erkenntnisse über die Welt und ihre Prinzipien. Die Aussagenlogik des Aristoteles ebenso wie die Mathematik des Pythagoras lehrten uns, unsere Gedanken an die Mechanismen der Welt anzupassen.

Westliche Bildung ist dann und dadurch stark, wenn und dass sie in unablässiger Selbstforschung und Selbsthinterfragung darum ringt, ihr Denken an die Fakten und Kausalitäten eben dieser Welt anpasst.

Ich versuche als Vater, meinen Kindern einzuprägen: »Nichts ist nur deshalb wahr, weil du es so denkst!« – Eines der unter Ihnen, meinen Lesern, beliebtesten T-Shirts erklärt mutig: »Am Ende gewinnt immer die Realität!« – Aller Erfolg beginnt damit, sein Denken an die Realität anzupassen (und er wird dadurch bewahrt, das Denken wie auch das Handeln immerzu mit den Fakten und Kausalitäten abzugleichen).

Dies oder das

Wenn man einmal akzeptiert hat, dass es von Vorteil ist, sein Denken an die Fakten und Kausalitäten der Welt anzupassen, ist es für erkennbaren Erfolg notwendig, einen weiteren Schritt zu gehen.

Taten haben Folgen. Nicht immer können wir etwa die sozialen Folgen unserer Taten übersehen, doch alte Weisheit und Erfahrung lehren uns, was wahrscheinlich passieren wird, wenn wir dies oder das tun.

Es gibt vieles, sehr vieles, was es braucht, um den wirtschaftlichen, kulturellen und humanistischen Erfolg des Westens zu »erlernen«. Ich bin mir sicher darin, dass westliche Bildung mit einer Bildung des Geistes beginnt, und dass die Bildung des Geisten damit beginnt, sein Denken regelmäßig an die Fakten und Kausalitäten der Realität anzupassen.

»Der Weiße lehrte uns nie, wie man die Wirtschaft betreibt«, so klagt Zimbabwes Vize-Präsident Mohadi.

Wir sollten den Versuch des »Race Baiting« ignorieren, also diesen für Linke, Globalisten und andere Undemokraten typischen Versuch, von ihrem eigenen Versagen abzulenken, indem sie Konflikte schüren, aktuell etwa wieder Konflikte zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe. (Nebenbei: Derzeit erleben wir gerade im Westen, dass Propagandisten, Konzern- und Staatsfunker aktiv und aggressiv den Menschen das realistische Denken wieder aberziehen, sie dafür »gefühlte Wahrheit« und dauernde Empörung lehren.)

»Der Weiße lehrte uns nie, wie man die Wirtschaft betreibt«, so klagt Mohadi, und man möchte bald antworten: Ich versichere Ihnen, dass ›der Weiße‹ derzeit selbst in bedrohlichem Tempo manche Grundfähigkeit verlernt, beginnend mit der Kunst des realitätsadäquaten Denkens.

Entgegen all der Lügen all dieser Globalisten, linken Propagandisten und anderen Undemokraten sind wir nicht wirklich nach Hautfarben getrennt, wir unterscheiden uns aber sehr wohl in unseren Denkweisen, die sich, ja, in Kulturen manifestieren (und, wiederum: ja, manche Kulturen sind »besser« als andere).

Uns steht eine gemeinsame Anstrengung bevor. Welche Völker, Nationen und Kulturen werden in zehn, fünfzig oder gar hundert Jahren als Gewinner und Weltmächte dastehen? Nun, es gilt auch weiterhin: Am Ende gewinnt die Realität – und es werden jene Nationen und Kultur gewinnen, deren Denken und Handeln am genausten an die Realität angepasst ist, und, ganz wichtig: deren Handlung realistisch aufs Überleben zielt.

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