18.12.2021

Du sollst keinen Ratschlag geben!

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Jonathan Knepper
US-Behörden raten aktuell von einem Impfstoff ab, wegen möglicher Blutgerinnsel. Deutsche Politiker werden bei Corona-Lügen zwecks Panikmache erwischt. Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung für den Rat, sich »impfen« zu lassen?
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»Haltet gern an, wenn ein Fußgänger über die Straße möchte«, so sagte damals der Fahrlehrer zu uns, »aber gebt dem Passanten kein Handzeichen, dass er über die Straße gehen kann.«

Sein Grund war, dass man durchs Handzeichen eine Verantwortung übernehmen könnte. Und zwar die Verantwortung dafür, dass die Straße sicher zu überqueren sei.

Ich kann als Autofahrer ja nicht wissen, ob die Straße tatsächlich hundertprozentig sicher zu überqueren ist, nur weil ich angehalten habe! Im Leben ist ja so gut wie nichts hundert Prozent sicher, nicht einmal mehr das Amen in der Kirche (so schrieb ich im Essay vom 30.3.2021).

Man stelle sich vor, dass ich dem Fußgänger vom Steuer meines Autos aus ein Zeichen gebe. Er versteht, es sei nun sicher, über die Straße zu gehen. Just in dem Moment aber überholt mich ein rasender Depp – und eine Tonne Autoblech kracht gegen brüchige Knochen und weiche Organe.

Wäre es meine Schuld? Rechtlich? Moralisch? Nun, ich kenne die rechtliche Lage nicht genau. Ich befolge aber jenen Rat bis heute eisern, und ich wende ihn auch in manchen anderen Bereichen meines Lebens an.

»Warnung vor Blutgerinnseln« 

»US-Experten raten von Johnson & Johnson ab«, so heißt es dieser Tage lapidar in einer Schlagzeile bei tagesschau.de, 17.12.2021.

»Dinge haben sich seit der Einführung verändert«, wird die Chefin der US-Gesundheitsbehörde zitiert, und es wird eine »Warnung vor Blutgerinnseln« ausgesprochen.

Ein Gegner der mRNA-Impfung könnte auch hier sarkastisch ausrufen: »Nein! Doch! Oh!«

Jedoch, ganz so einfach ist die Angelegenheit nicht. Es handelt sich laut den US-Behörden um etwa einen von 100.000 Fällen.

Ich bin mir relativ sicher, dass ein jeder von uns schon mal Dinge tut, deren tödliches Risiko höher liegt, bei diesen anderen Dingen werden wir aber meist nicht gezwungen, sie zu tun.

Etwas anderes

Im Essay »Die Normalität ist mutiert« (3.6.2021) schrieb ich: »An diesem Punkt bleibt nur zu raten, dass jeder seine Entscheidung trifft, dann zu dieser steht – und selbst sein Bestes gibt, zu einem »neuen Normal« zu finden.«

Zuvor, im Text »Virus oder Impfung – was fürchten Sie mehr?« (15.4.2021), erklärte ich als letzten Satz: »Ich möchte nicht am Virus sterben – und auch nicht an der Angst davor!«

Ich tat und tue mir auch weiterhin schwer, Menschen zur Impfung oder gegen die Impfung zu raten.

Ich bin sehr dafür, auch und gerade hier, die Dinge ehrlich zu benennen, beginnend damit, dass der Begriff »Impfung« nur halb ehrlich ist. Die Umprogrammierung der Zellen ist etwas anderes als die aktiven und passiven Impfungen alter Zeit.

(Nebenbei: Aktuell von »Impfungen« zu sprechen bleibt mit der Situation vergleichbar, dass ich etwa den Satz »Wir haben Vögel beobachtet« sagte, mich damit aber darauf beziehe, dass wir im Zoo ein paar Pinguine sahen.)

Und die Verantwortung?

Ich bleibe in Sachen »Covid-Impfung« dabei, dass ich weder dazu noch dagegen rate – doch ich bleibe ebenso definitiv dabei, dass man sich in der Sprache ehrlich machen sollte!

Ich frage heute aggressive Impfgegner wie auch fanatisierte Impfbefürworter immer dieselbe Frage: Übernimmst du persönlich die Verantwortung, wenn es bei mir schiefgeht?

Hinterlegst du Geld, um meine Kinder zu versorgen, wenn ich an Impfschäden sterbe – oder an Covid?

Offensichtlich haben Impfgegner es einfacher, hierauf zu antworten, denn sie können sagen: »Du kannst auch mit Impfung an Covid erkranken, aber ohne Impfung wirst du kaum Impfschäden erleiden – natürlich so lange nicht irgendwelche ›Spikes‹ durchdrehen.«

Erwartet man denn, dass Politiker, die mit blank gelogener Panikmache gegen Impfskeptiker hetzen (vergleiche tichyseinblick.de, 17.12.2021), bei möglichen Impfschäden auch nur via Steuergeld »Verantwortung übernehmen«.

Wenn du aber nicht die Verantwortung für den potenziell tödlichen Ratschlag übernimmst, mit welchem Recht rätst du mir – und noch dazu so penetrant?

Ich finde ja, die Zehn Gebote (2. Mose 20) könnten um ein elftes Gebot erweitert werden: Du sollst keinen Ratschlag geben (zumindest keinen ungefragten).

Es ist eine schlechte Idee, so habe ich einst gelernt, einem Fußgänger ein Handzeichen zu geben, dass die Straße frei sei. Es scheint mir heute eine schlechte Idee zu sein, einem Menschen mehr zu raten, als dass er sich wirklich ehrlich informieren soll, um dann selbst zu entscheiden.

Relevanz, nicht Allgültigkeit

Ich könnte es mir einfach machen, wie so viele sogenannte »Ethiker« und »Theologen« in Staats- und Konzernmedien, und dies oder jenes für gut oder böse erklären, je nachdem, was die Propaganda an dem Tag hören will. – Es wäre einträglich, doch erbärmlich, und jede Sekunde im Leben passiert eben doch nur einmal.

Meine Philosophie trägt jedoch bereits im Titel die (implizite, aber unzweideutige) Aufforderung, sich selbst Gedanken zu machen, was die eigenen relevanten Strukturen sind, was einem wichtig ist, was man als richtig und relevant erkannt hat, und dann selbst eine Wahl zu treffen. 

Ich so, andere anders

Entscheide, doch entscheide vorsichtig. Du könntest falsch liegen! Dein Wissen wird nie mehr als eine vorläufige Skizze sein. Nur Götter und Trottel wissen wirklich alles, und falls du meinst, alles zu wissen, und doch kein Gott bist, dann weißte halt auch noch was anderes.

Bevor du jemanden über die Straße winkst, frage dich, ob du bereit und überhaupt in der Lage bist, die moralische und finanzielle Verantwortung für die Folgen zu tragen. (Sprich: Eigentlich kannst du nur deine eigenen Kinder »über die Straße winken« – und auch das nur zeitlich und praktisch begrenzt.)

Triff deine Entscheidung, und dann steh zu ihr – egal was sie war, solange du selbst es warst, der entschieden hat.

Entscheide, und dann komm damit klar, dass andere Menschen sich anders entscheiden.

Es gilt weiterhin: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst. Und dann entscheide – ebenso selbst.

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