Jesus hätte heute nach § 188 StGB (»Majestätsbeleidigung«) so richtig Ärger mit der Staatsanwaltschaft.
Die Polizei käme bei Ihm zur Hausdurchsuchung vorbei, wenn Er denn ein Haus hätte! (Ihr wisst ja, Matthäus 8:20: »Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt hinlegen kann.«)
Du, der Bock
Man muss sich Judas etwa wie eine heutige »NGO« vorstellen und als NGO-Finanzierung die 30 Silberlinge der Hohepriester (Matthäus 26:14-15).
Die Regierung braucht einen Sündenbock für ihre Sünden. Die NGO liefert als Sündenbock dich, weil du eben auf diese Sünden hingewiesen hast. Ähnlich wie die Sünderin, die genau jene steinigen wollten, welche die Sünde mit ihr begangen haben (Johannes 8), wollen sie auch dich steinigen – und sie haben diesmal keine Hemmungen, den ersten und jeden folgenden Stein zu werfen.
Eine NGO, die Jesus verrät, fände sich auch heute. Und statt Kreuzigung fiele denen heute bestimmt etwas anderes ein, ein explodierendes Mikrophon vielleicht?
Und warum würden sie Ihn beschuldigen Hass und Hetze zu verbreiten, ein Rechtsextremer zu sein und Antisemit sowieso?
So scham- wie maskenlos
Vielleicht wegen Drohungen wie dieser:
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen. Ihr selbst geht ja nicht hinein, laßt aber auch die nicht hinein, welche hineingehen wollen.
– Matthäus 23:13
Jesus wirft den mächtigen Moralisten (oder: moralisierenden Mächtigen) vor, Gesetze zu erlassen, an die sie sich selbst nicht halten, also Heuchler zu sein.
Ich fühle mich erinnert ans »Coronatheater«. Die Ach-so-Wichtigen trafen sich zu einem geselligen Abend, so scham- wie maskenlos – während uns, dem Pöbel, die Masken von der Polizei ins Gesicht geprügelt wurden.
Doch es geht nicht nur um »gewöhnliche« Heuchelei, die ein geradezu typisches Kennzeichen der menschlichen Natur ist. Eltern verbieten ihren Kindern so manches, was sie sich selbst erlauben, und für die Differenz finden sich auch stets vernünftige Gründe.
Des allgemeineren Verständnisses
Diese Heuchelei ist von einer heilsgefährdenden Dimension!
Nicht nur verschließen sich diese Mächtigen selbst das Himmelreich, denn ihre Werte und Ziele sind denkbar weltlich.
Ich denke heute leider auch im spirituellen und christlichen Rahmen daran. Doch lasst mich des allgemeineren Verständnisses halber heute über allgemeine Moral sprechen!
Wir erleben heute so manchen »Journalisten« und »Kunstschaffenden«, der ganz offen jede Moral abgelegt hat, für den der Bezug zur Wahrheit ein zufälliger ist, der für ein paar Redehonorare oder schlicht für eine vermeintliche Nähe zur Macht, um es auf Deutsch zu sagen: seine Seele verkauft hat.
Nicht per se zu schmal
Das Problem ist aber natürlich weit größer!
Nein, nicht jeder Mensch wurde als jemand geboren, der immer erst mal prüft, was dagegen spricht (als »Contrarian« also).
Manche Leute, wohl die meisten, streben nach Harmonie und wollen gern vertrauen, also glauben sie erst mal den Moralisten aus Funk und Fernsehen.
Sicher, eine Gesellschaft, in der niemand gesetzte Wahrheiten hinterfragt, oder in der das Hinterfragen hart bestraft und unmöglich gemacht wird, so eine Gesellschaft wird sich wahlweise übel verlaufen oder zum geistigen Stillstand kommen (oder natürlich beides).
Eine Gesellschaft aber, in der alle Menschen wirklich jederzeit alle Autoritäten hinterfragen, wird auch nicht funktionieren! Wenn der Säbelzahntiger den Stamm angreift, dann muss jemand die Flucht oder den Gegenangriff befehlen, und die Leute müssen gehorchen, sonst war’s das mit dem Stamm und seinen Genen.
Menschen brauchen eine Instanz, die sie zur Kooperation anleitet (und sie zumindest davon abhält, einander die Kehlen zu öffnen). Selbst wenn die Menschen eine höhere Instanz zur Anleitung wählen, so brauchen sie doch eine irdische, greifbare Instanz, die das Höhere aufs Konkrete anwendet.
Das Problem ist nicht, dass jemand über uns herrscht, das ist die Natur jeder funktionierenden Ordnung.
Das hier verhandelte Problem kommt auf, wenn Gestalten über uns herrschen, die dafür schlicht nicht über die notwendige moralische Reife verfügen – weil ihr eigenes Wohlbefinden ihnen ihre relevanteste Struktur ist. (Zumindest wenn wir mit »notwendig« meinen, dass ihre Herrschaft dem gemeinsamen Überleben und zugleich dem individuellen Glück dient.)
Frei nach einer makabren Beobachtung von Norm Macdonald: Nicht dass sie heucheln, ist das größte Problem, sondern dass sie uns zwingen, zu tun, als sei ihre Heuchelei eben keine.
Oder auf religiöses Personal angewandt: Nicht nur gehen sie selbst nicht ins Himmelreich ein, sie verschließen den Himmel auch noch für die, die durchaus hineingehen wollen.
Mancher Freie Denker beklagt mit Recht die Verengung des Overton-Fensters. Damit meint man, so Wikipedia, »den Rahmen an Ideen, die im öffentlichen Diskurs bzw. im aktuellen Klima der öffentlichen Meinung als politisch akzeptabel« gelten.
Es muss aber auch gesagt werden dürfen: Nicht das Overton-Fenster ist unser größtes Problem, sondern der Moral-Boden.
Mit Moral-Boden meine ich: Was ist das Minimum an Moral (also: Uneigennützigkeit, Güte, Weisheit et cetera), das wir von denen abverlangen, die über uns herrschen?
Warum treten Politiker nach Skandalen denn nicht mehr aus Scham zurück? Weil sie keine Scham kennen. Weil wir keinen Moral-Boden gezogen haben, und diese Bodenlosigkeit deren Schamlosigkeit möglich macht.
Das Overton-Fenster ist nicht per se zu schmal; es ist eher drastisch verschoben. (Wahrheit und Klugheit sind verboten, Lüge und Dummheit werden mit Posten und Journalismuspreisen belohnt. Und doch ist das nur die Folge jenes größeren Missstands.)
Nicht dass wir zu wenig sagen dürfen, ist das Problem. Das ist wahr, doch es ist erst die Folge davon, dass wir einen viel zu niedrigen Moral-Boden für unsere Mächtigen akzeptieren.
Ob nun weil sie buchstäbliche Satanisten sind oder schlicht an nichts außer ihren irdischen Vorteil glauben: Wir werden von Mächten beherrscht, die nicht nur für sich selbst das Himmelreich abgeschrieben haben, sondern dieses auch für uns alle verrammeln wollen (in wessen Auftrag auch immer).
Weit besser zu ertragen
Was also tun? Nun, wenn du die Wahrheit sagst und das Himmelreich anstrebst, werden sie dich auf die eine oder andere Art kreuzigen. Oder einfach so lange in den Kerker werfen, ohne Anklage.
Der erste christliche Märtyrer, der Heilige Stephanus, wurde etwa gesteinigt (Apostelgeschichte 7:57-60). Warum sollte es dir besser ergehen?
Jeder muss gesteinigt werden, wusste schon Bob Dylan, und es gibt Zeiten und Zustände, so habe ich gehört, die sind gesteinigt weit besser zu ertragen.
Die Frage ist nur, ob es die Pharisäer und ihre willigen Helfer sind, die dich steinigen – oder dein Gewissen, das dir selbst Zeuge und Ankläger ist (Römer 2:15).
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Der Essay Ihr selbst geht ja nicht hinein von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/ihr-selbst-geht-ja-nicht-hinein/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
