Dushan-Wegner

08.03.2023

Leide wie ein Fisch

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Heute schon `was Gutes gefangen?
Die Regierung zahlte über 1 Million Euro direkt an »Journalisten«. Wie nennen wir so eine Meldung? Einen Skandal? Haha, nein. Im deutschen Propagandastaat nennen wir es »gewöhnlicher Dienstag«.
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Wenn die Fische einfach nur an Land springen würden, direkt in den Eimer des Anglers, dann wäre Angeln recht langweilig. Es ist die Suche nach der richtigen Stelle und Uhrzeit, nach der Konstellation von Köder und Haken, es sind die Ungewissheit beim Warten und die Möglichkeit des Erfolgs wie auch des Versagens, die alle zusammen das Angeln spannend machen.

Es sei mir verziehen, wenn ich an dieser Stelle den Angelsport unzureichend dargestellt haben sollte. Meine Kenntnisse zur Angelei sind theoretischer Natur, und sie stammen vollständig aus Hemingways »Der alte Mann und das Meer«.

Dieser Tage aber sprang mir eine Meldung wie ein Fisch direkt in den Eimer. Die Meldung war wieder einmal »schockierend, aber nicht überraschend“. Ich hatte nicht nach ihr geangelt, und sie zu hören fühlte sich an, als ob ein kalter Karpfen aus dem Wasser springt und dir seinen Leib, diesen glitschigen, schuppigen großen Muskel, mit Schwung einmal quer übers Gesicht schlägt – patsch!

Direkt und privat

Bei bild.de (7.3.2023, also diesen Dienstag) lasen wir die banale Schlagzeile: »Regierung zahlte Journalisten mehr als 1,4 Mio. Euro«.

Es war die AfD-Fraktion, welche die Regierung auf formalem Weg danach gefragt hatte. Durchaus bemerkenswert, dass sich die anderen Parteien bislang nicht dafür interessiert hatten.

Es geht um einen Zeitraum seit 2018. Über 875 Tausend Euro davon gingen an die Propagandisten des Staatsfunks. Direkt und privat wohlgemerkt.

Das ist zusätzlich zu den inzwischen 8,4 Milliarden Euro Staatsfunk-Budget, das den deutschen Bürgern jährlich unter Androhung von Gefängnis und anderen Strafen abgepresst wird.

Zusätzlich zur hunderten Millionen Euro Propaganda-Budgets, das via Familienministerium an Propaganda-Vereine geschleust wird.

Zusätzlich zu den Aufträgen privater Unternehmen, die sich mit den Propagandisten des Staatsfunks gut stellen wollen.

Und zusätzlich zu einem weiteren Posten aus obigem Artikel, und spätestens dieses Detail riecht streng fischig:

Es gab wohl weitere Zahlungen an sogenannte »Journalisten« von deutschen Geheimdiensten. Deren Summe und Empfänger werden nicht genannt.

Zu wenig Übertreibung

Im Essay vom 27.11.2020 zitierte ich den Duden zum Begriff Propaganda als »systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o. ä. Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen«.

Wenn Journalisten und Vereine von der Politik bezahlt werden und ansonsten »zufälligerweise« weitgehend genau das sagen, was die Regierung hören will – täglich wechselnd und zuverlässig wütend auf Abweichler – spätestens dann handelt es sich um »Propaganda« in der mir bekannten Bedeutung des Wortes.

Wie aber nennt man einen Menschen, der für die Propaganda arbeitet, um Propaganda zu treiben? Nach der mir bekannten deutschen Wortbildung ist so einer doch ein »Propagandist« zu nennen.

Ich nenne Deutschland seit einiger Zeit nun einen »Propagandastaat«, und im oben zitierten Essay (Titel: »1,1 Milliarden Euro – willkommen im Propagandastaat«) gebe ich an, was ich etwa darunter verstehe: »ein Staat, worin jedem Bürger jeden Tag die Propaganda-Botschaften eingeflößt werden, auf dass er »richtig« denke«.

Wenn jemand bestreitet, dass Deutschland ein Propagandastaat in diesem Sinne ist, dann kann dies meines Erachtens nur eine von zwei Ursachen haben:

Möglichkeit 1: Er profitiert vom Propagandastaat, oder er lügt aus einem anderen naheliegenden Grund.

Möglichkeit 2: Er hielt sich schon länger nicht mehr bewusst und offenen Auges außerhalb von Deutschland auf (All-Inklusive-Ferien oder Kreuzfahrten zählen hier nicht als »außerhalb Deutschlands«), und er ist wie der Fisch im Wasser, der nicht sagen könnte, was Wasser ist, da er nichts anderes kennt.

Je aggressiver die deutsche Regierung – warum auch immer – gegen das Wohl Deutschlands und der Deutschen handelt, umso aggressiver fährt man auch parallel die Propaganda-Aktivitäten hoch, die das Volk ruhig halten. Es ist wohl kein Zufall, dass ausgerechnet die Minister Lauterbach und Habeck mit ihren teuren Propaganda-Kampagnen auffielen (siehe dazu den Essay »Die große Verschwendung« vom 15.12.2022).

Ruhig gehalten

Seit nun Jahren hören wir bald wöchentlich, dass deutsche Unternehmen ihre deutschen Produktionsstätten schließen.

2019 schrieb ich über Adidas. Kürzlich über Volkswagen. Aktuell lesen wir von BASF; siehe swr.de, 24.2.2023. Würde ich jede Massenentlassung in Deutschland einzeln als Essay kommentieren, schriebe ich über wenig anderes.

Es zeugt von Deutschlands alter Stärke, dass es überhaupt möglich ist, über Jahre hinweg Produktionsstätten zu schließen. Es verdeutlicht aber auch die Ausmaße des moralischen Verbrechens, das an Deutschland von SPD, Grünen, FDP und zuvor auch Merkelpartei begangen wird.

Deutschland wird aktiv kaputtgemacht – und die Deutschen werden mit Propaganda ruhig gehalten. Hat die Regierung gesagt, dass die Journalisten in ihrem Sinne reden sollen? Wahrscheinlich nicht, und wenn doch, wird man spontane Erinnerungslücken entwickeln. Wird man »Journalisten« mit »Aufträgen« belohnen, wenn die betreffenden Figuren durch substanzielle Kritik an der Regierung auffielen? Hahaha – das müssen wir nicht wirklich diskutieren.

Die vielen Hunderttausend Euro, die von Kanzleramt und Ministerien direkt in die Taschen befreundeter Journalisten geleitet wurden – vor allem an Staatsfunker – sind nur ein Tropfen im großen Meer. Wie viel Geld die Geheimdienste des Propagandastaates direkt an Journalisten zahlen, erfahren wir erst gar nicht. Angesichts des auffällig strammen Kadavergehorsams deutscher Journaille dürfen wir annehmen, dass es nicht wenig ist.

Wissenschaft treiben

Was soll der Angler tun, dem die Fische direkt in den Eimer sprangen, wie diese Meldung dem Essayisten auf den Tisch sprang?

Der derart beglückte Angler wird sich nicht auf die Schulter klopfen ob seines Fang-Erfolgs, der ja keiner ist, da er ja keine Mühe aufwandte. Also sucht sich ein solcher Angler andere Herausforderungen. Er wird die Fische auf ihre Eigenschaften im Detail untersuchen, er wird sie in Kategorien einordnen und präzise beschreiben – wir sagen zu solcher Tätigkeit auch: »Wissenschaft treiben«.

Als Essayist und wohl auch politischer Alltagsphilosoph angele ich sonst nach tieferen Wahrheiten und verborgenen Zusammenhängen. Doch eine Meldung wie die über Hunderttausende Euro, welche direkt in die Taschen von Journalisten gezahlt werden – und potenziell viel mehr via Geheimdienste – für die habe ich nicht viel geforscht. Das ist »in den Eimer gesprungen«, und auch das ist der real existierende deutsche Propagandastaat. Also grübele ich über den Kontext der Meldung nach, suche nach Ordnung, passenden Begriffen und zutreffenden Kategorien.

Unsinnige Mühe

Jesus trug einst seinen Jüngern auf, Menschenfischer zu sein (Lukas 5:10). Wenn ich aber ein »Menschenfischer« oder »Menschenangler« sein wollen sollte, dann eher in jenem Sinne, dass ich Leute aus dem Wasser der Propaganda herausziehen will. Meine Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass diese »Fische« dann erstmal nach Luft schnappen und zurück in die Propagandagrütze geworfen werden wollen – und dem Angler seltenst dankbar sind.

Vielen unserer lieben Mitbürger sind schon längst besondere Kiemen gewachsen, die nichts »atmen« können als die Propagandagrütze. (In einer anderen Metapher nannten wir sie die »Non Player Characters«.)

Wenn Sie meine Leser sind, dann ahne ich, dass es Ihnen mit Ihren Mitmenschen täglich ähnlich geht – und dass Sie sich zuletzt öfter leider die unsinnige Mühe sparen.

Derart aber, liebe Freunde des präzisen Gedankens, beleuchteten wir hier durch die Metapher vom Angler und den verwirrten Fischen gleich mehrere Aspekte dieser Meldung, die uns quasi »in den Eimer sprang«.

Der Angler sollte zu angeln aufhören, wenn er alles genug fürs Abendessen hat, so finde ich. Und auch ich bin für heute erstmal satt.

Wie ein Mann – oder?

Ich werfe alle übrigen Nachrichtenmeldungen für jetzt zurück ins Wasser. Sollten sie noch wachsen, werden sie bestimmt wieder auftauchen.

Die Fische werden wieder aus dem Wasser hüpfen, einige werden gleich im Eimer landen, andere werden uns erstmal ins Gesicht klatschen, und dann wischen wir uns die Nase ab und schauen, was es eben mit diesen neuen Fischen im Detail auf sich hat.

Eines aber lässt sich als Zwischenergebnis festhalten: Dieser Tage riecht manche Meldung ganz schön fischig!

Für jetzt will ich mich an Hemingway halten, welcher im Buch vom alten Mann und dem Meer diesen Rat notiert: »Halte deinen Kopf klar, und lerne zu leiden wie ein Mann. Oder wie ein Fisch.«

Weiterschreiben, Wegner!

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