16.6.2020

Warum sind Linke so von Hautfarbe besessen?

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Tanika
Schwulsein ist 100% okay. Rassismus ist 0% okay. Die militantesten der jeweiligen Anti-Aktivisten wirken aber in 1 Punkt ähnlich – sie tun auffallend oft selbst, was sie »bekämpfen«. Simple Frage: Wer ist es denn, der uns manisch nach Hautfarbe aufteilt?
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Nehmen wir an, wir schauen einen Film, eine Comedyserie vielleicht, und ein Charakter ist geradezu besessen davon, immerzu nach »dem Schwulen« zu suchen. Der Charakter betont immerzu seine Männlichkeit mit den derbsten Klischees, sei es indem er Bier aus der Dose trinkt und das Steak extra blutig isst, und dazu laut betont, wie männlich er ist, denn er sei ja nicht schwul. – Simple Frage, nach Ihrer Film-, Kultur- und Lebenserfahrung: Wie wird sich diese Figur weiterentwickeln?

Nun, eben solche Charaktere sind uns in Filmen mehr als einmal begegnet. Zu den populärsten gehört etwa Frank Fitts im Film American Beauty, oder John in Woody Allens Whatever Works, und aus dem TV kennt man etwa Larry aus der Buffy-Serie oder natürlich Chelseas Vater Edward Boyton in Two and a Half Men.

In manchen Fällen werden Selbsterkenntnis und Outing liebevoll und charmant inszeniert, etwa die von Edward Boyton, der anschließend eine zuckersüße Beziehung mit vielen lustigen Filmszenen führt – in anderen Fällen ist die Offenbarung eher hart, was womöglich näher an der realen Vorlage ist.

Im Internet kennt man »Haggard’s Law«, benannt nach dem evangelikalen US-Prediger Ted Haggard (ja, es ist das, was Sie denken, siehe Wikipedia), und diese Regel besagt in etwa: Je aggressiver ein Prediger gegen Homosexualität auftritt, umso wahrscheinlich ist er heimlich selbst schwul. Es hilft der Plausibilität dieser Regel, dass rationalwiki.org (engl.) eine lange Liste von Namen inklusive Belegstellen vorlegen kann – und selbst jene Liste ist nur eine beispielhafte Auswahl. Mindestens ein Wissenschaftler hat versucht, die These in Zahlen nachzubauen, wonach viele militante Schwulenhasser selbst schwul sind, etwa Jesse Marczyk in Psychology Today, 13.8.2016, und ich will es hier der Ordnung halber erwähnen, doch er formuliert sich die Frage so um, dass sie einfach zu widerlegen ist (statt »besonders militante Anti-Schwule« rechnet er bei »alle Homophobe« nach, was eine sehr andere Aussage ist).

Ist da etwas dran? Kann unterdrücktes Verlangen zu militantem Hass führen? Nun…

Wer nichts wird, wird Aktivist

Wenn Journalisten nichts zu sagen haben, aber doch etwas sagen und bezahlt werden möchten, brauchen sie sich nur eine beliebige Organisation oder Person vorzunehmen und im Kontext dieser Person irgendwie Rassismus zu diagnostizieren (es funktioniert sogar mit Produkten, immer wieder gern etwa mit traditionellen Schokoladensüßigkeiten).

Auch beim Deutschlandfunk spielte man wohl diese Woche (wieder) eine Runde Rassismus-Lotto, und gezogen wurde offensichtlich ausgerechnet die Bundesliga. »So wenig divers sind Bundesliga-Gremien«, lesen wir bei deutschlandfunk.de, 13.6.2020, und: »273 Menschen sitzen in den Führungsgremien der 18 Fußball-Bundesligisten – nur drei davon sind People of Color.«

Wie man auf diese Zahlen kommt? »Recherche«. Und was meint ein braver Staatsfunker mit »Recherche«? Nach meinem Verständnis des Textes und der veröffentlichten Liste (deutschlandfunk.de), hat sich ein sogenannter »Journalist« hingesetzt, Fotos von Funktionären studiert und eine Strichliste darüber geführt, welche »Rasse«, pardon: welche Hautfarbe die verschiedenen Personen nach seiner Einschätzung haben, und wenn die Haut ihm dunkel genug erschien, machte er eben Strichlein in der Kolumne »People of Color«. Der Tabelle ist leider keine Farbkarte beigelegt, ab welchem Melaningehalt man als akzeptabel gilt, doch von solchen Details abgesehen ist alles sehr ordentlich aufgeführt. Die Sekundärtugenden sind beim Staatsfunk gut aufgehoben, nur Moral und Anstand sind reichlich verrückt.

Früher wollte man »was mit Medien machen«, wenn man nicht wusste, was man mit seinem Leben anstellen soll, heute macht man »was mit Rassismus« und »was gegen Rechts«. Wer nichts wird, wird Aktivist, und wer selbst das nicht kann, kann noch immer für den Staatsfunk die Hautfarben von Leuten zählen. (Wenn Sie sich selber im modernen Haltungsjournalismus üben möchten, können Sie ja beim Hörfunkrat des Deutschlandfunks ansetzen, und selbst mal nachzählen, wie viele Leute welche Hautfarbe aufweisen.)

Übung für Haltungsjournalisten.

»Journalisten« können heute buchstäblich aus dem Nichts eine Nachricht generieren, indem sie Beliebiges mit »Rassismus« in Verbindung setzen – und das ist nicht (nur) eine rhetorische Übertreibung.

Weihnachten? Rassismus! (zeit.de, 20.12.2019) – Ostern? Rassismus! (shz.de, 10.4.2019) – Philosophie? Superrassismus! (zeit.de, 16.6.2020) – Musik? Gegenrassismus! (popkultur.de, 10.1.2020) – et cetera, ad nauseam.

Für einen Haltungsjournalisten ist es denkbar simpel, unbegrenzt Schlagzeilen zu formulieren. Man nehme sich den Duden vor, und bringe jedes einzelne Wort in Verbindung mit Rassismus.

Das erste (ganze) Wort im Duden ist »Aachen«: »Demonstration gegen Rassismus am Hauptbahnhof Aachen …« (aachener-nachrichten.de, 7.6.2020)

Ja, ja, ich höre Sie: »Mit ›Aachen‹ ist das noch einfach!« – Okay, dann …

Das letzte (ganze) Wort im Duden ist Zytotoxizität. 2006 wurde in Melbourne, Australien, eine Studie vorgelegt mit dem Titel »Race, Racism, Stress and Indigenous Health« (unimelb.edu.au), welche unter (vielen) anderen Dingen auch die Zusammenhänge von Rassismus-Stress-Erlebnissen und Phänomenen wie Zytotoxizität erfasst.

Man könnte mehrere Redaktionen rund um die Uhr damit beschäftigen, zu buchstäblich buchstäblich jedem Eintrag im Duden einen Rassismus-Text zu verfassen – und mein Verdacht ist, dass dies längst geschieht, Tag für Tag.

Nützlicher als Vernunft

Ich kann diese Journalisten ja fast schon verstehen, die in jeder Ecke und Nische unseres Alltags die grauen Gespenster des Rassismus sehen. Staatsfunker und Haltungsjournalisten haben oft zwei Kundengruppen, ob offiziell oder inoffiziell, erstens Politik und Unternehmer, und zweitens die Stammleserschaft.

Politik, NGOs und diverse »Kooperationspartner« des Verlags haben ein Interesse daran, die Bürger abgelenkt und zugleich in mancher Hinsicht knetbar zu halten, dafür ist die Dauer-Erregung weit, weit nützlicher als Vernunft und ein gesundes Selbstwertgefühl.

Die linke Leserschaft aber findet im Kampf gegen Rassismus eine Möglichkeit, ihren Wunsch nach simplen Grenzen und Freund-Feind-Denkweisen auszuleben, und sich doch »gut« zu fühlen. Indem er sich zum ewigen edlen Ritter der »armen, hilflosen Fremden« aufspielt, lebt der Linke seine rassistische Überheblichkeit aus – und fühlt sich doch moralisch. Indem der Linke aber lernt, jede kritische Rückfrage, jedes Aufzeigen von Widersprüchen und Wertunterschieden zwischen Kulturen als »rassistisch« abzulehnen, gibt er sich selbst die »Genehmigung zum Nichtdenken«, was ja Motor und Wesen des Populismus ist (siehe das entsprechende Kapitel im Buch »Talking Points«).

Ursünde und Pigmentgehalt

Linke sind von Hautfarben besessen. (Zwischendurchnotiz: Mit »Linke« meine ich auch hier die heutige, von Medien und Globalismus geprägte Linke – die frühere Linke, die mit Arbeitern, Lebensfreude und Selbstbewusstsein, gälte ja heute als »rechtsextrem«.) – Linke führen Rassen-Strichlisten und schreiben je nach Hautfarbe unterschiedliche Pflichten und Schuld zu. Rassismus spaltet, was verbunden sein könnte, doch Linke leben von Spaltung, brauchen Spaltung, treiben Spaltung voran, jeden Tag.

Im Essay vom 4.6.2020 zitierte ich Martin Luther King, konkret seinen Traum. Ich denke dieser Tage wieder und wieder an jene Zeilen. Martin Luther King träumte von einer Nation, wo seine Kinder nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach dem Inhalt ihres Charakters beurteilt werden.

Der sogenannte »Anti-Rassismus« der Linken ist in Kern, Methode und Wirkung zutiefst rassistisch – und er bewirkt das Gegenteil des Traums des Martin Luther King.

Linke be- und verurteilen Menschen nach ihrer Hautfarbe. Linke sprechen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe negative Eigenschaften zu, ja sogar eine mythische Erbschuld, eine Ursünde, die durch den Pigmentgehalt der Haut festgelegt ist. Wenn wir Rassismus überwinden wollen, müssen wir das und die Linke überwinden – doch wie?

Ein Menschenrecht

Der Unterschied zwischen Rassismus und Schwulsein könnte kaum größer sein – die Gemeinsamkeit, die ich hier ausmache, ist eine ihrer Gegner. (Dass sogenannte »Anti-Rassisten« in der Praxis in Kauf nehmen, brutal-schwulenfeindliche Kulturen zu fördern oder zumindest gewähren zu lassen, dass wäre ein eigenes Thema.)

Schwul sein zu dürfen ist ein Menschenrecht. (Übrigens: Trump ist der erste US-Präsident in der Geschichte der USA, der schon bei Amtsantritt kein Problem mit der Schwulenehe hatte, anders etwa als Clinton oder Obama – deutsche Politiker nennen ihn aber »Hassprediger«, während sie mit Mullahs dealen, in deren Ländern aufs Schwulsein die Todesstrafe steht.)

Rassismus aber verletzt nicht nur den einzelnen Menschen, würdigt ihn herab, und raubt ihm einen Teil seiner Grundrechte – Rassismus reißt auch die Gesellschaft auseinander.

To thine own self

Der sogenannte »Anti-Rassismus« trägt täglich neu in die Gesellschaft, was er zu bekämpfen vorgibt.

Ein deutscher Politiker (bekannt unter anderem im Kontext der »Eikonal-Geschichte«), sagte heute: »Es reicht nicht aus, ›kein Rassist‹ zu sein. Wir müssen Anti-Rassisten sein.«

Wie mehrere Beobachter erschrocken feststellten, gibt es bereits einen Begriff für Staaten, die Bürger umfassend politisch mobilisieren, ihnen das Denken vorgeben wollen bis in den letzten Winkel ihrer Seele, und der Begriff ist Totalitarismus. (Und wenn Sie das nicht so sehen, sondern alles total richtig und wichtig finden, können Sie ja aktuell den aktuellen Antirassismus-Erziehungsratgeber in zeit.de, 16.6.2020 lesen – »Exklusiv für Abonennten«: »So erzieht man seine Kinder rassismuskritisch«. Linke Einheizer werden nicht ruhen, bis nicht jeder Bürger vom ersten bis zum letzten Atemzug an Rasse, Rasse und nochmal Rasse denkt.)

Wer heute die Demokratie selbst angreifen will, wer faschistische Machtmethoden ausüben und Oppositionelle zusammenschlagen will, der nennt sich heute »Antifa(schist)«. Wer die Gesellschaft heute spalten will (welche dunkle Galle es auch immer sein mag, die ihn treibt), wer die Menschen nach Hautfarbe und Herkunft erst trennen und dann gegeneinander aufhetzen, und sich dabei doch »moralisch gut« fühlen will, der muss sich bloß »Anti-Rassist« nennen.

Ja, ich träume noch immer von einer Welt, in der meine Kinder nicht nach der Farbe ihrer Haut beurteilt werden, sondern nach dem Gehalt ihres Charakters – aber warum erst meine Kinder? Ich wurde in Deutschland ausschließlich von Linken ob meiner Herkunft und meines Namens rassistisch beschimpft, bis heute.

Wenn wir wirklich Rassismus überwinden wollen, dann müssen wir das Linke und die Linken überwinden, dann müssen wir den Spaltern das Spaltbeil aus der Hand nehmen.

Wir können nur begrenzt viel tun, um den Linken und Lügnern heute ihre Macht zu nehmen – dafür sind sie gewissen Interessen viel zu nützlich.

Wir können aber – und also sei es uns Pflicht! – wir können unser Bestes geben, uns nicht das eigene Gemüt von linken Lügen und gutmenschlicher Gewissenstaubheit allzu sehr aufwühlen zu lassen.

Nicht nur gilt die Überschrift des Essays »Der Fisch stinkt vom Staatsfunk her« weiterhin, auch das Shakespeare-Zitat aus jenem Text sei uns heute aufs Neue in die Seele gesprochen: »This above all: to thine own self be true« – »Dies über alles andere: Dir selbst sei treu«

»Weiterschreiben, Wegner!«

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