24.07.2021

Er lacht, weil’s komfortabler ist

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Jose Alfonso Sierra
These: Der lachende Laschet ist der richtige Kandidat für eine Zeit, die nichts mehr ernst nimmt, keine Werte mehr hat. Schon Merkel kannte keine Werte mehr, aber Laschet tut nicht mal so, als ob.
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Ein kleiner Selbsttest, liebe Leser: Können Sie aus dem Kopf eine einzige große Nachricht aus dem Jahr 2017 nennen? Aus 2015 können Sie es, aus 2019 bis 2021 natürlich auch, aber 2017?

Machen wir es uns doch komfortabel, lehnen uns zurück, und ich skizziere ein paar Details aus jenem Jahr!

2017 fand etwa der G20-Gipfel in Hamburg statt, eine globale Blamage mit Plünderungen und linker Gewalt in den Straßen (allein der Einsatz der Polizei und Hilfskräfte kostete 72,2 Millionen Euro, so bild.de, 4.2.2018). Für das beschämende Chaos war Hamburgs damaliger Erster Bürgermeister Olaf Scholz verantwortlich, was ihn ohne Frage zum aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD qualifiziert. (Nebenbei: Klonovsky bleibt bei seiner Prognose, siehe klonovsky.de, 22.7.2021, dass Scholz, nicht Laschet, nächster Bundeskanzler wird – weil Laschet schlicht dem Beispiel Baerbocks folgen und sich einmal zu oft zum Kasper machen wird.)

Zuvor im Jahr 2017, im Januar, wurde natürlich der letzte zweifellos demokratisch gewählte Präsident der USA vereidigt. Es begann der letzte Versuch der USA, sich gegen die neue Weltmacht China aufzubäumen. Ein Versuch, der vier Jahre später mit der sogenannten »Wahl« des verwirrten Grabschers Biden niedergerungen wurde. (Nebenbei: Erinnern Sie sich noch an die Podestas von der Podesta-Group? Der Hack der John-Podesta-Emails war es wohl, der Hillary Clinton die Wahl kostete. Die Podestas sind wohl »wieder da«. Tony Podesta wurde vom chinesischen Konzern Huawei als Lobbyist angeheuert. (politico.com, 23.7.2021)).

(Es könnte eine reizvolle Übung sein, die Jahre der jüngeren wie älteren Vergangenheit eines nach dem anderen einzeln durchzugehen, um zu betrachten, welche Zeichen schon damals »an der Wand geschrieben« standen.)

»Nächste große Epidemie«

Schon 2017 war absehbar, dass »der Sumpf« sich nicht damit abfinden würde, die US-Wahl verloren zu haben. Hillary Clinton wurde sogar aus ihrem eigenen Lager öffentlich aufgefordert, die 2016-Wahl (vorerst?) verloren zu geben (vergleiche etwa bbc.com, 2.6.2017).

Im Jahr 2017 warnte auch ein gewisser Herr Bill Gates laut und auf vielen Kanälen vor der »nächsten großen Epidemie« (vergleiche Business Insider via YouTube, 22.1.2017CBSN via YouTube, 19.1.2017, mit symbolstarkem Foto: forbes.com, 19.2.2017). Er warnte aber auch zuvor (etwa 2015 bei TED, hier via YouTube), aber 2017 schien er den PR-Druck extra hochzufahren. (Wenn Gates es so tief glaubt, dann ergibt es ja Sinn, dass seine Stiftung seit 2002 in Pfizer investiert hatte und ab 2019 in BioNTech, so fool.com, 24.9.2020, neben weiteren Pharma-Firmen, siehe wsj.com, 17.5.2002).

2017 wurde Frank-Walter »ich wusste nichts von Eikonal« Steinmeier als Bundespräsident eingesetzt. Man muss heute sagen: Genau der Präsident, den man in einem »Propagandastaat« erwarten würde. 2017 starb Helmut Kohl, ein symbolisches Ende der »guten alten Zeit«. (Für viele weitere 2017-Ereignisse siehe Wikipedia.) Ende 2017 wurde in Österreich der jugendlich frische Sebastian Kurz zum Bundeskanzler der Österreicher ernannt, und damit zum damals jüngsten amtierenden Regierungschef der Welt (Anfang 2018 schrieb ich die einzige Buchbesprechung bislang, nämlich über eine Biographie jenes Herrn Kurz, von Herrn Ronzheimer – es wurde dann doch ein Essay).

Der Anlass aber, der mich motiviert, dieser Tage auf 2017 zurück zu schauen, der ist durchaus von heute – genau genommen vom 22. Juli 2021.

»weiter von der Wahrheit«

»Abschied vom Westen«, so lautete dieser Tage eine Schlagzeile, und sie stand in einem Medium, das man trotz aller Krawalligkeit im Mainstream verorten darf, der BILD.

Björn Stritzel kommentiert bei bild.de, 22.07.2021 (veröffentlicht spät abends um 22:30 Uhr) Merkels jüngste außenpolitische Handlungen. Die ersten und letzten Sätze des Textes fassen ihn gut zusammen: »Seit Jahren wird Kanzlerin Angela Merkel als Anführerin des freien Westens gefeiert, gar als Verteidigerin universeller Werte. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.«, und: »Was ihr Vorgänger Gerhard Schröder nicht geschafft hat, ist Angela Merkel zum Ende ihrer Amtszeit gelungen: Europa und den Westen entscheidend zu spalten und zu schwächen.«

Die Stoßrichtung – und der Titel! – jenes Kommentars erinnerte mich an einen meiner Essays. Dieser Text trägt den Titel »Die letzten Tage des Westens« und ich habe ihn im Februar 2017 geschrieben.

Ich nenne dort drei Zeichen, die für die These von den letzten Tagen sprechen könnten. Erstens den Selbsthass des Westens, der bei näherem Hinsehen die Manifestation einer inneren Unordnung ist. Zweitens Migrationsströme von Menschen mit einer selbstbewussteren Weltsicht als die der Bevölkerung der Zielländer. Drittens die Beliebigkeit und das Wertvakuum des Rechts in der sogenannten »Europäischen Union«. Diese drei von mir im Jahr 2017 genannten Zeichen überschneiden sich darin, dass der Westen seinem Ende entgegensieht, weil er wenig hat, das sich »Werte« nennen lässt.

Kein Skandal

Zumindest was Merkel betrifft, ist man sich quer durch die politischen Lager einig, dass Merkel erstaunlich freundlich gegenüber politischen Kräften ist, welche die vorgeblichen »westlichen Werte« genau gar nicht umzusetzen gedenken. Die Unterschiede scheinen eher in der Deutung zu liegen, worin der Verrat an den Werten des Westens bestand, nicht aber dass er stattfand.

Bei Stritzel geht es um die »Putin-Pipeline« (wie Bild das Projekt »Nord Stream 2« nennt), aber auch um Deals mit Iran und das deutsche Nichteingreifen in Syrien.

Mancher Beobachter stimmt zu, dass Merkel dem Westen – vor allem seinem europäischen Teil – echten Schaden zugefügt hat, oft zu Gunsten einstiger »sozialistischer Bruderstaaten« wie Russland und China.

Jener aktuelle BILD-Text ist kein Gast-Kommentar, kein Ausrutscher, für den man sich entschuldigt – und er ist kein Skandal. Der Text wurde aktuell (Stand 24. Juli 2021) laut sharedcount.com nur 120 mal bei Facebook geteilt, was für einen derart provokativen Titel bei bild.de sehr wenig ist. (Zum Vergleich, mein letzter Essay wurde laut desselben Analyse-Dienstes bislang 644 mal bei Facebook gepostet; siehe Screenshot.)

Für diesen Kommentar gilt, was ich für andere Phänomene dieser Zeit bereits gesagt habe, und es gilt auf geradezu schmerzende Weise: Es ist ein Skandal, dass es kein Skandal ist!

(Übrigens: 2017 schrieb derselbe Stritzel einen Undercoverbericht darüber, wie islamistische Terrorgruppen ihre Unterstützer anwerben (bild.de 23.7.2017). Es passte thematisch: 2017 war auch ein Jahr der Terror-Anschläge (eine Auswahl davon bei Wikipedia).

Keine Rolle mehr

Stritzel von der Bild widerspricht darin, dass Merkel »Anführerin des freien Westens« oder gar eine »Verteidigerin universeller Werte« gewesen sein soll, wofür sie wohl irgendjemand feierte.

Ich frage mich, wo es denn sein soll, wo man überhaupt (noch) an diese »Werte« glaubt. Wenn wir in Deutschland nicht den Nachbarn foltern, dann tun wir das doch deshalb nicht, weil es anstrengend und unkomfortabel und illegal dazu ist. Der große Wert des Westens deutscher Prägung ist der Komfort, das anstrengungsfreie Wohlgefühl, nicht die Freiheit oder Würde – wenn es gegen den Komfort geht, ist Freiheit und all das andere schnell vergessen, man denke nur an den Umgang mit unkomfortablen Andersdenkenden.

Merkel verrät nicht westliche Werte, sie ignoriert sie, weil sie keine echte Rolle mehr spielen. (Das wäre ein Punkt, an dem man ihr tatsächlich Pragmatismus bescheinigen könnte – aber gut, in Fragen der Macht war sie seit eh und je pragmatisch.)

Bill Gates versprach uns 2017 eine Pandemie. Das Corona-Virus lieferte die Pandemie, Konzern- und Staatsmedien lieferten die Panik. Pharmafirmen, teils via Aktien im anteiligen Besitz der Gates-Stiftung, lieferten die »Impfungen«. Die Corona-Panik zeigte aber, wie leicht westliche Staaten die vermeintlich »westlichen Werte« drangeben.

Ob nun Klausuren-Laschet oder G20-Scholz der nächste Kanzler sein wird, beide verkörpern einen Westen, der an kaum-noch-etwas glaubt. Wenn Laschet bald Kanzler wird, dann vielleicht nicht obwohl er sich zum Kasper machte, sondern weil er es tat. (Ich bleibe dabei: Baerbocks Fehler war, dass sie überhaupt noch versuchte, die alten Werte wie Bildung und Fakten zu bedienen; siehe dazu den Essay vom 30.6.2021.) Spätestens seit seinem Mir-doch-alles-egal-Lachen in Erftstadt hat sich Laschet doch als der perfekte nächste Bundeskanzler erwiesen. Laschet lacht, weil’s komfortabler ist. Laschet ist der richtige Kanzler für eine Zeit, deren einziger Wert der Komfort ist (denn zum ultimativen Komfort gehört doch auch, sich um Angemessenheit nicht zu scheren).

Die Himmelsrichtung und Ländereien, die »den Westen« ausmachten, sie sind ja nicht fort. Unsere Geschichte ist nicht fort und unsere Kultur auch noch lange nicht. Die Werte aber, auf die wir einst stolz waren, wir glauben doch selbst längst nicht mehr an sie.

Zeitungskommentatoren mögen sich aufregen, dass Merkel die Werte des Westens verrät – die aber kann fragen: Welche Werte? War es denn nicht komfortabler, sich aus Syrien rauszuhalten, die Grenzen zu öffnen (weil »die Bilder« sonst unkomfortabel geworden wären), die sinnvollsten Kraftwerke auszuschalten (weil man sonst unkomfortable wissenschaftliche Debatten über tatsächliche Risiken hätte führen müssen), und so weiter. Ist es nicht komfortabler Putin und China nachzugeben, als sich mit den von Propaganda-NGOs angesetzten Aktivisten (und deren »Non-Player-Characters«) anzulegen? (Und ja, es war komfortabler, die Menschen alle einzusperren, als sich den Debatten um Risiko und tatsächliche Gefahr zu stellen – so wie es jetzt für die Bürger komfortabler ist, sich einen Alltag ohne Corona-Panik einzurichten, egal was die Politik sagt.)

Im August 2016, schrieb ich einen Essay mit dem Titel »Merkel – ihr Erbe wird ein Land ohne Verantwortungsgefühl sein« (28.8.2016) – bald wären wir wohl soweit.

Journalisten können in großen Zeitungen laut rufen, dass die Regierung die Werte des Westen verrät – keinen kümmert es, keiner fühlt sich verantwortlich.

2018 sprach ich von den »Trümmerfrauen«, die Deutschland nach dem »Merkelsturz« brauchen würde – ob die Zeit bis dahin »noch 1 Tag oder 1 Jahrzehnt dauert«: »Der Merkelsturz wird kommen, und am Tag danach sollten wir genau wissen, was unsere Werte sind.«

Der Tag danach, bald

Er scheint sich dann doch zu nahen, der »Tag danach«. Doch nein, es wird kein allgemeiner Aufbruch sein, kein Aufwachen aus einem trägen Traum.

»Was wir brauchen, ist eine geistig-moralische Wende«, so sagte Helmut Kohl dereinst (ich habe als konkrete Quelle nur »1980, im Wahlkampf« gefunden; zu diesem aber schauen Sie bitte unbedingt diese Szene bei YouTube, wenn Sie Gänsehaut spüren möchten beim Vergleich, auf welchem Niveau einst politische Debatte in Deutschland stattfinden konnte).

Es wird am Einzelnen liegen, für sich selbst festzustellen, was ihm wichtig ist, was seine Werte jenseits von Komfort und Gemütlichkeit sind, die relevanten Strukturen, die so wichtig sind, dass man für sie auch Ungemach und sogar Nachteile auf sich nimmt.

Heute aber, im Jahr 2021 und nach 16 Jahren Merkel, umgeben von Klickdreck-Medien und Propagandastaat, darf man sagen: Was wir heute brauchen, ist ein geistig-moralischer Neuanfang!

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