2.10.2020

Trump, COVID-19 und dauernde Schocksimulation

von Dushan Wegner, Lesezeit 13 Minuten, Foto von Mikita Karasiou
Trump ist mit COVID-19 infiziert. Man ahnt, was Linke mit »Haltung« bald hetzen werden, und man ekelt sich vorab. Sehnen Sie sich auch so sehr nach Medien, die einfach nur informieren?
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Freitag, der 2. Oktober 2020. Früher Morgen. Ich lese die Nachrichten. Ich sehe das Datum. Ich sehe, dass morgen der 3. Oktober ist, und das ist was für ein Tag? Richtig, dass ist der traditionelle »Tag der offenen Moschee« (siehe berlin.de). Politiker werden am selben Datum zum Kampf gegen Andersdenkende aufrufen, zur Spaltung also, und es orwellsch den »Tag der Deutschen Einheit« nennen. Es wird noch debattiert, was exakt die Superpolitikerin Chebli meint, wenn sie zum 3. Oktober erklärt: »dieses Land gehört uns und wir geben es nicht her.« (@SawsanChebli, 29.9.2020/ archiviert)

Während ich so grübele, wie es dazu kam, dass die Nachrichten der Mainstream-Medien mehr einer Tag und Nacht brennenden Müllhalde gleichen als einer intelligent sortierten Bibliothek aktueller Faktenlage, zwitschert es:

Tonight, @FLOTUS and I tested positive for COVID-19. We will begin our quarantine and recovery process immediately. We will get through this TOGETHER! (@realDonaldTrump, 2.10.2020)

zu Deutsch etwa:

Heute Nacht wurden die First Lady und ich positiv auf COVID-19 getestet.

Am Vortag hörte ich, dass eine enge Mitarbeiterin des US-Präsidenten positiv auf COVID-19 getestet worden war – und nun das.

Man kann es eine déformation professionnelle nennen, ich weiß: Mein erster Gedanke war, wie es sich auf die anstehende US-Wahl auswirken wird. Meine Kurz-Analyse: Wenn Trump rechtzeitig voll einsatzfähig wird (er ist nach aktuellem Informationsstand infiziert, aber nicht erkrankt), wird die Infektion ihm nutzen. Jede Reaktion, sei es der bereits einsetzende Hass von Links, oder eben die Genesungswünsche von anständigen Leuten, beides wird Menschen bewegen, sich auf seine Seite zu stellen – wenn er rechtzeitig wieder fit ist.

Durch die Infektion wird Trump »einer von uns« (wenn auch mit der besten Gesundheitsversorgung auf dem Planeten, ohne privat dafür bezahlen zu müssen), und wenn er sie durchsteht, wird er sich als »Kämpfer« verkaufen können, eventuell auch im Geist eines »seht ihr, es ist doch nicht so schlimm«. (Ich hoffe, dass er die Auszeit nutzt, um sich ein klein wenig besser auf die zweite TV-Debatte vorzubereiten, viele Beobachter sehen es allerdings als fraglich an, dass er am 15. Oktober 2020 bereits zur TV-Debatte antreten kann).

Innerhalb von Sekunden, nachdem es über seinen Twitteraccount bekanntgegeben wurde, dass Trump samt Gattin Melania auf COVID-19 positiv getestet worden waren, wünschten Bürger weltweit dem US-Präsidenten eine rasche Genesung – doch wie zu erwarten brach natürlich auch übler Hass von Links los. Ich will mir eigentlich hier das Verlinken des reflexhaften linken Hasses ersparen, nichts daran ist überraschend oder originell (wenn Sie, warum auch immer, dennoch etwas von der linken Gülle lesen wollen, entstehen derzeit Zusammenstellungen, etwa dailywire.com, 2.10.2020, für eine deutsche Auswahl, inklusive Häme vom verfluchten deutschen Staatsfunk, siehe @argonerd, 2.10.2020.). Eine politische Richtung, die in extra ehrlichen Momenten dem Andersdenkenden das Menschsein abspricht und politische Gegner an der Mauer erschießen lassen will, reagiert auch hier in ihrem Hass konsequent.

Jene Frage jedoch, die mich vor dem Lesen des Tweets umtrieb, stellte sich mir bald wieder, noch lauter: Wie kam es dazu, dass einst angesehene Zeitungen und Medienhäuser heute wie Brandstifter wirken, die am brennenden Haus stehen und immer weiter Benzin in die Flammen gießen? Und was stellt das mit uns an?

Wann wurde die Musik bestellt?

Eine bekannte Redensart mahnt uns: »Wer zahlt, der bestimmt die Musik.«

Diese Redensart ist richtig, doch unvollständig. Indem wir wissen, wer die Musik bestimmt, wissen wir noch nicht, welche Musik er bestimmen wird!

Man könnte jene Redensart derart ergänzen: »Wer zahlt, bestimmt die Musik, und welche Musik er bestimmt, ist davon beeinflusst, wann und unter welchen Umständen er die Musik bezahlt.« – Ja, ich weiß, es ist nicht halb so eingängig, doch vielleicht doppelt so nützlich!

Als ich aufwuchs, abonnierten mindestens alle gutsituierten Bürger eine Tageszeitung, sei es die lokale Nachrichtenzeitung oder ein überregionales Blatt, etwa jene, hinter welcher damals immer ein kluger Kopf steckte. Nicht wenige bezogen dazu ein Wochenblatt – ein vorzüglicher Begleiter zum extra langen Sonntagsfrühstück.

Wer keine Zeitung abonniert hatte, der lieh sich eine oder wartete bis zum Ende des Tages, wenn die Zeitungen des Tages etwa in Bahnen herumlagen.

Warum lasen wir diese regionalen und überregionalen Zeitungen? Weil wir sie bereits bezahlt hatten. Oder weil jemand anders sie bezahlt und liegen gelassen hatte. Wir hörten die Musik, weil wir (oder jemand anderes) sie bezahlt hatte, im Abo oder im Quasi-Abo morgendlicher Selbstverständlichkeit.

Die entscheidende Frage für die Auswahl der Musik ist: Was war die Motivation des Bezahlenden, als er sich zum Abo entschloss?

Ich wage diese These: Wer in Zeitungs-Abo-Zeiten ein Abo abschloss, schön altmodisch mit Unterschrift auf Papier, ob er dies per Postkarte, bei der Zeitungs-Vertretung oder beim fliegenden Abo-Verkäufer tat, der wurde stets motiviert vom Wunsch, ganz allgemein gut informiert zu sein (als Variante davon: man wollte zu denen dazugehören, die allgemein gut informiert sind).

Wer ein Abo verlängerte oder es bewusst nach einem Jahr Laufzeit nicht kündigte, der tat es meist (auch) aus eben demselben Grund: Insgesamt hatte das Zeitungs-Abo es geliefert, dem zahlenden Abonnenten auch rückblickend das Gefühl zu geben, informiert zu sein.

»Wer zahlt, der bestimmt die Musik«, es stimmt noch immer, doch welche »Musik« er wählen wird, das wird bestimmt von den Rahmenbedingungen des Moments, in welchem er die Musik auswählt.

Wenn die kaufentscheidende Motivation im Moment der Abo-Unterzeichnung das Gefühl ist, »informiert« zu sein, dann wird »Informiert-Sein« die Musik sein, welche die Redaktionskapelle aufspielen muss.

Vom Privatfunk zum Paybait

Eigentlich hätte uns das TV ja eine Warnung sein sollen, dass es durchaus möglich ist, ein Medium derart aufzusetzen, dass wir es stundenlang konsumieren, und mit dem Ergebnis unzufrieden sind – und es am nächsten Tag dann wieder tun. Durch verschiedene Psycho-Techniken (schnelles Schneiden, dauernde Cliffhanger, Fake-Konflikte etc.) gelingt es TV-Machern, den Zuschauer »dranzuhalten«, obwohl er sich objektiv unwohl fühlt. TV ist nicht nur metaphorisch eine Droge.

Das TV in Deutschland ist von zwei verwandten Motivatoren getrieben: Der Staatsfunk möchte die Menschen mindestens so lange dranhalten, bis sie die Propaganda des Tages verabreicht bekamen. Der Privatfunk will die Menschen von Werbung zu Werbung dranhalten, und sei es bis in die Morgenstunden (so der Privatfunk sich nicht gerade der Regierung andient im Kampf gegen die Opposition, dann siehe »Staatsfunk«).

Als Zeitungen ihre Nachrichten zuerst ins Internet zu stellen begannen, waren Anzeigen das häufigste Mittel der »Monetisierung« (ein modisches Wort für »Geldverdienen«). Im Internet zählte man »Clicks« und »Eyeballs«, gemeint: Wie häufig wurde etwas geklickt? Wie viele Menschen sahen die Werbung?

Das Prinzip der Bezahlung nach rohen Klickzahlen ließ »Clickbait« entstehen (zu Deutsch etwa: »Klickköder«), also Schlagzeilen mit dem einzigen Ziel, den Internet-Surfer zum Draufklicken zu bewegen. Gezielt auf Clickbait spezialisierte Medien entwickelten den »Curiosity Gap«, die »Neugier-Lücke«, also Klick-Schlagzeilen, die eine Information aggressiv fehlen lassen, was den Benutzer psychologisch zum schnellen Klick verführt, selbst wenn das Thema ihn nicht interessiert (»als Prominenter X diese Sache tat, waren wir geschockt«, »10 Dinge, die X und Y gemeinsam haben, Nummer 3 wird dich schocken« – jeder Benutzer kennt diesen Klickmüll, er wird etwa bei den »Jugendangeboten« der Zeitungen noch verwendet). Das einzige Ziel des Clickbaits war/ist es, Werbung nach dem Klick zu verkaufen, und es ist praktisch vollständig egal, wie der User sich danach »fühlt«. Heroindealer haben mehr Interesse am Wohlsein ihrer Kunden als sogenannten Journalisten hinter vielen Clickbait-Websites.

Werbenetzwerke setzen noch immer Milliardenbeträge um, doch die Werbe-Blindheit der Kunden, Adblocker, unterschiedliche Interaktionsmuster auf mobilen Geräten und andere Faktoren motivieren Redaktionen und Verlage zum Versuch, zum klassischsten, kapitalistischsten und damit ehrlichsten aller Modelle zurückzukehren: Die Redaktion liefert ein Produkt, und der Kunde zahlt dafür.

Internet-Benutzer, die sich an Gratis-Meldungen gewöhnt haben, mögen über »Paywalls« schimpfen, also die Aufforderung, Geld zu bezahlen, bevor man einen Artikel liest (auch ich schimpfe darüber, »Bezahlstacheldraht« nenne ich es!), doch auf eine eigene Weise ist es ein Schritt in die Richtung, den Leser darüber bestimmen zu lassen, welche Musik gespielt wird.

Ist mit digitalen Abos also »alles wieder gut«? Jein.

Um zu verstehen, warum die Debatten im Internet so irrsinnig und irrational sind, auch und gerade die von Vollzeit-Journalisten betriebenen, muss man den Moment betrachten, in welchem die gespielte Musik auch bestellt und bezahlt wird, in welchem der Leser »abonniert« (oder sein Abo wieder kündigt).

… und weiter zum Paybait

Für den Staatsfunk ist der entscheidende Moment, welcher »die Musik bestimmt«, die regelmäßige Erhöhung der Rundfunkbeiträge. Wenn auch andere Staaten über eine Form »öffentlicher« Medienanstalten verfügen, wie etwa Großbritannien, Russland oder auch die USA (PBS), so ist die Machtfülle des deutschen Staatsfunks und die enge Verzahnung mit der Politik weltweit einmalig, erst recht in Staaten, die »Demokratie« genannt werden – und daher ist es für das Verständnis der heute immer mehr global stattfindenden Themensetzung und Debatten langfristig eher zweitrangig.

Große Medienangebote versuchen heute oft, ihre Kunden zu digitalen Abonnements zu bewegen. Es heißt zwar beides »Abonnement«, doch es erschiene mir als illusorisch, die digitalen Abos von heute mit dem Zeitungs-Abonnement von einst gleichzusetzen.

Früher schloss man ein Papier-Abo per Postkarte ab oder durch andere Unterzeichnung eines Vertrages. Heute schließen viele Digital-Abo-Kunden ihre Abos spontan und digital ab, weil sie auf eine top-aktuelle Meldung oder einen vieldiskutierten Kommentar stoßen, der ihnen »angeteasert« wird, den sie aber nur durch den Abschluss eines digitalen Abonnements ganz lesen können.

Es scheint auch Zeitungen zu geben, die besonders gut laufende Gratis-Artikel automatisch hinter die Paywall stecken (was mir ethisch fragwürdig erscheint: Leser, welche den Artikel, als er noch gratis zu lesen war, mit ihren Lesern teilten, schicken plötzlich ungewollt ihre Freunde quasi zu einer Abo-Werbe-Seite). Der psychologische Mechanismus ähnelt dem einer Nachtclubdame, die den Kunden ein wenig »heiß macht«, doch wenn er mehr will, muss er erstmal die Kreditkarte zücken.

Aus »Clickbait« wurde »Paybait«, und er arbeitet oft weiterhin mit der Curiosity Gap (und verlässt sich gelegentlich oft auf die Unkenntnis der Leser; ich sehe nicht selten Inhalte hinter Abo-Ködern versteckt, die man anderswo leicht gratis findet, wenn man 30 Sekunden lang sucht).

Notiz in eigener Sache: Ich habe seit jeher für dushanwegner.com das Bezahl-Moment-Modell gewählt, das meiner Einschätzung nach am ehesten meine Ziele und Werte fördert. Da ich keine externe Werbung geschaltet habe, muss ich nicht zuerst auf Klickzahlen schielen, sondern setze, auch via Newsletter, auf Mund-zu-Mund-Empfehlungen und stetig wachsende Leserschaft, die gern wiederkehrt. Da ich keine Paywall vor die Artikel schalte, nicht einmal eine »weiche« und wegklickbare, muss ich nicht mit »Paybait« operieren. Meine freiwillige (!) »Zahlungsaufforderung« geschieht, nachdem der Leser das Produkt erhalten hat und nachdem er bewerten kann, ob es ihm überhaupt etwas wert war. Nein, es ist nicht das alte Modell des »Informiert-Sein-Abos«, aber es ist doch in ähnlichem Geist: Wenn Sie meinen, dass Sie ein hochwertiges Produkt erhalten haben, und wenn Sie es sich leisten können, dann zahlen Sie eben von Zeit zu Zeit etwas. Wenn nicht, dann nicht — auch das ist völlig okay. Ende dieser Notiz.

Teils selbst erfunden

Wer zahlt, bestimmt die Musik – und wann er zahlt, das bestimmt wiederum, welche Musik er wählen wird.

Wenn Leser ihre Abos abschließen, weil sie hinter einer Schlagzeile einen Skandal vermuten, bestimmen sie dadurch, das die gespielte Musik ein Skandal nach dem anderen ist – oder immerzu so tut, als wäre es ein Skandal. Die Abos von heute haben wenig mit den Abos von dereinst zu tun.

Wenn die Abos einmal abgeschlossen sind, muss die Zeitung die Leser »bei der Stange halten«. Aus internen Kreisen hoch ideologisierter Medien wie der New York Times hört man Journalisten klagen, dass selbst geringste Abweichungen von der inzwischen offen irrationalen Anti-Trump-Linie bei der linken »woken« Leserschaft, deren Realität wenig mit der Leserschaft der restlichen Welt zu tun hat, gleich zu »Straf-Abo-Kündigungen« führt – es ist je nur wenige Klicks entfernt. Es war die New York Times selbst, die sich eine hysterische, stets zu Boykott und Bestrafung bereite, vor allem aber von der eigenen Moral besoffene Leserschaft heranzog. Die Revolution zwingt die Revolutionäre, immer weiter Revolution zu spielen.

Wie kann denn ein Journalist einen Artikel schreiben, der auch nur ein wenig von der linksglobalistischen Blattlinie abweicht (die das Blatt teils selbst erfunden hat!), wenn er innerhalb von Stunden live vorgerechnet bekommt, wie viele Zigtausende US-Dollar Verlust er dem Verlag verursacht hat, weil nicht-zustimmende Leser ihr Abo kündigten?

Neuer, alter Luxus

Einige der Technologien, die wir als veraltet belächeln, leben ja weiter, nur etwas versteckter – und einige davon werden vor allem nur von den Reichen und Gutinformierten benutzt, aus verschiedenen Gründen.

Da wären alte Fortbewegungsmittel wie Pferde oder Segelboote, welche von Reichen wegen ihrer Ästhetik und beruhigenden Qualitäten genutzt werden (wenn auch eher selten, um tatsächlich irgendwo anzukommen).

Da wären auch alte Informationstechnologien wie der Papierkalender oder Schreibmaschinen, die auch, aber nicht nur wegen ihrer haptischen Qualitäten genutzt werden. Papier ist nicht nur geduldig (was als »entspannt« formuliert ja ein begehrenswerter Luxus sein kann), Papier ist auch nicht digital und damit nicht »hackbar«. Ein Filofax-Kalender hat keinen Internetanschluss, und also kann auch der beste Hacker ihn nicht aus der Ferne hacken (außer natürlich, er hackt sich in eine mit dem Internet verbundene Videokamera, welche beobachten könnte, was der Kalenderbesitzer sich gerade notiert).

Ich halte es für denkbar, dass auch das Konzept des »Informiertsein-Abonnements« wiederkehrt – allerdings diesmal, wie manche andere »alte Technologie«, als Luxus und zu einem relativ hohen Preis gezielt für Gutbetuchte.

In profitablen Nischenbranchen existieren ja bereits entsprechende Spezial-Abonnements, etwa Jane’s für Militär und Sicherheit, aber auch die News-Funktionen des Bloomberg Terminals.

Deutsche Journalisten reden heute viel von »Haltung«, doch sie meinen damit etwas sehr anderes, als »Haltung« früher bedeutete. Einst bedeutete »Haltung« im Journalismus, die relevante Wahrheit zu sagen, was auch immer die Konsequenzen sind – heute bedeutet »Haltung« die Wahrheit an das anzupassen, was man sich als Konsequenz wünscht.

Für einen Preis ab 20.000 US-Dollar im Jahr liefert, als Beispiel, Bloomberg Terminal seinen Kunden rohe Daten und marktrelevante Nachrichten – der Kunde entscheidet dann selbst, welche Konsequenzen er aus den Informationen zieht.

Entscheider auf wirklich hoher Ebene betreiben schon jetzt (und seit jeher) eigene »Intelligence«, die ihnen sagt, was wirklich passiert, nicht nur in Wirtschaft und Militär, sondern auch in der Gesellschaft. (Merkel soll sogar, so hört man, hunderte Umfragen pro Jahr in Auftrag geben, um zu wissen, was wirklich an Stimmungen durch die Gesellschaft strömt.)

Indem Zeitungen sich erst auf Klickzahlen und Werbung und dann auf spontan abgeschlossene Digital-Abos verlegten (was sollten sie auch tun?), entstand eine Lücke im Markt für die »relativ Wohlhabenden«, die nach einer Quelle suchen, um über Tendenzen in der Gesellschaft informiert zu sein, die jedoch nicht versucht, sie zwecks Abo-Generierung täglich neu emotional aufzuwühlen.

Ich sage nicht, dass nichts richtig wäre, was in Leitmedien steht, ich sage nicht einmal, dass sie nicht eine wichtige Quelle für gewisse Informationen wären – schließlich sind sie durch ihre politischen Beziehungen ja »nah dran«. Ich sage, dass wir immerzu die eigentlichen Informationen zwischen der Emotion, der Stimmungsmache und, ja, der gelegentlichen Fake-Meldung herausfiltern müssen, und nicht jeder gönnt sich diesen »Luxus«, nicht jeder hat die Kraft. Es geht uns mit dem westlichen Haltungsjournalismus wie einst den Ostblock-Bürgern mit Prawda & Co. – man weiß, dass einiges wahr ist und einiges eher »kreativ«. Es kostet Mühe (und ist nicht zuverlässig), das eine vom anderen durch »logische Triangulation« und Erfahrung zu filtern, und nicht immer gelingt es. »Einfach nur informiert zu sein«, das ist heute, wie Pferde, Segelboote und Turnschuhe aus echtem Leder, wieder zu einem Luxus geworden.

Kleine, ungespritzte Äpfel

Es ist nun Anfang Oktober 2020, einen Monat vor den US-Wahlen. Die Online-Medien ereifern sich, die meistmöglichen Klicks mit dem einen Thema »Trump hat Corona« abzugreifen. Mit jeder weiteren schmerzhaft informationsarmen Meldung, die ich lese, sehne ich mich mehr danach, einfach nur die Informationen zu erhalten, und mir all die »Einordnungen« zu sparen (ja, auch die konservativen und vernünftigen).

Niemand von uns hat die Ereignisse des Jahres 2020 kommen sehen, nicht so, nicht in dieser Fülle und Dichte. Wir tasten uns voran, halb blind im Nebel über eine schmale Brücke.

Die Autoren der Freien Denker bilden ein wichtiges, nüchterne(re)s Gegengewicht zu politiknaher Stimmungsmache und NGO-Propagnda, doch auch sie können nicht allein den »altneuen« Luxus eines Einfach-nur-informiert-sein-Abos liefern.

Wenn Sie es gerade heute wieder leid sind, erst die Informationsbrocken aus den vielen emotionalen Stellungnahmen herauszufiltern, dann versichere ich Ihnen, damit nicht allein zu sein!

Was »Luxus« ist und was, buchstäblich, »täglich Brot«, das kann sich über die Jahrzehnte ändern! Was früher etwas für ärmere Leute war (etwa kleine, ungespritzte Äpfel), das kann heute bereits als Luxus gelten – und andersherum (etwa Weißbrot). Heute ist es eben ein Luxus, sich die Zeit zu nehmen, ruhig herauszufinden, was wirklich passierte.

Wir wünschen Melania Trump und ihrem Gatten – er gehört ja zur »Risikogruppe« – dass aus der Infektion gar nicht erst eine Erkrankung wird. Wir wünschen schnelle Genesung, zu deren und unser aller Wohle. Ohne Trump würde es sehr schnell sehr finster um die Idee der Demokratie werden.

Heute ist es ein Luxus, heute ist es besonders wertvoll: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

Und wenn du festgestellt hast, was wirklich passiert ist, dann lass es auch wieder gut sein. Wende dich dem zu, was dir wirklich wichtig ist – das ist fürwahr der edelste Luxus.

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