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Alexander Kissler stoßseufzt:
Deutschland wird von Menschen regiert und verwaltet, die Deutschlands Niedergang wollen. Anders ist das alles nicht mehr zu erklären.
Es ist vermutlich nicht das erste Mal, dass Kissler von einem Gedanken dieses Inhalts umtrieben wird. Und er ist fürwahr nicht allein damit. Seit Jahren quält mich (und damit meine Leser) die Frage: Wenn eine Regierung aktiv das Land und die Gesellschaft zerstören wollte, was würde sie denn anderes tun? (Siehe etwa Essays wie »Der Letzte kauft den Rest auf« aus dem Jahr 2022.)
Im Januar 2024 schrieb ich den Essay »Der Mehrfrontenkrieg und du« und nahm ihn auch als Video auf; das Intro jenes Textes lautete:
Eigentlich wäre es die Aufgabe der Regierung, die Bürger zu beschützen. Doch in Deutschland wirkt es, als würde die Regierung einen Krieg gegen Land und Bürger führen – und die Proteste dagegen will man am liebsten verbieten.
Dass Deutschland kaputtgeht, ist nicht sinnvoll zu bestreiten – schon länger nicht. Und dass diese Zerstörung von der Regierung, dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk, den von der Regierung gesponserten NGOs und querfinanzierten Konzernmedien vorangetrieben wird, auch das ist nicht vernünftig zu leugnen. – Zur Debatte steht lediglich, warum diese Zerstörung stattfindet, was die Motivation dafür ist.
Doch nur das Beste
Im Talking-Points-Buch habe ich dargelegt, wie Linke ihrem Gegner regelmäßig böse Absicht unterstellen, um so die vorgelegten Fakten und Argumente im pseudo-moralischen Lärm untergehen zu lassen. (Beispiel: »Er bringt diese Statistiken nur vor, weil er ein rechter Nazi ist – mehr Kampf gegen Rechts!«)
Wir wollen keine Linken sein! Es ist also richtig und wichtig, wenn Kissler in seinem Statement darauf hinweist, dass die Unterstellung böser Absicht der Versuch einer Erklärung ist.
Eine andere Erklärung als die böse Absicht der Mächtigen wäre deren Dummheit. Dann wären sie wahlweise inselbegabt, also ausschließlich begabt in Sachen Machterlangung. Doch wenn sie einmal die Macht erlangt haben, wissen sie nicht, was sie damit anfangen sollen. Also dilettieren sie herum – oder verscherbeln die Macht an den Meistbietenden. Eine weitere Erklärung wäre, dass diese Leute nicht aus eigener Kraft dort hinkamen, also wie die bekannte Schildkröte auf dem Zaunpfosten; und in dem Fall wäre recht klar, wer von ihrer Macht profitieren würde.
Und doch sind all diese Erklärungsversuche müßig. »Sind die dumm oder böse? Macht es überhaupt einen Unterschied?«, so fragte ich 2018. Heute weiß ich: Nein, macht es nicht.
Ich kenne Menschen, die Böses tun und Zerstörung anrichten und doch fest davon überzeugt sind, doch nur das Beste zu wollen und eigentlich viel mehr Dank zu verdienen. Ja, solche Menschen sind dumm, kein Zweifel. Doch ihre Dummheit ist zumeist eine selbstgewählte Blindheit gegenüber den tatsächlichen Konsequenzen ihrer Taten – und damit eine Variation blanker Bosheit.
Womöglich einfach nur
Ich verstehe Kissler, wenn er sagt, es sei alles nur noch dadurch zu erklären, dass Deutschland von Leuten regiert wird, die des Landes Niedergang anstreben.
Und doch bitte ich, die Augen nicht zu verschließen für die Möglichkeit, dass einige von denen tatsächlich komplett bekloppt sind.
Aus Berlin wird aktuell von einem verzögerten Neubau in Neulichterfelde berichtet – und diese Meldung stützt die Vermutung, dass einige derer da oben womöglich einfach nur einen an der Waffel haben.
Es geht um 2.500 Wohnungen. Ja: Zweitausendfünfhundert. (siehe bild.de, 09.09.2025)
Der Baustart ist eigentlich seit fünf Jahren überfällig. Doch da es Deutschland und Berlin ist, mussten durch die Baufirma erst sehr wichtige 993 Zauneidechsen umgesiedelt werden. Ich vermute, dass sie in einen lukrativen NGO-Job vermittelt wurden.
Nun aber kann der Bau endlich beginnen? Hahaha, nein. Nicht in Deutschland, nicht in Berlin.
Aufsammeln und umsiedeln
Wo 2.500 Wohnungen gebaut werden sollen, steht leider auch noch ein Ameisennest. Und zwar eine Ameisenart namens »kahlrückige Waldameise«.
Den kleinen Krabbeltierchen kann man nicht so einfach einen Umzug noch vor dem Winter zumuten, befindet das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Im Frühjahr wird man die Tierchen dann von Hand aufsammeln und umsiedeln. Dann kann der Bau endlich losgehen (falls in der Zwischenzeit nicht irgendwelche seltenen Kakerlaken eine weggeworfene Bierdose besiedelt haben, die dann erst nach vier weiteren Jahren auf dem Berliner Behördenweg fortbewegt werden dürfen).
Ich diagnostiziere keinem einzelnen Mitarbeiter konkreten Irrsinn (wenngleich ich dies auch nicht ausschließe). 2017 stellte ich fest, dass eine gesamte Redaktion lügen kann, auch wenn sich kein einzelner Journalist eines Fehlverhalten bewusst ist.
Ähnlich gilt: Unabhängig vom Geisteszustand des Einzelnen kann das Gesamtsystem irre sein. (Damit haben wir aber nicht ausgeschlossen, dass tatsächlich ein paar von denen außerhalb ihrer Büroflure nicht in vollem Umfang lebensfähig wären – um es sehr höflich zu sagen.)
Nein, liebe Freunde des Fortschritts, es steht nicht gut um ein Land, wenn die Debatte nur noch ist, ob seine Politiker blank böse oder »nur« irre sind. Das ist nicht schön.
Schön ist aber, dass es den Ameisen gut geht.
Wenn die Deutschen es jetzt nur noch hinbekämen, eine Regierung zu bestimmen, welche die Deutschen auch nur halb so sehr liebt, wie man in Berlin die kahlrückige Waldameise liebt, dann wäre doch alles wieder halbwegs in Ordnung, oder?
Nein, unsere Hoffnung stirbt nicht. Unsere Hoffnung setzt lediglich täglich mehr Realitätsverlust voraus. Dann aber, wenn man die Realität auf diese oder jene Weise verdrängt, dann ist das alles ganz erträglich (zumindest bis die Ameisen dich umsiedeln).
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Der Essay Die Deutschlands Niedergang wollen von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/die-umsiedelung-der-ameisen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
