Dushan-Wegner

05.05.2023

Selbstjustiz, Zivilcourage und ein zynisches Spiel

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Clowns in Berlin, nix zu lachen.
Klimakleber verüben Straftaten, aber rufen »Selbstjustiz«, wenn Opfer sich wehren. Stellen wir uns vor, da klebten Identitäre! Dann würde man nicht »Selbstjustiz« hören, sondern »Zivilcourage« – und statt Strafverfahren gäbe es Bundesverdienstkreuz.
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Du hast nichts! Nichts, womit du mich bedrohen kannst. Nichts, was du mit all deiner Kraft anfangen kannst – so höhnt der Joker.

Filmkenner wissen: Ich paraphrasiere hier eine berühmte Szene aus dem Batman-Film mit Heath Ledger (siehe YouTube).

Batman hat nur eine Regel, und diese eine Regel wird er brechen müssen, um gegen den Joker zu gewinnen. Doch der Joker will ja sehr ausdrücklich, dass Batman diese Regel bricht – und damit hätte er ebenfalls »gewonnen«!

Für die Comic- und Filmfigur »Batman« ist es ein wesentliches moralisches Dilemma: Batman kämpft gegen Mörder, doch er hat sich selbst zur ehernen moralischen Regel gesetzt, selbst keine Menschen zu töten.

Der Joker »spielt« allerdings mit dieser Regel, wendet sie gegen Batman an: Der Joker konstruiert Situationen, in denen Batman und sogar die Bürger von Gotham selbst töten müssen, um Leben zu retten.

Wir kennen die Denk- und Redeweise, dass man die Waffen eines Gegners gegen ihn selbst wendet. Joker und Leute wie der Joker wenden aber die Stärken und moralischen Werte einer Gesellschaft gegen ebendiese – womit wir bei der aktuellen Nachrichtenlage wären.

Einfach von der Straße

Ein Teil von Deutschland – insbesondere Berlin – erleidet inzwischen seit Monaten fast täglich die Anschläge der teils aus den USA finanzierten »Klimakleber«.

Doch Bürger beginnen sich zu wehren, und sie tragen oder zerren die Söldner schon mal einfach selbst von der Straße.

Und prompt kreischen die Klimakleber: »Selbstjustiz!«

Tatsächlich ist sogenannte Selbstjustiz strafbar, worauf etwa bild.de, 28.11.2022 hinweist.

Handelt es sich aber wirklich um Selbstjustiz?

Ich bin kein Jurist, und ich will also nicht erörtern, ob und wann die Abwehr einer Nötigung und potenziellen Gefährdung von Menschenleben wirklich »Selbstjustiz« ist, und wann man eher von »Notwehr« oder »Verhindern einer Straftat« reden sollte. Ich betrachte vielmehr die Bedeutung und Verwendung von Worten und Ideen im bundesdeutschen Alltag, besonders in ihrer politisch-gesellschaftlichen Wirkung – die Talking Points, wenn Sie so wollen.

Ein Werkzeug der Begriffsanalyse ist das Ersetzen eines Details ceteris paribus – während alle übrigen Dinge sich gleich verhalten.

Führen wir doch also das Gedankenexperiment durch, dass die bezahlten Aktivisten die Straße nicht »fürs Klima« blockieren, sondern dass ein deutscher Milliardär sie bezahlt, um die Bevölkerung etwa »für deutsche Identität« wachzurütteln.

Sprich: Stellen wir uns vor, da hätten »Identitäre« die Straße blockiert!

Würde man den Leuten, die die hypothetischen Identitären von der Straße zerren, ebenfalls »Selbstjustiz« vorwerfen und ihnen mit Strafe drohen?

Ach, natürlich nicht, zumindest nicht in Presse und politischer Debatte!

Wenn die Klimakleber »Rechte« wären, dann gälte das Wegzerren in öffentlichem Sprachgebrauch nicht als »Selbstjustiz«, sondern als »Zivilcourage«, und statt Strafverfahren erhielten die mutigen Bürger vermutlich das Bundesverdienstkreuz.

Man verlässt sich darauf

Die sehr unterschiedlichen Perspektiven auf »die Rechten« (in heutiger Bedeutung: wer für Arbeiter und Grundrechte eintritt, statt für Investoren und Konzerne) und auf »die Guten« (nützliche Idioten der Milliardäre) sind bekannt und wurden auch von mir ausgiebig beschrieben, werden hier aber aufs Neue deutlich.

Aktuell nicht weniger interessant ist der psychologische Mechanismus, dessen sich die aktivistischen Söldner bedienen.

Klimakleber verüben Straftaten gegen die Bürger (siehe etwa auch Friedrich Merz in zeit.de, 26.4.2023(€) und via tagesschau.de, 26.11.2022), doch sie verlassen sich darauf, wenn die Opfer sich gegen die Straftaten wehren, »Selbstjustiz« rufen zu können, woraufhin der Staat sich gegen die angegriffenen Bürger und auf die Seite der Angreifer stellen soll – so die Erwartung.

Klimakleber erinnern an einen »jungen Mann«, der meint, Straftaten verüben zu können, weil er sich der Strafe durch die Behauptung entziehen kann, ihm widerfahre dadurch »Rassismus«.

Klimakleber greifen dich an, doch sie verlassen sich darauf, dass wenn du dich wehrst, der Staat dich bestrafen wird – und sie bekommen einen Teil ihrer Strafe ohnehin von Superreichen ersetzt, ganz öffentlich (siehe Essay »Aktiengesellschaft hebt (quasi) den Rechtsstaat auf«).

Die Klimakleber reihen sich als Organisation in eine illustre Gruppe von Kräften, welche die Stärken und Werte des Westens gegen diesen wenden.

Der »Trick« ist immer wieder gleich: »Deutschland muss gemäß deutscher Werte verteidigen oder zulassen, was ich tue – doch für mich selbst gelten diese Werte natürlich nicht.«

Die Firma hinter TikTok etwa verteidigt ihre Überwachungs- und Manipulations-App unter Berufung auf sehr westliche Werte wie »Markt« und »Unternehmensfreiheit« – doch in China bleiben Twitter und Facebook verboten. Islamische Staaten unterstützen den Bau von Moscheen in Deutschland und berufen sich dabei auf deutsche Religionsfreiheit – wir sollten nicht fragen, wie es umgekehrt aussieht. Milliardäre investieren viel Geld für Offene-Grenzen-Propaganda – und leben selbst hinter hohen Mauern.

Entsprechend: Die Klimakleber begehen Straftaten und verlassen sich darauf, dass ihre Opfer sich nicht wehren werden. Wenn die Angegriffenen sich aber zu wehren beginnen, entdecken die Klimakleber plötzlich ihre Liebe zu Recht und Gesetz.

Klimakleber verüben Straftaten – kreischen dann aber laut »Selbstjustiz«, wenn die Opfer ihrer Straftaten sich wehren. Wie der Joker wenden die Klimakleber unsere Werte gegen uns selbst.

Ist also auch jeder, der die Klimakleber von der Straße zerrt, ein »Batman« zu nennen? Nun, vergessen wir nicht: Batman tut potenziell Illegales, sein Tun wird explizit »vigilante« genannt, was auch »Selbstjustiz« übersetzt werden kann, und die Polizei leugnet offiziell jede Sympathie für oder Kooperation mit ihm. Offizielle Ansage ist in Gotham, dass Batman verhaftet werden soll, sobald man seiner habhaft wird.

Aber anders als Bruce Wayne oder die Milliardäre, die Klimakleber oder Politiker sponsern, kann ein Bürger, der darauf angewiesen ist, pünktlich zur Arbeit zu kommen, sich wahrscheinlich keine Armee trickreicher Anwälte leisten.

Auf zur Arbeit

Ist es »Selbstjustiz«, wenn ein angegriffener Bürger die von Superreichen finanzierten »Aktivisten« daran hindert, weiter Straftaten zu begehen – wenn und weil die Polizei nichts tun darf/soll/kann/will?

Wie sicher sind wir, dass dieselben Leute, welche die Anschläge der Klimakleber finanzieren, nicht auch die Politiker finanzieren, welche die Anschläge weiterhin erstaunlich sanft angehen?

Fragen über Fragen – ich sehe in der Angelegenheit aber noch einen bestimmten impliziten Fakt, und dieser macht mir bei all dem Ärger gute Laune: Linke regen sich darüber auf, dass Menschen zur Arbeit fahren wollen, weshalb sie ja die teils bezahlten Söldner von der Straße zerren (@FredParras, 5.5.2023/archiviert).

Menschen wehren sich gegen den Wahnsinn. Bürger riskieren, dass der Staat sich auf die Seite von Straftätern und US-Milliardären stellt und gegen die angegriffenen Steuerzahler. Und die tun, was sie tun, einfach nur, um zur Arbeit zu kommen. Das belegt doch immerhin, dass die Arbeit in Deutschland noch immer ein sehr hoher Wert ist.

Ist es wirklich zu viel verlangt, dass das Land mit der höchsten Abgabenlast des Planeten seine ausgewrungenen Steuerzahler zumindest auf dem Weg zur Arbeit beschützt, damit diese sich gar nicht erst fragen müssen, ob sie sich dabei gegen Straftaten wehren dürfen?

Ach, man seufzt. Und doch arbeitet man weiter, auch weil Arbeit nun mal wirklich ein eigener Wert ist.

Kann es besser werden?

Kann es sich überhaupt wieder halbwegs einrenken?

Ich sag’ mal so: Wir arbeiten daran – und dafür.

Weiterschreiben, Wegner!

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