Dushan-Wegner

29.01.2023

Vereinzelte Todesfälle

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: DW via AI
Staatsfunk berichtet lapidar von »Impfschäden«, etwa Herzmuskelentzündungen oder kaputten Nerven. Eben galt man als rechter Spinner, wenn man davon sprach – plötzlich ist es »neues Normal«, und ein Schwurbler ist nun wohl, wer sagt, dass es je anders war.
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Du wunderst dich, denn es scheint plötzlich ganz anders als eben noch. Glatt das Gegenteil! Du willst es erwähnen, willst Fragen stellen und deine Verwunderung zu Protokoll geben. Da hörst du aber, unausgesprochen, doch unzweideutig: »Was wunderst du dich? Es war schon immer so. Es war nie anders. Du sagst, dass es eben noch anders war? Ja, das kann passieren, dass man sich so irrt, dann ist man eben verwirrt. Aber sag das nicht so laut, sonst hält man dich für krank im Kopf, oder für einen Abweichler, was heute ja als dasselbe gilt. Es war schon immer so, und nur rechte Spinner sagen, dass es je anders war!«

Der deutsche Staatsfunk – er lebe hoch und gepriesen seien seine Journalisten! – dieser milliardenteure Garant der neuesten deutschen Demokratieverbiegung, er titelt aktuell in so lapidarem wie selbstverständlichem Tonfall: »Abfrage in Bundesländern: Impfschäden nur selten anerkannt«. (tagesschau.de, 28.1.2023)

Oha!

Hieß es nicht eben noch, dass die mRNA-Injektion ohne Nebenwirkung sei, vom Gesundheitsminister persönlich? Impfschäden nur die Verschwörungsmythen rechter Schwurbler seien?

Ich fühle mich erinnert an die Berichterstattung zur Ukraine. Auch da »vergaßen« die Meinungsmacher, was sie eben noch erzählten. (Ich schrieb gestern, im Essay »Batman, Robin und die Ukraine« darüber.)

»Als Impfschäden werden überwiegend Herzmuskelentzündungen, Sinusvenenthrombosen und das Guillain-Barré-Syndrom, eine seltene Erkrankung der Nerven, anerkannt«, so lesen wir.

»Vereinzelt« soll es sogar »um Todesfälle« gehen.

Aber, keine Panik: Es ist nur »vereinzelt«.

Hach, man wird beinahe nostalgisch. Da sind sie wieder, die berühmten »Einzelfälle« als Folge fake-moralisch aufgeladener politischer Maßnahmen.

Schon in der Überschrift und später dann extra deutlich im Text wird der Bürger gewarnt: Impfschäden werden »nur selten« anerkannt.

1808 Anträge wurden abgelehnt, Tausende weitere sind »in Bearbeitung«, und nur »ein Bruchteil« wurde anerkannt.

Wenn Sie Ihren Impfschaden aber erstens überleben und zweitens anerkannt bekommen, haben Sie praktisch das Hauptlos gewonnen: »Ab einem gewissen Schädigungsgrad bietet der Staat laut dem Bericht eine lebenslange Grundrente zwischen 164 und 854 Euro monatlich an.« (ebenda)

Und wenn Sie es nicht überleben, aber immerhin Ihren trauernden Angehörigen der Nachweis des Zusammenhangs mit den mRNA-Injektionen gelingt – wohlgemerkt gegenüber einem Staat, der wenig Interesse am Nachweis solcher Zusammenhänge hat – dann gibt es immerhin »Bestattungs- und Sterbegeld«.

Du plagst dich dein restliches Leben lang mit dem Immunsystem oder dem Herzen – aber dafür hat man dir nach langem Bürokratie-Kampf zur Entschädigung ein monatliches Taschengeld gewährt, das (nach meinen Infos und Berechnungen) etwa 0.01 % des Einkommens des Pfizer-Bosses entspricht.

Jedoch, mehr noch als die kümmerliche Entschädigung der Impfopfer mich empört, stockte mir für einen Augenblick der Atem ob der Nonchalance, wie Impfschäden und sogar Impftote plötzlich ganz selbstverständlich als das »neue Normal« behandelt werden.

Ja, lieber Bürger, das sind die neuen Kennzahlen des besten Deutschlands aller Zeiten. Der tagesaktuelle DAX, die Preise von Brot und Bananen im Supermarkt, und außerdem die aktuelle Entschädigungshöhe für Impfopfer – und natürlich welchen Sarg man sich leisten kann, wenn man ihn plötzlich und unerwartet braucht.

Bin ich zu zynisch? Darf man darüber scherzen und sogar lachen, wenn Menschen ein Leben lang leiden – oder eben ab sofort überhaupt nicht mehr?

Ich sage, man muss lachen, und sei das Lachen noch so bitter! Wer nicht lacht, der nimmt die Angelegenheit nicht ernst genug.

Durch Lachen versucht unsere Seele, die schmerzhafte Differenz zwischen Begriff und Realität zu verarbeiten. Für unsere Steuern und unser Einfügen in die öffentliche Ordnung erwarten wir vom Staat dann doch so etwas wie Gerechtigkeit und Fürsorge – das ist Teil unseres Begriffs vom Staat.

Jedoch, wenn der Staat uns zu einer zweifelhaften medizinischen Maßnahme manipuliert, und die Opfer dann mit Brosamen abspeist – wohlgemerkt nachdem das Opfer einen kräftezehrenden bürokratischen Krieg gewinnen musste – während die Profiteure an all dem reich und reicher wurden, dann ist das eine schmerzhafte Differenz zwischen Begriff und Realität.

Also gönnen wir uns das Lachen. Und wenn du noch nicht lachst, dann tut es dir wohl noch nicht weh genug. Oder es tut dir inzwischen zu weh. Auch dann verstehe ich dich.

Jedoch, wenn du lachst, lache lieber heimlich. Und zur Sicherheit tue so, als ob es schon immer so gewesen sei und du es auch überhaupt nicht anders wollen würdest.

Weiterschreiben, Wegner!

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