15.3.2020

Berliner gehen tanzen, 42 davon sind nun infiziert

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Lennon Cheng
Nachrichten sind doch meist entweder: 1. Lügen, oder: 2. unbequeme Realität, die bestätigt, was »böse Rechte« schon länger sagen. Doch dann gibt es noch 42 Berliner, die in den Club tanzen gingen und nun infiziert sind. Wow! Was geht in diesen Köpfen vor?!
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Wo wohnen die klügsten Leute der Bundesrepublik Deutschland? – Moment, halt, lassen Sie mich die Frage bitte neu formulieren! Wo wohnen die Menschen, die sich selbst für die allerklügsten halten, und für die moralischsten sowieso – und beides im sperrangelweiten Delta zur Realität, so folgenreich fürs Land wie einst das Delta des Nils für jene Gegend, und gewiss nicht schmaler als das Delta des Ganges, das ja das größte Delta des Planeten ist – wo wohnen diese Herrschaften?

Richtig – die Antwort auf diese und andere sarkastisch und also wenig schmeichelhafte Fragen lautet: Berlin.

Wir kennen sie, die teils fiktiven, teils realen Volksgruppen, die als Setting und Pointenstoff manchen Witzes dienen. Die Schildbürger kennen wir (siehe auch Essay vom 8.9.2018), oder auch die Ostfriesen. Das Radio Eriwan stellt zwar keine Volksgruppe dar, doch mit seiner fiktiven »Fragestunde« steht es ebenfalls für eine ganz eigene Geisteshaltung mit eigener Perspektive auf die Realität, eigener Denkweise und folglich auch ganz eigenen Schlüssen.

Wir kennen natürlich auch Volksgruppen und Landesteile, die existieren ganz real, und deren Blick auf die Realität ist ebenfalls sehr eigen – um nicht flapsig »durchgeknallt« zu sagen – richtig: Wir reden von Berlin und seinen Insassen.

»42 auf einen Club«

Es war März 2020. Die ganze Welt zog sich in den präventiven Hausarrest zurück, um nicht einander anzustecken. Die ganze Welt? Nein. Leider nein: In einer Millionenstadt in Deutschland gingen die Leute erstmal Party feiern!

Etwa ein Sechstel der erfassten Berliner Coronavirus-Infektionen hat mit Club-Besuchen zu tun. »Von 263 bestätigten Fällen in Berlin sind 42 auf einen Club zurückzuführen«, erklärte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Samstagabend bei Twitter. (rbb.de, 15.3.2020)

Man vermag kaum, es zu glauben. Vielleicht hilft es, in nüchterne Worte zu bringen, was da passierte: Junge Berliner sind »Party machen« gegangen, während eine Pandemie tobt – und Dutzende von ihnen haben sich angesteckt.

Ich sehe einige logische Möglichkeiten, wie es dazu kommen konnte:

  1. Die jungen Berliner hörten es im Staatsfunk und glaubten, dass der Coronavirus mit einem Schnupfenerreger vergleichbar sei und die Warnungen nur Panikmache von »Rechten« (siehe: Corona-Virus? »… alle erstmal durchatmen«!).
  2. Die jungen Berliner hörten von der Politik, dass Deutschland gut vorbereitet sei und dass die »Verschwörungstheorien« mehr zu fürchten seien als das Virus (wie der Gesundheitsminister zitiert wurde), und die Feiernden riskierten also bewusst, infiziert zu werden, davon ausgehend, dass es nicht-so-schlimm sei.
  3. Die jungen Berliner waren informiert, gehen aber davon aus, dass es eh nur »die Alten« trifft, und gemäß der monatelangen Hass-Kampagne des Staatsfunks gegen »die Alten« (siehe auch »Umweltsau«) haben sie das linke Narrativ von Alten als »lebensunwertem Leben« (Nazi-Begriff für denselben Begriff) übernommen. (Die Verharmlosung der Gefahr, da sie vor allem ältere trifft, wurde u.a. vom Staatsfunk-Jugendprogramm betrieben, aber auch etwa von einer linken Band, die in der Vergangenheit vom Bundespräsidenten selbst beworben wurde.)
  4. Die jungen Berliner sind latent suizidal und/oder generell lebensverachtend veranlagt (ohne zu begreifen, dass Sterben tatsächlich weh tut).
  5. Die jungen Berliner sind linksgrün und handeln also »dumm«, sprich: sie sind sich nicht dessen bewusst, dass Handlungen auch Konsequenzen haben (siehe auch Essays vom 4.6.2016, 23.5.2018, 21.11.2019).

Ein Zyniker würde schnell antworten: »Alle Punkte zugleich!« – Es wäre nicht nur zu untersuchen, ob einer und welcher der Punkte zutrifft (und natürlich inwiefern und warum jener Zyniker falsch liegt).

Ein Witz, wir brauchen einen Witz: »Was tut ein Ostfriese, wenn ihm Wasser ins Boot läuft?« – »Er bohrt natürlich ein weiteres Loch, damit das Wasser wieder ablaufen kann!« – Was tut ein Berliner, wenn eine Seuche sein Leben bedroht? Er geht eng gedrängt tanzen, um die Angst vor der Ansteckung zu überwinden! – Berlin ist gelegentlich ein Witz, aber selten ein lustiger.

Sturzhelm fürs Zeitungswesen

»Globalisierungsgegner agieren völlig wirklichkeitsfremd«, so wurde einst über einer Kolumne von Otto Graf Lambsdorff getitelt (welt.de, 10.11.2001; sein ultraglobalistischer Neffe, siehe auch »Migrationspakt: Im Bundestag fallen die letzten Masken«, wurde laut Medienberichten übrigens als mit dem Wuhan-Virus infiziert diagnostiziert, siehe spiegel.de, 13.3.2020, und wir wünschen auch ihm rasche und vollständige Genesung). – »Globalisierungsgegner sind ökonomisch unbedarft«, so ein Wirtschaftsprofessor in selber Zeitung (welt.de, 31.5.2002).

Der CDU-Chefin wird zugeschrieben, die »marktkonforme Demokratie« anzustreben, und sie hat es wohl nicht ganz so gesagt (siehe faz.net, 15.4.2012), doch einige der Kräfte, die sie zu treiben scheinen, sind tatsächlich sehr an offenen Grenzen, billigstmöglichen Arbeitskräften und einer Schwächung der Völker und Nationen zugunsten der Konzerne und Superinvestoren interessiert.

Die Schwächung des Demos, das Schleifen aller Grenzen und Mauern – außer natürlich der Mauern, welche die Strippenzieher von den Folgen ihres zynischen Treibens abtrennen – es läuft heute unter diversen schönfärberischen Schlagworten, und deren bekanntestes lautet wohl »offene Gesellschaft«. »Die offene Gesellschaft hat ihre Feinde« titelte welt.de, 15.5.2018, und mit »Feinde« waren natürlich jene gemeint, welche die Demokratie gegen das Schleifen der Grenzen und Trennungen verteidigen, ohne die sich weder Recht, Ordnung, noch, wie wir heute sehen, die Zukunft selbst verteidigen lassen.

Das globalistische Dogma, das fake-linke Propagandisten in die Blutbahn der Nationen einspritzen, wonach alle Trennung, alle Grenzen und alle Unterschiede des Teufels und daher mit allen Mitteln zu bekämpfen seien – es erweist sich spätestens seit 2015, aber gerade heute wieder als tödlich.

Es erscheint mir wie Wendehalsigkeit, die selbst manchem SED-Funktionär ein Schleudertrauma besorgen würde, wenn ich am 15.3.2020 auf der Titelseite der »Welt am Sonntag« lese:

Wir müssen uns trennen – Warum mehr Abstand zwischen Menschen unsere größte Chance ist, wie es anderen Ländern ergeht, was wir von ihnen lernen können, wie der Crash verhindert werden soll – und alles, was Sie sonst noch über die Pandemie wissen müssen (Welt am Sonntag, Print-Titelseite 15.3.2020)

Es ist eine bemerkenswerte philosophische Wende.

»Warum tragen Ostfriesen beim Lesen der Zeitung einen Sturzhelm?«, so fragt ein Ostfriesenwitz, und die Antwort ist: »Weil sie sich vor den Schlagzeilen fürchten.« – In diesem Geiste möchte man manchem Mainstream-Journalisten in Berlin aus Vorsicht eine Schleuderhalskrause empfehlen, wie man sie nach Auffahrunfällen trägt.

Die Hälfte des Zentralkomitees

Im April vor zwei Jahren schrieb ich: »Aus Gutmenschen, die es selbst betrifft, werden schnell Bösmenschen«. Man könnte bald formulieren: »Aus offene-Grenzen-keine-Trennung-mehr-Ideologen werden plötzlich Unterschied-Fans, wenn sie selbst Angst vorm Sterben haben.« – Ach, wäre es nur immer der Fall!

Vor einem Jahr noch durfte Ulrike Guérot ihre Meinung in welt.de, 26.3.2019 verbreiten – sie ist eine laute Vertreterin einer Idee, die sich als »großeuropäisches Reich« bezeichnen ließe (siehe Essay vom 10.4.2018). Dieselbe Zeitung preist heute die Trennung?

Im Staatsfunk wurde letztens ein »Prepper« interviewt, also einer, der sich Vorräte für Notzeiten anlegt – noch vor kurzem galt das als »rechts« und konnte, wie in den Sozialen Medien gescherzt wurde, einen Bürger wohl ins Visier des Verfassungsschutzes bringen.

Seit ich diese Essays schreibe, plädiere ich für souveräne Nationalstaaten, die voneinander lernen (siehe etwa die Essays vom 22.11.2018, aber aktuell auch den Text vom 24.2.2020). Plötzlich stehen auf der Titelseite der Welt am Sonntag erstaunlich kluge Sätze, wie ich sie sonst eher bei den freien Denkern vermutet hätte. »Jetzt zeigt sich die Kehrseite der Globalisierung«, stellt man bei welt.de, 15.3.2020 ganz erstaunt fest – es geht um die wirtschaftlichen Folgen jener Wuhan-Suppe – der Artikel steht hinter Berliner Bezahlmauer wohlgemerkt, und ich weiß ehrlich nicht, ob ich erleichtert nicken oder halbverzweifelt lachen soll.

Der Menschenfreund in mir möchte glauben, dass das plötzliche Umdenken von Zeitungsleuten und Meinungsmachern eben das ist, ein Umdenken, also eine echte Veränderung des Denkens. Der Realist in mir ahnt, dass die neuen Töne eher vorübergehende Zweck-Opportunismus sind. Man lässt etwas Dampf vom Kessel ab. Man wendet etwas Vernunft an, etwas menschengerechte und also kohärente Ethik, die notwendig ist, um die Entfernung zur von den ach-so-bösen Rechten beschriebenen tatsächlichen Realität und gehirngerechter Vernunft für ein paar Tage zu verringern. – Ich weiß, ich weiß: Am Ende gewinnt immer die Realität – und der Realist ist es, der richtig lag, wie viele Schläge er auch für seinen Realismus erhielt.

Radio Eriwan wird gefragt: »Ist es wahr, dass die Hälfte des Zentralkomitees vollständige Idioten sind?« – Radio Eriwan antwortet: »Nein, das Gegenteil ist richtig: Die Hälfte des Zentralkomitees sind nicht vollständige Idioten!« – Wie gut, dass es heute kein Zentralkomitee gibt, und dieser Witz auch nicht auf Bevölkerungsgruppen wie etwa Journalisten anwendbar wäre!

Das rote Auge beim Teetrinken

Die Nachrichten lassen sich heute beinahe ausnahmslos in eine von zwei Gruppen teilen:

  1. Lügen, teils mit tödlicher Konsequenz
  2. Unbequeme Bestätigung dessen, was vor Kurzem nur die »bösen Rechten« sagten

Dass Grenzen uns beim Überleben helfen, dass Nationen voneinander lernen sollten, dass Trennung menschlich und damit gut ist, aber Gleichmacherei unmenschlich und tödlich – solche Denkweise galt bis eben noch als »rechts« und »nazi« und »populistisch« sowieso – und jetzt tun gewisse geschwinde Halsdreher so, als hätten sie es schon immer gesagt (siehe auch »Wenn sie dich nicht »rechts« nennen, was machst du falsch?«) – ich fürchte, diese Leute werden sehr bald wieder das Gegenteil sagen.

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut. Aus Lügen, Beschwichtigung und »gefühlter Wahrheit« abgeleitete politische Handlungen führen zu Leid und, ja, Tod.

Nicht alles Leid ist die Folge linker Lebenslügen, doch alle linken Lügen führen zu Leid. Wo wohnen die klügsten Menschen Deutschlands? Nun, viele der Klügeren halten sich (hoffentlich!) in ihrem Innenhof auf – und das nicht erst seit wir über die globalen Folgen lokaler Fledermaus-Suppen reden.

Einst fragte ich, von der Zeit nach Merkel träumend: »Wird unsere Kraft reichen, den Weg zurück zu gehen?« – Heute hoffe und bange ich, dass und ob es überhaupt einen Weg zurück geben wird.

Was wird unsere Zukunft sein? Wird uns eine Zukunft beschert sein, wo die Ethik wieder menschlich ist statt kalt, zynisch und ideologisch? Wird in Zukunft wieder als wahr gelten, was wahr ist? Von welchem Planeten stammen die Berliner und warum wurden sie dort rausgeworfen?

In diesen weiterhin nervösen Zeiten, noch ein Witz: Warum haben Ostfriesen immer ein rotes Auge? – Sie vergessen beim Teetrinken immer den Löffel aus der Tasse zu nehmen! (Was für eine passende Metapher für Berlin! Mein Vater berichtet übrigens, dass er diesen Witz schon vor 56 Jahren in Polen von einem Pastor namens Władysław K. hörte, und damals waren es nicht Ostfriesen, sondern Russen, die angeblich vergaßen, den Löffel rauszunehmen.)

Und noch einer: Ein Skelett im Keller, was ist das? Der Ostfriese, der Verstecken spielte und gewann! – Wäre es allzu makaber, den Witz an Berlin anzupassen? Irgendwas mit »det is Berlin« als letzten Worten?

Okay, okay, all Ding braucht Maß und Mitte, daher einen letzten noch: Was soll man von Berlinern halten? – Abstand!

Viel Abstand. Auch wenn die Corona-Krise vorbei ist. Und natürlich halten wir den Abstand nicht von den Berlinern per se, als Menschen, so fehlgeleitet und freiwillig dumm einige von ihnen sich anzustellen wählen. Wir sollten viel Abstand von der Berliner Denkweise halten, von einer Denkweise, die in der Pandemie erstmal in den Club tanzen geht. Es wäre fast lustig, wenn es nicht so gefährlich wäre.

Okay, ein allerallerletzter Witz noch: Warum ging das ostfriesiesche U-Boot unter? Bei der Ostfriesen-Marine war Tag der offenen Tür!

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