11.02.2021

Kaffee und Bomber

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Isaac Benhesed
Die USA verlegen B-1-Bomber nach Norwegen, um eine Botschaft an Russland zu senden. Soso. – Jetzt nur nicht nervös werden!
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Was haben Deutschlands Kaffeetrinker und die Jemeniten gemeinsam? – Die Antwort ist: etwa achtzehneinhalb Milliarden Euro.

Die Erklärung zur Antwort aber ist: In Deutschland wird 2021 (laut statista.de, Stand 10.2.2021) der »Umsatz im Segment Kaffee« etwa 18.472 Millionen Euro betragen, und (laut Wikipedia) betrug 2019 das Bruttoinlandsprodukt des Jemen etwa 22.568.000.000 US-Dollar, was  (nach Umrechnungskurs vom frühen Februar 2021) in etwa derselbe Wert ist.

(Randnotiz: In derselben Liste erfahren wir, dass Palästina ein Bruttoinlandsprodukt von immerhin 17 Milliarden Dollar vorweisen kann. Aber gut, Palästina ist wahrscheinlich auch das einzige »Flüchtlingslager« der Welt mit eigener Börse.)

Oh, ich vermisse sie, dieser Tage, diese obskuren Wissenschafts-News aus ruhigeren Tagen. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als Meldungen, die mit »Wissenschaftler haben herausgefunden« begannen, nicht irgendwelche Horror-Prognosen unklarer Haltbarkeit beinhalteten, sondern charmant kuriose Erkenntnisse total wissenschaftlicher Studien, oft etwas mit Lebensmitteln.

Was ist nun mit dem Käse?

Mal galt Käse als gesund (blick.ch, 1.10.2018: »Vollfettkäse ist nicht nur gesund – sondern beeinflusst unseren Körper auf viele Arten sehr positiv«), dann galt er wieder als ungesund (focus.de, 16.2.2019).

Zum Käse gehört traditionell ein Wein, und der ist ebenso mal ganz gut für die Gesundheit (jüngst etwa bbc.com, 21.2.2018) und mal schlimm schlecht (bbc.com, 22.10.2019).

(Noch eine Randnotiz: Zumindest die Frage nach dem Wein lässt sich ganz generell wahrscheinlich aufklären. Ja, wer teuren Wein trinkt, könnte durchaus länger und gesünder leben, genauso wie Pferde und Jachten »gut« für Gesundheit und Lebenserwartung sind: Es liegt wohl schlicht daran, dass wer sich solchen Luxus leistet, wahrscheinlich auch in Fragen der Gesundheit vorsorgt.)

Ja, ich habe sie vermisst, diese dahinplätschernden Meldungen zu immer neuen Studien über gute alte Lebensmittel, und es machte mich dieser Tage geradezu fröhlich, tatsächlich eine neue Meldung zum Kaffee zu lesen!

Laut einer neuen Studie kann das Trinken von Kaffee das Risiko von Herzversagen senken, so sciencedaily.com, 9.2.2021 – und laut jener Studie scheint das Trinken entkoffeinierten Kaffees den entgegengesetzten Effekt zu haben! 

Hach, das ist doch eine Studie, die das Herz dieses Kaffeetrinkers gleich doppelt freut, einmal tatsächlich und einmal sprachbildlich!

Die Wissenschaftler lassen uns allerdings eine klitzekleine Anmerkung wissen: All die wohl gute Wirkung gilt nur für erstens schwarzen und zweitens ungesüßten Kaffee.

Ich selbst nehme diese Einschränkung ja gern hin, genau so trinke ich meinen Kaffee ja ohnehin meist — mancher Mitmensch aber wird beim Trinken seines Milch-Zucker-Kaffee-Gemisches auch weiterhin vom schlechten Gewissen geplagt werden.

Also, liebe Leser, schenken Sie sich reinen Wein ein (metaphorisch gesprochen, nicht wirklich, außer Sie gönnen sich dazu das Pferd, die Jacht und die Darmvorsorgespiegelung), überwinden Sie sich gegebenenfalls, und trinken Sie bitte Ihren Kaffee nur noch schwarz und zuckerfrei.

Jetzt aber mal im Ernst

Sollten Sie aber in diesem Essay die »wirklichen« Nachrichten vermissen, sollten Sie sich tatsächlich doch an die »Panik des Tages« gewöhnt haben, natürlich hätte ich durchaus etwas für Sie im unwilligen Angebot: Der grabschende Lügner im Weißen Haus tut exakt das, was man von »China-Joe« erwartete, dass er tun würde.

Man denkt etwa neu über die geplanten Sanktionen gegen Firmen wie Tik Tok nach (»is considering whether to enforce«, businessinsider.com, 10.2.2021), welche IT-Firmen daran hindern sollten, die amerikanischen Daten an chinesische Konzerne und damit an die kommunistische Partei Chinas zu liefern. John Cardillo kommentiert: »Wenn du nicht siehst, dass ein chinesischer Geheimdienst-Agent im Weißen Haus sitzt, bist du blind (@johncardillo, 10.2.2021, meine Übertragung aus dem Englischen).

Ebenfalls wie vorhergesagt hört man aus den USA neue aggressive Töne gegen Russland (reuters.com, 4.2.2021), gefolgt von der Stationierung von Bombern in Norwegen.

Bei cnn.com, 9.2.2021 steigt mit den Flugzeugen wohl auch bald die Erregung: »US deploying B-1 bombers to Norway to send a message to Russia«, in etwa: »Die USA verlegen B-1-Kampfflugzeuge nach Norwegen um eine Botschaft an Russland zu senden«.

Die Bomber-Verlegung der USA ist wohl die Reaktion auf ein gefährliches Manöver der Russen, deren Flugzeuge sich letzte Woche im schwarzen Meer einem US-Schiff ungehörig genähert haben soll – als würde man es geradezu dankbar annehmen, sendet man eine »Botschaft«.

Man mag mich phantasielos nennen, doch die mögliche Anzahl plausibler »Botschaften« erscheint mir als schnell abzählbar. Es sind Kriegsflugzeuge, die im Irak, in Afghanistan und anderswo zum »Einsatz« kamen (siehe Wikipedia) – und jeweils mehrere Dutzend Bomben tragen und abwerfen können. Ein Krieg zwischen USA und Russland fände wahrscheinlich in Europa statt – wie gut, dass die USA den von Trump initiierten Abzug von US-Truppen aus Deutschland bereits »eingefroren« haben (so etwa janes.com, 9.2.2021).

Über die Ursprünge

Ich höre Sie nun geradezu, liebe Leser, wie Sie rufen: »Jetzt ist aber wieder genug mit den Nachrichten des Tages, Wegner!«

Selbstverständlich stimme ich Ihnen zu. Es ist wirklich genug mit den Nachrichten des Tages – zurück zum Kaffee!

Der heutige Arabica-Kaffee hat seine Ursprünge übrigens im eingangs erwähnten Jemen, wohin er aus dem ebenfalls erwähnten Afghanistan gelangte. Die Worte »Kaffee« und »Cave« stammen vom arabischen »qahwa« ab. Der alkoholfreie und doch stimulierende Kaffee erfreut sich bis heute kulturübergreifend großer Beliebtheit – anders als in gewissen Teilen der Welt die erwähnten US-Bomber und das übrige Gerät aus dem US-Verteidigungsbudget (circa das 28-Fache des deutschen Kaffeeumsatzes, so denn meine Zahlen stimmen).

Nein, hören wir heute mal nicht hin, was die Nachrichten sagen! Trinken wir lieber einen Kaffee, der soll, wie wir lesen, sogar gut für’s Herz sein.

Den Kaffe aber bitte nur ohne Zucker, dafür mit einer edlen Bitterkeit – so wie an manchen Tagen das Leben selbst.

Und ohne Kaffeesahne! Gerade in diesen nervösen Zeiten ist es wichtig, auf sein Herz zu achten.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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