AfD bei 17 % – zwei Drittel sagen: »besorgniserregend«!
14.08.2024 · Lesezeit 6 Minuten · Bild-Titel: »Thumbnail1 done«
Eine der Nachrichten des Tages: Die AfD erreicht in bundesweiten Umfragen 17 Prozent und steht damit auf Platz zwei. Aktuell stehen Wahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen an. In Deutschlands wildem Osten, »könnte« die AfD stärkste Kraft werden.
So weit, so bekannt. Es zeichnet sich ja schon länger ab. Wir wissen leider auch, wie die etablierten »Demokraten«, all diese »Lupenreinen«, mit der größten und einzigen inhaltlichen Oppositionspartei umgehen.
Es ist derweil aber durchaus lehrreich zu verfolgen, wie die Institutionen des deutschen Propagandastaates zu versuchen scheinen, den Willen des Volkes doch noch zu Gunsten der Etablierten zurechtzubiegen.
Ein Heimwerker, ein Arzt oder auch der Schüler in der Matheklausur könnten an den Punkt gelangen, dass nichts funktioniert, dass sich keine Lösung und auch kein weiterer plausibler Lösungsweg einstellen will. Also probiert er alles durch, was ihm noch an Werkzeugen, Therapien oder Denkansätzen einfällt. Ein »letztes Aufgebot« der Mittel und Methoden. So etwa kommt es mir vor, was etablierte Politik und ordensbehangene Qualitätsjournalisten aktuell gegen die AfD auffahren – und in diesem Ungeist deute ich eine aktuelle Nachricht zu einer »besorgniserregenden« Umfrage.
Zwei von drei
Bei N-TV »erfahren« wir aktuell: »Zwei von drei Bürgern sind besorgt über Aufstieg der AfD«. (n-tv.de, 13.8.2024)
Ich scheitere am Versuch, zu glauben, dass irgendeine der an dieser Meldung beteiligten Personen sich selbst oder auch nur diese Umfrage samt der Meldung dazu wirklich vollständig ernst nimmt.
Wenn man als einer der 1.001 in diesem Fall befragten Untertanen in Deutschland von Forsa gefragt wird, wie man den Aufstieg der AfD findet, dann ist »besorgniserregend« natürlich die Default-Antwort.
Selbst wenn ich der gegenteiligen Meinung wäre, könnte ich doch fürchten, dass meine Meinung durchgestochen wird (Wird mein Telefon abgehört? Bin ich als Abweichler längst verwanzt?) und schon bin ich meinen Job los, werde aus meinem Verein geworfen oder erhalte als Unternehmer plötzlich keine Aufträge mehr vom Staat in diesem besten und demokratischsten Deutschland aller Zeiten.
Testet es selbst
Ich wage eine These, die mutig einen guten Teil der Deutschen auf eine Art von »Non Player Characters« reduziert: Hier »besorgniserregend« zu antworten, ist für die allermeisten Befragten, so meine Vermutung und These, keine inhaltliche Aussage über die AfD. Es ist vielmehr das Bekenntnis, dass man sich dem Narrativ von Propaganda und Staatsfunk unterwirft.
Falls ihr meine These für zu abwertend haltet, dann testet es einfach selbst und fragt euren Anti-AfD-Kollegen, welche konkreten Argumente er für diese seine »Meinung« hat. In den allermeisten Fällen wird er keine auch nur im Ansatz stichhaltige Rechtfertigung seiner »Meinung« vorlegen können – außer natürlich den bekannten Schlagworten der Propaganda gegen Andersdenkende, ihr wisst schon, »Nazis«, »Faschisten«, »Räächts« und so weiter.
Was also sind so eine Umfrage und die Meldung dazu wirklich wert? Was ist der eigentliche Zweck?
Zwischen den Zeilen
Ja, diese Meldung erfüllt eine Funktion, doch indirekt erfüllt sie auch das Gegenteil dieser Funktion – denn zwischen den Zeilen wird auch Spannendes berichtet:
Die Meldung, dass angeblich irgendwer den »Aufstieg der AfD« »besorgniserregend« findet, enthält die Feststellung, dass die AfD »aufgestiegen« ist – und wohl auch weiter aufsteigen wird.
Die Meldung, dass angeblich so und so viele den »Aufstieg der AfD« »besorgniserregend« finden, transportiert als begriffliche Prämisse, dass dies ein nun zur Geschichte der Bundesrepublik gehörendes Phänomen ist. (Und ja, mir ist bewusst, dass hier so etwas wie der »Aufstieg des Arturo Ui« mitschwingen könnte. Und damit dessen Vorbild. Und mit beidem der Versuch, es aufzuhalten. Es sei hiermit notiert – und abgetan.)
Was ist der wahre Zweck dieser Meldung über die fragwürdige Umfrage über den »besorgniserregenden« »Aufstieg der AfD«?
Genau diese Absicht
Übrigens, zur Klärung und Präzisierung unserer Begriffe: Dass eine Nachrichtenredaktion eine bestimmte Funktion in einem Propagandastaat erfüllt, dass sie vielleicht sogar de facto blanke Propaganda betreibt, bedeutet noch nicht, dass auch nur eine einzige der daran beteiligten Personen bewusst genau diese Absicht hegt.
Der Mechanismus kann auch abstrakter sein: Redaktionen und Journalisten, die keine bestimmten Funktionen im Propagandastaat erfüllen, werden es im Propagandastaat sehr viel schwerer haben, erhalten weniger Förderungen, keine Sonder-Honorare für »Moderation«, keine Informationen »unter drei« und so weiter. Außerdem: »Journalisten«, die nicht »von Natur aus« im Sinne einer Redaktion meinen, fühlen und auch mal irren, werden für diese nicht (oder nicht lange) arbeiten. (Siehe dazu auch meinen Essay »Darf man über ›Lügen‹ reden?« aus dem Jahr 2017.)
Der als Propaganda wirksame psychologische Mechanismus einer solchen Umfrage ist aber natürlich recht offensichtlich: Die meisten Menschen wollen und werden meinen, was »die meisten Menschen« meinen. Und wenn man solchen Leuten dann sagt, dass »die meisten« über irgendwas besorgt sind, dann werden sie eben besorgt sein. Es ist banal, und es ist halt ein weiteres Propaganda-Werkzeug, das man eben auch noch probiert.
Schrecklich, Punkt
Und doch dürfen wir bei all dem nicht übersehen, dass ein Drittel der Befragten den »Aufstieg der AfD« nicht nur nicht »besorgniserregend« findet, sondern sich dies auch auf Nachfrage anzugeben traut. Und im Osten fänden es sogar 41 der dort Befragten wohl gut, wenn die AfD mitregierte.
»Erkenne dich selbst« ist ein Auftrag an den Einzelnen wie auch an die Gemeinschaft! Ich denke aber nicht, dass Umfragen uns in allen Fällen helfen, uns als Individuen oder als Gruppe selbst zu verstehen, zu »erkennen«.
Wäre man kein Journalist – und ich bin definitiv keiner! –, könnte man es statt mit Umfragen ja auch mit Empathie versuchen. Und mit Kontext.
Zeitgleich mit der Meldung über die ach so wichtige Umfrage lesen wir ja all die weiteren Meldungen. Und die finde ich wiederum »besorgniserregend«. Aus Berlin etwa, während ich diese sonstigen Gedanken notiere: »5 Schwerverletzte! Mann sticht wahllos auf Menschen ein« (bild.de, 14.8.2024).
Ich bin kein Linker, also bin ich nicht zynisch genug, mich damit zu »trösten«, dass in diesem Fall die Messerstecherei wohl »intern« in der »Flüchtlingsunterkunft« war. Es ist schrecklich, was da dank »Toleranz« und linken Lebenslügen passiert, Punkt.
Was und wie unsere Heimat
Dies ist nicht das Deutschland, das die Deutschen ihren Kindern hinterlassen wollten. Ein Deutschland mit täglichen Messermeldungen, mit abwandernder Industrie, mit ausgepressten Steuerzahlern und einer ins längst Komisch-Lächerliche wachsenden Abgabenlast. Das war nicht, was und wie unsere Heimat sein sollte.
Zwei Drittel der Befragten – und damit »der Deutschen« – ist angeblich über den »Aufstieg der AfD« besorgt.
Wir dürfen schlussfolgernd vermuten: Das verbleibende Drittel ist über den »Abstieg Deutschlands« besorgt.
Am Ende gewinnt immer die Realität. Welche dieser beiden Besorgnisse passt wohl besser zur tatsächlichen Realität?
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay AfD bei 17 % – zwei Drittel sagen: »besorgniserregend«! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/aufstieg-der-afd/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!