Ein X-Mensch namens »🇩🇪 Sandra Müller 🇩🇪« schreibt:
Alles! wofür unsere Großeltern und Eltern gekämpft haben, wird gerade vernichtet. Ist euch das eigentlich klar????? 😡
– @SandraausD
Einige Antworten stimmen Sandra zu, und sie klingen ernüchtert. Die, die mit »euch« gemeint sind, diskutieren bei derart kritischen Debatten nicht mit. Die gucken Tagesschau und leben auch sonst in einer anderen Realität.
Eine der vielen Antworten ist mir aufgefallen:
Genau diese „Großeltern“ haben vor allem die Partei gewählt, die für diesen Unsinn verantwortlich ist.
– @Invernis177596
Dies ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, denn die CDU oder die SPD der Großeltern waren andere Parteien als heute.
»Wir wollen und können kein Einwanderungsland sein«, erklärte etwa Helmut Schmidt im Jahr 1979 als SPD-Bundeskanzler (br.de, 24.3.2010). Der Beispiele sind viele für selbstverständliche, geistig gesunde Aussagen von Politikern in klügeren Zeiten, für deren Wiederholung der Bürger heute wegen vorgeblicher »Verfassungsfeindlichkeit« verfolgt und vernichtet würde.
Es ist aber ebenfalls wahr, dass nicht wenige Mitglieder jener Großeltern-Generation auch heute noch handeln und denken, als lebten sie weiterhin in ihrer guten alten Welt. Auch meinen wir mit der Aufbau-Generation heute wohl eher die Ur-Großeltern. Heutige Großeltern waren womöglich bereits »1968er«. Die Moral der 1968er-Narzissten predigt zuverlässig nicht das Aufbauen, sondern das eigene Wohlbefinden als relevanteste Struktur: das körperliche wie auch das intellektuelle und moralische Wohlbefinden (was regelmäßig nur mit limitierter Information und reichlich Selbstbelügen zu erreichen ist).
Psalm 78 und das Vergessen
Es wäre heute eine gute Idee, wenn wir uns an Psalm 78 erinnerten.
Der Psalm spricht im Namen eines Volkes, das einst Wohlstand genoss. »Engelspeise aßen sie allesamt« (Psalm 78:25), so gut ging es ihnen.
Wie sollten sie diesen Wohlstand bewahren? Der Auftrag ist deutlich genug:
Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben, das wollen wir ihren Kindern nicht verschweigen, sondern dem künftgen Geschlecht verkünden die Ruhmestaten des HERRN und seine Stärke und die Wunder, die er getan hat.
– Psalm 78:3-4
Und was tat das Volk? Folgte es diesem Auftrag, das Gelernte weiterzugeben?
Leider nein.
Trotz alledem sündigten sie weiter und glaubten nicht an seine Wunder.
– Psalm 78:32
Nun, keine Aktion ohne Reaktion:
Drum ließ er ihre Tage vergehn wie einen Hauch und ihre Jahre in angstvoller Hast.
– Psalm 78:33
Der gleich folgende Vers dieses Psalms beschreibt nüchtern die plötzliche – und späte – Rückwendung des Menschen in der letzten Lebenskrise.
Wenn er sie sterben ließ, dann fragten sie nach ihm und kehrten um und suchten Gott eifrig und dachten daran, daß Gott ihr Fels sei und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.
– Psalm 78:34-35
Sind aber alle späten Einsichten und Schnell-Bekehrungen gleich glaubwürdig?
Doch sie heuchelten ihm mit ihrem Munde und belogen ihn mit ihrer Zunge; denn ihr Herz hing nicht fest an ihm, und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.
– Psalm 78:36-37
Der Psalmist berichtet aber, dass selbst diese wahrlich unvollkommene Bekehrung angenommen wurde:
Doch er war barmherzig, vergab die Schuld und vertilgte sie nicht, nein, immer wieder hielt er seinen Zorn zurück und ließ nicht seinen ganzen Grimm erwachen; denn er dachte daran, daß Fleisch sie waren, ein Windhauch, der hinfährt und nicht wiederkehrt.
– Psalm 78:38-39
Dasselbe wird wieder sein
Zwei Fragen stehen am Anfang der Philosophie und wohl auch am Anfang aller Weisheit im weiteren Sinne: Was ist der Fall? Was soll ich tun?
Wir verstehen, was heute der Fall ist, auch weil es schon früher der Fall war.
Was gewesen ist, dasselbe wird wieder sein, und was geschehen ist, dasselbe wird wieder geschehen; es gibt nichts Neues unter der Sonne.
– Prediger 1:9
Was aber sollen wir tun?
Ich unterhielt mich jüngst mit einem Menschen, der über die demographische Entwicklung in Europa klagte. Und darüber, dass der Westen im Vergleich zu früher so unchristlich geworden ist. Unser Gespräch kam ins Stocken, als ich ihn darauf hinwies, dass er selbst aus erklärt hedonistischen Gründen kinderlos war und auch seit Jahrzehnten keine Messe mehr besucht hatte. Ich wurde an jenes Graffiti erinnert, das ich mal – im Stau stehend – auf einer Autobahnbrücke gelesen hatte: »Du stehst nicht im Stau, du bist der Stau.«
Vorväter mit Schwert und Lanze
Du und ich werden nicht ganz verhindern, dass böse Mächte heute zerstören, was Vorväter und Vormütter aufgebaut haben, als Väter noch Väter waren und Mütter eben Mütter. Doch wir können gemeinsam versuchen, die Gedanken und Wahrheiten zu bewahren, welche die Vorväter unserer Vorväter mit Schwert und Lanze verteidigten und für deren Bekenntnis deren Väter und Mütter im Geiste sich einst in der Arena von Löwen zerreißen ließen.
Alles, wofür unsere Vorfahren einst gekämpft haben, wird gerade vernichtet. Es ist mir sehr klar.
Doch wenn ich nur darüber jammere, bin ich mitschuldig. Tertium non datur: Trage Mitschuld als Nur-Jammerer und also Mitvernichter – oder kämpfe!
induite vos arma Dei ut possitis stare adversus insidias diaboli …
(auf Deutsch: Ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die listigen Anläufe des Teufels zu bestehen vermögt!)
– https://latinprayer.org/latin-bibel/ephesians/6:11
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Alles, wofür sie kämpften von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/alles-wofuer-sie-kaempften/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
