27.7.2020

Weißsein und die Clowns mit Handgranaten

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Rod Long
Für Teile der akademischen Linken gelten etwa rationales Denken, harte Arbeit und Höflichkeit als Zeichen von »Weißsein« (»Whiteness«). Was sagt das über das WAHRE Menschenbild sogenannter »Anti-Rassisten« aus?
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Wir – gemeint: Elli und ich – haben noch nie einen Clown zur Geburtstagsfeier unserer Kinder eingeladen. Ich habe auch noch nie gehört, dass bei einer der Parties, zu der wir unsere Allerbesten-Blagen-der-Welt entsandten (mit verpacktem Geschenkspielzeug unterm Arm), ein Clown aufgetreten wäre.

Jedoch, da unsere Vorstellung von der Welt und ihren Prototypen ganz wesentlich von amerikanischen Filmen geformt ist, ist unser aller Vorstellung von Kindergeburtstagen mit der Idee eines Clowns verbunden. Manchmal taucht der Clown wirklich auf, meist ironisch-gruselig verfremdet (etwa »Schrecklich nette Familie«, Staffel 6, Folge 16; siehe imdb.com), manchmal wird er nur erwähnt, als Metapher, als Sinnbild, als Witz (Friends, Staffel 2, Folge 6, Szene via YouTube).

Wir – nun gemeint: Sie, liebe Leser, und ich – wir wollen uns, ganz im Geist der immer-nur-verfremdeten Clowns der Filmkomödien, ebenfalls einen Clown vorm geistigen Auge entstehen lassen!

Stellen wir uns einen Clown vor, bei einer Geburtstagsfeier. Die Kinder sitzen im Kreis, auf dem Boden (nicht »auf dem Biden« – das ist ein anderer Clown). Die Tür wird geöffnet, der eingeladene Clown tritt herein. Die meisten Kinder applaudieren, einige weinen.

Die große Clown-Show beginnt!

»Liebe Kinder«, sagt der Clown und zieht ein stählernes, rundes Objekt aus einer seiner großen Taschen, »wisst ihr, was das hier ist?«

Die Kinder lachen und raten: »Ein Ei? Eine Überraschung?«

»Äääh«, sagt der Vater, der den Auftritt des Clowns aus der letzten Reihe beobachtet, »das ist doch…« – weiter kommt er nicht.

Der Clown zieht aus dem stählernen Ei einen Stahlstift heraus, und er sagt: »Das ist eine Handgranate!«

»Hahaha, eine Handgranate«, lachen die Kinder, und rufen: »Hast du auch eine Fußgranate?«

Der Vater aber, der die Szene beobachtet, begreift: Der Clown meint das ernst. Der Clown hält wirklich eine Handgranate – und er hat den Stift gezogen.

Respect authority

Ein altes Feindbild erfasst dieser Tage neu das »Messaging« jener tonangebenden Minderheit, welche in westlichen, politik- und konzernnahen Medien einander die Themen vorgibt; dieses neue Feindbild heißt im Englischen »Whiteness« – grob übersetzt, so man ausgedachte Laberfach-Kunstwörter ohne falsifizierbaren realweltlichen Bezug überhaupt übersetzen kann, mit »Weißsein«.

»Whiteness« selbst nennt sich ein »transdisziplinäres Studienfeld« (vergleiche etwa die traditionell linke Wikipedia), und man bezieht sich auf Autoren vom neunzehnten Jahrhundert (etwa William E. B. Du Bois) bis heute. Die Arbeitsdefinition des Themas »Whiteness« ist eher religiös als wissenschaftlich, und das ist tatsächlich nicht (nur) wertend, sondern meines Erachtens eine sachlich angemessene Beschreibung: Laut Berkeley-Professor Zeus Leonardo (im Aufsatz »The Souls of White Folk…«) soll »Whiteness« ein »Rassendiskurs« sein, »insofern die Kategorie ›weiße Menschen‹ eine sozial konstruierte Identität darstellt, die üblicherweise auf Hautfarbe basiert« – ob man des »Weißseins« bezichtigt wird, kann mit dem Melaningehalt der Haut zusammenhängen, muss es aber nicht. Das »Weißsein« der »Whiteness« scheint eine Art religiös-metaphysische Eigenschaft zu sein, die auf Menschen übergeht oder auch nicht – und schon hier beginnen wir zu ahnen, dass die linke »Whiteness«-Theoerie rassistischer noch als der Ku-Klux-Klan ist.

Während man etwas herumdruckst und laviert, wer es denn genau ist, der angeblich von »Whiteness« befallen ist (bei Protesten der Black-Lives-Matter-Marxisten erleben wir, wie widersprechende Schwarze von linken Weißen lautstark des Weißseins geziehen werden), so wird es doch spannend, wenn man abfragt, woran sich die »Whiteness« denn erkennen ließe.

Das amerikanische Smithsonian-Institut (genauer: das Smithsonian National Museum of African American History & Culture) hielt bis vor kurzem eine lange Liste von Eigenschaften bereit, die laut »Whiteness«-Studien typisch weiß sein sollen. (Die Liste wurde nach lautstarker Kritik – und einigem Hohn – vorübergehend offline genommen, doch man findet sie archiviert.)

Eine Auswahl der als Whiteness angeführten Eigenschaften:

  • Self-reliance (Eigenständigkeit)
  • The nuclear family: father, mother, 2.3 children is the ideal social unit. (Die Kernfamilie: Vater, Mutter, 2,3 Kinder ist die ideale soziale Einheit)
  • Objective, rational linear thinking (Objektives, rational lineares Denken)
  • Cause and effect relationships (Wirkung-und-Ursache-Beziehung)
  • Hard work is the key to success (Harte Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg)
  • Work before play (Arbeit vor Vergnügen)
  • Respect authority (Autoritäten respektieren)
  • Plan for future (Für die Zukunft planen)
  • Delayed gratification (Befriedigungsaufschub)
  • Time viewed as a commodity (Zeit als Wert/Rohstoff betrachten)
  • Be polite (Höflich sein)

Diese Eigenschaften sind keineswegs positiv gemeint, als Vorbild zum Nachahmen etwa, womöglich verwandt mit Rudyard Kiplings »White Man’s Burden« (siehe engl. Wikipedia) – nein, all diese Eigenschaften gelten als mindestens fragwürdig, und sie einzufordern als potenziell »rassistisch«.

Inzwischen wurde die Liste von der Website des Smithsonian heruntergenommen, doch die Gedanken kommen ja nicht aus dem Nichts, die Gedanken finden sich in zahlreichen weiteren Papieren – und inzwischen werden sogar öffentliche Angestellte in den merkwürdigen Lehren der »(Anti-) Whiteness« geschult. Es tauchen Präsentations-Unterlagen auf, in denen Individualismus, Meritokratie und Objektivität als typische »weiße« und damit wohl »schlechte« Werte gelistet werden (vergleiche etwa https://christopherrufo.com/) – nach welchem Kriterium aber soll man Menschen an die Macht gelangen lassen, wenn nicht nach ihren Verdiensten? Wir ahnen es, wir sehen ja das Auftreten der Antifa – es beginnt und es endet mit Gewalt.

Meine erste Reaktion – und ich bin nicht der einzige! – war es natürlich, mich an den Kopf zu fassen, dann genau diesen zu schütteln, und schließlich mich mit etwas Sinnvollerem beschäftigen zu wollen. Bald aber gedachte ich Shakespeares klugen Satzes vom Wahnsinn, der doch Methode habe, und ich schaute noch einmal hin.

Zusammenbeißen der Zähne

Die Listen der angeblichen »weißen« Eigenschaften sind in mehreren Dimensionen schräg – und in jeder davon selbst zutiefst rassistisch. Ich will versuchen, einige der Schrägen herauszuarbeiten, um so diese Zeiten zu verstehen, in denen so etwas überhaupt gesagt werden kann – von sogenannten »Akademikern« wohlgemerkt! – ohne dass der Sprecher ausgelacht wird.

Faul sein

Auf den ersten Blick wirken die Whiteness-Listen schlicht wie eine weitere Legitimierung von Faulheit und Disziplinlosigkeit.

Es ist die Essenz (besonders) des heutigen linken Denkens, die Verantwortung fürs eigene Wohlergehen auf andere abzuschieben. Harte Arbeit, Objektivität und das Zusammenbeißen der Zähne werden als »weiße«, also in diesem Kontext negative Werte angesehen (während man natürlich von den Früchten eben dieser Arbeit etwas abhaben möchte).

Was aber ist die Implikation im Umkehrschluss? Will man wirklich sagen, dass Schwarze per se nicht harte Arbeit als Wert hochhalten, dass sie typischerweise nicht stabile Familienverhältnisse hinbekommen, dass sie nicht in den Kausalitäten der Welt denken? Es wäre absurd – doch es ist der logische Umkehrschluss linker »Whiteness«-Begrifflichkeit.

Erstaunlich einig

Die Werte, welche als für »Whiteness« typisch bezeichnet werden, leuchten schnell als Werte ein, die den Erfolg als Einzelner wie auch als Nation sichern, ob man »Erfolg« nun als Vermögen, Glück oder Resillienz definiert. Menschen aller Hautfarben werden im Zweifelsfall lieber in Systemen leben, in denen diese Werte gelten – sogar Warlords in Afrika oder Diktatoren in Asien versuchen für ihre Kinder eine Zukunft in einem Land zu sichern, indem diese angeblich »weißen« Werte gelten.

Was sagt es nun über die Theorie angeblicher »Whiteness« aus, dass sie universell als erfolgsbringend anerkannte Werte mit »Weiß« gleichsetzt – und damit eher weniger erfolgreiche Werte mit »Schwarz«?

Im Video »When Wokes and Racists Actually Agree on Everything« führt der Comedian Ryan Long vor, wie einig sich die angeblich »sozial sensitive« Linke und harte Rassisten in ihren Kerninhalten sind (englisch, unbedingt anschauen! – etwa auf YouTube).

Wenn ein stramm linker, angeblich »progressiver« Akademiker im Namen von »Whiteness« erklärt, dass all die Eigenschaften, die den Westen so erfolgreich und attraktiv machen, »typisch weiß« sind – worin unterscheidet er sich denn von der Karikatur eines »White Power«-Rassisten, der eben dasselbe sagt?

Fortschritt hemmend

Viele der von »Whiteness« als »typisch weiß« bemängelten Eigenschaften sind eben jene, welche westlichen Gesellschaften echten Erfolg brachten.

Dass gute Werte nicht wirklich mit körperlichen Eigenschaften zusammenhängen, sollte jedem Nicht-Rassisten eigentlich schnell einleuchten. Man kann es logisch begründen: Eine »objektive« Ausrichtung an realen Kausalitätsmechanismen erlaubt erfolgreichere Vorhersagen. Und man kann es aus der Erfahrung begründen: Wo Japan und China angebliche »weiße« Denkweisen übernahmen und weiterentwickel(t)en, schlugen/schlagen sie den Westen in seinen ursprünglichen Stamm-Disziplinen, vom Autobau bis zur Elektronik, zuletzt auch, siehe TikTok, im wichtigen Bereich »Psychologie der Sozialen Medien«.

Nicht nur ist der Ansatz der »Whiteness«-Listen bereits rassistisch – die Konsequenz aus solchem Denken wird weiter dazu beitragen, bestehende Gräben zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu vertiefen.

In deren Geist

Mächtige Akteure mit tiefen Taschen investieren in den vorgeblichen Kampf gegen Rassismus – und es sind immer wieder dieselben Namen. Passend zum neu-orwellschen Zeitgeist aber sind wenige Geisteshaltungen rassistischer als die jener Figuren, welche sich als »Anti-Rassisten« bezeichnen.

Sogenannter »Anti-Rassismus« ist offen rassistisch gegen Menschen weißer Hautfarbe (siehe auch meinen Essay »我没关系«) – zugleich sind Ansätze wie der sogenannte »Anti-Rassismus« und »Whiteness« implizit und in Konsequenz radikal rassistisch gegen Schwarze selbst.

Linke, von mächtigen und wohl wenig demokratisch fühlenden Akteuren gesponserte Ideologien wie »Anti-Rassismus«, »Black Lives Matter«, »Whiteness« et cetera, verfolgen offen das Ziel, alle angeblichen »weißen« Ideen auszulöschen. Was aber wäre, in deren Geist, die »weißeste« aller Ideen, die all die verteufelten angeblich »weißen« Ideen »Meritokratie«, »Individualismus«, aber auch einen hohen Rang geschriebener Gedanken vereint? Die Demokratie.

Es ist kein Zufall, dass dieselben Leute (auch und oft Weiße!) gegen »Weißsein« und für »Sozialismus« kämpfen. Der letzte Schritt des Kampfes gegen »Weißsein« ist die Abschaffung der Demokratie. Es ist kein Zufall, dass im Namen des Kampfes gegen »Weißsein« die Statuen der Gründer der USA und die Institutionen der Demokratie abgerissen werden. Wenn es ein Zufall ist, dann doch ein sehr bemerkenswerter, dass eine zentrale Plattform des Kampfes gegen »Weißsein« und Demokratie die chinesische, regierungsnahe Plattform TikTok ist.

Eine gute Idee

Natürlich sind die »Argumente« der »Kämpfer gegen Rechts«, der »Anti-Weißseins«-Aktivsten et cetera nicht wirklich Argumente. Nach den Regeln des kohärenten Denkens, das ja als »weiß« verschmäht wird, ist das gefühlsbetonte linke (Nicht-) Denken mehr ein Clownzirkus denn wirklich ein argumentatives Gegenüber.

Es sind Clowns – doch es sind Clowns mit Handgranaten. (Manchmal sogar wörtlich: Die von Antifa-Terroristen für Brandstiftung und Straßenterror eingesetzten »Molotov-Cocktails« sind eine primitive Form von Handgranaten.)

Es sind Clowns mit Handgranaten, die sprengen, was mühsam zusammenzuwachsen begonnen hatte. Es sind Clowns mit Blendgranaten (und teils wörtlich blendenden Lasern, welche Sicherheitskräfte fürs Leben erblinden lassen, siehe nypost.com, 24.7.2020), die mit ihrem inkohärenten Thesen von echten Problemen und Missständen ablenken. (Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Firmen wie Nike oder Adidas zwar »Black Lives Matter« verkünden, aber eher selten Fotos von ihren Produktionsstätten zeigen?)

Es sind Clowns mit gefährlichen Sprengkörpern, und wir sollten nicht nur über ihre Lächerlichkeit lachen – es wäre eine gute Idee, den Explosionen aus dem Weg zu gehen – oder ihnen sogar die Granaten aus den Händen zu nehmen.

In diesem Zirkus springen Clowns

Spätestens wenn es im Namen des Kampfes gegen »Whiteness« verteufelt wird, für die Zukunft zu planen (statt sich der Lust im Moment hinzugeben), wissen wir, dass der »Kampf gegen Weiß« ein Kampf gegen das ist, was Menschen gleichgültig welcher Hautfarbe stark macht und überleben lässt.

Die Nachrichten gleichen heute streckenweise einem großen, verrückten Zirkus – und in diesem Zirkus springen Clowns mit Handgranaten umher.

Hütet euch vor den Clowns. So es an euch liegt, entzieht euch dem Radius ihres Wahns. Ich habe noch nie einen Clown zur Geburtstagsfeier meiner Kinder eingeladen – ich werde auch keine Clowns in mein Leben und mein Denken hereinlassen.

Ob eure Haut nun schwarz, rosa oder irgendwas dazwischen ist, immer gilt für euch: Am Ende gewinnt immer die Realität – und es überlebt die Kultur, deren Werte am präzisesten zur Realität passen.

Richtig und falsch haben keine Hautfarbe, egal was Linke sagen. Hütet euch vor den Clowns – und achtet darauf, was sie in der Hand halten!

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