31.10.2020

Von Leugnern und Sofatätern

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Shahzin Shajid
An den Messern der Attentäter klebt das Blut der Opfer, der Mütter, Väter und Kinder, doch metaphorisch klebt es auch an den Fingerchen der Realitätsleugner. – Politische Korrektheit tötet, und sie tötet grausam.
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Meister und Schüler saßen auf der Terrasse; sie würden Tee trinken und reden. Der Meister hob die Kanne mit dem heißen Tee. Er fragte: »Soll ich dir diesen Tee eingießen? Der Tee ist heiß! Ist deine Tasse bereit?« (Der Meister betonte das Wort ›Tasse‹.)

»Ja, gern«, sagte der Schüler, und hielt seine Tassen in beiden Händen hin, um den Tee zu empfangen.

Der Meister goss den Tee in die Tasse ein, die der Schüler hinhielt.

Der Schüler unterdrückte einen Aufschrei, er schnaufte und zitterte, doch er hielt die Tasse tapfer weiter hin.

Es war einiges passiert, bevor und als dieser Tee eingegossen wurde – einiges mehr, als wir bislang berichteten – und es hing mit dem Zustand der Tasse zusammen.

Die Tasse, die der Schüler in der Hand hielt, war von einem Riss gespalten, war gesprungen und defekt. Vielleicht war sie hingefallen, vielleicht war die gebrannte Erde schlicht alt, was auch immer der Grund war, die Tatsache blieb, dass die Tasse ungeeignet war, heißen Tee zu halten.

Der Schüler hatte gemerkt, dass die ihm gereichte Tasse gesprungen war, dass sie einen Riss aufwies, dass sie den heißen Tee nicht halten würde, doch gemäß seiner Erziehung war es unhöflich, zu bemäkeln, was der Gastgeber auf den Tisch gestellt hatte.

Der Meister wusste sehr genau, dass die Tasse gesprungen war. Er kannte auch den Schüler, und er kannte dessen Disposition.

Der Meister hatte dem Schüler alle notwendigen Gelegenheiten gegeben, die offensichtlich gesprungene Tasse zurückzuziehen.

Der Schüler hatte die Tasse nicht zurückgezogen, obwohl er doch wusste, dass sie gesprungen war.

Der Schüler holte sich Brandblasen.

Was hatte der Schüler denn erwartet, dass passieren würde?

(Später würden Meister und Schüler das Geschehene im Gespräch auswerten – Weisheit. Wir verlassen Lehrenden und Lernenden an dieser Stelle – zu den Nachrichten der Tage.)

Auf den ersten Blick

Am 22. Mai 2017 explodierte während eines Konzertes der Popmusikerin Ariana Grande ein Islamist samt seiner bei sich daheim gebastelten Bombe. Er ermordete zweiundzwanzig Menschen und verletzte 800, darunter viele Kinder.

Der verfluchte deutsche Staatsfunk nannte es im Januar 2020 einen »Streit zwischen islamischer und christlicher Welt« (@ZDFHeute, 6.1.2020, archiviert; auch: Essay vom 5.1.2020: »Nein, Staatsfunk, Terror ist nicht ›Streit‹«). Es könnte auf den ersten Blick interessant erscheinen, das Gewissen von Staatsfunkern zu untersuchen, doch wir ahnen alle, dass die Untersuchung mangels Gegenstand bald abgebrochen wäre.

Der Mörder von Manchester hieß Salman Ramadan Abedi, Sohn libyscher Flüchtlinge. Großbritannien hatte seine Eltern aufgenommen, ihnen Wohnung und täglich Brot gewährt – Salman Abedi dankte es, indem er die Kinder der Gastgeber im Namen des Islam ermordete.

Dieser Tage wird der Terroranschlag von Manchester vor Gericht aufgearbeitet. Der Wachmann, der den Mörder ins Konzert ließ, wurde befragt. Er heißt Kyle Lawler, und er arbeitete damals für 4,24 britische Pfund pro Stunde, weniger als fünf Euro.

Kyle Lawler berichtet (siehe etwa bbc.com, 27.10.2020), dass er damals durchaus ein »schlechtes Gefühl« verspürte, dass ihm der spätere Täter mit dem sichtlich großen, schweren Rucksack durchaus auffällig erschien, weil so vieles an der Erscheinung des schwitzenden, nervösen Salman Abedi nicht zum Konzert-Ereignis passte – doch der Wachmann fürchtete sich davor, nachzufragen und dafür als »Rassist« gebrandmarkt zu werden.

In Manchester ermordete die politische Korrektheit 22 Menschen und verletzte 800 weitere, teil schwer, teils im Kindesalter.

Es ist nicht das erste Mal, dass in Großbritannien mit seiner frei metastasierenden politischen Korrektheit unvorstellbares Leid geschieht, gerade an Kindern, weil Menschen die Peitsche der politischen Korrektheit fürchten. Man erinnere sich etwa an die »grooming gangs« von Rotherham mit über 1.400 Fällen von Kindesmissbrauch bis zu Gruppenvergewaltigungen (siehe Wikipedia).

Unschuldige Menschen sterben, hilflosen Mädchen wird unfassbare Gewalt angetan und Familien werden zu einem Leben in Traurigkeit verdammt, weil Menschen die linke Lügenideologie so sehr fürchten.

Mehr ein Kuriosum

Heute werden die Befürchtungen derer wahr, welche die Lügner mit den Presse- und Parlamentsausweisen als »populistisch« und noch ganz anders diffamierten.

Manche der linken Lebenslügen sind zwar lächerlich und für Einzelne im Effekt wohl auch traurig, doch als Teil des großen Ganzen sind sie vorübergehend. Als Beispiel: Sportler, die im regulären Wettbewerb nicht mithalten können, erhalten heute die Möglichkeit, sich als »Trans-Frauen« zu klassifizieren und gegen als Frauen geborene Frauen anzutreten (siehe etwa wired.com, 29.10.2019). Für die antretenden Mädchen und Frauen ist es natürlich demütigend und demotivierend, wenn all ihre harte Arbeit von linker Ideologie wertlos gemacht wird, weil Personen mit dem Körper eines Mannes gegen sie antreten (und wenn sie darüber weinen, wird man sie als »trans-feindlich« fertigmachen) – im »großen Ganzen« der Dinge ist es (so weit wir heute sehen) mehr ein Kuriosum, dass sich bald erledigt haben wird – so oder so.

Andere linke Lügen und Moralvorgaben sind, wieder und wieder, schlicht tödlich – siehe Manchester 2017, siehe Berlin, Paris, Nizza und all die anderen Städte religiös motivierten Terrors.

An den Messern der Attentäter klebt das Blut der Opfer, der Mütter, Väter, Kinder – an den manikürten Fingerchen der Linken, Lügner und Leugner. Linke, die im Dienst ihrer Lügenideologie die Realität leugnen im Effekt wirksames politisches Handeln schwer bis unmöglich machen, sind mindestens Sofatäter. (Wenn man an Vernunft und Gewissen der Politik glauben würde, könnte man auch eine Debatte dazu anstoßen, inwiefern jene NGOs für mögliche Terroranschläge belangt werden können, wenn ihre Schiffe für die kriminellen Schlepper den letzten Teil der illegalen Einreise nach Europa bereitstellen.)

Name für die feige Mehrheit

Der Schüler in unserer Geschichte von der gesprungenen Tasse und dem heißen Tee, er muss doch »logischerweise« wissen, dass der Tee ihn verbrennen wird, und dann wird seine sogenannte »Höflichkeit« schnell als gefährliche Dummheit entlarvt werden – wie auch die sogenannte »Toleranz« des Westens bereits als wesentliche (Mit-) Ursache nicht weniger Todesfälle entlarvt ist.

In einem nicht-ganz-unwichtigen Detail unterscheidet sich unsere Meister-Schüler-und-Tee-Geschichte allerdings von unserer Situation: Der Schüler leugnet den Riss in der Tasse und dann verbrennt der heiße Tee seine Hand. – Die Situation mit der politischen Korrektheit und gewissen religiösen Ansätzen ist eine andere: Die Leugner und die Opfer sind oft unterschiedliche Menschen (wenn auch nicht immer).

Die Figuren und Funktionäre, welche wohlbezahlt die Realität leugnen, welche sich wohlgehütet in ihren Ämtern eingerichtet haben, welche sich ihre eigenen Phantasiereligionen erfinden (etwa »Euro-Islam«), sie sind selten diejenigen, welche in den Straßen und Kirchen abgestochen und geköpft, bedroht und ermordet werden.

Wir kennen aus der Geschichte den Begriff des »Schreibtischtäters«, der nicht selbst die Pistole abschießt, doch mit seiner Schreibtischarbeit die Voraussetzungen dazu schafft. Wie soll man die Mitbürger nennen, welche vom heimischen Sofa aus dabei zusehen, wie Regierungen im Namen der sogenannten »Toleranz« den Mördern erst die Möglichkeit geben? Wäre »Sofatäter« ein angemessener Name für die feige Mehrheit? Einer, der selbst nichts tat, aber nicht einmal heimlich im Wahllokal protestierte, wenn Staatsfunk und Regierung den Islamisten den sozialen Teppich ausrollten?

Ende der Zwischenzeit

Der kochend heiße Tee fließt uns bereits über die Finger. Unsere Haut wird rot, Hautzellen verbrennen, es bilden sich bald eiternde Blasen. Linke Lügen bringen Leid über Unschuldige. Politische Korrektheit tötet – tötet Menschen, tötet Gesellschaften, tötet unsere Hoffnung.

Wird es uns gelingen, unsere »Becher« zu reparieren? Nun, einigen Gesellschaften dieses Planeten wird es gelingen, anderen nicht.

Auf gewisse Weise ist dies der Beginn einer neuen Zeit (siehe dazu den gestrigen Essay »Die 2020er«). Es ist kein Widerspruch, dies ist der Beginn eines Endes – dies ist der Beginn des Endes der Zwischenzeit, in welcher man linken Lebenslügen anhängen und zugleich als Gesellschaft funktionieren konnte.

Die Toten von Manchester, von Berlin, von Paris und Nizza, sie sind kollaterale Opfer im linken Krieg gegen die Realität.

Es gilt, weiterhin und deutlicher denn je: Am Ende gewinnt immer die Realität. Passt mein Denken zur Realität? Wie abhängig sind wir von Individuen und Organisationen, deren Denken nicht zur Realität passt? Welche Risiken ergeben sich daraus für uns persönlich? Welche Konsequenzen werden wir daraus wiederum ziehen? (Keine Konsequenz ist auch eine Konsequenz – und selten eine gute.)

Prüft eure Tasse, ob sie Risse hat! Prüft sorgfältig, und dann handelt (!) – und zwar bevor sie euch auch persönlich den heißen Tee einschenken.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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