Im Dritten Reich, so habe ich mal gehört, durften Physiker sich nicht auf Albert Einstein beziehen. Es galt als »Jüdische Physik«. Im berüchtigten Propaganda-Film »Der ewige Jude« wurde auch Einstein erwähnt. (Absurderweise wurde er in die Nähe der damals angeblich von Juden kontrollierten Pornographie-Industrie gerückt; siehe Wikipedia)
Als Gegenkonzept wurde die »Deutsche Physik« stark (siehe Wikipedia), an deren Spitze immerhin zwei deutsche Nobelpreisträger standen. Die »Deutsche Physik« existierte allerdings bereits vor der NS-Zeit, doch während der »Gleichschaltung« wurde sie ausgebaut und zum zeitweiligen Standard, wie man es erwarten würde.
Die Nase des Erdenkers
Welche Qualität hatte eine Physik, welche Qualität konnte sie haben, wenn sie bessere (sprich: genauere und näher an der Wahrheit liegende) Erkenntnisse ablehnte, weil ihr (womöglich buchstäblich) die Nase des Erdenkers nicht passte?
Nun, tatsächlich lehnte man »nur« die Relativitätstheorie und die Quantentheorie ab, welche für die Entwicklung von Bumm-und-Peng nicht unmittelbar erforderlich waren. (Allerdings »entdeckte« man die Äthertheorie) neu, also ein widerlegtes physikalisches Modell von »und dann passiert ein Wunder«.)
Man betonte die Bedeutung des Experiments und der unmittelbaren Anschauung. Es passte zur Zeit und ihrer Absichten, dass diese Physik denkbar ergebnisorientiert war.
Und doch, und doch …
Gequältwerden von diesem Bewusstsein
Was ist das Reden über die Realität wert, wenn relevante Erkenntnisse aus ideologischen Gründen ausgeblendet werden?
Ich gestehe, dass ich in den letzten 10 Jahren immer wieder an jene merkwürdige wissenschaftliche Teilblindheit von damals denken muss. Zuletzt im Text »Das Verbot und seine Konsequenz« verhandelte ich die Konsequenz befohlener Theorie-Blindheit am Beispiel mathematischer Axiome.
Ich stellte in jenem Essay fest, dass eine Mathematik – sprich: eine Gesellschaft –, die von falschen Axiomen ausgeht, falsche Vorhersagen über die Zukunft treffen wird. Oder sie wird lebenswichtige Vorhersagen zu treffen versäumen, obwohl sie bei durchaus verfügbaren richtigen Prämissen leicht hätten getroffen werden können.
Beim weiteren Nachdenken über diese Problematik (genauer: beim Gequältwerden von diesem Bewusstsein) fiel mir eine weitere, praktische Ebene auf. Diese zusätzliche Ebene hat mit dem Konflikt zwischen »jüdischer Physik« und »deutscher Physik« zu tun und vor allem damit, wie und wann er praktisch ausgetragen wurde – und wann eben nicht.
Aber nicht so total
In den 1930ern konnte es dich in Deutschland deine akademische Karriere kosten, Einsteins Physik-Thesen öffentlich zu verteidigen.
Werner Heisenberg wurde als »Weißer Jude« beschimpft. Dem Physik-Nobelpreisträger Max von Laue wurden höhere akademische Positionen verwehrt und er stand unter Beobachtung der Gestapo.
Nach der Reichs-Habilitationsordnung von 1939 wurden akademische Beförderung an allen Universitäten auch von einer positiven politischen Bewertung abhängig gemacht. Wer der ideologischen Linie widersprach, konnte nicht befördert werden. (Und vor der Habilitation war ein Nachweis der »deutschblütigen Abstammung des Bewerbers und gegebenenfalls dessen Ehefrau« vorzulegen; siehe Seite 9/ Tab 10 bei digitale-bibliothek-mv.de. Sehr herzlichen Dank an den Leser, der mir diesen Link zusandte!)
Die Ablehnung der »jüdischen Physik«, genauer: der Thesen und Erkenntnisse, für welche dieser schräge Begriff stand, war aber nicht so total, wie die gebildete Mittelschicht vielleicht glauben sollte.
Aus der Realität
In physikalischen Lehrmaterialien fanden sich auch nach 1935 durchaus Abschnitte über »Neue Theorien der Physik« oder »Raum- und Zeitauffassung moderner Physik«. Auch die weltberühmte Formel »E=mc²« wurde genannt und erklärt – allerdings ohne Zuschreibung.
Bei der Entwicklung von Waffen aber verstand man sehr deutlich, dass eine Wahrheit ihren Wert aus der Realität erhält, nicht aus der Ideologie.
Als Beispiel: Bei der Berechnung der Flugeigenschaften sehr schneller Flugkörper, sprich: der V2-Rakete, wollte Wernher von Braun auch die Veränderungen von Masse und Energie berechnen (können). Doch um Einstein nicht namentlich zu erwähnen, berief man sich in Peenemünde auf Einsteins Theorie-Vorgänger wie Lorentz oder Poincaré – während man »einsteinisch« rechnete. (Eine kritische Gegenmeinung könnte verteidigend einwenden, dass die relevanten Berechnungen auch tatsächlich ohne Einstein logisch möglich sind, eben als die angewendeten Ableitungen.)
Schlussfolgerung
Henryk Broder mahnt die Deutschen: »Wenn ihr euch fragt, wie das damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.«
Ich überlasse es dem geschätzten Leser, selbst zu entscheiden, ob und welche Wahrheiten heute aus ideologischen Gründen in der gewöhnlichen Akademia sowie der Bildungsmittelschicht als verboten gelten – aber unter den Eliten ganz und gar nicht verboten sind.
Wenn Weltenherrscher zur Klimapanik trommeln und das Steigen der Meeresspiegel prophezeien, aber für sich selbst Villen direkt am Meer kaufen.
Wenn Politiker die Kritiker der Coronapanik verfolgen und ins Gefängnis werfen lassen, aber für sich selbst Impf-Ausnahmen verfügen, »Coronatheater« aufführen und auch sonst tun, wofür der Bürger arg bestraft würde (»Barometer ohne Maske, im Zug«).
Wenn deutsche Politiker behaupten, dies sei das beste Deutschland aller Zeiten, aber nach ihrem Karriere-Ende sogleich ins Ausland übersiedeln.
In all diesen Fällen fragt man sich: Könnte es sein, dass Wahrheiten, die an Universitäten und in der Bildungsmittelschicht verboten sind, unter den sogenannten Eliten sehr wohl angewandt werden?
Fragt euch doch selbst: Welche Karriere macht denn ein Professor an der Universität, wenn er Klimapanik, mRNA-Impfungen, praktische Möglichkeit der Integration beliebiger Kulturen und so weiter hinterfragt?
Und umgekehrt: Könnte ein Akademiker heute an hohe und höchste Positionen gelangen, wenn er abschreibt und schwafelt, aber stets das sagt, was höhere Mächte hören wollen?
Autorität zu glauben beginnen
Albert Einstein sagte (und er sagte es wohl wirklich): »Autoritätsdusel ist der größte Feind der Wahrheit.«
Das Charmante an dieser Formulierung ist, dass sie sowohl die Autoritätsperson als auch den Autoritätshörigen beschreiben kann – es ist eine Art von Schrödinger-Weisheit.
Wir erleben, dass Journalisten, die ihre gesellschaftliche Position durch das Nachplappern von Propaganda erlangt haben, selbst ihrer vermeintlichen Autorität zu glauben beginnen. (Siehe dazu auch den Essay »Fünf Tonnen Blech«.)
Wir erleben Kollegen und Mitbürger, die es für Bildung und Charakter halten, unter bewusster Umgehung des verbliebenen Denkvermögens nachzuplappern, was die »Autoritäten« sagen.
Autoritätsdusel ist der größte Feind der Wahrheit. Wenn Autorität und nicht die Realität die Quelle und Rechtfertigung deiner »Wahrheit« sind, ist es vermutlich keine Wahrheit.
Dir verbieten (wollen)
Ich verstehe es aber, wenn Menschen, um vermeintlichen »Seelenfrieden« zu bewahren, gegen Vernunft und Wahrnehmung der Wahrheit der Autoritäten folgen. Sprich: sich dem Autoritätsdusel hingeben.
Das Problem ist aber, dass jene, welche die Welt wirklich bewegen, damals wie heute oft genug nach genau den Wahrheiten handeln, die sie dir und mir verbieten wollen.
Es ist klug, gewisse verbotene Wahrheiten nicht allzu laut auszusprechen, wenn man nicht eine Straf-Hausdurchsuchung, Berufsverbot, Kontenkündigung oder neun Monate politische Haft riskieren will.
Wisse aber, dass die wirklichen Entscheider eben doch mit genau den Wahrheiten planen, die auszusprechen – und damit: zu denken – sie dir verbieten (wollen).
Nein, sprich nicht unbedacht laut darüber. Aber bedenke es, plane entsprechend, und dann sei mutig genug, so klug wie konsequent zu handeln.
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Der Essay Du sollst Wahrheit sagen, aber ohne Einstein von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/wahrheit-ohne-einstein/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
