10.01.2023

Islamisten und fragwürdige Gläser

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: DW via Stable Diffusion
Islamisten hassen unsere Freiheit – sie kommen nicht mit dem Widerspruch zu ihrer eigenen Tradition klar. Grund genug, uns unserer Freiheit neu bewusst zu werden – oder dessen, was noch von unserer Freiheit übrig ist.
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Der Optimist sagt bekanntlich, das Glas sei halb voll. Der Pessimist sagt, es sei halb leer. Der Realist weiß, dass wahrscheinlich jemand schon draus getrunken hat, und also etwas seiner Spucke im Wasser gelöst ist. Den Durstigen aber schert all die Debatte nicht, also trinkt er das Wasser aus, samt Spucke und Bedenken.

Wenn in den Nachrichten wieder berichtet wird, dass die deutsche Polizei wieder einen Islamisten verhaftet hat, soll ich mich freuen, dass es rechtzeitig gelungen ist – oder soll ich mich ärgern, dass solche Leute überhaupt nach Deutschland kommen und von deutschen Steuern leben?

Tisch oder Islamist

Wir lasen etwa kürzlich, dass die Behörden einen jungen Iraner festnahmen, der im Verdacht stand, möglichst viele Ungläubige mit Cyanid und Rizin vergiften zu wollen. (Siehe dazu den Essay vom 8.1.2023; ich schrieb damals, dass Meldungen über Terror immerhin ein Zeichen dafür sind, dass die Covid-Panik wohl wirklich weitgehend vorbei ist.)

Er war ein »Islamist«, so lese ich.

Begriffe haben ja bekanntlich einen Prototyp (siehe Wikipedia). Wenn Sie etwa von einem »Tisch« hören, denken Sie wahrscheinlich nicht an irgendein geschwungenes Designer-Ding, sondern an eine Platte mit vier Beinen, denn das ist der Prototyp für den Begriff Tisch.

Ähnlich wäre ein prototypischer Islamist in unserer Vorstellung wohl einer, der von Kindheit an jeden Tag den Koran studiert, sich aller irdischen Freuden entsagt, natürlich einen langen Bart trägt, und der es dann mit seinem Missionswunsch etwas übertreibt.

Jedoch, ob die Attentäter von 9/11 oder die neuesten mutmaßlichen Terror-Lehrlinge aus NRW, immer wieder stellen wir fest, dass die tatsächliche Vita von Islamisten durchaus rauschende Feiern beinhaltete, auch schon mal mit reichlich Alkohol. Deren Glas begann öfter mal ganz voll und endete dutzende Male ganz leer, und irgendwann kamen sie in ihrem Kopf zum logischen Schluss, dass ein Glas gar nicht erst leer werden kann, wenn man den Wirt tötet und die Gaststätte in die Luft jagt.

Aus NRW lesen wir etwa über die »verstörenden Lebensläufe der verdächtigen Bomben-Brüder« (focus.de, 9.1.2023). Der jüngere der beiden galt angeblich als »Alkoholiker«. 2018 »hatte ein Busfahrer die Polizei gerufen, weil der iranische Fahrgast die Bierflasche kreisen ließ und nicht aussteigen wollte.«

Und das sollen Islamisten sein?

Keine Therapie

Eine meiner bewährtesten persönlichen Denkregeln lautet: Wenn etwas und sein Gegenteil beide Sinn zu ergeben scheinen, dann haben wir wahrscheinlich das Problem nicht verstanden.

Wenn unser gedanklicher Prototyp von »Islamist« und die uns sichtbare Realität eben dieser Gestalten in so krassem Widerspruch stehen, haben wir wahrscheinlich das zugrundeliegende Problem nicht verstanden.

Man könnte denken, dass die beste »Therapie« gegen Islamismus es ist, derart »gefährdete« junge Menschen den Vergnügen des Westens auszusetzen, damit sie vergleichen und dann hoffentlich die Freiheit wählen können – doch immer wieder geht das schief.

Man könnte den Menschen mit einer Tonfigur vergleichen wollen. Als Kind bist du noch weicher Ton, und du wirst von deiner Kultur, von Konzernen und vom Propagandastaat geformt (Stichwort Olaf Scholz (welt.de, 2002): »Lufthoheit über den Kinderbetten«).

Wenn der Ton aber einmal ausgehärtet ist, dann werden weitere Versuche, die Figur zu formen, diese zerbrechen.

Ziemlich kaputt

Es ist nicht widersprüchlich, was solche Islamisten antreibt, es ist auf traurige – und hochgefährliche – Weise konsequent.

Ich verstehe »Freiheit« als Zufriedenheit mit seinen Wahlmöglichkeiten. Wir meinen, solchen jungen Männern »unsere« Freiheit zu geben, doch das ergibt nicht zwingend Sinn!

Wenn wir einem Menschen »unsere« Freiheit geben, sagen wir: »Mit diesen Wahlmöglichkeiten sind wir zufrieden, und wir stellen sie dir zur Verfügung, und wir gehen davon aus, dass auch du mit diesen Möglichkeiten zufrieden bist!«

Jedoch, wenn diese jungen Männer »unsere« Wahlmöglichkeiten ausprobieren, stellen Sie fest, dass diese ihnen fremde Freiheit ihnen auf gewisser menschlicher Ebene große Freude bereitet – doch ihre »Tonfigur« zu zerbrechen droht!

Dem Islamisten klingt vermutlich das linke Motto in den Ohren »Macht kaputt, was euch kaputt macht«. Er könnte seine frühe Formung verändern wollen, doch wenn er sich selbst als ausgehärtet und nicht mehr veränderbar empfindet, »muss« er »logischerweise« die neuen Wahlmöglichkeiten vernichten, die ihn seine Aushärtung spüren lassen. Und erschreckend häufig beschließt der Ausgehärtete, der nicht mit der Freiheit klarkommt, als Selbstmordattentäter beides zu vernichten: sich selbst und die Menschen, welche die Freiheit leben, mit welcher er nicht klarkommt.

Keine Floskel

Letztes Jahr haben irgendwelche Linksintellektuellen das Wort »Freiheit« zur »Floskel des Jahres« erklärt, wie der Staatsfunk geradezu speicheltriefend zum Jahresanfang berichtete (tagesschau.de, 1.1.2023). (Es ist überhaupt bezeichnend, wie im deutschen Propagandastaat die politischen Meinungen stramm linker und selbsterklärter Kommissionen für dies oder das zur Nachricht auf Weltpolitik-Niveau erhoben werden – wenn und vermutlich auch weil diese Bewertungen ins Propaganda-Narrativ passen.)

Die Islamisten werden gewiss zustimmen, dass Freiheit eine »Floskel« sei. Wir erinnern uns noch an die Plakate demonstrierender Islamisten, unter denen »Freiheit, geh zur Hölle« noch die harmloseren Formulierungen waren (siehe etwa nbcnews.com, 7.2.2006).

Morgen besser

Ist »unser« Glas nun halb voll oder halb leer?

Nun, dass rätselhafte und wenig demokratische Mächte uns in das Wasser spucken, das werden nur Verschwörungsleugner ernsthaft bestreiten, und – mal ernsthaft! – die sind längst nicht mehr ernst zu nehmen.

Und doch, und doch: Vielleicht sollten wir tatsächlich wieder lernen, das Halbvolle an unserem Glas zu sehen.

Und ich meine nicht (allein) die Tatsache, dass diese mutmaßlichen Böslinge gefangen wurden. Ich meine die Tatsache, dass wir noch immer, trotz aller Versuche aus Brüssel und Berlin, so etwas wie »Freiheit« fühlen können.

»Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben«, so mahnt Goethe bekanntlich, »der täglich sie erobern muss«.

Wir könnten für uns paraphrasieren: Wer seine Freiheit behalten will, muss sie nicht nur verteidigen, er muss sie auch leben. Seine Freiheit zu leben, das aber beginnt damit, sich über eben diese Freiheit zu freuen.

Auch wenn das Glas »nur« halb voll ist, und auch wenn wohl etwas Spucke im Wasser ist, es ist noch immer besser als gar kein Wasser!

Lasst uns dieses Wasser wertschätzen, und hoffen, dass wir morgen auf noch besseres Wasser stoßen. Lasst uns die Freiheit, die wir noch haben, auch wirklich ausleben – und lasst uns daran arbeiten, morgen noch bessere Freiheit zu finden.

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