Es ist Krieg im Nahen Osten, und doch bin ich erstaunlich unaufgeregt. Nicht, weil es nicht gefährlich wäre. Womöglich weil mir endlich »Gelassenheit« gelingt. Vielleicht aber auch, weil mir andere Entwicklungen noch mehr Sorge bereiten.

Es ist ein rätselhafter Zustand, wenn man Niebuhrs Gelassenheitsgebet verinnerlicht hat. Ich hoffe, dass das der Grund dafür ist, dass ich innerlich so ruhig bin.

Im Nahen Osten ist wieder Krieg. Der Ayatollah soll tot sein. Ich müsste im Internet nachschlagen, wie genau man seinen Namen buchstabiert. Kann man sich eh nie merken, und jetzt ist es auch egal. Es ist ja ohnehin eine Transkription aus dem Persischen.

Warum ist es mir heute so egal, dass im Nahen Osten Krieg ist? Das ist es tatsächlich, was mich mehr bewegt als dieser Krieg.

Eine Erklärung ist, dass ich Niebuhrs Gelassenheitsgebet nach vielen Jahren tatsächlich verinnerlicht habe.

Ihr wisst schon: Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich kann und werde nichts daran ändern. Wofür also mich ängstigen oder gar – ach, wie lächerlich! – empören?

Einfach nur am Wochenende

Ich hörte von Mitmenschen auch diese Meinung: »Um die Leute tut’s mir leid, aber sollen die das alles endlich mal endgültig entscheiden.« – Es ist nicht meine Meinung (ich habe keine (mehr)), aber ich verstehe das Gefühl.

Als die Kriegshandlungen begannen, war Wochenende. Frau von der Leyen machte sich global lächerlich, als sie auf X erklärte, man werde am Montag erst mal einen Arbeitskreis zum Thema zusammenrufen (@vonderleyen, 28.2.2026). Sollte Putin jemals wirklich in die EU-Besatzungszone einmarschieren wollen, müsste er es einfach nur am Wochenende tun.

Ja, ich weiß, auch in Dubai fielen Bomben (bild.de, 01.03.2026). Jetzt stecken dort auch Deutsche und andere Westler fest. Nicht nur durchgeknallte Instagram-Influencer! (Obwohl von denen einige da sein dürften. Im Januar erst fand dort das weltgrößte »Influencer-Treffen« statt; siehe sueddeutsche.de, 11.1.2026).

Ja, genau dafür

Angeblich sind auch Arbeiter aus Asien auf der Durchreise und reguläre Touristen da, so höre ich. War nicht auch unser aller Lieblingsanwalt jüngst in Dubai? Nun, die Deutschen können leider, leider nicht herausgeholt werden, doch das Außenministerium versichert, man »beobachte die Lage in der Region sehr aufmerksam« (manager-magazin.de, 2.3.2026). Im Übrigen sagt der Außenminister de facto: »Selbst schuld, wer da hinfährt«; siehe welt.de, 02.03.2026.

Nein, ich empöre mich nicht. Ich habe keine Angst. Selbst wenn sich Bomben bis in die EU-Besatzungszone verirren sollten, gilt ja doch: Irgendwann musst du gehen, und die Frage ist, ob du deine dinglichen und seelischen Angelegenheiten sortiert hast. Der gute Katholik hat ja genau dafür Ave Marias auf Vorrat gebetet: »… et in hora mortis nostrae.« – Ich habe aber Zweifel daran, dass Dubai-Influencer den täglichen Rosenkranz pflegen. (Wer diesen traurigen Zustand teilt, wer das also beheben will und außerdem ein iPhone besitzt – Android-Version ist aktiv in Arbeit –, dem empfehle ich meine App LatinPrayer.)

Mein Erschütterungsmangel ist düsterer

Nein, ich bin nicht erschüttert ob des Krieges, doch mein Erschütterungsmangel ist womöglich nicht nur der Verinnerlichung des Niebuhrschen Gelassenheitsgebets geschuldet.

Womöglich ist es düsterer: Ich glaube, dass das, was durch die bekannten Gefahren auf uns zukommt, weit folgenreicher sein wird als selbst Atombomben es wären.

2019 schrieb ich den Essay »Künstliche Intelligenz und Mäusespeck«. Darin prophezeie ich die Zukunft als großen Künstliche-Intelligenz-Wettbewerb zwischen USA und China. Und genau das ist heute der Fall.

Auf X verbreitet sich derzeit eine Liste mit den großen KI-Unternehmen/LLMs in den USA und China – abgerundet durch die Frage, was eigentlich Europa an KI zu bieten hat. Ich habe diese Liste für euch als Service mit Links angereichert:

USA has ChatGPT
USA has Grok
USA has Claude
USA has Gemini
USA has Llama
USA has Copilot

China has DeepSeek
China has Qwen
China has Ernie
China has GLM
China has Kimi
China has MiniMax

Europe has?

Quelle: Internet

Cookie-Banner und Plastikdeckel

USA und China bringen der Welt wirklich intelligente Maschinen. Die EU-Besatzungszone brachte der Welt die verfluchten Cookie-Banner und dazu befestigte Plastikdeckel, die beim Trinken die Nase kratzen.

Ich verspreche euch: Die konkreten mittelfristigen Folgen künstlicher Intelligenz werden für Deutschland verheerender sein als sogar der Zweite Weltkrieg. Nach diesem waren nicht plötzlich alle (überlebenden) Arbeitskräfte überflüssig – im Gegenteil. Die Situation wird eher der Situation nach dem Ersten Weltkrieg ähneln.

Ach ja, ich vergaß fast: Im Nahen Osten ist Krieg. Das bedeutet, dass es Flüchtlinge geben wird. Die werden nach aller Erfahrung in Deutschland aufgenommen werden. Die »Omas gegen Rechts« stehen bereit.

Fürs Ende

Ja, das Kippen der europäischen Gesellschaften und der Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Künstliche Intelligenz bereiten mir noch mehr Sorge als Krieg.

Vergessen wir nicht: Hiroshima und Nagasaki sind heute blühende Städte. Doch Probleme von Gesellschaften, die sich selbst ausrotten, oder einer Arbeiterklasse, die schlicht nicht mehr gebraucht wird, sind nicht dadurch zu lösen, dass man mal kräftig »in die Hände spuckt«.

Ja, betet um die Kraft, zu ändern, was ihr ändern könnt. Um die Gelassenheit, hinzunehmen, was ihr nicht ändern könnt. Und betet um die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und betet zur Sicherheit euer Ave Maria. Fürs Ende. Ob jetzt durch querfliegende Bomben – oder etwas später ganz natürlich.

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Der Essay Sehr aufmerksam beobachteter Krieg von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/beobachteter-krieg/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!