6.1.2021

Ein Feuerwerk von Wundern

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Gaurav D Lathiya
Ein »Wunder« ist ein Ereignis, das unerwartet und unwahrscheinlich ist, aber SEHR nützlich. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, wie außerordentlich nützlich das Virus für gewisse Politiker ist? Geradezu ein »Wunder«!
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Verehrte Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, seien Sie bitteschön so freundlich, und hören Sie endlich auf zu jammern! Zeigen Sie gefälligst angemessene Ehrfurcht! In diesen Tagen und Jahren werden Sie zum Zeugen vieler Wunder! Ach, nicht nur zum Zeugen, nein, noch mehr: Auf wundersame Weise werden Sie zum Teil der Wunder, zum Gegenstand und auch gleich zum notwendigen Mitspieler in einem wahren Feuerwerk von Wundern!

Falls Sie sie sich nun, liebe Leser, an dieser Stelle wundern sollten, wo Ihr liebster Essayist im Hier und Jetzt das Wundersame ausmacht, ich will es und mich gern erklären, und zwar anhand der offenen Wunden, die wir die Nachrichten des Tages nennen.

Ich schreibe diese Zeilen am Morgen des 6. Januar 2021, und in den USA soll heute eine an Wundern reiche Wahl via Wahlmänner (»electoral college«) abgenickt werden (der Sumpf ist vorsichtig guter Dinge, dass die Machtergreifung auch vom Kongress nicht gestoppt werden kann, siehe etwa nytimes.com, 14.12.2021; für eine Liste der »Wunder« im Kontext der US-»Wahl« 2020 siehe weiterhin hereistheevidence.com. Wenn auch die aktuellen Senatswahlen in Georgia als zweimal von den »Democrats« gewonnen erklärt werden (nytimes.com, 5.1.2021), womit im US-Senat ein 50:50-Patt entstünde, das jedes Mal durch die Stimme der mit »umstritten« noch freundlich beschriebenen »Vize-Präsidentin« Kamala Harris für den Sumpf entschieden werden kann (siehe etwa cnn.com, 5.1.2021), dann wird der Sumpf in den USA durchregieren können und die USA werden wohl der EU darin folgen, zur Kolonie Chinas zu werden. Die Wut und die »Wunder« bei der Wahlauszählung verwundern einen viel weniger, wenn man aktuell hört, wie konsequent Trump gegen chinesische Apps vorgeht (siehe dazu etwa golem .de, 6.1.2021).

Weltweit wütet ja ein Virus, das vor allem die Alten, die Dicken, faire und transparente Wahlen, die Grundrechte und ganze Demokratien angreift – jedoch alles Diktatorische auf geradezu comicbuchhafte Weise zu vielfacher Macht und Größe anschwellen lässt. In Deutschland will man jetzt ernsthaft die Bewegungsfreiheit der Bürger auf einen Radius von 15 Kilometern um ihren Heimatort herum beschränken – wohlgemerkt unabhängig davon, ob ihr Ort ein kleines Dorf oder der gesamte Failed State Berlin ist (siehe etwa welt .de, 6.1.2021). Niemand wundert sich nach der »Grundlage zur Ermächtigung« noch (ernsthaft), dass die »Jungkommunistin« den derzeit wichtigsten Minister (ja, das ist Spahn) quasi-entmachtet und die Macht über Deutschland weiter bei sich zentralisiert (bild.de, 6.1.2021).

Nein, es ist nicht nur das wunderliche Geraune eines Essayisten hoch oben auf seinem Vulkan, dass die Welt der Zukunft eine Welt der Konzerne ist – es ist die Realität, an welcher von denen, deren Handlungen die ganz großen Konsequenzen haben, täglich gemeißelt wird; »Keine Laptops für Schüler – aber Milliarden für einen Reisekonzern?«, so wundert sich mancher Bürger, wenn Deutschlands Kinder der kalten Kinderlosen im Kanzleramt weiterhin kaum egaler sein könnten, aber der Staat vom Geld der Bürger viele Milliarden in einen Reisekonzern »investiert« (welt.de, 5.1.2021).

Wir hätten uns ja fragen sollen, wie der Merkelismus seine höchste Vollendung erreichen würde. Die Antwort war wohl die ganze Zeit über: Durch ein Virus aus dem Reich der Genossen!

Ja, es ist fürwahr ein wahrhaftiges Wunder-Virus. Lassen Sie mich also kurz auffrischen, was ich meine, wenn ich von Wundern rede: Wir nennen es ein Wunder, wenn ein außerordentlich unwahrscheinlicher Zufall eintritt, dessen Folgen uns außerordentlich nützlich sind.

Ein Wunder verstößt nicht gegen die Naturgesetze (allerhöchstens nutzt es bis dahin unbekannte Gesetzmäßigkeiten); ein Beispiel: Für den Menschen, der wirtschaftliche Not leidet, ist der große Geldschein, den er auf der Straße findet, ein Wunder, und doch verstößt es natürlich gegen kein Naturgesetz – es ist schlicht ein für den Betroffenen außerordentlich nützlicher Zufall.

Ein Zufall aber ist ein Ereignis, dessen vorausgehende Kausalitäten uns nicht kognitiv zugänglich sind. Zumindest in der uns zugänglichen Größenordnung der Welt wären Ereignisse allesamt vorhersagbar, wenn uns genug Informationen über sie vorlägen, so wie das Wetter mit jeder Verbesserung der Computer und Vorhersagemodelle weniger »zufällig« wird. Zu jedem Zeitpunkt des Flugs eines Würfels oder einer Roulettekugel wäre das Ergebnis exakt vorhersagbar, wenn man vollständige Informationen über alle relevanten Eigenschaften vorliegen hätte.

Nehmen wir einmal an, dass das Auftauchen des Virus kurz vor der US-»Wahl« 2020, in dieser Auflösungsphase der EU und am (bloß bisherigen?) Höhepunkt von Merkels böser Macht ein »Zufall« war, insofern als niemand es vorhersah oder auch nur als Möglichkeit in Betracht zog (außer natürlich er las die Pandemie-Szenarien, welche die Regierung selbst erarbeiten ließ; siehe bkk-bund.de, 3.1.2013), so bleibt es doch ein »Wunder« für gewisse sympathische Gestalten – ein außerordentlich nützlicher Zufall.

Das Virus macht es möglich mit Rückendeckung mancher Konzern- und Staatsmedien die Rechte der Bürger zusammenzustreichen, und Gesetze zu erlassen, die selbst afrikanische Warlords neidvoll fragen lassen: »So etwas ist möglich?«

Im Mai 2019 – es fühlt sich ja bereits an, als wäre es Jahrzehnte her – schrieb ich: »Es wird nicht einfacher werden für ›die Kleinen‹, und ohne ein Wunder schrammt Deutschland weiter an den Klippen eigener Dummheit entlang, bis der Rumpf ganz und endgültig zerfetzt ist.«

Im selben Essay zitierte ich auch das Epigraph meines (bislang einzigen) Romans »Warteraum 254«, wo wiederum Leonard Cohen zitiert wird: »Wenn sie Informationen aus dir herausquetschen, stell dich einfach doof, und sag ihnen, dass du auf das Wunder wartest, das kommen soll.« – »If you’re squeezed for information, that’s when you’ve got to play it dumb. You just say you’re out there waiting for the miracle, for the miracle to come.«

Vergangenen Sommer (im Essay »Sommer der Feiglinge«) notierte ich, dass einst auf meinem Schreibtisch ein gerahmtes »Ora et Labora« stand – bete und arbeite – und dass es heute sehr sichtbar im Flur angebracht ist, über der Treppe, wo alle Wegners es sehen, wenn sie ihren Tag beginnen.

Das »Ora« steht für den Versuch, sich zur ganz großen Ordnung in Bezug zu setzen – und gern auch für die Hoffnung, dass ein »Wunder geschieht«, dass endlich mal auch für uns »kleine Leute« ein außerordentlich günstiger Zufall eintritt.

Das »Labora« aber bedeutet: »Arbeite!«

Es ist genau kein Wunder, dass viele Menschen sich in diesen Tagen so unglücklich fühlen – es sind unordentliche Zeiten, und Glück braucht bekanntlich Ordnung.

Ja, es gab Zeiten, da genügte es, brav zur Arbeit zu gehen, Steuern zu zahlen, dabei doch etwas Geld anzusparen und natürlich den örtlichen Fußballclub zu unterstützen, und die eigene Ordnung der Dinge ergab sich von selbst – diese Zeiten sind vergangen (und wer tut, als wären sie noch immer Realität, lebt gefährlich an eben dieser vorbei).

Je unordentlicher die Zeiten werden, umso wichtiger ist es, an unserer eigenen Ordnung zu arbeiten.

Verehrte Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, seien Sie bitteschön so schlau, der Regierung gegenüber zu tun, als sei dies alles tatsächlich ein Zufall. Seien Sie aber auch bitte so weise, sich privat ein wenig darüber zu wundern, wie »wunderbar nützlich« diese Zufälle eben jenen Regierenden erscheinen müssen, deren Machtlust schon länger buchstäblich keine Grenzen kennt.

Es ist ein Feuerwerk von »Wundern«, das da über und um uns abgefeuert wird. Ich bin mir längst nicht mehr sicher, ob wir »nur« die Zuschauer sind, die mit offenem Mund ihr be-wunderndes »Oh!« rufen sollen (und denen gelegentlich eine Rakete auf den Kopf fällt) – vielleicht sind wir das Pulver in einigen der Raketen, die da abgefeuert werden.

Die Welt wird morgen eine andere sein als heute – und nächstes Jahr wieder eine ganz andere.

Hofft auf ein Wunder, wie Leonard Cohen. Arbeitet an eurer Ordnung, denn Glück braucht Ordnung. Wenn ihr aber Menschen von gläubiger Natur seid, dann betet für uns alle – wir könnten alle ein Wunder gut gebrauchen.

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