Seit einigen Jahren ist es kaum zu übersehen: Weder im TV noch in der Werbung finden traditionelle Familien statt. Zumindest nicht als positive Erzählung. Und das hat System.
Es wurde von Experten untersucht und bestätigt. Also damals, als »Experten« gelegentlich noch Dinge herausfanden, welche nicht bloß die laufende Propaganda bestätigten. Ich schrieb 2017 darüber: »Wenn sie wenigstens glücklich wären!«
In neuen Hollywood- und Streaming-Filmen scheinen männliche Helden alter Schule schlicht verboten zu sein. Wenn Männer überhaupt noch halbwegs männlich auftreten (statt von lesbischen Superfrauen zusammengeschlagen zu werden und ansonsten wie Idioten zu brabbeln), dann sind diese Männer »gebrochen« (siehe James Bond, Batman).
Wenn Väter in TV- und Werbe-Familien überhaupt vorkommen und auch positiv besetzt sind, sind diese heute meist »divers«. Und wenn Väter vorkommen und tatsächlich »biodeutsche« Männer sind, spielen sie halbdebile Trottel oder verweichlichte Waschlappen.
Soweit die Propaganda … bislang.
Jedes weitere Kind
Nach Grundgesetz Art. 6 steht die Familie unter besonderem Schutz des Staates. In Unserer Demokratie meint aber Familie buchstäblich alles außer dem einen Familien-Prototyp, der das Optimum darstellt für die seelische Gesundheit und die Erfolgschancen von Kind und Gesellschaft.
Ja, die Propaganda will eigentlich, dass Menschen sich fortpflanzen. Nur das Kernpublikum der Propaganda – realistischerweise Deutsche europäischer Herkunft – soll sich, so scheint es, lieber nicht fortpflanzen.
Früher gab man als Grund dafür die »Selbstverwirklichung« an. Beim gegenwärtigen Arbeitsmarkt ist das dann doch zu wenig plausibel. Also heute »wegen Klima«.
Echte Schlagzeilen und Aussagen in Leitmedien: »Kinderwunsch streichen, Klima retten« (spiegel.de), »Kinder produzieren Müll, verbrauchen Ressourcen und sorgen für CO2-Ausstoß. Jedes weitere Kind ist also ein potenzieller Klimasünder.« (deutschlandfunk.de), »Jedes nicht in die Welt gesetzte Kind spart CO2« (welt.de), und so weiter.
Und wenn die Zielgruppe dennoch ein Kind in die Welt bringen wollen sollte, dann schränkt man ein: »Babys sind doch süß. Es sei denn, es sind Jungen.« (sueddeutsche.de, 26.12.2025)
Und wer soll in Europa wohnen, wenn alle Kinder fürs Klima eingespart wurden? Soll Europa wieder ganz zu Wald und Wiesen werden?
Jein!
2017 titelte National Geographic: »Die Neuen Europäer« mit dem Bild einer arabisch-muslimisch anmutenden Familie (nationalgeographic.de). Frau mit Kopftuch, Mann mit Ghutra auf dem Kopf. Insgesamt ein Bild, das wir früher mit Saudi-Arabien und dem Orient assozierten (heute tatsächlich mit europäischen Innenstädten, ob in Großbritannien, Frankreich oder Deutschland).
1, 2, 3, 4, 5
Es ist auffällig: Wenn EU-Propaganda über die Jugend in Europa spricht und dazu inszenierte Bilder zeigt, sind diese immer divers.
Sprich: Die Bilder enthalten zentral und betont Personen mit einem »Erscheinungsbild«, welches nach Art. 3 GG nicht zur Diskriminierung führen darf. Die Beispiele sind beliebig viele; hier nur ein paar davon: 1, 2, 3, 4, 5.
Diese Personen sind gecastet, die Fotos inszeniert. Es sind Propaganda-Fantasien – erdacht von Gremien, die selbst tatsächlich so weiß sind wie der Schnee in der Ukraine. In ihren eigenen Reihen nehmen die Verantwortlichen es nicht ganz so genau mit der Diversität. Aber für das Volk, für Europa, kann es gar nicht divers genug sein – ein zu zensierender Nazi, wer das anders sieht.
Nun aber, in den letzten Monaten, stoßen wir im Internet urplötzlich auf Bilder und Ideen, die all dem zu widersprechen scheinen.
Auf den neuen Bildern sehe ich Soldaten, die Europa verteidigen wollen, sogar Heldentum scheinen diese Bilder zu feiern. Als Beispiel: @dushanwegner, 13.01.2026
Diese Bilder wurden häufig von Künstlicher Intelligenz generiert. Und sie werden von Leuten verbreitet, die damit die Idee stark machen wollen, dass Deutsche und/oder Europäer sich verteidigen sollen.
Wie sehen Bilder weißer, prototypischer männlicher Helden!
Männer zum Stolzsein. Sehr traditionell europäisch aussehende Männer.
Was sollen uns diese Bilder sagen?
Sollen Europäer jetzt ihre angestammten Länder gegen aggressive Eindringlinge verteidigen, also im alten Sinne von »Verteidigung«?
Dürfen Deutsche sich plötzlich gegen Menschen verteidigen, die unerlaubt über die Grenzen kommen wollen? Es ist rätselhaft!
(Nebenbei: Die generierten Bilder sind schon mal »deutscher« als die tatsächliche Bundeswehr. Je nach Berechnungsmethode liegt der Anteil von Soldaten mit Migrationshintergrund zwischen 13 und 26 Prozent; siehe Wikipedia. Ich bin aber absolut sicher, dass diese im entsprechenden Konfliktfall auf der Seite der deutschen Demokratie auch gegen eventuelle Glaubensbrüder kämpfen würden.)
Grönland ja, Deutschland nein
Man fragt sich aber schon, warum plötzlich Heldenbilder publiziert werden. Und dann schaut man sich den jeweiligen Anlass an. Einer davon lautet: Grönland.
Donald Trump hat angekündigt, demnächst Grönland zu kaufen. Und wenn das nicht klappt, es militärisch zu annektieren. (Er formulierte: »do it the hard way«; siehe cnn.com, 10.1.2025.)
Wie gut, dass eine spontane Umfrage ergibt: »Mehrheit der Deutschen will Grönland verteidigen« (welt.de, 13.01.2026).
Aha.
Warum genau sollen deutsche Soldaten eigentlich Grönland verteidigen?
Die Begründung ist spannend. Grönland soll selbstverständlich »den Grönländern gehören«, und deshalb will angeblich die »Mehrheit der Deutschen« jenes ferne und kalte Stück Erde »verteidigen«:
Viele Grönländer fürchten, dass eine Übernahme durch die USA ihre Rechte als indigenes Volk gefährden könnte. Ihre kulturelle Identität steht für sie auf dem Spiel.
Moment! Deutsche Mannsbilder sollen mit den letzten beiden Panzern und 4 Berliner Lastenrädern die kalte Insel vor Kanadas Küste gegen US-Flugzeugträger und die neuesten High-Tech-Waffensysteme verteidigen, weil Grönland den Grönländern gehört?
Wenn jemand fordern sollte, dass Deutschland den Deutschen gehört und folglich von Deutschen verteidigt werden soll, wird dies automatisch § 130 Volksverhetzung aktivieren und dir mindestens eine Straf-Hausdurchsuchung bescheren.
Aber Deutsche sollen »in Grönland Europa verteidigen«, damit Grönländer »ihre kulturelle Identität« leben können?
Ja, im Reden über Deutschland, Europa und Militär finden sich viele Widersprüche. Der Kopf schwirrt mir.
Grönland ist ja nicht die einzige potenzielle Front für deutsche Mannsbilder. Die Ukraine und Russland stehen ebenfalls regelmäßig in der Debatte.
Und immer wieder fällt auf: Wenn es darum geht, europäische Männer an der Front zu verheizen, sind Propagandabilder plötzlich nicht mehr »divers«. Und niemand fordert eine Quote, klar. Oder wie der deutsche Feminismus zur Wehrpflicht erklärt: »Gleichberechtigung bedeutet, die gleichen Chancen zu haben, nicht dieselben Pflichten.« (via @BAMFBasar, 13.11.2025)
Sich zu Tode saufen
Um die Absurdität dieser Zeit – und meine hier in Zeilen gegossene Wut – zu verstehen, wird es helfen, sich noch mal die obige Umfrage anzuschauen, wonach eine »Mehrheit der Deutschen« angeblich Grönland gegen die USA verteidigen will.
Die schon in der Prämisse surreale Umfrage (als ob so eine Verteidigung möglich wäre) wurde interessanterweise nach Wählergruppen aufgeschlüsselt.
Am oberen Ende der Skala sind die Wähler der einen Partei mit 75 Prozent »Verteidigungswille«. Am anderen Ende die Wähler einer anderen Partei mit 37 Prozent.
Ich kann euch auch verraten, dass es sich, in alphabetischer Reihenfolge, um die AfD und um die Grünen handelt. Also einmal die Partei mit Zigtausenden Zeitsoldaten in ihren Reihen (tagesspiegel.de, 29.03.2019). Und dann die Partei der Kriegsdienst-, Leistungs- und Realitätsverweigerer.
Ihr ahnt es schon: Es sind Grünen-Wähler, die zu 75 Prozent deutsche Soldaten (auch) in Grönland verheizen wollen. Und es sind die AfD-Wähler, die eher wissen, wovon sie reden, also zurückhaltender sind. Die Grünen sind nicht gegen alle Grenzen und gegen jede nationale Souveranität – die Grünen sind nur gegen deutsche Grenzen und Selbstbestimmung.
Anders als die Guten
Grünen-Wähler wollen von ihren Innenstadt-Altbauwohnungen aus den Bauern vorschreiben, wie diese den Acker zu pflügen haben. Grünen-Wähler beschließen, dass es weder Kraftwerke noch Industrie braucht, der Strom kommt aus der Steckdose und Arbeitsstellen von den NGO-Fördertöpfen.
Und dieselben Grünen (inklusive einiger Grüner, die sich pro forma etwa zur CDU zählen), appellieren nun plötzlich an die ach so »toxischen« Männer, sich in einem vollständig aussichtslosen Krieg aufzureiben.
Jahrelang wurden »weiße Männer« als »toxisch« und »biodeutsch« und »Kartoffeln« beschimpft. In Europa geborene Männer sind die eine Gruppe, die zu hassen und zu benachteiligen nicht nur erlaubt, sondern vom Gesetz im Namen von »Gleichberechtigung« und »Inklusion« vorgeschrieben ist.
Aber wenn es darum geht, sich an der Front sinnlos verheizen zu lassen – ob Bio- oder migrantischer Neudeutscher –, entdecken die Altbaubewohner die Männlichkeit wieder: bei den Soldaten, die plötzlich gar nicht mehr alles potenzielle Rechtsextreme sind.
Ihr wisst schon
Wenn die, die wissen, was Krieg ist, nicht sinnlos sterben wollen für ein Land, das sie offen verachtet – oder sogar für ein ganz anderes Land –, dann werden sie tatsächlich als »Vaterlandsverräter« und »Putinknechte« beschimpft.
Ich atme durch. Frei nach Liebermann kann ich gar nicht so viel fressen … ihr wisst schon.
Dies ist kein Text über Männerrechte. Dies ist nicht einmal ein Text für Migrationsrealität oder gegen Propaganda. Ach, auch Texte über Linke sind heute keine politischen Texte mehr (sondern Diagnosen).
Dies waren lediglich ein paar Zeilen, die sagen sollen, dass ich verstehen kann, wenn deutsche Männer heute sagen: »Ihr hasst mich, ihr verachtet mich, ihr nutzt mich aus. Ich habe mich zumindest seelisch damit arrangiert, denn ich bin ein Mann. Aber verlangt nicht, dass ich für das System, das mich so verachtet, auch noch mein Leben gebe.«
Und dann noch: »Versteht mich nicht falsch! Ich will ja kämpfen. Ich will und werde mein Leben geben. Aber nicht dafür. Nicht für euch. Nicht für das.«
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Der Essay Fürs Verheizen ist Männlichkeit okay von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/fuers-verheizen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
