Dushan-Wegner

24.01.2024

Ausfallorientierte Instandhaltung

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
SPD-Bürgermeister jammern, dass »dieses System bricht«, doch Scholz ignoriert sie. Warum sollte er auch reagieren? Die Genossen werden brav Genossen bleiben, treu bis zum Systemkollaps.
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Die Definition von »Wahnsinn« ist, so sagt man, ein und dieselbe Handlung zu wiederholen und unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten.

Und die Definition von Internetweisheit ist, dass die Leute nicht wissen, was eine Definition ist. Das mit dem wiederholten Tun, dabei verschiedene Ergebnisse erwartend, ist ein paradigmatisches Beispiel für wahnhaftes Tun – das aber ist es tatsächlich.

An diese »Definition« musste ich letztens denken, als ich bei welt.de, 23.1.2024 von einem »Hilferuf aus NRW« las.

Im Teaser des Textes heißt es: »Was im Land schiefläuft, erleben Bürger und Politiker in ihrem Alltag in den Städten und Gemeinden. Mehrere SPD-Oberbürgermeister in NRW schildern, wie sie mit ihren Hilferufen an ihrem Kanzler verzweifeln.«

Im Text dann, hinter Bezahlstacheldraht, heißt es ähnlich: »Seit Jahren schon klagen Kommunen und ihre Verbände darüber, dass sie vor Ort zunehmend überfordert sind und dass die Krisen ihnen über den Kopf wachsen. Seit Jahren fordern sie von den wechselnden Regierungen in Bund und Land mehr finanzielle Unterstützung und den Abbau von Bürokratie. Neu sind allerdings der kritische Tonfall und der Verdruss.«

Wir erfahren weiter, dass an den Schulen nur noch »ausfallorientierte Instandhaltung« betrieben wird. Es werden nur noch, so klagen die Bürgermeister »die notwendigsten Schäden« repariert. Man sei »nicht in der Lage«, die Schulen »baulich modernen Standards anzupassen«, geschweige denn, sie »auf einen pädagogisch zeitgemäßen Stand« zu bringen.

Was mit halbironischen Bürokratiewörtern wie »ausfallorientierte Instandhaltung« bemäntelt wird, bedeutet auf Deutsch: Die Kinder in diesen Stadtkreisen und Schulen starten mit schlechteren Chancen ins Leben. Jedes Leben kommt nur einmal und jede Kindheit sowieso. Und diese Kinder hatten halt Pech.

Im Tal der Tränen

Der Text geht so weiter, ein Absatz nach dem anderen, eine Litanei des Lokalpolitik-Elends in jenem Land, von welchem der Justizminister in vollständiger Realitätsferne letztens sagte: »Wir leben im besten Staat, den es je auf deutschem Boden gab.« (@MarcoBuschmann, 20.1.2024)

Vielleicht hat niemand den Bürgermeistern vor Ort das mit dem »besten Staat« gesagt, denn die klagen: »Wir merken, dass dieses System bricht und dass es nicht einfach immer so weiterlaufen kann.« – »Unsere Systeme funktionieren in Krisenzeiten nicht mehr.«

Und dann wird der Oberbürgermeister von Solingen mit Tacheles zitiert: »Insbesondere die Zuwanderung, die Migration der Geflüchteten aus der Ukraine mit vielen Familien mit Kindern hat unsere Systeme und Planungen nicht nur maximal gefordert, sondern es hat sie überfordert.«

Ich will hier nicht viel mehr aus jenem Text zitieren, es ist Absatz für Absatz ein Elend, deshalb nur noch zwei Zitate: »In Hagen haben 70 Prozent der unter 10-Jährigen einen Migrationshintergrund.« – »In Duisburg bringt die Zuwanderung von etwa 20.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien zusätzliche Probleme mit sich.«

Genug! Das geht ja so weiter. Immer weiter.

Die sechs zitierten Oberbürgermeister aber sind allesamt Mitglieder in derselben Partei wie Kanzler Erinnerungslücke.

Bettelbriefe ohne Echo

Und was tun sie gegen die Krisen, außer »ausfallorientierte Instandhaltung« zu betreiben?

Die Genossen schreiben untertänige Briefe an den Genossen Scholz.

Und was tut der?

Nichts tut er.

Er antwortet nicht einmal.

Die Genossen klagen, »dass sie nicht einmal Antworten auf Briefe bekämen, weder vom Kanzler noch von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Sie beklagen, dass sie nicht gehört werden.«

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wird denen nicht antworten. Der Herr ist damit beschäftigt, die NS-Zeit zu verharmlosen und beschimpft die Opposition aufs – kein Wortspiel – Wüsteste. (bild.de, 20.1.2024)

Nebenbei: An einer Meldung zu einem der zitierten Bürgermeister, dem Genossen Sören Link aus Duisburg, lässt sich die vollständige Verlogenheit des deutschen Propagandastaates aufzeigen. Sören Link forderte im letzten Oktober, deutschen Hamas-Anhängern den Pass zu entziehen und sie auszuweisen (rp-online.de, 17.10.2023). Laut der 20-Uhr-Propaganda im deutschen Staatsfunk ist das aber angeblich »Deportation«. Und das ist in diesem Fall keine intellektuelle Debattier-Runde, die das als These privat diskutiert. Das ist der SPD-Oberbürgermeister von Duisburg, der öffentlich Passentzug und Ausweisung forderte.

Und dafür brauchte es auch keine politikfinanzierte »Recherche« – das liest man bis heute im Mainstream. Die Regierung rief da nicht zu Demonstrationen gegen die SPD auf, keiner will die SPD deshalb verbieten.

Loyal weiterjammern bis zum Schluss

Zurück zum Thema: Die Oberbürgermeister schreiben an ihren vergesslichen Genossen im Kanzleramt.

Der reagiert nicht mal mehr.

Doch die Genossen bleiben Genossen.

Die Genossen werden auch weiter Wahlkampf für die Genossen machen.

Ausreichend viele Wähler, besonders die Briefwähler im Pflegeheim, werden vermutlich auch weiter die SPD wählen. Wie ein Autofahrer, der samt seiner Familie auf die Klippe zufährt, aber das Einschlagen des Lenkrads und den Richtungswechsel – womöglich sogar nach rechts! – mehr fürchtet als den Sturz von der Klippe.

Wenn es nach diesen jammernden SPD-Bürgermeistern geht, wird sich nichts ändern. Die werden weiterhin jammern und sich beschweren – und das ist auch schon alles.

Deren Schulen werden nächstes Jahr noch maroder sein. Die Brennpunkte in deren Städten werden größer und brennender sein. Und zugleich werden die Aufmärsche der »Omas gegen Rechts« noch trotziger sein.

Die Genossen werden brav ihre Mitgliedsbeiträge zahlen und jammern: »Wenn das nur der Kanzler wüsste!«

3 Möglichkeiten

Wenn du aber mit einem Wahnsinnigen fährst, der unbeirrt auf die Klippe zufährt, hast du logisch genau drei Möglichkeiten:

Versuche, ihn irgendwie zum buchstäblichen Einlenken zu bewegen.

Steige irgendwie rechtzeitig aus.

Oder ziehe dein persönliches Resümee – und freue dich auf den kurzen, aber schönen Ausblick zum Schluss, kurz nach der Klippenkante.


Postskriptum

Ein Kommentator bei YouTube wies mich darauf hin, dass ich eine sehr wichtige vierte Möglichkeit nicht erwähnte. Ich meinte ja, als ich den Text schrieb, dass sie in der ersten Möglichkeit enthalten sei. Aber, stimmt schon: Es sollte definitiv einzeln erwähnt werden. – Nun, jetzt ist diese vierte Möglichkeit auch notiert, als gepinnter Kommentar unterm Video!


 

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