Immer öfter erlebt man in Europa, dass »junge Männer« bei Fahrscheinkontrollen nichts vorzeigen müssen. Selbst simple Gesetze scheinen dann nur noch für Einheimische zu gelten. Zeichnet mal im Kopf zu Ende, wie diese Entwicklung weitergeht.

Der Unterschied zwischen Wahnsinn und Meisterschaft liegt in der ehrlichen Antwort auf die Frage, ob man gerechtfertigt davon ausgehen kann, mit Wiederholung derselben Handlung neue und bessere Ergebnisse zu erzielen.

Mit Meisterschaft verbinden wir üblicherweise einen Beruf. Zum Beispiel den des Sushi-Kochs.

Der Sushi-Koch bereitet Tag für Tag den vermeintlich gleichen Reis zu. Von einem Tag auf den anderen erwartet er immer wieder den gleichen Reis. Sein gesamtes Leben ist aber darauf ausgerichtet, dass die tieferen Schichten seines Geistes unsichtbare Zusammenhänge von Handlung und Folgen registrieren. Meisterschaft braucht die an Wahnsinn grenzende Wiederholung – die berühmten 10.000 Stunden. Auch um all das zu lernen, was in Worten allein nicht gelehrt werden kann.

Doch nicht nur Beruf, Kunst und Sport werden durch Meisterschaft erst ihre Zeit wert. Auch das Leben selbst verdient es, dass wir eine gewisse Meisterschaft in seiner Führung anstreben.

Zum Beispiel sollten wir wichtige Weisheit wiederholen, um sie durchdacht und parat zu haben, wenn es plötzlich notwendig wird.

Heute also, liebe Freunde der Lebensmeisterschaft, zur Wiederholung und aufgrund der aktuellen Entwicklungen, eine wichtige Lebensregel. (Wir lernten sie schon in den Essays »Die große Schere« und »Dein deutsches Ostern«. Und 2023 machte ich sie zum Titel des Essays: »Erst langsam und dann plötzlich«.)

Der erste Absatz des Essays lautete:

Wie gehen Firmen pleite? Wie gehen Beziehungen kaputt? Wie tötet Krebs den Menschen, und wie sterben Demokratien? Die Antwort ist stets: Erst langsam und dann plötzlich.

Essay vom 18.11.2023

Ich werde in diesen Tagen und Wochen den Eindruck nicht los, dass sich westliche Gesellschaften heute im Übergang zum Plötzlich befinden.

Noch lassen sich die Ereignisse als sehr viele Einzelfälle wegreden. Doch man könnte die Ereignisse auch als erste Regentropfen eines bevorstehenden Wolkenbruchs lesen. Erst langsam – und dann plötzlich.

Ich will euch gern sagen, was mich heute bewegte, jene Lebensregel zu wiederholen, wonach gewisse Entwicklungen erst langsam passieren – und dann schnell.

Man hört aus Europa immer öfter, dass Fahrscheinkontrolleure nur noch die einheimische Bevölkerung kontrollieren. Etwa aus Italien. Oder aus Deutschland.

Hart arbeitendes »generell«

Spätestens als Correctiv diese Berichte per »Faktencheck« für Süd-Thüringen widerlegen wollte, war ich mir sicher, dass es stimmt.

Der Trick, den die »Faktenchecker« hier zu versuchen scheinen, ließe sich als »Strohmann durch Über-Spezifizierung« lesen.

»Süd-Thüringen-Bahn stellt Ticketkontrolle bei Migranten nicht generell frei«, schreibt correctiv.org, und das Wort »generell« leistet Schwerstarbeit.

Die »Faktenchecker« erklären, das Bahnpersonal sei lediglich angewiesen, in »schwierigen Situationen« selbst zu entscheiden, und zur Deeskalation auf Ticketkontrollen zu verzichten.

Das gelte natürlich für alle Fahrgäste. Yep, ich bin mir ganz sicher, dass, wenn Hans Müller sich aggressiv stellt, man nicht die Polizei rufen, sondern einfach weitergehen wird. Aber nein, Bürger migrantischen Ursprungs sind nicht »generell« von Fahrscheinkontrolle ausgeschlossen. (Nur generell, wenn sie aggressiv werden könnten.)

Zur Illustration des rhetorischen Tricks einfach ein Vergleich: Wenn ich sagen würde, dass Deutsche gern Bier trinken, könnte Correctiv widersprechen, dass Deutsche nicht »generell« gern Bier trinken.

Correctiv stellt sich blöd, als ob man plötzlich nicht wüsste, wie Sprache und Verstand funktionieren.

Es erinnert auch hier wieder an die Internet-Regel: Mit Linken lässt sich nicht argumentieren, weil 99% ihrer »Argumente« daraus bestehen, sich absichtlich dumm zu stellen.

Erst Einzelfälle, dann System

Viele Bürger haben ja schon länger das Gefühl, dass vor europäischen Gerichten die einheimische Bevölkerung weit strenger behandelt wird als »junge Männer«. Solche Entscheidungen der Gerichte könnte man sich ja noch schönreden. Etwa indem man sich selbst vorlügt, dass da bestimmt ethische Aspekte erwogen werden, die uns nicht bekannt sind.

Bei der Fahrscheinkontrolle aber ist es nicht mehr zu leugnen: Europäische Gesetze und Pflichten gelten nicht mehr für alle gleich. »Langsam«, Tropfen für Tropfen, finden wir uns in einem System wieder, das wenig mit Rechtsstaat zu tun hat – und mehr in einer Lethokratie: einer Quasi-Diktatur, deren Ideologie darauf hinausläuft, das eigene Land und sein Volk aufzugeben.

Ausreiseverbote, Zensur, Sanktionen in Deutschland. In Großbritannien tausendfacher Missbrauch von Mädchen durch Tätergruppen mehrheitlich pakistanischer Herkunft – und britische Behörden, die jahrelang wegsahen (gov.uk, 16.6.2025).

Diese Entscheidungen passieren nicht stellenweise und versehentlich. Es passiert überall – auch wenn sie überall versuchen, nicht nur die Journalisten, sondern sogar die Familien der Opfer zu zensieren.

Jahrzehnte als »Plötzlich«

Geschichte findet in etwas größeren Maßstäben statt als das Leben des Einzelnen. Jahre oder sogar Jahrzehnte können als »plötzlich« gelten. (Im ganz großen Maßstab kann sogar ein Jahrhundert als »plötzlich« gelten; fragt die Römer, die »plötzlich« keine Weltmacht mehr waren.)

Die Meisterschaft in der Zubereitung von Sushi kann dir bescheren, dass du Michelin-Sterne abgeben musst, weil diese voraussetzen, dass man bei dir einen Platz buchen kann. Was also, wenn dein meisterhaftes Sushi-Restaurant auf Jahre ausgebucht ist?

Die Meisterschaft in der Kunst des Lebens aber mündet in praktischer Weisheit. Und Weisheit bedeutet heute auch, in den Zeichen der Zeit zu lesen: Erst passiert es langsam – und dann schnell.

Der Essay Fahrscheine, langsam und schnell von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/fahrscheine-langsam-und-schnell/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!