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Ich sage euch, und ihr werdet mir bald zustimmen: Das Problem sind die Midwits.
Alles, wofür unsere Vorfahren gearbeitet haben, alles, was wir für unsere Kinder erhofft haben – alles wird an den Midwits zugrunde gehen.
Zuerst werden die Midwits jene vernichten, die zu vernichten ihnen aufgetragen wurde. Nein, genauer: Die Midwits werden dankbar und zufrieden sein, wenn es erledigt wird. Und dann wird man die Midwits ausbluten lassen, wie Schafe zum Opferfest in Deutschlands Badezimmern. Und nicht wenige dieser Midwits werden auch dazu ihre Zustimmung blöken.
Dass es aber stimmt, was ich hier über die Midwits und ihre Wirkung sage, ist dadurch belegt, dass selbst wenn ihr das Wort »Midwits« noch nie gehört haben solltet, ihr dennoch wisst, wer und was die Leute sind, über die ich hier rede.
Lasst mich erklären!
Zu den Wahrheiten, die der Mensch früh im Leben gelernt haben sollte, und die er doch erst später begreifen wird (wenn überhaupt), gehört jene Erkenntnis, die im »IW Bell Curve / Midwit«-Meme codiert ist (siehe knowyourmeme.com).
Ihr kennt gewiss die Bell-Kurve. Das ist die mathematische Darstellung einer statistischen Normalverteilung, und sie sieht wie eine Glocke aus. (Siehe auch den Essay »Die Zweiteilung der Glocke«, veröffentlicht Anfang dieses Jahres.)
Als Beispiel: Die Körpergröße einer Gruppe von Menschen ähnlicher Genetik wird sich voraussichtlich als Glocke verteilen.
Die wohl bekannteste aller Glocken aber beschreibt die »normale« Verteilung menschlicher Intelligenz, gemessen und beziffert via IQ, »Intelligenzquotient«. Um diese IQ-Glockenkurve aber geht es beim Meme mit den Midwits.
Wir sehen eine Kurve mit der bekannten IQ-Normalverteilung.
Links von der Glocke sehen wir einen am Kopf deformierten »Dummen«.
Rechts sehen wir einen Klugen in Mönchsrobe.
Ganz oben aber, auf der Spitze der Normalverteilung-Glocke und als Repräsentant der »normalen Masse«, sehen wir einen prototypischen Woken (Problemfrisur, Problembrille, gefletschte Zähne und doch tränenreich heulend).
Alle drei Figuren »sagen« etwas, äußern eine Meinung, eine Erkenntnis.
Die als »woke« gezeichnete Person – in diesem Kontext: die »gesellschaftliche Mitte« – plappert hier die bekannten Allgemeinplätze nach, die erlaubten Meinungen und die Tagesparolen der Propaganda.
Der eigentliche Witz dieses Witzes liegt aber darin, dass der Dumme und der Kluge exakt dasselbe sagen!
Und viel zu viel
Ja, zu den Wahrheiten dieses Lebens gehört tatsächlich, dass die Klugen und die Einfachen in ihren Meinungen und Einschätzungen auffällig oft zur selben Einsicht gelangen.
In der Mitte und Mehrheit aber, in der halbgebildeten Masse, finden sich die Midwits.
Das Wort wie auch der Begriff »Midwit« kombinieren die Begriffe middle und nitwit. Ein Nitwit ist, etymologisch gedeutet, ein Mensch mit einem Verstand (wit) so klein wie das Ei einer Laus (nit), sprich: ein Trottel. Die Midwits sind die Trottel der Mitte.
Ein Midwit ist zumeist nicht wirklich dumm – das ist ja seine Tragik und seine Schuld! Tatsächlich kann der Midwit durchaus schreiben und lesen. Er könnte wissen, wenn er nur wissen wollte. Der Nidwit bestreitet brav seinen Lebensunterhalt, vermutlich in einem Bürojob, und zahlt sehr brav (und viel zu viel) Steuern.
Nein, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und brav Steuern zu zahlen ist wahrlich nicht kritikwürdig. Das Problem ist, dass wenn Midwits solche Erfolge erstreiten und zugleich auch noch die Mehrheit einer Gesellschaft bilden, sich bei ihnen eine Zufriedenheit einstellen kann, die an jenen Mann erinnert, der aus dem Fenster im zehnten Stock fällt und auf Höhe des zweiten Stockwerks erklärt: »Bis hierhin ist alles gutgegangen.« (Siehe auch den Essay »Schon wieder eins – und noch eins!«.)
Als es scheinen soll
Der Typ namens »Midwit« ist verwandt mit jenen, von denen ich im März dieses Jahres schrieb: »Die Mittelschicht versteht den Verrat nicht«. Schon viel früher aber, nämlich 2018, warnte ich vor diesen Leuten (ohne sie »Midwits« zu nennen): »Misstraut den Gebildeten!«
Jacques Ellul erklärte im Buch Propaganda, dass die »Bildung« der Mittelschicht tatsächlich daraus besteht, Autoritäten nachzuplappern. Diese »gebildete« Mittelschicht ist am einfachsten durch Propaganda zu steuern.
Die Armen und Einfachen wurden vom Leben gelehrt, misstrauisch zu sein, die Reichen und Erfahrenen ebenso. Beide lernten Misstrauen gegenüber allen Mitmenschen, und sie bedenken stets die Möglichkeit, dass die gegebene Situation eine ganz andere ist, als sie scheint. Dass die wahre Wahrheit oft eine sehr andere ist, als von den Autoritäten behauptet wird.
Und auch sonst
Vermeintlich »einfache« Menschen wissen, dass Mann, Frau und ihre Kinder eine Familie bilden. Sie wissen dass ihrer Seele ohne Religion das Fundament und die Sprache fehlen. Dass Menschen ohne Zuhause und Vaterland heimatlos sind – und ohne Volk allein.
Zu genau denselben Erkenntnissen gelangen aber auch die wirklich klugen Leute, die Weisen und die Erfahrenen! Im letzten Drittel ihres Lebens kehren die Weisen unter den Erfahrenen oft genug zur Religion zurück. Oder sie entdecken sie erst. Und auch sonst schätzen sie manchen Wert neu, über den sie in der Midwit-Phase ihres Lebens abschätzig lächelten. (Ja, sogar bei den »verbotenen« Gedanken gleichen sich bisweilen die Einfachsten und die Genies auffällig.)
Was aber nützt dem Volk die Weisheit der Einfachen, die Brillanz der Genies oder die Erfahrung der wenigen, die beim Älterwerden die Augen offenhielten, wenn es die Midwits sind, welche das Schicksal aller Menschen bestimmen?
Sie sind es, die anzeigen
Das habe ich über die Menschen und ihr Schicksal gelernt: Willst du so nah wie irgend möglich an die Wahrheit gelangen, höre auf die Einfachen und auf die Genies, die beide »am Rand« leben. (Doch bleibe vorsichtig: Nicht jeder, den man einen Verrückten nennt, wird darin verkannt.)
Doch höre auch auf die Midwits, die Trottel der Mitte. Ja, sie sind die ewig irrende Masse, doch sind sie es auch, die anzeigen, wohin unsere Reise wirklich geht.
Wenn du wissen willst, wohin der Schäfer unterwegs ist, und er will es dir nicht verraten, dann prüfe einfach, wohin die Schafe unterwegs sind. (Doch berate dich nicht mit Schafen, wohin deine Reise gehen soll.)
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Der Essay Das Problem sind die Midwits von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/midwits/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
