19.7.2020

Anti-Stinkefinger

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Janni Lätti
Die umbenannte SED zeigt der Demokratie den Stinkefinger. Seufz… Dass Stalins geistige Enkel in Bundestag und Landesregierungen krakeelen, das ist für sich ein täglicher Stinkefinger gegen die Demokratie!
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Ich gehe mit einer Idee schwanger, einer – Achtung, Doppelbedeutung! – geradezu revolutionären Idee, und ich will sie jetzt und hier gebären (Sorry für die Kopfbilder), und die Idee lautet: Eine Bankräuberbande könnte sich »Antibankräuber« nennen. Wenn die »Antibankräuber« eine Bank überfallen, dann lässt man sie selbstredend mit dem Geld aus der Bank spazieren, denn der Bankraub der Antibankräuber ist ja eine »antibankräuberische« Aktion!

Eine sehr moderne Idee, nicht wahr? Ich bin guter Dinge, dass die Antibankräuber-Idee ihre Nachahmer finden wird!

Wenn einer etwas im Supermarkt klaut, nennt er sich »Antiladendieb«, und schon, statt ihn festzuhalten, helfen ihm die Ladendetektive beim Tragen.

Wer mit 200 km/h durch die Innenstadt knattern will, der braucht nur einen »Antiraser«-Aufkleber an seinem Auto aufzukleben, und er wird, statt den Führerschein zu verlieren, auch noch für seine »antiraserische« Haltung von der Polizei mit einem Orden ausgezeichnet werden!

Wer an Schule oder Uni über seiner Klausur erklärt, sie sei »antifalsch«, dem wird ohne weitere Untersuchung die Bestnote verliehen.

Wer von Rassismus getrieben ist und die Gesellschaft nach »Rassen« trennen will, der kann sich einfach »Anti-Rassist« nennen, und er wird für sein rassistisches und spalterisches Tun auch noch Geld vom Staat und teils aus dem Ausland finanzierten NGOs erhalten. Wer Lügen verbreiten will, der braucht sich nur »Faktenchecker« zu nennen, und (fast) keiner wird ihn mehr für seine Lügen zur Rechenschaft ziehen. Wer die Demokratie beschädigt und demokratische Werte aus dem Leben der Menschen auslöscht, der sollte Programme aufsetzen mit Namen wie »Demokratie leben«. Und wer, wie einst die Faschisten, durch die Straßen marschieren, Häuser und Autos anzünden, Menschen zusammenschlagen und via Straßenterror seine politische Meinung durchsetzen will … ja, wie sollte sich heute so einer nennen, wenn er dafür auch noch gelobt werden will (statt ins Gefängnis geworfen zu werfen)?

Stalins Geist

Eine nicht-ganz-kleine Nachricht der letzten Woche war der »Stinkefinger«, den der Mann von der umbenannten SED seinem Kritiker im Parlament und damit der Demokratie entgegenhielt (vergleiche etwa mdr.de, 17.7.2020). Bodo »Genosse Stalin« Ramelow, Merkels »Ministerpräsident des Herzens« von der umbenannten SED, begleitete seine fingernde Vulgarität mit dem Ausruf, sein Kritiker sei ein »widerlicher Drecksack«.

Distanzierte sich die umbenannte Partei der Foltergefängnisse von ihrem Landesvater-von-Merkels-Gnaden? Kaum. Weitere Mitglieder schlossen sich an, ließen sich selbst in vulgärer Pose ablichten.

Die umbenannte SED zeigt der Demokratie den Stinkefinger. Es passt ja: Dass Stalins geistige Enkel in Bundestag und Landesregierungen krakeelen, dass die Leute, die uns immer noch nicht sagten, wo die SED-Milliarden hin sind, und die ansonsten davon träumen, wie sie das Land regieren werden, wenn sie das »ein Prozent der Reichen erschossen haben«, das ist für sich ein täglicher Stinkefinger gegen die Demokratie! (Hinweis: »Stalins Enkel« wird manchmal auch für maoistische/kommunistische Gruppen der Siebziger verwendet, deren Leute wie Kretschmann oder Trittin teilweise später auch bei den Grünen eine neue Heimat fanden; siehe Wikipedia.)

Im Essay »Expansiver Monotheismus – würden Sie darauf wetten?« (27.12.2018) nannte ich die heutige Ära »orwellsche Gegenteilzeiten«. In Parlamenten sitzen feist und breit jene, welche sich selbst »Demokraten« nennen, und ihre Gegner als »Anti-Demokraten« beleidigen, doch man möge mir einen einzigen Deutschen zeigen, der die deutsche Demokratie seit der Gründung der Bundesrepublik mehr beschädigte als Merkel, ihre Helfer, und all die, welche ihr Tun beklatschen.

Von TV-Stationen angestachelt (an deren Spitze »alte weiße Männer« stehen, spucken »Anti-Rassisten« buchstäblich den Schwarzen ins Gesicht, die dem zerstörerischen Treiben manipulierter, oft weißer Mobs widersprechen (siehe etwa @ElijahSchaffer, 19.7.2020) – und wir hören nebenbei, dass ein gewisser Herr Soros im Namen des angeblichen »Anti-Rassismus« stolze 220 Millionen US-Dollar in das Feuer gießt (nypost.com, 14.7.2020).

Gegen gelegentlichen Anschein

Man könnte beinahe meinen, dass alle Anti-Positionen heute ununterscheidbar dem ähneln, wogegen sie zu kämpfen vorgeben, doch es gibt aber auch noch ganz ehrliches, gutes »Anti« in dieser Welt!

Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton, so lesen wir in welt.de, 17.07.2020, bescheinigt Trump eine »ausgeprägte Abneigung gegen Merkel«, was Trump quasi zu einem Anti-Merkelianer machen würde – welcher anständige Mensch wollte sich da nicht anschließen? Anders als Merkels nützliche Idioten aber will und werde ich mich immer nur demokratisch einsetzen, in meinen besten Worten – und gegen den gelegentlichen Anschein allein auf die Kraft der Argumente vertrauend.

»Wir« und »uns«

Seit ich diese Essays schreibe, beschreibe ich auch einen großen Graben durch unsere Gesellschaft. 2017 wollte ich noch eine »Brücke über den großen Graben« bauen. Später wurde ich kühler, und ich fragte: »Wenn sie uns so hassen, sollen wir noch mit ihnen reden?«

Heute befürchte ich, dass der Graben zwischen »uns« und »denen« unüberbrückbar ist, und nicht (nur), weil er so groß und weit wäre (was er ist), sondern weil es wohl auch logisch gar keine Brücke geben kann, welche die zwei Ufer verbinden würde.

Wenn ich »wir« und »uns« sage, meine ich die Bürger, denen Worte, Logik und Ethik noch etwas bedeuten. Wenn ich hier »die« und »denen« sage, dann meine ich (vor allem) jene Politiker und Propagandisten, die Begriffe nur noch als emotional wirksames Geräusch einsetzen, welche die Begriffe umkehren, die Logik verschmähen und der Benennung von Zusammenhängen den Krieg erklären.

Die Häuser und Brücken der Demokratie sind aus Worten und Werten gebaut – wie baut man aber eine Brücke an ein Ufer, wo Worte keine Bedeutung mehr tragen und Macht der einzige wirklich geltende Wert ist, als solcher aber jedes, wirklich jedes Opfer zu rechtfertigen scheint?

Nicht stabil

Ich leitete den Text »Verwirre ihre Sprache, lasse sie ihren eigenen Augen misstrauen« mit diesen Worten ein:

Wenn ich eine Zivilisation in die Knie zwingen wollte, würde ich zuerst a) ihre Sprache verwirren (Babel), und b) ihr beibringen, sich selbst zu belügen (1984).

Unser heutiger Zustand ist nicht stabil. Diese Ära der Propaganda, diese Ära der mit staatlicher Gewalt finanzierten und verbreiteten Lügen, dieses Zeitalter der von Konzernen, Finanzakteuren und ihren dubiosen NGOs verbreiteten Lügenwahrheiten und Fakemoral kann nicht bestehen – nicht so, nicht auf Dauer.

Je weiter wir uns vom Boden der Realität aufschwingen, hoch in die Phantasiewelt der Lügen und des Leugnens, je höher wir fliegen und flattern, umso schmerzhafter wird unser Fall sein, wenn die Sonne der Wahrheit das Wachs unserer Illusionen schmelzen lässt.

Am Ende gewinnt immer die Realität – die Kunst ist heute, all die Schlachten zu überleben, die dem Ende vorausgehen – und für die Zeit nach dem Ende zu planen.

Diese Zeit kreißt und schreit, und sie wird eine andere Zeit gebären – und wir sind wirklich, wirklich gespannt, wie das Kind aussehen wird!

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