23.10.2022

Das Gespenst Vaterlandsliebe 

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Marius Oprea
Die Grüne Göring-Eckardt fordert »Schutz der ukrainischen Identität und Kultur«. Das für die Deutschen zu fordern gälte als rechtsnaziböse! Widersprechen sich diese Leute – oder hassen sie einfach nur Deutschland?
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Ein Gespenst geht um in Europa, und dieses Gespenst ist ein emotional positives Verhältnis zu seinem Land, seinem Volk und seiner Kultur, traditionell auch »Vaterlandsliebe« genannt.

Beim Stichwort »Vaterlandsliebe« fällt dem politikgeplagten deutschen Bürger heute natürlich jenes flammende Bekenntnis des Kinderbuchautors und heutigen (wenn ich das richtig verstanden habe) Ministers für De-Industrialisierung ein: »Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.« (correctiv.org, 14.7.2022 versucht, dieses Original-Zitat schönzureden und weichzuspülen, Habeck habe sich »kritisch zu Vaterlandsliebe geäußert«. »Zum Kotzen« zu finden, liebe Faktenverstecker, ist nicht »sich kritisch äußern«.)

Jedoch, das Gespenst der Vaterlandsliebe geht in Europa um – und genau die, bei denen man es erwarten würde, scheinen sich sehr zu fürchten!

Die Italiener wählten im September eine neue Ministerpräsidentin. Die lupenreine Frau von der Leyen hatte im Vorfeld den Italienern unter Verwendung von Mafia-Sprache gedroht (siehe Essays vom 26.9.2022 und vom 27.9.2022), nicht eine Person zu wählen, die der Vaterlandsliebe verdächtig sein könnte. Die Italiener taten es dennoch. (Wobei es eine Illusion wäre, zu glauben, dass Frau Meloni frei von Kontakten in gewisse Globalisten-Kreise wäre.)

Giorgia Meloni wurde nun als Ministerpräsidentin vereidigt – und jene, die gegenüber Vaterlandsliebe vermutlich so ähnlich empfinden wie Kinderbuchautor Habeck, sind gar nicht froh darüber.

Ein Georg Restle vom stets sachlichen und ausgewogenen deutschen Staatsfunk zitiert via Screenshot die Glückwünsche des Herrn Orban an Frau Meloni, und der Qualitätsjournalist geifert dazu: »Neue Achse am rechten Rand: Von welcher Seite die größte Gefahr für Europa droht.« (@georgrestle, 22.10.2022)

Und dann ist Herr Restle fast gänzlich sprachlos – aber nicht sprachlos genug, um nichts zu sagen. Als Kanzler Erinnerungslücke ebenfalls Frau Meloni gratuliert, scheint Herr Restle nur noch zitierend stöhnen zu können: »»Ich freue mich…« Ernsthaft?« (@georgrestle, 23.10.2022)

Es geht wahrlich ein Gespenst um in Europa, das Gespenst der Vaterlandsliebe.

Jedoch – es scheint beinahe so – dass in einem Land all die neuen Regeln des verpflichtenden Vaterlandhasses nicht gelten. Es ist das Land, über das 2021 noch geschrieben wurde, es sei »Korrupt wie eh und je« und der Regierungschef, ein ehemaliger TV-Clown, »akzeptiert Korruption und Rechtlosigkeit im Austausch dafür, dass er und sein Apparat weitgehend die Kontrolle behalten« (siehe Essay vom 1.3.2022).

»Leisten müssen«

Eine Grüne namens Katrin Göring-Eckardt teilte uns dieser Tage im grünentypischen Moralisten-Duktus (»Was wir … leisten müssen«):

Was wir jetzt für die #Ukraine leisten müssen:
1. Waffenlieferungen ohne Wenn und Aber
2. Wiederaufbauhilfe jetzt
3. Schutz der ukrainischen Identität und Kultur
#VoelkerrechtgegenVoelkermord(@GoeringEckardt, 21.10.2022archiviert)

Oha! Da staunt der politische Laie, und der Fachmann wundert sich (aber nur kurz).

Frau Göring-Eckardt tweetete dies übrigens im Kontext einer Veranstaltung des »Zentrum Liberale Moderne«, dessen Adresse (libmod.de) in nur einer Hausnummer von der FDP-Parteizentrale abweicht, deren Co-Chef Ralf Fücks zuvor die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen leitete, und das unzweideutige Projekte wie gegneranalyse.de betreibt, wo gegen Andersdenkende wie Boris Reitschuster angeschrieben wird, was vom Familienministerium gefördert wird, welches schon länger als de facto Propagandaministerium fungiert.

Ist es nicht herzerwärmend, wie im deutschen Propagandastaat all die Rädchen ineinandergreifen?

Nur der einfache Bürger muss sich etwas blöd vorkommen, wenn er sich den Rücken krummarbeitet und Steuern zahlt, um all die Agitation zu finanzieren, die ihm zum Lohn sagt, was für ein Schuft er doch sei, wenn er das Land, in das er geboren wurde, schätzt und also schützen will.

Funktionärin von Rang

Frau Katrin Göring-Eckardt will also »Waffenlieferungen ohne Wenn und Aber«. Laut welt.de, 28.5.2013 erklärte Göring-Eckardt einmal, dass sie und Angela Merkel doch einst Kolleginnen in der Rolle als »Funktionärin für Agitation und Propaganda« der FDJ waren. Vielleicht hat sie es als Diktatur-Funktionärin noch nicht ganz mitbekommen, aber in einer Demokratie tut man zumindest so, als wäre jede Entscheidung immer von Kontrollen und demokratischen Entscheidungswegen begleitet – erst recht die Entscheidung, Waffen in ein Kriegsgebiet zu liefern.

Ja, es gibt politische Systeme »ohne Wenn und Aber«. Im Dunstkreis der Grünen wird ja inzwischen recht offen de facto eine Klimadiktatur »ohne Wenn und Aber« gefordert. Aber noch ist es nicht so weit. Nicht bei der Umverteilung von Steuergeldern an Öko-Spekulanten, und nicht bei der Lieferung von Kriegswaffen in Kriegsgebiete.

Frau Katrin Göring-Eckardt ist nicht nur Grüne und Vizepräsidentin des Bundestags, sie ist auch in der evangelischen Kirche eine Funktionärin von Rang. Das mit dem Christlichen würde man aber nicht zwingend unbedingt gleich merken, denn politisch scheint sie etwa wenig von Matthäus 5:39 zu halten, wonach wenn einer dich auf die eine Wange schlägt, du ihm auch die andere hinhalten sollst (außer natürlich, es ist Deutschland, dem ins Gesicht geschlagen wird, dann gilt die »Hinhalte-Regel« uneingeschränkt). Das heißt wohl »Realpolitik«.

Des Weiteren fordert die Grüne »Wiederaufbauhilfe jetzt«. Will man etwa Geld überweisen, in ein Land, das schon vor Russlands Einmarsch als eines der korruptesten Länder Europas galt?

Und wie baut man ein Land wieder auf, während darin noch gekämpft wird?

Alles egal, so klingt es, Hauptsache es wird deutsches Geld verschoben, vermutlich in die Taschen der Immergleichen.

Und dann die dritte Forderung – da klappte nicht nur mir die Kinnlade herunter: »Schutz der ukrainischen Identität und Kultur«.

Wer sich in Deutschland für den Schutz der deutschen Identität und Kultur stark macht, wird bald vom Verfassungsschutz beobachtet und zur Feindfigur des Propagandastaates erklärt (und wird wohl bald zum Gegenstand der staatlich geförderten »Gegneranalyse«).

»Identität«, das klingt nach »Identitäre«, und »Identitäre« sind böse, und deshalb ist Identität böse, aber nur die deutsche Identität. Oder, wie es im Dunstkreis der Grünen heißt: »Nie wieder Deutschland.«

Ist Frau Katrin-Göring Eckardt also ein »Nazi«, wenn sie den Schutz von »Kultur und Identität« fordert? Nun, wenn sie dieselben Rechte, die sie ganz selbstverständlich für die Ukrainer fordert, für die Deutschen fordern würde – und wenn sie weniger gut in gewissen Kreisen vernetzt wäre – würde sie von erschreckend vielen ihrer Parteifreunde als »Nazi« und »Faschist« bezeichnet werden.

Nicht widerlegbar

»Non Player Characters« (siehe Essay vom 15.10.2018) könnten an dieser Stelle behaupten, dass wer für Deutsche die gleichen Rechte einfordert, wie sie ganz selbstverständlich Ukrainern zugestanden werden sollen, ein »Putin-Troll« sei. Jedoch, »Non Player Characters« reproduzieren Sprachfetzen und Parolen, die sie oft nicht verstehen – und nicht verstehen können, da diese Parolen ganz gezielt emotionale Reaktionen triggern, aber dem Verstand gar nicht erst zugänglich sind. Was keinen Sinn ergeben kann, lässt sich auch nicht widerlegen.

Aus der Tatsache, dass Putin die Ukraine angegriffen hat, ergibt sich nicht logisch, dass die Ukrainer ganz selbstverständlich Rechte und Möglichkeiten erhalten sollen, die für Deutsche einzufordern dich ins Visier von Propaganda und Verfassungsschutz bringt.

»Lasst uns für Deutsche fordern, was für Ukrainer gefordert wird!« – diesen Satz auszusprechen braucht heute schon Mut, oder sogar eine deftige Portion an Leichtsinn – irre Zeiten. (In den Sozialen Medien antworten die meisten Kommentatoren nur im Konjunktiv, man solle sich vorstellen, was passieren würde, wenn einer so etwas für Deutschland forderte – so eingeschüchtert sind wir bereits.)

(korrekt!)

Wer das Denken der Grünen – und damit der öffentlichen Debatte im heutigen Deutschland – zu beschreiben versucht, der wird immer wieder auf den Begriff »kognitive Dissonanz« stoßen.

Wikipedia beschreibt es als »einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch unvereinbare Kognitionen hat«. Mit anderen Worten: Grüne (zumindest die, die den selbst erzählten Driss auch glauben) müssen unentwegt versuchen, widersprechende Behauptungen und Bewertungen gleichzeitig im Kopf und Gewissen zu tragen.

Etwa: »Krieg und Einsatz von Waffen ist immer schlecht« vs. »Wir liefern Waffen ohne Wenn und Aber«.

Oder: »Natur muss geschützt werden« und »die Armen müssen geschont werden« vs. »wir zerstören Natur für Klimaprofite« und »wir machen das Leben für die Armen unbezahlbar«.

Oder: »Mein Körper gehört mir« – außer wenn es um mRNA-Injektionen geht.

Wenn Frau Göring-Eckardt nun den »Schutz der ukrainischen Identität und Kultur« fordert, und (korrekt!) die Gefährdung von Identität und Kultur in die Nähe des Völkermords rückt, aber gleichzeitig eine ähnliche Forderung für die Deutschen als »rechtsextrem« und »faschistisch« verdammen würde, dann grübelt man durchaus, ob »kognitive Dissonanz« zur Erklärung genügt.

Deutlich genug

»Kognitive Dissonanz« ist für die Haltung der Grünen zu Identität und Kultur noch die positivere Deutung. Wenn man davon ausgehen will, dass die Grünen sich nicht selbst widersprechen, dann kann man daraus schlussfolgern, dass Grüne für die Ukraine etwas fordern, das nicht zu gewähren in Richtung »Völkermord« weisen würde – während sie Ähnliches für Deutsche zu fordern mit allen Mitteln des Propagandastaates bekämpfen lassen.

Entweder diese Leute sind logisch komplett durcheinander, oder sie verfügen gegen allen Anschein über tiefere Erkenntnisse, die sich mir nicht erschließen, die sie uns aber auch nicht mitteilen – oder sie verhehlen inzwischen nicht mehr, dass sie allein die deutsche Identität und Kultur verachten – mit allen Konsequenzen.

Wer nicht nicht hören will …

Wir wünschen den Ukrainern ein baldiges Kriegsende – und dann echten Frieden. Die Wunden, die der Verlust von Familienmitgliedern schlägt, kann nicht wirklich heilen; der Mensch kann nur lernen, mit den Schmerzen zu leben und das Leben neu aufzustellen. Und wir hoffen auf eine Weltordnung, in welcher jedes Volk sicher in und selbstbestimmt in seinem Land leben kann.

Ein Gespenst geht um in Europa, und das Gespenst heißt Vaterlandsliebe, und anderswo darf es spuken (wenn es interessierten Parteien in den Kram passt), doch bei uns kommen auf eine vermutete Sichtung dieses »Gespenstes« tausend staatliche Exorzisten.

»Wer Ohren hat, der höre«, so mahnt Jesus in Markus 4:29. Ein nützlicher, aktueller Rat.

Wir befinden uns bereits an einem Punkt in der Geschichte, dass man uns später sagen können wird: »Das war doch alles offensichtlich. Wer nicht nicht sehen wollte, der sah. Und wer nicht nicht hören wollte, der hörte. Es wurde ja wahrlich deutlich genug gesagt.«

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