29.7.2020

Geländewagen für alle!

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von John Salzarulo
Bus- und Bahnfahren ist heute gefährlich. Der Tag wird kommen, da wird direkt neben uns einer abgestochen… und wir werden schulterzuckend weiter auf dem Handy scrollen – was sollten wir auch tun? Ich fordere SUVs für alle, dann werden wir sicher sein!
trees and rocks on foot of the mountain
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Es war ein Sommer-Montag-Abend im einst wichtigen und heute – an guten Tagen – beschaulichen Bonn. Nicht alle Bonner waren in den Urlaub gefahren. Wie auch? Es war ja kurz nach dem Corona-Lockdown, mitten in der Corona-Krise, und da nahm man jede Arbeitsstunde mit, die man ableisten konnte – es bleibt ja ohnehin wenig übrig, wenn man erst einmal all die Steuern für die deutsche Weltrettung geleistet hat.

Der Bus der Linie 601, auf der Fahrt vom Venusberg nach Tannenbusch, befand sich am Abend des 27.7.2020 auf Höhe des Bonner Hauptbahnhofs im Feierabendverkehr, als im Fahrzeug eine Panik ausbrach. Die Passagiere riefen: »Da hat jemand ein Messer!«, so berichtet ein Zeuge in express.de, 28.7.2020.

Ein 55-Jähriger hatte auf einen 22-Jährigen eingestochen. Nähere Details zu Täter und Opfer erfährt man nicht, nur dass Täter und Opfer sich wohl nicht kannten. Und dass der Messerführende von einem anderen Fahrgast überwältigt werden konnte. (Ich gehe davon aus, dass der Täter ein Deutscher war, da nichts über eine Anklage wegen Rassismus gegen den Überwältiger berichtet wird. Darüber hinaus fehlt die Notiz, ob Täter, Opfer und Überwältiger alle brav ihre Masken gegen das China-Virus trugen.)

Bestimmte Umgangsformen

Ob CDU/CSU oder Grüne, ob FDP oder SPD (Links: 1, 2, 3, 4), die meisten Parteien bauen in irgendeiner Form den öffentlichen Personennahverkehr mindestens in ihre Lippenbekenntnisse ein (die AfD, so mein Eindruck, eher in Gliederungen vor Ort, etwa im Landtag Brandenburg).

Das klitzekleine Problem am schönen Ansinnen gemeinsamen Umherfahrens lautet: Gemeinsam Verkehrsmittel zu nutzen setzt voraus, dass alle Fahrgäste sich an bestimmte Umgangsformen halten.

Keinem Minister und keinem Staatsfunk-Bonzen droht es ernsthaft, in der U-Bahn die Treppe hinab gestoßen und ausgeraubt, mit der Glasflasche verletzt, mit dem Messer gestochen, in den Bauch getreten und alleingelassen oder sexuell belästigt zu werden – die fahren mit dicken Limousinen von Tiefgarage zu Tiefgarage.

Das vor wenigen Jahren noch solide Sicherheitsgefühl in der deutschen Einfache-Leute-Öffentlichkeit weicht einer dauernden Bedrohungsempfindung – und es hat viel mit dem erweiterten Verfall der Umgangsformen zu tun.

Das beste Leben

Wenn Menschen zusammenleben wollen (und/oder sollen), und wenn es dabei harmonisch zugehen soll, werden sie nicht umherkommen, gewisse Regeln einzuführen, die für alle zu gelten haben. (Beispiel: In Japan, so hört man (siehe etwa jrailpass.com), verbietet es die Höflichkeit, in der U-Bahn mit dem Mobiltelefon tatsächlich zu telefonieren, also laut die Umwelt mit seinen Trivialitäten zu belästigen – eine Höflichkeit, die in Deutschland schier unvorstellbar scheint – wir wären ja schon froh, wenn Busfahrer nicht zusammengeschlagen würden.)

Früher, als Kind wie auch als Jugendlicher, bin ich regelmäßig mit der Kölner Linie 18 in die Innenstadt und – manchmal viele Stunden später – dann auch nach Hause gefahren. Als unsere Kinder klein waren (aber doch alt genug für Museums-Jahreskarten) fuhren wir regelmäßig mit der ganzen Familie nach Köln, etwa zum Sonntags-Kinder-Programm in den Kölner Museen.

Doch dann wurde es häufiger, dass man in Köln, etwa am Hauptbahnhof, am Ebertplatz oder am Neumarkt, auf jene »Gruppen junger Männer« traf, welche ausgerechnet die gekachelte Armseligkeit halbheller U-Bahn-Stationen als Bühne ihrer Testosteron-Wallungen wählten. Ich schämte mich vor meinen Kindern – war das wirklich das beste Leben, das ich ihnen bieten konnte? Am Hauptbahnhof schämte ich mich nicht selten vor den Reisenden, welche gerade in Köln angekommen waren, vom Automaten verwirrt und ratlos einen zufälligen Fahrschein gelöst hatten und nun hofften, aus dem dunklen Loch namens U-Bahn-Station lebendig herauszukommen.

Heute würde ich meinen Kindern nicht gestatten, in einer deutschen Großstadt allein die U- oder S-Bahn zu benutzen. Die gelegentlichen Mordversuche mit Messern und »Schubsereien« an Treppen sind ja nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs (wie auch das sprichwörtliche »Köln Hauptbahnhof«-Event in seiner Dimension neu war, aber gewiss nicht in seiner Qualität – Köln verrohte schon länger, und nein, nicht nur durch sogenannte »junge Männer«).

Die Konsequenzen spüren

Die 45 Millionen Arbeitnehmer (statista.com, Juli 2020), die sich noch die Mühe machen, überhaupt zur Arbeit zu gehen um all die Steuern, Zwangsgebühren und diversen legalen Wegelagereien zu bezahlen, sie hätten es verdient, sich zumindest auf dem Weg zur Arbeit und dann von der Arbeit wieder nach Hause sicher fühlen zu dürfen.

Die Menschen, die über Deutschlands Schicksal entscheiden, fahren seltenst U-Bahn. Merkel und ihre Helfer fahren nicht U-Bahn. Staatsfunk-Superverdiener werden kaum riskieren, im Bus abgestochen zu werden. Die Bonzen leben in ihrem eigenen Universum.

Wer es sich leisten kann, der fährt schon heute sogenannte »SUVs«. Wörtlich ist »SUV« (ausgesprochen: es-ju-vi) die Abkürzung von »Sport Utility Vehicle«, es steht aber heute praktisch für ein Auto, das etwas voluminöser als übliche PKWs gebaut ist, etwas stärker motorisiert ist und die Insassen samt Fahrer deutlich höher sitzen lässt.

SUVs verleihen ihren Fahrern mehr Sicherheitsgefühl als ein kleiner(er) Wagen, und sie werden von Linksgrünen gelegentlich zum Feindbild erklärt (angeblich wegen Umwelt, tatsächlich eher aus Populismus, um armen Leuten ein Hassobjekt anzubieten) – und 2019 wurde ein neuer Anmelderekord für SUVs aufgestellt: Über eine Million neu zugelassene Geländewagen! (so tagesschau.de, 11.12.2019)

Einen neuen Knigge

Öffentliches Zusammenleben funktioniert nur, wenn Menschen nach gemeinsamen Werten und Regeln leben – und zwar weit feinmaschigeren Regeln, als Gesetze allein es be- und vorschreiben können.

Höflichkeit, Freundlichkeit und Rücksichtnahme gelten inzwischen als »weiße« und »rechtsextreme« Eigenschaften (siehe etwa die Essays »Freundlichkeit ist Faschismus – willkommen in der bizarren Gegenteilwelt« und »Weißsein und die Clowns mit Handgranaten«). Als die regelmäßigen Gewaltausbrüche durch Migranten, die schlicht nicht mit westlicher Freiheit klarkommen, kaum noch wirksam zu tabuisieren waren, fand man im Geiste des »Migrationspaktes« und seinen Vorgaben zur Meinungssteuerung einen Trick zur Ablenkung vom Problem: Man beginnt, der Polizei vorzuwerfen, angeblich »rassistisch« zu sein. Das linke Deutschland ist durch ideologische Verformung nicht einmal in der Lage, das reale Problem öffentlicher Gewalt wirksam anzugehen – eine öffentliche Höflichkeit, einen »neuen Knigge« einzuführen, das scheint gänzlich aussichtslos zu sein.

In einer wirklich gerechten Welt, würden die Politiker und Staatsfunker gezwungen sein, genauso die U-Bahn zu fahren und denselben Gefahren zu begegnen wie ihre Opfer, die Bürger, die für das alles auch bezahlen müssen. (Nein, dies ist keine wirklich gerechte Welt.)

Im Namen der Anständigkeit

Wohin werden wir uns entwickeln, als Gesellschaft, als »Westen«? Werden wir kollektiv und national neue Höflichkeit entdecken? (Es wäre zu wünschen, doch wie genau wollen wir kollektive Höflichkeit ohne gemeinsame, einheitliche, starke und attraktive Identität durchsetzen?)

Der Tag wird kommen, da werden wir in der U-Bahn oder im Park dabei zuschauen, wie gleich neben uns ein Mensch abgestochen wird – und wir werden schulterzuckend weiter auf dem Handy scrollen, die Tat höchstens filmen (siehe auch focus.de, 2.7.2020) – wem das aber nicht gefällt, der sollte schon mal auf seinen SUV hin sparen – und seinen Innenhof einrichten.

Ich fordere, im Namen der Anständigkeit und Zukunftsfähigkeit, einen kostenlosen gepanzerten SUV für jeden einzelnen Arbeitnehmer, damit er sicher zur Arbeit und zurück fahren kann (und seine Familie am Wochenende zum Ausflug raus aus der Stadt).

Wenn das mit dem SUV-für-jeden nicht klappen sollte, wünsche ich mir, dass wir einen Weg finden, allgemeine Höflichkeit durchzusetzen (von allgemeiner Höflichkeit wie nicht seinen Pipimann öffentlich bloßzulegen, bis hin zu spezieller Höflichkeit, Messer nicht in andere Leute zu stecken, wenn man nicht Chirurg im Operationssaal ist).

Lasst uns gemeinsam neue Höflichkeit einstudieren, in Bus, Bahn und Berliner Parks. Und wenn das nicht klappt, dann plädiere ich für 45 Millionen gepanzerte Geländewagen!

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