21.3.2020

Der Bully auf unserem Schulhof

von Dushan Wegner, Lesezeit 10 Minuten, Foto von Chris Henry
Kurz bevor die COVID-19-Exponential-Kurve auch in Deutschland hochzuschnellen droht, werden Beatmungsplätze an französische Bürger vergeben. Was, wenn es bald keine Plätze mehr gibt und man wählen muss, wer lebt und wer stirbt? Es wird … spannend.
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Es war einmal ein Schulhof-Bully, ein richtiger Schläger-Typ, der versetzte alle Mitschüler in große Angst. Er war nicht der klügste und er war zwei mal sitzen geblieben, doch er war schon vor dem Sitzenbleiben der größte, stärkste und auch aggressivste Kerl der Schule gewesen – und nach dem Sitzenbleiben war er doppelt mächtig!

Weil dieser Bully der Stärkste und Gefährlichste war, stimmten ihm die übrigen Schüler immer zu, ganz egal was er sagte. Der Bully bestimmte, was auf dem Schulhof gespielt wurde. Der Bully bestimmte, wer etwas zu sagen hatte (die, die ihm schmeichelten) und wer lieber den Mund hielt (wer ihm widersprach oder generell schlauer war als er, nur eben nicht so muskelstark).

Dem Bully war schnell langweilig, und er suchte nach immer neuen Gefahren – irgendwas war in seiner Kindheit schiefgelaufen – und er dachte sich täglich neue, immerzu gefährliche Spiele aus.

Es passierte alle paar Tage, dass ein Schüler blutverschmiert aus der Pause zurückkam. Mal fehlte ihm ein Zahn, mal war ein Bein gebrochen, einmal hatte sich ein Schüler das Auge ausgestochen.

Die Lehrer ahnten, dass es der Bully war, der die Kinder zu gefährlichen Spielen gezwungen hatte, doch sie sagten nichts, denn zum einen fürchteten sich die Lehrer auch ein wenig vor dem Bully, vor allem aber war dieser Kerl schlau, und er half den Lehrern gelegentlich, seine Mitschüler ruhig zu bekommen, wenn das Machtwort der Lehrer nicht genügte.

Fast hätte sich ein Equilibrium eingependelt, ein friedliches Nebeneinander, doch dann kamen neue, kleinere Bullys dazu. Man verbrüderte sich, man bekämpfte sich, es war nicht immer klar – einzig sicherer Fakt war, dass immer mehr Schüler blutig und schwer verletzt aus der Pause zurückkamen.

Und dann starb der erste Schüler. Und dann der zweite. Der Bully war längst mächtiger als die Lehrer.

In der Nähe von China

Weder deutsche Regierung noch deutscher Staatsfunk scheinen zu begreifen, was »exponentielles Wachstum« bedeutet (siehe dazu mein unpolitisches Erklärvideo auf YouTube). Über die verschiedenen Sender und Formate des Staatsfunks wurden – und werden teils noch immer! – hoch gefährliche Beschwichtigungen gesendet.

Vier Beispiele:

  1. Die »heute-show«, die Satire-Sendung, die schon mal die Behinderung von Oppositionellen veräppelt (siehe etwa tichyseinblick.de, 5.2.2018), erweist sich auch in der Corona-Krise als stabil auf Regierungslinie – und das ist der Punkt, wo es gefährlich wird. Ende Januar/ Anfang Februar hieß es noch: »Lasst euch nicht von der Corona-Panikmache anstecken!« (@heuteshow, 3.2.2020/archiviert)
  2. »Übertriebener Hype?« fragte »ARD-Monitor«, spielte das Risiko herunter. Die Gefährlichkeit, so deute sich laut einem Experten an, sei »deutlich geringer als angenommen.« Die Georg-Restle-Sendung deutete wirre Verschwörungstheorien an, wonach es eigentlich um Gelder für die Pharmaindustrie ginge (wdr.de, 31.1.2020). Man gewinnt den Eindruck, man solle sich doch lieber um Masern und Malaria kümmern. In einem Jahr könnten wir das fast schon wieder vergessen haben.
  3. Wir berichteten bereits von der unsäglichen Verharmlosung beim Bayerischen Rundfunk (Essay 13.8.2020).
  4. Sogar ganz aktuell wird von der Tagesschau heruntergespielt, es gäbe »nur zwei Fälle, in denen das Tragen einer Schutzmaske sinnvoll« sei (@tagesschau, 19.3.2020) – die Wahrheit ist dagegen, dass in Ländern, in denen das Tragen einer Maske »normal« ist, die Kurve flacher verläuft, obwohl sie sich in der Nähe von China befinden.

Während der Staatsfunk weiter beschwichtigt und die Regierung versucht, nachzuholen, was sie wochenlang nicht wahrhaben wollte, scheinen die Zahlen in Deutschland gerade erst abzuheben, so berichtet etwa sciencefiles.org, 20.3.2020: »Deutschland hat sich aufgemacht, die italienische Entwicklung noch zu übertrumpfen.«

»endlich die Augen öffnen«

Mittlerweile melden sogar sehr mainstreamige Medien wie das »Redaktionsnetzwerk Deutschland«:

Die Zahl der Coronaerkrankten steigt in Deutschland weiter exponentiell an. (rnd.de, 20.3.2020)

Eigentlich hatte die Bundesregierung sich schon vor Jahren von »Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012« informieren lassen (wie zum Beispiel nzz.ch, 20.3.2020 notiert; die Studie findet sich bei bundestag.de). Was man davon halten soll? Ausgerechnet der Bayerische Rundfunk, wo man sich über Vorsorge und Schutzmasken lustig machte, veröffentlicht »Faktenchecks« zu dieser Studie (br.de, 13.3.2020).

Der Chef des Robert-Koch-Instituts drängt, man solle »endlich die Augen öffnen und Realität anerkennen« (rnd.de, 20.3.2020) – es ist eine Forderung die wir, Sie und ich, inhaltlich gewiss teilen (manche tragen den Gedanken sogar als T-Shirt: »Am Ende gewinnt immer Realität« – länger schon).

Bei aller Gefahr, verstärkt durch die Verharmlosung und Beschwichtigung »von oben«; wenn exponentielles Wachstum doch nur das Einzige wäre, was Politik und Journalisten nicht begreifen! Da ist noch etwas, und es ist, ähnlich wie die Kurven exponentieller Funktionen, eine grundlegende Wahrheit der Welt – unserer Welt.

Baden-Württemberg

Aus dem deutschen Südwesten lesen wir aktuell eine Schlagzeile, die jedes Herz bewegt (wie sie es bewegt, das ist vielleicht eine andere Sache):

Covid-19 – Baden-Württemberg will Corona-Patienten aus Frankreich aufnehmen (deutschlandfunk.de, 21.3.2020)

Nach allem, was wir wissen, steht Deutschland am Beginn seiner Corona-Pandemie.

Die Aufgabe von Tabus und politischer Korrektheit ist es, unangenehme Fakten aus der öffentlichen Debatte heraus zu halten – und auch unangenehme Fragen.

Wir wollen einmal politisch unkorrekt sein, wir wollen – ganz im Sinne des Chefs des Robert-Koch-Instituts – die Realität als solche betrachten, und wir stellen die Fragen, die furchtlose Fragensteller so stellen.

  1. Was wird man mit ausländischen Patienten machen, sobald alle Beatmungsgeräte belegt sind, und ein deutscher Patient beatmet werden muss?
  2. Wird man deutsche Patienten sterben lassen, um ausländische zu retten?
  3. Laut Berichten werden Politiker und selbsterklärte Flüchtlinge »zur Sicherheit« getestet, während deutsche Bürger bei Tests bereits jetzt in zweite Reihe zurückzufallen scheinen (siehe auch Essay vom 20.3.2020) – wird dies auch bei lebensrettenden Maßnahmen der Fall sein?

Oder, anders gefragt: Schon 2015 wurde der Tod von Deutschen in Kauf genommen, indem man auch potentielle Terroristen unkontrolliert ins Land ließ und die Grenzen offen ließ. Wird man in der Corona-Krise wieder den Tod von Deutschen in Kauf nehmen?

Bevor wir versuchen, Antworten zu skizzieren, sollten wir die Fragen präzise formuliert haben! (Ja, ich weiß, dass Linksgrünen es bereits als »Hetze« erscheint, unangenehme Fragen zu stellen. Ich bin nicht links; ich will mich gerade jenen Fragen zuwenden, die zwicken und weh tun.)

Wenn man aber die obige Frage beantworten sollte, dass selbstverständlich, im Zeichen der Toleranz oder anderer frei belegbaren, anti-diskursiven Schlagworte, das Leben des Deutschen von geringerem Wert als das des Ausländers ist – mit welchem moralischen Recht kassiert die Regierung dann Steuern vom Bürger, mit welchem Recht legt der Staat dem Bürger diverse Pflichten auf, wenn dieser Bürger, wenn er den Staat am dringendsten braucht, in zweiter oder sogar dritter Reihe hinter Politikern und Bürgern anderer Staaten zurückzutreten hat?

Bürger als hinnehmende Untertanen

Meine Philosophie der »Relevanten Strukturen« ist in gewisser Hinsicht am anderen Ende der Skala von Merkel, Staatsfunk und linksgrünen Ideologen.

Deren Philosophie ist eine Ideologie, und als solche in Konsequenz menschenfeindlich. Deren Denkweise setzt Bürger als hinnehmende Untertanen voraus. Meine Denkweise betrachtet den Menschen, wie er ist – und der Mensch, wie er ist, sehnt sich danach, sein Leben nach »relevanten Strukturen« anzuordnen.

Wie ist der Weitblick des Staatsfunks zu bewerten? Erlauben Sie mir, den erwähnten ARD-Monitor zu zitieren, und zwar die besonders dramatischen Schlussworte jenes Corona-Virus-Beitrags, also »das, was hängen bleibt«:

»Das Corona-Virus löst zur Zeit Panik aus. Noch wissen wir nicht, wie viele Tote es fordern wird, aber einiges spricht dafür, dass wir es in einem Jahr schon wieder fast vergessen haben.« (ARD-Monitor, 31.1.2020)

In gesellschaftlichem »Schönwetter«, wenn alle Grundbedürfnisse weitgehend gestillt sind, dann kann man sich mit ausgedachten Problemen und Fragen beschäftigen, wie jener, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen, oder wie viele Geschlechter es geben könnte.

Wer sich allerdings – ob als Individuum oder als Gesellschaft – so lange mit ausgedachten, nur in Gedanken existierenden Problemen beschäftigt, bis er in einen irren Wahn verfällt und seine ausgedachten Vorstellungen für die Realität hält, der wird die realen Probleme in der realen Realität zu vernachlässigen beginnen – und dann schleicht sich die Realität im Dunkeln seiner Ignoranz an ihn heran, fletscht ihre Reißzähne und erinnert ihn daran, wer es ist, der am Ende gewinnt – immer.

Der Bully

Der Staatsfunk ist ein Bully, der Bürger umherschubst. Die Politik braucht ihn von Zeit zu Zeit, um die Bürger still zu halten, etwa wenn eine Pandemie droht und die Regierung das Land offenen, aber blinden Auges (wieder) in die Klippen steuert.

Nach aller Lebenserfahrung und simpler Vernunft ist zu erwarten, dass Menschen sterben werden, weil sie den Scherzen und Beschwichtigungen der Staatsfunker glaubten. Mindestens eine Mitarbeiterin des Bayerischen Rundfunks scheint selbst an einer »Corona Party« teilgenommen und die Bilder online gepostet zu haben – und eben derselbe Staatsfunk-Sender muss jetzt Redaktionen zusammenlegen – wegen Coronafällen (t-online.de, 20.3.2020). (»Corona Partys« sind in etwa ein Äquivalent zum »Pozzen« oder »Bugchasing« in gewissen Großstädten, wo Männer sich aus komplizierten psychologischen Gründen absichtlich mit dem HI-Virus anstecken lassen, nur eben mit dem SARS Corona Virus-2. Ein Unterschied ist: Ein HIV-Kranker steckt nicht andere schon dadurch an, dass er nach jener Party einfach so hinter anderen Leuten an der Supermarktkasse hustet. – siehe auch: »Berliner gehen tanzen, 42 davon sind nun infiziert«)

Der Staatsfunk ist ein Bully, und es arbeiten Charaktere dort, deren ethisches System ist sehr anders als Ihres, meines oder das der meisten anderen Menschen, die ich auch nur entfernt als »anständig« bezeichnen würde.

Der Staatsfunk ist ein Bully, der jeden fertigmacht, der von der Parteilinie abzuweichen wagt. Die Politik setzt ihn gern ein, um ihre Gegner fertigzumachen – es bleibt ein Bully, der heute das sagt und morgen das Gegenteil, wie es der Politik gerade passt – und wenn Menschen dabei draufgehen, dann ist das ein Preis, den diese Menschen offenbar zu zahlen bereit sind.

Nicht nur die Kenntnis exponentiellen Wachstums scheint Staatsfunkern abzugehen – auch und besonders irgendeine tiefere Erkenntnis darüber, wie Menschen außerhalb derer Flure fühlen, was Ethik und Moral für Nicht-Staatsfunker und Nicht-Politiker ist – und wie die meisten von ihnen selbst fühlen würden, wenn sie in der Intensivstation an die Schläuche angeschlossen würden.

Schnell und kompromisslos

Staatsfunker und Politiker erzählen heute das Gegenteil dessen, was sie gestern sagten, und die einzige Konstante in deren Aussagen ist, dass jeder, der ihnen widerspricht, ein »Rechter«, »Nazi« und damit ein Auszustoßender ist.

Teile der Welt, wie wir sie kannten, lösen sie aktuell auf.

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut, und diese Lügen kollabieren – nicht erst seit der Corona-Krise, aber in dieser extra schnell und kompromisslos.

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut, und deutsche Politik unter Merkel ist auf dem linken Weltbild aufgebaut.

Ja, wir werden vieles neu aufbauen müssen. Die Wirtschaft nimmt bereits schwere Schäden. Nach aller Erfahrung werden wir uns von mehr Menschen verabschieden müssen, als uns lieb ist.

Der Schulhof-Bully wütet noch, er lügt und schwätzt und ist hoch gefährlich. Werden wir uns von ihm befreien, werden wir ihn loswerden können?

Ach, es wäre ein Anfang, wenn wir unsere Mitmenschen dazu bringen könnten, den Bully nicht mehr zu fürchten.

Wenn wir nach der Krise neu anfangen möchten, müssen wir die Angst vor dem Staatsfunk ablegen. Der Bully wird Bully bleiben – werden wir seine Opfer bleiben?

Unsere Lage ist absurd. Nach der Angelegenheit wird die Welt eine andere sein – und eine andere bleiben. Die Dinge ändern sich – hoffentlich zum Guten.

Das Zwanzigste Jahrhundert ist nun wirklich und endgültig vorbei. Heute vor hundert Jahren litt Europa im Würgegriff der Spanischen Grippe. Heute zittern wir im Griff des Chinesischen Virus.

Die Zukunft wird spannend. Und zuvor werden wohl, so steht zu befürchten, einige Menschen sterben, die nicht hätten sterben müssen. Es wird riskant und gefährlich. Es wird Möglichkeiten und Chancen geben, die wir jetzt noch nicht sehen.

Ja, ich habe Angst vor der Welt, in die die Kinder hineinwachsen, die genau jetzt hinter mir sitzen und auf dem anderen Bildschirm via Netflix den großartigen »Spongebob« gucken – ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Mittel.

Ich habe Angst, da bin ich offen und ehrlich. Doch mein Verstand sagt mir, dass sich neue Möglichkeiten eröffnen werden, die ich jetzt noch nicht sehe. Ich hoffe, dass mein Herz bald meinem Verstand folgt, und ebenso die Hoffnung sieht.

Und ich hoffe, dass wir alle die verfluchte Angst vorm großen, zu viele Milliarden Euro schweren Bully ablegen!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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