18.12.2022

Unser großer Filter und warum alles gut wird (vielleicht)

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
Seit (mindestens) zweitausend Jahren regen sich Menschen darüber auf, was für Heuchler die Mächtigen sind. Und doch lässt sich wohl wenig daran ändern. Frage: Könnte »Künstliche Intelligenz« das mit dem Regieren besser machen?
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Ich sehe mindestens 10 Punkte, wie und warum sogenannte »Künstliche Intelligenz« (»KI«) uns Menschen besser regieren kann, als wir Menschen uns selbst regieren: 

  1. KI kann und wird die Auswirkungen von Entscheidungen auf die Bevölkerung vorab im Detail berechnen.
  2. KI kann und wird Sozialleistungen individuell zuteilen, die Bedürftigkeit prüfen, die Effizienz überwachen und auch motivieren.
  3. KI kann und wird Grenzen, Straßen und öffentliche Plätze überwachen und so die Sicherheit erhöhen
  4. KI kann außerordentliche Ereignisse und Katastrophen vorhersagen und Vorbereitungen treffen (oder treffen lassen).
  5. KI wird Bürokratie für Bürger individualisieren und dadurch minimieren. (Anders als ein einzelner Sachbearbeiter hat KI alle Informationen zum Bürger »im Kopf«.)
  6. KI wird Ressourcen wie Energie, Wasser und Nahrungsmittel zuteilen, und so Effektivität und Nachhaltigkeit optimieren.
  7. KI wird individuelle Lernpläne für Schüler erstellen und den Lernprozess überwachen. (Die Lernpläne werden auf Charakterprofil und den automatisch berechneten Marktbedarf hin optimiert.) 
  8. KI in der Gesundheitsversorgung wird die Diagnose von Krankheiten beschleunigen, über den finanziellen Sinn von Behandlungen entscheiden und personalisierte Behandlungspläne erstellen.
  9. KI wird den Verkehrsfluss überwachen und optimieren, und Genehmigungen erteilen oder entziehen.
  10. KI wird den Zustand der Umwelt überwachen und Umweltschutz optimieren.

Ich sage nicht, dass ich es mir wünsche, dass Roboter die Regierung ersetzen, wie in Matrix oder anderen Science-Fiction-Erzählungen. Ob es passiert, hängt nicht von meinen Wünschen ab.

Ich sage auch nicht, dass es auf jeden Fall passieren wird. Doch die Alternative dazu ist ebenfalls nicht unproblematisch – bitte lassen Sie mich erklären, und zum Erklären etwas ausholen.

Unser großer Filter

Ja, wo sind sie denn alle? – Das ist die Frage, die das Fermi-Paradox stellt (siehe auch Essay vom 13.7.2019 und Wikipedia).

In meinen Worten: Im Weltall müsste es theoretisch noch viele weitere Zivilisationen geben, also wo sind sie alle praktisch?

Robin Hanson ist Ökonom und Professor an der George Mason University in den USA. In seinem Aufsatz »The Great Filter – Are We Almost Past It« (mason.gmu.edu, 15.9.1998) formulierte Hanson das Konzept eines »Großen Filters«, welcher verhindert, dass sich Leben und Zivilisation über einen bestimmten Status hinaus entwickeln. (Siehe auch englische Wikipedia und das Video von Kurzgesagt.)

Es gibt wohl etwas Prinzipielles, das Zivilisationen daran hindert, sich so weit zu entwickeln, dass sie weite Teile des Weltalls besiedeln, oder zumindest besuchen. Zerstören sich Gesellschaften ab einer bestimmten Entwicklungsstufe selbst? Ist es prinzipiell nicht möglich, nennenswerte Strecken durchs All zu reisen?

Wir wissen es nicht, nur eins scheint festzustehen: Es gibt einen großen Filter, eine Mauer, und keine uns bekannte galaktische Zivilisation hat diese Mauer überwunden – sonst wäre sie uns ja bekannt.

Nun, ich frage mich heute, ob es auch innerhalb von unseren irdischen Gesellschaften und in unserer Politik einen solchen »Filter« gibt, der verhindert, dass Völker und Nationen sich über einen bestimmten, recht primitiven Zustand hinaus entwickeln – und ich habe da so einen Verdacht.

»Noch«, nicht »wieder«

Mir ist etwas aufgefallen. Genau genommen ist es mir schon vor Jahren aufgefallen – etwa als ich zuerst über sogenannte »Gutmenschen“ geschrieben habe. Jetzt erst beginne ich die Dimension dieser Feststellung zu begreifen.

Jesus hat viel von Liebe geredet, doch er hatte durchaus ein Feindbild, denn er hat einen Typus von Verhalten, eine Gruppe von Menschen, nicht gemocht.

Wir kennen sie als »Pharisäer«, heute als »Gutmenschen«. Es sind Heuchler, und Jesus mag sie nicht, und die übelsten der Heuchler sind die mit Macht.

»Getünchte Gräber« nennt Jesus solche Typen (siehe auch Essay vom 30.3.2021), außen hübsch gemacht und innen voller Unrat und toter Knochen.

Nun mögen Sie denken, und ich habe oft genug darüber geschrieben: Ja, solche heuchelnden Politiker, Journalisten und wie sich diese Heuchler sonst noch nennen, die haben wir auch.

Wir kennen sie ja, diese Geschäftemacher, die in Privatjets zu Klimakonferenzen fliegen, die offene Grenzen fordern und hinter hohen Mauern leben, die Lockdowns für das Volk verhängen und selbst Parties feiern.

Jedoch, seien wir präzise: Wir werden nicht auch oder wieder von Heuchlern regiert – wir werden noch immer von getünchten Gräbern herumgeschubst, von verlogenen, falschen Heuchlern.

Dieser Unterschied zwischen wieder und noch immer könnte eine prinzipielle Mauer sein, unser eigener Großer Filter.

Sind wir prinzipiell dazu verdammt, für immer von Heuchlern regiert zu werden, die so wenig Gutes wie irgend möglich bewirken wollen?

Entweder, oder, oder

Die Heuchelei der Mächtigen ist unser Großer Filter – seit Tausenden von Jahren. Seit Tausenden von Jahren behandeln wir es wie einen Witz, wir grummeln schulterzuckend darüber. Wir nehmen  es längst nicht ernst genug.

Ich sehe drei logische Möglichkeiten:

  1. Entweder wir gelangen alle zu einer höheren Stufe des Bewusstseins, zu einer neuen Zivilisation, in welcher die Mächtigen gar nicht erst zur Lüge oder zur Heuchelei in der Lage sind, oder nicht zum Falschsein motiviert sind – Mutanten quasi.
  2. Oder die Macht wird an außermenschliche Instanzen übergehen, und damit meine ich nicht die bürokratischen Monster in Berlin oder Brüssel. 
  3. Oder wir wurschteln eben weiter, und auch in zweitausend Jahren, wenn es dann überhaupt noch Menschen gibt, werden diese weiterhin schimpfen über die Heuchler an der Macht, die das eine fordern, und das andere tun.

Jedoch gegeben den Zuwachs an Menschen und den technologischen Fortschritt, könnte Weiterwurschteln an eigene Grenzen stoßen. Vielleicht ist doch unser Großer Filter der Große Filter.

Seit einiger Zeit schon

Ich sehe gerade nicht, wie es funktionieren soll, dass die Menschen sich selbst auf eine Weise regieren, die nicht ein erbärmliches Weiterwurschteln ist. 

Wie realistisch ist es, dass Computer wirklich das Denken für uns übernehmen?

Könnte eine Künstliche Intelligenz eine Liste erstellen, mit guten Argumenten dafür, warum sie regieren soll? Könnte eine Software so wunderschöne Bilder malen, wie die Künstler, deren Bilder wir in Museen bewundern?

Nun, vielleicht ahnen Sie die Antwort.

Die 10 Punkte zu Anfang dieses Textes entstammen der Antwort einer Künstlichen Intelligenz . Die Original-Antwort war etwas wortreicher, aber immer noch weit prägnanter als das, was die meisten Politiker oder Journalisten täglich sagen. Mein Prompt an KI lautete übrigens: »Schreibe 10 Punkte dazu, wie Künstliche Intelligenz die Menschheit regieren kann.«

Die Bilder, die Sie seit einigen Tagen auf meinem Blog sehen, wurden von Stable Diffusion gemalt, welches auf meinem lokalen Computer läuft.

Unser großer Filter ist die Heuchelei der Mächtigen. Können Computer in der Regierung uns helfen, unseren Großen Filter zu überwinden?

Vielleicht – solange ihnen niemand das Heucheln beibringt.

Vielleicht werden wie so etwas wie Frieden finden, weltweit, inneren wie äußeren Frieden.

Vielleicht werden Computer endlich für uns herausfinden, was wir wirklich meinen, wenn wir »Gerechtigkeit« oder »Glück« sagen – und werden endlich für uns berechnen, wie wir dahin gelangen.

Vielleicht wird die Zukunft gut.

Auf jeden Fall,  und selbst wenn wir weiterwurschteln, wird die Zukunft ganz anders sein, als wir bis eben noch dachten.

Danke, Wegner!

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