12.05.2021

… das schreibe deinem Gegner zu!

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Matthew Smith
Man dichtet frei, was Maaßen angeblich »wirklich« meinte – und attackiert ihn dann dafür. Linke haben null Argumente, nur noch Lügen, also projizieren sie ihr eigenes Inneres auf den Gegner – und greifen das dann extra furios an.
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Eine junge reiche Dame, deren Familienvermögen, zynisch zugespitzt, auf Lungenkrebs, Zwangsarbeit und guten Beziehungen zum Hitlerregime fußt (wenn ich etwa spiegel.de, 23.8.2011 richtig verstehe), wird vom Staatsfunk und von politiknahen Medien zur ungewählten »Aktivistin« für alles Mögliche aufgebaut. 

Es gibt Familien, die trifft man eben immer wieder überraschend weit oben an. Glaubt wirklich irgendwer, dieser Dame würde zugehört werden, wenn sie nicht mit diesem familiären Hintergrund aufwarten könnte? Gibt es nicht viele Tausend junger Menschen in Deutschland, die ein jeder mehr Qualifiziertes zu sagen hätten und es zudem auch weniger pubertär formulieren könnten?

Diese spezielle Dame durfte aktuell also gegen Merkel-Entlarver Maaßen hetzen, und sie platzierte vermutlich sehr bewusst (wer auch immer es war, der sie auf die Sendung vorbereitete…), den in deutscher Debatte schärfstmöglichen Vorwurf gegen Maaßen, nämlich den der Antisemitismus-Nähe (siehe auch welt.de, 10.5.2021) – natürlich ohne Belege, denn linke Wahrheit ist eine »gefühlte«.

Das Wahljahr 2021 ist bereits im Mai angekommen, und beim Staatsfunk laufen die Wahlkampf-Motoren so heiß, dass stellenweise hörbar die Ventile pfeifen (vergleiche auch bild.de, 11.5.2021: »ARD & ZDF – Falsche Fakten und peinliche Tweets«).

Nun trägt niemand Schuld an seinen Vorfahren, doch wenn die Familie von Zwangsarbeit und Hitlerregime profitierte, und man sich vom selbem Vermögen heute ein Luxus-Jetset-Leben gönnt, dann hat es natürlich einen Beigeschmack bitter wie ein kalter Aschenbecher, wenn so einer den Antisemitismus-Vorwurf als linke Polit-Allzweckwaffe einsetzt. (Notiz am Rande: Ich bin sicher, dass Berliner Journalisten sich dem Namen »Reemtsma« nicht deshalb extra verbunden fühlen, weil in diesem Namen etwa Stipendien oder irgendwelche wohldotierten Journalismuspreise verteilt werden, wie etwa 2017 an einen gewissen Herrn Relotius; siehe presseportal.de, 22.3.2017. Das sind alles Profis, diese Qualitätsjournalisten, die sich nichts und niemandem als der Wahrheit und der demokratischen Relevanz verpflichtet fühlen.)

Was-du-selbst-tust

Nun versuchen die Handlanger global agierender Konzerne, sprich: die Linken, nachträglich zu belegen, dass der Herr Maaßen tatsächlich irgendwie nah am Antisemitismus gebaut sei – und man bedient sich der bei nationalen wie internationalen Sozialisten üblichen Techniken wie der Kontaktschuld, aber auch des Gedankenlesens und der Zuschreibung übler Absicht. (Übrigens: Dieses Zuschreiben böser Absicht ist eine derart gängige Angriffstaktik linker Politrhetorik, dass ich ihr in Talking Points ein ganzes Kapitel widmete.)

Der Antisemitismus-Vorwurf gegen Maaßen scheint zunächst ein klassischer Fall der linken »Wirf-dem-anderen-vor-was-du-selbst-tust«-Taktik zu sein – zeitgleich zu diesen Vorwürfen verbreiten sowohl »Fridays for Future« als auch »Greta Thunberg« die Inhalte von offenen Israelhassern (vergleiche bild.de, 11.5.2021) – während die Hamas sich vom Abtritt Trumps ermutigt fühlt und Raketen auf Israel regnen lässt.

Die goldene Regel linker Rhetorik: Was peinlich ist, dass du es tust, das schreib‘ einfach deinem Gegner zu! (Wir kommen nicht umhin, hier an F. W. Bernsteins Bonmot mit den schärfsten Kritikern der Elche zu denken, die früher selber welche waren – oder in diesem Fall weiterhin geradezu glühende Elche sind.)

Neubauers bösartiger, pseudo-kindischer Vorwurf ist in der Sache vollständig daneben, und etwa die jüdischen Gemeinden in NRW distanzieren sich offen davon (welt.de, 11.5.2021).

Nein, inhaltlich ist an dem Vorwurf nicht viel dran – umso spannender ist, wie Linke es dennoch zu belegen versuchen.

In der taz.de, 11.5.2021 versucht man, irgendwie den »Antisemitismus-Vorwurf« gegen Maaßen herbeizuschreiben, frei nach dem Motto »Irgendwas bleibt immer hängen, wenn man die Lüge nur oft genug wiederholt«. Es ist viel Geraune und null Substanz, linke Hassprosa eben, doch das Geraune selbst ist verräterisch.

Der Schlüsselsatz der linken Großanklage lautet:

Er verbreitet Begriffe, die antisemitisch codiert sind und Rechtsextremen als Chiffre für offenen Judenhass gelten. (taz.de, 11.5.2021)

Die eine »Chiffre«, die nun als Angelpunkt der allerschwersten Anklage gegen Maaßen dienen soll, ist die Verwendung des Wortes »Globalist«. Wer »Globalist« sagt, der soll, so Linke, damit chiffriert »Juden« meinen.

Das Wort »Globalist« findet sich – es ist ja kaum anders zu erwarten – etwa auch in vielen TAZ-Texten. Pierre Cardin sei ein »Globalist« gewesen (taz.de, 30.12.2020), und der Jürgen Klinsmann auch (taz.de, 22.6.2018), und überhaupt teile sich die Gesellschaft in »Globalisten und Vokalisten« (taz.de, 17.10.2018).

»Globalist« zu sagen ist nur dann ein Problem, wenn ein Nichtlinker es tut, denn dann bedeutet es etwas anderes. – Klingt irre? Ist es auch.

Wenn der Gegner ›X‹ sagt…

Das Chiffre-Argument der Linken funktioniert strukturell aber so: »Wenn Du ›X‹ sagst, meinst du in Wirklichkeit ›Y‹, und ›Y‹ zu sagen ist böse (außer wenn wir, die ›Guten‹, es tun).«

Die deutsche öffentliche Debatte gleicht streckenweise der Debatte in einem Irrenhaus, einem absurden Theaterstück oder eines pathologisch zerstrittenen Ehepaars: Eine Seite projiziert auf ihren Gegner, was dieser angeblich »wirklich« gemeint haben soll – und greift diesen dafür übelst an.

Es erinnert an den Witz vom Mann, der am Morgen aufwacht und seine Frau ist stinksauer auf ihn. Er fragt, was los sei, und sie brüllt ihn an: »Ich habe geträumt, dass du fremdgegangen bist. Wie konntest du mir das antun?!« (Und es erinnert natürlich auch an jenes »Interview« mit Jordan Peterson, das ich im Essay vom 1.7.2018 erwähnte; worin die Interviewerin ihm immer wieder unterstellt Dinge gemeint zu haben (»so you’re saying«), die er so nicht sagte und auch nicht meinte, die aber in ihr primitiv-linkes Phantasie-Bild ihres politischen Gegners passen; Zusammenschnitt auf YouTube.)

Die Anklage von Neubauer, TAZ & Co. ist natürlich Bullshit (ganz im philosophischen Sinne des Traktats »On Bullshit« von Harry G. Frankfurt). Dass die Anklage durch nichts belegt werden kann, kann aus linker Sicht aber auch ihre »Stärke« sein – denn so kann sie auch nur schwer widerlegt werden.

Wie tatsächlicher Bullendreck hat auch diese Anklage die »nützliche« Eigenschaft, dass es weit einfacher ist, den Dreck an die Wand zu werfen, als ihn wieder abzukratzen – und während Merkels Gegner mit Bullshit-Abkratzen beschäftigt ist, kann sie derweil unbehelligt weiter die EU für China »öffnen« und zugleich Deutschland übernahmereif kaputtschießen.

Welle und Ablenkung

All diese Themen wie der neueste Dreck im Staatsfunk, sie sind Ablenkung – und mit »Ablenkung« meine ich nicht einmal, dass jemand sie zur Ablenkung einsetzt oder »nur« nutzt (und verneine es zugleich definitiv nicht). Es ist Ablenkung, weil es uns ablenkt. Irgendwelche reichen Töchter und was sie Dummes im Staatsfunk sagen, das ist mehr Symptom als Ursache, und diese Symptome werden immer ärger, weil wir nichts gegen die immer stärkere Ursache tun.

Der Schaum auf der Welle ist nicht die Welle. Und was unser Auge als Welle erkennt, ist auch nur das sich hebende und senkende Meer. Die eigentliche Welle sind die Kräfte, welche im Meer wirken, und sich erst dann in der sichtbaren Wasserwölbung und ihrem Schaum offenbaren.

Einer meiner frühen Texte, den Leser richtigerweise als eine Art »Absichtserklärung« deuteten, und auf den ich immer wieder zurückverweise, trägt den Titel »Die Freiheit nehm‘ ich mir« (8.7.2016) und es geht um den Krieg um Wichtigkeit (ja, die Wichtigkeit ist hier fast schon synonym mit der Relevanz der Relevanten Strukturen).

Es fällt schwer, ich weiß

Wir sind Gegenstand eines Krieges um die Frage, was uns wichtig zu sein hat. Das Ziel aller Propaganda und alles Marketing ist die Steuerung dessen, was uns wichtig ist. Bullshit aber hat, unter anderem, die »nützliche« Funktion, unsere Aufmerksamkeit so gründlich zu binden und uns so nachhaltig zu beschäftigen, dass uns schlicht keine Zeit und vor allem keine Energie mehr bleiben, um uns Gedanken zu machen, wovon wir wollen, dass es uns wichtig ist.

Im Essay »Wie Gaffer beim Logikunfall« (3.10.2018) beschrieb ich die Rolle jener Krach-Kolumnisten bei Spiegel und Co., deren »kontroverse« Thesen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen – um den Preis, mit jedem »provokativen« Satz die Gesamtdebatte dümmer zu machen. Wie bei einem Verkehrsunfall ist es wirklich schwer, nicht hinzuschauen – und schon ist unsere Aufmerksamkeit gebunden.

Es fällt so schwer, nicht hinzuschauen, wenn im Staatsfunk wieder Dreck gespritzt wird. Ich spüre ja selbst, wie es mich reizt, dagegen zu argumentieren – ich habe es ja selbst in diesem Essay getan.

Ich will versuchen, mich darauf zu beschränken, zu notieren, dass und warum der Mist stinkt – und mich dann weiter und wieder um die Dinge zu kümmern, die wirklich wichtig sind – wichtig für mich, und wichtig für das, was wirklich unsere Zukunft bestimmen wird.

Wände ihrer Höhlen

Viele dieser ach-so-dramatischen Angelegenheiten werden schneller passé sein, als mancher es sich heute vorstellen kann. Es wird vergehen und sich in Rauch auflösen wie eine billige Zigarette, und es wird wenig mehr davon bleiben als vielleicht etwas Gestank in den Gardinen.

Deren »Argumente« bestehen daraus, zu erfinden, was wir angeblich alles »meinen«. Die tun so, als würden sie in unserem Kopf spazieren gehen können – doch in Wahrheit sind es die ganze Zeit deren eigene Dämonen, die sie auf die Wände ihrer Höhlen projizieren und sich selbst damit dann wieder Angst einjagen (was zu neuen inneren Dämonen führt, die wieder projiziert werden – es ist eine Spirale hinab in den linken Wahnsinn).

Wir sollten denen nicht erlauben, tatsächlich in unsere Köpfe einzudringen. Jede Sekunde kommt nur einmal, und in dieser Sekunde gibt es wichtigere Angelegenheiten, viel wichtigere.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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