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Dr. Wadephul sagte, an die AfD gerichtet: »Wir werden es nie zulassen, dass Sie Verantwortung für dieses Land übernehmen. Niemals!« – Ich lese »nie« als: unabhängig vom Wahlergebnis. Es wäre die Ankündigung eines Putsches, einer Aufhebung der Demokratie.

Ich hätte bis eben nicht sagen können, wer der deutsche Außenminister ist. In meinem Kopf bekleidete dieses Amt bis vor Kurzem jene Völkerrechtlerin, die Deutschland im Ausland so fulminant blamierte.

Ich höre, dass sie das immer noch tut, und zwar grandioser denn je. Doch jetzt vor allem in New York und in der UN. (Nachdem sie wohl in einer recht fiesen Aktion die kompetente und dafür designierte Diplomatin absägen ließ und damit bewies: »Frauen sind nicht die besseren Menschen«.)

Deutschland wird derzeit von Herrn Dr. Wadephul in der Welt blamiert – welcher gleichzeitig im eigenen Land die Idee einer Demokratie demontiert.

Im Bundestag sagte Herr Dr. Wadephul am Mittwoch dieser Woche:

Derartiges Gedankengut hat Deutschland schon mehrfach ins Verderben geführt, und wir werden es nie zulassen, dass Sie Verantwortung für dieses Land übernehmen. Niemals! (bundestag.de; Rede vom 17.9.2025)

Es ist ein paradigmatisches Beispiel der Selbstwidersprüchlichkeit und praktischen Verlogenheit, die sonst für die Rhetorik von »Gutmenschen« und den totalitären Geist »Unserer Demokratie« charakteristisch sind. Lasst mich analysierend erklären!

Hetzerischer Amtseid

Der erste Teilsatz lautet: »Derartiges Gedankengut hat Deutschland schon mehrfach ins Verderben geführt.«

Es klingt mir implizit wie ein Fall von »Wirf dem anderen vor, wessen du selbst schuldig bist.«

Inzwischen ist es international ein Thema, wie von Politikern der »Unsere-Demokratie«-Fraktion die Werte der Demokratie ausgehöhlt werden. Wenn Dr. Wadephul »wir« sagt, höre ich »die alten Kader«.

Dr. Wadephul hatte der Opposition zuvor vorgeworfen, »Chauvinismus und Nationalismus« als einzige Inhalte eingebracht zu haben.

Wir wissen, dass Unsere-Demokratie-Kader, wenn sie von »Hass und Hetze« sprechen, damit auf Kritik an der Regierung und die Forderung nach Einhaltung geltenden Rechts referieren.

Ähnlich klingt »Chauvinismus und Nationalismus« wie eine kodierte Diffamierung des Amtseids deutscher Minister und Kanzler. »Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden … werde« – laut Lesart der Unsere-Demokratie-Kader ist das recht einfach als »Chauvinismus und Nationalismus« zu deuten.

Beeindruckender Salto

Wenn es aber tatsächlich anti-demokratische Vorhaben sein sollten, ist der zweite Teilsatz ein durchaus beeindruckender Salto auf dem Trampolin politischer Rhetorik.

»Wir« – sprich: die alten Kader – »werden es nie zulassen, dass Sie Verantwortung für dieses Land übernehmen. Niemals!«

Man beachte die Worte »nie« und »Niemals«.

Eigentlich ist es die wichtigste und entscheidende Eigenschaft einer Demokratie, dass Machtwechsel geregelt und friedvoll möglich sind, wenn der Wähler es in freier Wahl so bestimmt.

Nun, in Deutschland wird die Demokratie schon länger von etablierten Mächten verbogen und demontiert.

Wenn Kandidaten der Opposition echte Aussicht auf Erfolg haben, werden sie schon mal von der Wahl ausgeschlossen. (Zum Fall des in antidemokratischer Manier von der Wahl ausgeschlossenen Dissidenten Joachim Paul siehe den Essay »Ludwigshafen lehrt, Demokratie loszulassen«.)

Präventiver Putsch

Und der Ludwigshafener Anschlag auf die Demokratie ist nicht der erste derartige Fall. Es ist weiterhin und sitzungstäglich eine Verhöhnung der Wähler, dass die umbenannte Partei der Mauermorde und Foltergefängnisse einen Posten als Vizepräsident des Bundestags erhält, die konservative Opposition aber nicht.

Wir erinnern uns mit Schrecken im Demokraten-Knochenmark daran, dass jene Ex-FDJ-Funktionärin vor wenigen Jahren in Thüringen ein Wahlergebnis für »unverzeihlich« erklärte. (Siehe dazu u. a. den Essay »Kann Merkel-Deutschland sich »Demokratie« nennen?«.)

Wenn also der Außenminister Herr Dr. Wadephul als Abgeordneter im Bundestag erklärt, man würde »niemals« zulassen, dass die AfD »Verantwortung für dieses Land« übernimmt, ist es rational, »niemals« als unabhängig vom Wahlergebnis zu deuten.

Der Ausschluss von Oppositionskandidaten von Wahlen ist eine Art »präventiver Putsch«. Und wenn ein Politiker der Partei, die auch den Kanzler stellt, offen ankündigt, man würde »niemals« zulassen, dass die Opposition in politische Verantwortung kommt, klingt es mir wie die offene Aufhebung der Demokratie in Deutschland.

Nur Vorwand und Trick?

An dieser Stelle meiner Gedanken aber stehe ich vor einem Dilemma, einer ethischen Unmöglichkeit. Zwei meiner Prinzipien widersprehen einander. Auf der einen Seite will ich keinen Essay damit enden lassen, dass alles schlimm ist und es keinen Ausweg gibt. Es ist die Aufgabe des Philosophen, so Wittgenstein, der Fliege den Weg aus dem Fliegenglas zu weisen. Auf der andere Seite will ich nicht lügen. Der Lügen haben wir heute wahrlich genug.

Was also tun? Ich muss rapide das Thema wechseln und im Subtext anklingen lassen, dass es die ganze Zeit der schlaue Plan war, dass alle Politik und Empörung nur Vorwand und Trick waren, Verführung zu Höherem, wieder einmal.

Freunde, weil ich es also nicht besser weiß, wechsle ich zum Schluss das Thema und sage euch, welches Lied ich seit derzeit höre. Es ist, seit gestern in Dauerschleife, der Song In the Garden von Bob Dylan (siehe YouTube).

»When they came for Him in the garden, did they know?«, so fragt Bob Dylan gleich in der ersten Zeile. Auf Deutsch, sehr frei übertragen: Als sie ihn im Garten holten, wussten sie da Bescheid?

(Ich grübele: Was wissen wir heute nicht, das zu wissen — und uns dessen bewusst zu sein – unser Leben auf mehreren Ebenen gleichzeitig um 180 Grad drehen würde? Ich stelle mir dann vor: Eine solche mehrdimensionale Kehrtwende, das wäre mal ein Erlebnis mit unvorsehbaren körperlichen Konsequenzen!)

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Der Essay Chronik eines angekündigten Putsches von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/wadephul-sagt-sachen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!