15.04.2022

Hurra, ein Totimpfstoff?

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Seven Seven
Hurra, ein Totimpfstoff, so hört man. – Der Skeptiker fragt: Was könnte dagegen sprechen? – Eine erschreckend häufige Antwort lautet: Das völlig zerstörte Vertrauen. – Welche Argumente gibt es noch, dafür oder dagegen?
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Hurra, hurra, so höre ich, es gibt einen Totimpfstoff gegen Covid! Er wurde jetzt in Großbritannien zugelassen  (zdf.de, 14.4.2022), und die Zulassung in Deutschland steht kurz bevor (siehe etwa handelsblatt.com, 30.3.2022). Die EU-Kommission hat bereits 60 Millionen Impfdosen bestellt. Jetzt wird alles wirklich, ehrlich, total gut!

Ein Herr namens Andreas Schneider verlinkt die Meldung zum neuen Impfstoff, und notiert polemisch-ironisch dazu:

Valneva-»Totimpfstoff« kurz vor der Zulassung. Ich bin sicher, die zahlreichen radikalen »mRNA-Skeptiker«, die immer das Warten auf den Totimpfstoff betonten, werden nun den impfenden Ärzten die Türen einrennen. (@AndiSchneider, 7.4.2022/ archiviert)

Ich weiß nicht, was genau in der Begriffswelt des Herrn Schneider einen mRNA-Skeptiker zum »radikalen« Vertreter dieser von ihm ausgemachten Menschengruppe ausmacht. Heute ist es ja bekanntermaßen üblich, jeden als »radikal« (oder »rechts«, »faschistisch« et cetera) zu etikettieren, der von der »Deutschen Einheitsmeinung« abweicht, wer diese anzweifelt (T-Shirt dazu: »Ich habe Zweifel«) oder es einfach nur wagt, sich Erklärungslücken offen zu lassen, wo Politik und Presse eine bestimmte Deutung vorgeben (siehe dazu auch »Die Realität und ihre Lücken«). – Insofern wäre »radikaler mRNA-Skeptiker« heute als doppelt gemoppelt zu lesen, als Pleonasmus, wie »sakrosankt« und »stillschweigend«. Skeptizismus an der offiziellen Wahrheit gilt selbst dann als »radikal« (psychologisch vielleicht gerade dann), wenn und nachdem die Einheitswahrheit sich wieder mal als nur halbe Wahrheit oder gleich als ganze Lüge herausstellt.

Nehmen wir also an, dass Herr Schneider alle mRNA-Skeptiker meint – inklusive der mRNA-Geimpften und/oder Geboosterten unter diesen! Werden diese »ungeimpften Radikalen« nun den Impfärzten »die Türen einrennen«?

Nicht (ausreichend) tot?

Einer der Gründe, warum ich die ironische Politik jenes Tweets durchaus bedenkenswert finde, ist die notwendige (aber nicht unternommene) Unterscheidung der »mRNA-Skeptiker« von früheren »Impfgegnern«.

Ich erlaube mir, mich selbst als Beispiel zu nehmen. Mich als »Impfgegner« zu bezeichnen wäre denkbar absurd. Ich halte Impfungen für eine der wichtigsten und glorreichsten Erfindungen in der Menschheitsgeschichte. mRNA-Impfungen sind aber mehr eine »Umprogrammierung« als eine klassische Impfung, wie jeder weiß, so es nicht aktiv nicht-wissen will (siehe dazu auch den Essay »Programmiere dich – oder werde programmiert« vom 23.5.2021).

»Totimpfung« bedeutet, dass dem Körper eine abgetötete oder stark abgeschwächte Variante des Krankheitserregers präsentiert wird, und dieser dann selbst herausfindet, wie er mit solchen Angreifern fertig wird.

Ja, »Totimpfungen« können schiefgehen, etwa wenn das tote Virus eben doch nicht (ausreichend) tot ist (wie etwa beim »Cutter Incident«, als 120.000 Polio-Impfungen das lebendige Virus enthielten; siehe engl. Wikipedia). Ja, Pharmafirmen waren in diverse Skandale verwickelt (siehe dazu auch Essay vom 3.6.2021).

Und doch: Fehler können korrigiert werden, und wenn ich nur von Firmen kaufen wollte, denen nach meinem Moralgefühl nichts Unmoralisches anhaftet, könnte ich praktisch nichts kaufen und wohl auch nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen.

Nein, ich bin kein »Impfgegner« und gewiss kein »Totimpfstoffgegner«, wie viele »mRNA-Impfskeptiker« auch – und doch kann ich verstehen, wenn Ungeimpfte noch immer nicht den Impfärzten »die Türen einrennen«.

Wenn der Valneva-Impfstoff der erste Impfstoff überhaupt gewesen wäre, und wenn es wirklich ein »klassischer« Totimpfstoff ist, der nach einer zwar »komprimierten«, doch sehr »üblichen« Entwicklung auf den Markt gebracht wird, dann wäre die Frage, ob man sich impfen lässt, für viele aktuellen »Skeptiker« wahrscheinlich viel einfacher.

Eine kurze Geschichte

Dies wird aber nicht der erste Covid-19-Impfstoff sein – ein Rückblick: Seit über einem Jahr wird ein mRNA-Impfstoff angeboten, der zu Anfang noch stolz als »Gentherapie« gepriesen wurde, bis man merkte, dass »Gentherapie« eher gruselig klingt, und plötzlich galt es als tabu, die Gentherapie eine Gentherapie zu nennen (siehe dazu auch den Essay 26.5.2021: »Gentherapie, Wuhan und die Gabe der Prophetie«).

Wenn von Heute auf Morgen die Bedeutung von Begriffen ausgetauscht wird, werde ich sehr hellhörig. Ich bin kein Mediziner, ich kenne mich aber mit öffentlicher Sprache aus, und die öffentliche Kommunikation um die mRNA-Injektion ist von jener Art, die in mir nicht nur einen, sondern dutzende Alarmglocken laut läuten lässt.

Recht bald schien es vielen Beobachtern, dass da ein globales Experiment läuft (Essay vom 31.7.2021) – die meisten Menschen wollen aber, wenn sie gefragt werden, kein Labortier sein – erst recht nicht, wenn sie eigentlich gesund sind!

Man forderte de facto von den Enkeln, sich experimentelle Gentherapie spritzen zu lassen, sich also unklaren Risiken auszusetzen, »»um die Alten zu schützen« (Essay vom 30.5.2021) – heute weiß man, dass die Impfung im besten Fall (!) angeblich gegen gefährlichen Krankheitsverlauf schützt, nicht aber vor Infektion und Weitergabe.

Für die Pharmafirmen wurde teilweise der Rechtsstaat aufgehoben, allerdings nur der Teil mit der Verantwortung: Die Firmen machten Milliardengewinne auf Kosten der Steuerzahler, doch die konkreten Kosten der Impfopfer-Entschädigung kann er an die EU-Staaten weiterleiten (br.de, 26.8.2021 und tagesschau.de, 19.3.2021; Curevac dagegen übernimmt die Haftung, so wiwo.de, 23.1.2021) – und die Beweislast bleibt ohnehin beim Geschädigten beziehungsweise dessen Hinterbliebenen.

Es ist wenig vertrauenserweckend, was bislang passierte.

Aber jetzt wird alles gut, denn jetzt gibt es einen ganz gewöhnlichen Totimpfstoff.

Hmm.

Wirklich?

Dann wären da aber noch…

Das letzte Jahr hat uns gelehrt, bei allen Behauptungen zur Impfung sehr vorsichtig zu sein. Nicht alles, was die-da-oben sagen, ist gelogen – es ist aber auch längst nicht alles vollständig wahr.

Das Argument von Politik und Propaganda ist, dass auch wer skeptisch gegenüber der mRNA-Gentherapie ist, sich nun bedenkenlos den neuen »Totimpfstoff« impfen lassen kann – damit aber wird impliziert, dies sei ein »gewöhnlicher« Impfstoff.

Ein Jahr voller Halbwahrheit und fehlender Informationen hat uns übervorsichtig gemacht. Wir schauen extra genau hin, was wir früher hingenommen hätten. Wir beginnen mit einer simplen Wikipedia-Suche.

»VLA2001« (so heißt der Impfstoff) besteht aus »inaktivierten, ganzen Viruspartikeln von SARS-CoV-2« – dazu den Hilfsstoffen Aluminiumhydroxid und CpG-Oligonukleotid 1018.

Das Wort »ganz« in »ganzen Viruspartikeln« ist nicht unwichtig. Mit Nuvaxovid von Novovax wurde ja bereits ein Impfstoff als »Totimpfstoff« verkauft, der tatsächlich aber tatsächlich künstlich hergestellte Spikeproteine enthielt. (Ein kleines Meisterwerk ist diesbezüglich der Text bei br.de, 3.3.2022, der in der Überschrift und in den ersten Absätzen immer wieder von »Novavax-Impfstoff« und »Totimpfstoff« spricht – und erst im vierten Absatz erklärt, warum Nuvaxovid eigentlich eben keiner ist.)

Karl Lauterbach selbst hat ja zugegeben, dass der Novavax-Impfstoff kein klassischer Totimpstoff sei, aber so bezeichnet wird, um »Ungeimpfte«, auf Deutsch gesagt, zu manipulieren: »weil so viele Ungeimpfte nur Totimpfstoff wollen, warum auch immer, wird bald erhältliches Novavax als solcher bezeichnet« (@karl_lauterbach, 24.11.2021; Lauterbach verwechselt übrigens den Hersteller Novovax mit dem Impfstoff Nuvaxovid. Vielleicht sollte er sich bei zusammengegencorona.de informieren.)

Ja, wir müssen sehr vorsichtig sein mit den Begriffen dieser Leute – die verheimlichen nicht einmal, dass sie verdrehen und manipulieren. – Aber gut, beim neuen Totimpfstoff soll es sich wohl tatsächlich um ganze Viruszellen handeln, aber eben um tote. – Dann wären da aber noch die »Wirkverstärker«…

Ja, die Anwesenheit von Aluminiumhydroxid ist ein Thema für sich, ich klammere es hier einmal aus, denn es ist an diesem Punkt tatsächlich »bewährt«.

Wir klicken auf den Wikipedia-Link bei CpG-Oligonukleotid und wir lesen dort: »CpG-Oligonukleotide, auch als CpG-Oligodesoxynukleotide (CpG-ODN) bezeichnet, sind eine Klasse von einzelsträngigen synthetisch hergestellten DNA-Oligonukleotiden, die einen relativ hohen Anteil an CpG-Motiven enthalten.«

Moment.

Synthetisch hergestellte DNA-Partikel?!

Ja.

Die Wikipedia beruhigt uns in erfrischend gutgelauntem Tonfall: »Erste klinische Studien für die Verwendung als Adjuvans verliefen bisher vielversprechend.« (de.wikipedia.org/wiki/CpG-Oligonukleotid, Stand 15.4.2022)

Chemisch betrachtet ist CpG wohl Nukleinsäure, und doch ist es eine (bewusst fremdartige) Geninformation, die aber diesmal nicht den Körper umprogrammieren soll wie mRNA, sondern dazu den Körper provozieren soll, gezielt anzugreifen. spektrum.de, 21.12.2021: »Kurioserweise enthält der Totimpfstoff, auf den viele Skeptiker warten, die Angst vor Erbsubstanz haben, also auch Erbsubstanz – eben nur nicht mit enthaltener genetischer Information, sondern als Wirkverstärker.« (Ein paar tote Viren in den Körper zu schleusen ist für die Impfwirkung effektiver, wenn man dem Körper auch das Signal mitgibt, diese anzugreifen, also einen »Wirkverstärker«.)

CpG wird ja bereits, so lesen wir an anderer Stelle, beim Hepatitis-B-Impfstoff Helplisav-B eingesetzt, und die Implikation dieser beruhigenden Feststellung ist, dass es dort ja auch keine auffälligen negativen Langzeitfolgen gibt (was natürlich damit zusammenhängen könnte, dass Heplisav-B etwa in der EU erst seit Februar 2021 zugelassen ist, siehe ema.europa.eu und in den USA seit 2017, siehe fda.gov).

»Das völlig zerstörte Vertrauen.«

Ich bin weder Mediziner, und ich tue auch nicht im Internet so, als ob ich einer wäre. Mein Metier ist die Sprache, und ich beurteile den wahrscheinlichen Wahrheitsstatus einer Aussage ganz wesentlich nach den äußeren Umständen seiner Äußerung, nach Kontext, Zusammenhang (auch über die Zeit hin) und nach innerer wie äußerer Logik.

Ich stelle fest: Was wir im Kontext der mRNA-Impfung hörten, war oft genug nur halb wahr, gelegentlich vollständig unwahr.

Und ich spüre weiterhin gewissen Zweifel. Ich frage mich, wie so mancher Bürger, ob es überhaupt eine Impfung gegen die Omikron-Variante braucht. Ich würde mir sehr wünschen, ich hätte keine Unglaubwürdigkeits-Marker gefunden. Ich suche nach mehr Informationen, nach mehr und präziserem Kontext.

Ich fragte meine Twitter-Follower, und ich erhielt innerhalb von einer Stunde eine dreistellige Zahl an Antworten (@dushanwegner, 15.4.2022 – weitere Antworten kommen dazu, während ich diesen Essay schreibe und veröffentliche).

Einige bezweifeln, dass es überhaupt noch einen Impfstoff gegen Covid-19 braucht. Jemand gibt zu Protokoll, dass er zwar auf einen Totimpfstoff wartete, aber in der Zwischenzeit »natürlich immunisiert« ist – sprich: infiziert war und es überlebte.

Twitterer @Stonkkong korrigiert: »Was spricht dafür. Das ist die wichtigere Frage.« – bild.de, 15.4.2022 schreibt aktuell: »Der neue RKI-Wochenbericht zeigt, dass mit dem Fall der Masken auch wichtige Pandemiezahlen gefallen sind: Es gibt weniger Infektionen und weniger Hospitalisierungen.« 

Einige merken an, dass sie Politik und Pharma einfach nicht mehr glauben, und schon gar nicht, wenn Impfstoffe scheinbar in »Rekordzeit« auf den Markt geworfen wurden.

Twitterer @ZuEndeDenken fragt: »Was spricht – nach den Erfahrungen der vergangenen Monate – für einen nicht unbedingt notwendigen medizinischen Eingriff?«

Ein Leser schreibt mir privat, dass um nach aktueller Rechtslage in Deutschland als vollständig geimpft zu gelten, man sich noch immer den mRNA-Impfstoff samt »Boostern« injizieren lassen muss. Das spräche tatsächlich gegen den Totimpfstoff, doch wir wollen einmal davon ausgehen, dass diese Rechtslage bald angepasst wird.

Twitterer @FrankBuschFrank beantwortet schließlich die Frage, was gegen den neuen Totimpfstoff spricht so schlicht wie brutal nachvollziehbar: »Das völlig zerstörte Vertrauen.«

Fazit und Entscheidung

Notiz vor dem Fazit: Ich lade Sie ein, Ihre kritischen Mails bezüglich dieses Textes an [email protected], Stichwort »Totimpfstofftext« zu schicken! Ich bitte Sie aber, immerhin meinen Mut anzuerkennen, in dieser Zeit überhaupt über Impfungen zu schreiben. / Ende dieser Notiz

Ich werde auch weiterhin keine Empfehlung abgeben. Ich finde nicht nur das Twitterhandle von @BalanceforPeace sympathisch, ich spüre auch die »Balance« in ihrer/seiner Meinung zur Frage, was gegen den neuen Impfstoff spricht: »Cpg 1018 eventuell. Falls mal ein Impfstoff sinnvoll ist würde ich aber immer Valneva allen vorziehen.«

Ich habe Ihnen meine Gedanken zum neuen Totimpfstoff vorgelegt. Nein, niemand wird deshalb nun den Impfärzten »die Türen einrennen«. Der Impfstoff von Valneva liefert immerhin (endlich) ein ganzes Virus, und das ist vermutlich ein wichtiger Schritt hin zur tatsächlichen Immunität, auch gegen Varianten.

Als Vater (und als Mensch, der in der Welt des Jahres 2022 lebt) bin ich sehr froh, dass die Lage sich insgesamt zu entspannen scheint (außer in China und im Kopf von Karl Lauterbach). Die Lage wird doch etwas »normaler«, und das ist eine sehr angenehme Feststellung.

Ich empfehle aber mir selbst, was ich uns die ganze Zeit schon empfehle (vergleiche etwa den Schluss des Essays vom 20.12.2021): Informiere dich, prüfe deine Quellen, entscheide dich, und wie auch immer du dich entscheidest, stelle sicher, dass es deine Entscheidung war.

Weiterschreiben, Wegner!

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