Dushan-Wegner

25.11.2022

Der Letzte kauft den Rest auf

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Rita
Wenn Menschen ge- und verkauft werden, dann spricht man von »Sklaverei«. Wenn aber der Bürger enteignet und das Land verscherbelt wird, dann heißt das »Globalisierung«.
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Vorgestern bin ich an zwei neu geschlossenen Geschäften vorübergegangen. Letztens noch, vor zwei Wochen etwa, waren sie geöffnet. Jetzt: leer, verlassen. Metapher für irgendwas.

Ein Schild ist in die Fenster geklebt, neon-orange und hässlich: »Zu vermieten oder zu verkaufen.«

In beiden, nun nackten Läden stehen noch die Reste der installierten Einrichtung. Teure, so liebe- wie geschmackvolle Wanddekorationen.

Jemand hatte seine Ersparnisse – oder sein Erbe? – und sein Herz in ein Kunstwerkchen von Geschäft investiert.

Eine Zeit lang hatte man wohl gekämpft, und dann ging es eben nicht mehr – auch Kunstwerkchen müssen mehr Geld einnehmen als sie ausgeben, und zwar noch bevor das Startkapital aufgebraucht ist.

Der Passant als Schliemann-des-Jetzt-eben: Eben war in diesen Ruinen noch Hoffnung. Jetzt hat sich schon ein Flaum ersten Staubs darübergelegt.

Milch und Müsli

Es ist Krisenzeit. Blackouts in der Ukraine (bbc.com, 24.11.2022) und Kenia (reuters.com, 24.11.2022). Auch in Deutschland fürchtet man Blackouts, Energiewende sei Dank. Inflation, wenn ich Milch und Müsli kaufe. Unsere Kaufkraft sinkt.

Die Leute halten die Luft an, selbst wenn sie lachen. Lachen und Luftanhalten – irgendeine Ader wird schon platzen.

Leser wollen mich persönlich sprechen, und sie raunen mir Erklärungen zu: Theorien.

Einige der geraunten Informationen sind tatsächlich neu, einige Ideen auch. Mit fortschreitender Jahres- wie auch Tageszeit werden die Theorien mutiger – aber auch komplizierter. Von totaler Kontrolle und Great Reset ist die Rede.

Was aber, wenn es alles einfacher ist?

Was, wenn es erschreckend einfach ist? (Hinweis: »Erschreckend einfach« ist ja nicht nur einfach, sondern bleibt eben auch erschreckend.)

Ins digitale Ohr

Gestern am Abend ging ich ein weiteres Mal an jenen zwei Geschäften vorbei.

Zwei Männer und eine Frau standen davor, inspizierten und debattierten.

Ich vermute, dass sie das Ladengeschäft, bei welchem sich der vorherige Besitzer übernommen hatte, demnächst übernehmen wollten. Man würde wohl ein Angebot für die Übernahme abgeben. (Ich hörte dieser Tage in anderer Angelegenheit einen Geschäftsmann sagen: »Dies ist die Zeit für unanständige Übernahme-Angebote!«)

Wenn mir heute jemand jene Erklärungen ins digitale Ohr raunt, die man auch »Verschwörungstheorien« nennt, entgegne ich nicht selten mit abwehrenden Regeln, etwa:

  • Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was mit Dummheit hinreichend erklärt ist. (»Hanlons Rasiermesser«)
  • Nur weil die-da-oben eine Situation für sich zu nutzen wissen, müssen sie diese Situation noch nicht herbeigeführt haben (sind aber natürlich auch nicht zwingend motiviert, sie schnellstmöglich zu beenden – klar). (»Wegners Rasiermesser«)
  • Correlation isn’t Causation. (Klassisches Beispiel: Nur weil die Tram um die Ecke biegt, wenn Big Ben zwölf Uhr schlägt, hat das 12-Uhr-Schlagen von Big Ben nicht das Abbiegen der Tram verursacht.)

Doch bei all meinen Abwehrmechanismen gegen das Allzuwirre will ich nicht das erste, originale »Rasiermesser« vergessen, das des William von Ockham: Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen. (zitiert nach Wikipedia)

»Weit häufiger als vor der Krise«

Ich probiere eine These aus: Ein paar mächtige Akteure – etwa aus China, Saudi-Arabien, USA – teilen bei aller Konkurrenz ein Interesse, das so denkbar simpel ist, dass die »Intellektuellen« sich schwertun, es auch nur zur Probe auszusprechen.

Und dieses Interesse könnte sein: Billig aufkaufen.

Seit Jahrzehnten kaufen ausländische Akteure zentrale Werte in Europa auf. Besonders China kauft gezielt kritische Infrastruktur in Deutschland und Europa (siehe etwa focus.de, 23.5.2018; bild.de, 28.10.2022, aber auch den Essay vom 26.10.2022).

Die aus der Covid-Panik resultierende wirtschaftliche Unsicherheit triggerte wohl eine Reihe von Übernahmen. Nicht alle Unternehmen gingen ins europäische Ausland, aber logischerweise wohl immer in die Hand eines Stärkeren.

Deutsche Wohnen ging an Vonovia, Birkenstock an den Luxusgüter-Konzern LVMH (ich erwarte nun spannende Kollaborationen wie Louis-Vuitton-Birkenstock-Sandalen). Andere Unternehmen gehören Akteuren in ganz anderen Zeitzonen.

faz.net, 17.7.2022 titelt: »Investoren und Strategen kaufen wie wild Unternehmen«, und schreibt dann: »Beteiligungen an begehrten Geschäftsmodellen wechseln weit häufiger den Besitzer als vor der Krise.«

Dieselbe FAZ klingt aber beinahe naiv wenn sie im folgenden Satz das Wort »trotz« statt des womöglich richtigeren Wortes »durch« verwendet: »Das Geschäft mit Unternehmenskäufen hat trotz der andauernden Verunsicherung durch die Pandemie rasant an Fahrt aufgenommen.« (ebenda)

Gar nicht unlieb

Es wäre keine steile These, wenn man sagte, dass es einigen Akteuren gar nicht unlieb ist, »den Westen« billig(er) aufkaufen zu können.

Wir Grübler könnten verführt sein, mächtige und halb mystische Theorien zu konstruieren, warum ausländische Akteure etwa deutsche »Klima-Aktivisten« finanzieren, ihnen buchstäblich Gehalt auszahlen und Rechtskosten übernehmen, und zufälligerweise las ich diese Meldungen zeitgleich mit dem Aufkommen von Covid-19 (siehe etwa theguardian.com, 12.7.2019). Diese Figuren nehmen den Tod von Menschen in Kauf (siehe Essay vom 4.11.2022), und blockieren schon mal einen ganzen Flughafen (tagesspiegel.de, 24.11.2022) – offenbar mit moralischer Rückendeckung vom Chef des Verfassungsschutzes (siehe Essay vom 17.11.2022).

Was die deutsche Politik in diesen Jahren auch unternimmt, es scheint alles in eine, dieselbe Richtung zu führen: den »Wert« Deutschlands zu senken. Aktuelle Beispiele ist etwa die Abwertung deutscher Pässe, die schlicht »verramscht« werden sollen (bild.de, 25.11.2022).

Wenn, dann

Wenn der fleißige deutsche Bürger sich aber gegen die Schikanen der Regierung doch etwas erarbeitet hat, zum Beispiel ein Häuschen, wird dieses ihm durch allerlei weitere Schikanen madig gemacht – und zuletzt wird auch das Erben so richtig teuer (rnd.de, 23.11.2022).

Ich sage nicht, dass die Politik tatsächlich bewusst darauf hinarbeitet, dass du »nichts besitzt«, aber (dank Staatsfunk & Propaganda) »glücklich bist« (oder zumindest das Glücklichsein öffentlich behauptest, damit du nicht von Politik und Propaganda als »rechtsextrem« verleumdet wirst).

Ich sage nicht, dass Politiker in ihrem Geist wollen, dass die Bürger enteignet werden und das Land an ausländische »Investoren« verscherbelt wird. (Ein Zyniker würde scherzen: »Damit Politiker im Geist eine Absicht hegen, müsste zunächst ein nennenswertes Geistesleben stattfinden.«)

Ich sage aber durchaus, dass erstens einige große Sponsoren der Parteien und Freunde der Politiker vermutlich wenig Interesse daran haben, den aktuellen Pro-Verscherbelungs-Politik echten Einhalt zu gebieten. Und zweitens sage ich, dass wenn die Politik das explizite Ziel hätte, die Bürger zu enteignen und das Land zu verscherbeln, nicht auf den ersten Blick sichtbar wäre, was sie anders täte.

Wenn Menschen ge- und verkauft werden, dann spricht man von Sklaverei. Wenn aber der Bürger enteignet und das Land ins Ausland verscherbelt wird, dann heißt das Globalisierung.

Globalisten und ihre »Freunde« in Politik und Presse werden ihnen sagen, dass Globalisierung eine gute, moralische Sache sei – ebenso wie die Sklavenhändler die Sklaverei als gottgegeben und damit moralisch verteidigten.

Biblische Randnotiz

Kurz vor Schluss (dieses Textes) sei mir eine biblische Randnotiz gestattet: In der biblischen Behandlung von Sklaverei und Globalismus herrscht ein nicht zu leugnender Unterschied.

Nicht nur ist im Alten Testament die Sklaverei selbstverständlich Teil des sozialen Gefüges; noch im Neuen Testament ordnet Paulus in Epheser 6:5 unzweideutig an: »Ihr Sklaven, seid gehorsam euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern«.

Der Globalismus dagegen wird im Alten wie auch im Neuen Testament furios verdammt. In Genesis 11 lesen wir vom Turmbau zu Babel (siehe Essay vom 28.11.2019). Der Turm sollte explizit dazu dienen, die Welt zu vereinigen – Gott war bekanntlich dagegen.

In Daniel 2 lesen wir vom Standbild mit Füßen teils von Eisen und teils von Ton, welche für die Vereinigung der Unvereinbaren stehen, und die von Gott geradezu wütend zermalmt werden.

Die Offenbarung des Neuen Testaments ließe sich aber als eine riesige Verdammung des Globalismus lesen, mit dem »Tier« als Verkörperung des Globalismus und auch sonst alles Bösen. Tatsächlich ähneln einige Bemühungen moderner Globalisten wie der »digitale Impfpass« erschreckend präzise den Vorhersagen der Offenbarung; siehe dazu bereits meinen Essay »Das Malzeichen des Tieres« (2020).

Also, ja: Wenn man streng der Bibel folgt – und ein »nicht strenges« Folgen, ist das überhaupt eines? – dann ist Globalisierung schlimmer noch als Sklaverei. – Soviel jedoch für jetzt zur biblischen Randnotiz – auf zum Finale dieses Essays!

Wir sind Geld wert!

Ach, wissen Sie was?! Wenn irgendwer buchstäblich uns kaufen will – und sei es billig – dann ließe sich das auch als Zeichen der Hoffnung lesen: Jemand ist der Meinung, dass wir Geld wert sind, dass man uns derzeit zu billig bewertet, und dass unser Preis bald steigen wird (wovon er profitieren wird, klar).

Ja, wir halten heute die Luft an. Wir fürchten, wie die Politik und ihre Behörden uns heute wieder schaden werden. Wir möchten bald darüber lachen. Nicht, dass uns dabei eine Ader platzt, und wir »plötzlich und unerwartet« … lassen wir das, lasst uns heute lieber Hoffnung suchen!

Es wäre nicht irrationaler als die meisten anderen Annahmen, heute darauf zu wetten, dass die Preise nur künstlich hoch sind, und also heruntergehen können – und werden. Einige der erfolgreichsten Strategen der ökonomischen Geschichte wetteten gegen das vorherrschende Narrativ. (Man nennt solche Spekulanten in den USA »Contrarians«.)

Es wird sich drehen – die Frage ist natürlich, wann es sich drehen wird. (Jemand, der in der Corona-Panik starb, für den dauerte diese ewig – und wer in einer geschürten Krise endgültig bankrott geht, auch für den ist die Krise unter Umständen »unendlich«.)

Wenn jemand »uns« und unsere an Land und Ort gebundenen Produktionsgüter aufkaufen will, dann wettet er doch darauf, dass diese Krise-Erzählung aktuell ein wenig übertrieben ist. Er kalkuliert damit, dass »es« sich korrigiert, dass es also bald vorbei ist – dass es bald besser wird.

Lasst uns also fleißig bleiben, liebe Leser, und lasst uns auf eine gute Zukunft hoffen. Lasst uns auf ein besseres Morgen hoffen – wem auch immer unsere Ladengeschäfte und wir demnächst gehören.

Vielleicht werden dann auch Milch und Müsli wieder billiger!

Weiterschreiben, Wegner!

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