13.2.2020

Wenn Politiker aus Angst ihre Ämter niederlegen, dann bist du in Deutschland 2020

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild von Arto Marttinen
Ralf Höcker tritt von allen politischen Ämtern zurück. Ihm wurde mit »Konsequenzen« gedroht. Wem das nicht Angst macht, der versteht nicht, was in Deutschland (wieder) passiert. Wer es noch immer nicht sieht, der WILL es vermutlich nicht sehen.
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Dies sind aufgewühlte Zeiten, das ist wahr, doch wollen wir den »Aufwühlern« wirklich gestatten, uns so sehr aufzuwühlen, dass wir unser Denken einstellen, unser Kämpfen um einen Splitter Gerechtigkeit, um einen Faden vom Knäuel der Vernunft? Nein, natürlich nicht!

Ein altes Gedankenexperiment fragt: Wenn eine Million Affen eine Million Jahre lang auf Schreibmaschinen einschlagen, werden sie dann zwischendurch Shakespeares Hamlet geschrieben haben? (Das Stichwort ist »Infinite-Monkey-Theorem«.)

Die traurige Antwort ist, gegeben die tatsächliche Wahrscheinlichkeit und die abzusehende Lebensdauer unseres Universums: wahrscheinlich nein, sie würden es nicht.

Philosophen aber, die ja auf alles eine Antwort haben, außer vielleicht auf die Frage, was man sinnvollerweise mit seinem Leben anstellen sollte, diese Ritter von der verwirrten Gestalt, sie haben von Mathematik wenig Wissen, also gehen sie davon aus, dass es mathematisch möglich ist, dass Affen den Hamlet schreiben, und doch stellen sie eine weitere Frage: Woran erkennen wir, dass ein Hamlet von einem Affen geschrieben wurde – einem Nicht-Menschen und damit einem Nicht-Shakespeare? Und die Antwort, auf die sie mit ihrer Frage eigentlich hinauswollen, könnte sein (und ist gelegentlich): Man erkennt, ob es Shakespeare war, der den Hamlet schrieb, einfach daran, was dieser Autor davor und danach schrieb. Das »Problem« der Million Affen, die zufälligerweise Hamlet schrieben ist, dass sie danach wieder unsinnigen Unsinn schreiben – womit wir bei der Zunft der Essayisten wären.

Seit buchstäblich Hunderten von Essays (siehe www.dushanwegner.com/liste) mahne und warne ich, dass die absehbaren Folgen aktueller Entwicklungen, wie sie Merkel und der Staatsfunk vorantreiben, solche sein werden, die man weder demokratisch noch wünschenswert nennen kann, zumindest nicht in der konventionellen Bedeutung der Worte (heute sollen Worte ja gelegentlich etwas anderes bedeuten, als sie es bislang taten, siehe »Freundlichkeit ist Faschismus – willkommen in der bizarren Gegenteilwelt«).

Wenig wünschen wir uns so sehr, wie in unseren Mahnungen und Warnungen als überflüssig und viel zu düster widerlegt zu werden.

Nun…

Mit sofortiger Wirkung

Ralf Höcker, Rechtsanwalt, Professor für Marken- und Medienrecht sowie bis eben noch Sprecher der WerteUnion, einer Gruppe innerhalb der CDU, die es wagt, Merkel zu hinterfragen, ist heute von allen seinen politischen Ämtern zurückgetreten. 

Auszug aus seinem Facebook-Post dazu:

Mir wurde vor zwei Stunden auf denkbar krasse Weise klar gemacht, dass ich mein politisches Engagement sofort beenden muss, wenn ich keine „Konsequenzen“ befürchten will. Die Ansage war glaubhaft und unmissverständlich. Ich beuge mich dem Druck und lege mit sofortiger Wirkung alle meine politischen Ämter nieder und erkläre den Austritt aus sämtlichen politischen Organisationen. (Ralf Höcker auf Facebook)

Ralf Höcker denkt, wie ich, immer auch als Vater, nur ist er noch nicht wie ich über ein Jahrzehnt dabei, er wird die Reise als Vater erst in einigen Wochen beginnen. Als Vater hat man heute zwei Verantwortungen: Einmal wird sich jeder vor seinen Kindern eines Tages dafür verantworten müssen, was er gesagt und getan hat, als Merkel und der Staatsfunk mit dem Land anstellten, was sie anstellen. Zum anderen aber, und vor allem: Jeder Vater ist und bleibt zuerst verantwortlich für das Wohl seiner Familie. Ich kann Höcker sehr gut verstehen, wenn er sich aus Sorgen um das Wohlergehen seiner Familie von allen politischen Ämtern zurückzieht.

Dies sind Zeiten, in denen die Kanzlerin ohne Scham die Ergebnisse von Wahlen rückgängig machen lässt. Dies sind Zeiten, in denen Politiker sich öffentlich im Bundestag im Stil des Gangs nach Canossa vor Kanzlerin und Establishment demütigen und um Gnade betteln, wohl weil sie den Willen der Wähler über den Willen von Ex-FDJ-Sekretärin und Staatsfunk stellten (bild.de, 13.2.2020). Dies sind Zeiten, in denen die deutsche Demokratie (wieder) röchelt, wie einer, der im Sterben liegt.

Dummheit und Gewissenlosigkeit

Der Prophet des Unheils – und ein solcher zu sein haben mich schon ein oder zwei der treuesten und liebsten Leser geziehen – ein Prophet des Unheils, wenn er im Herzen rein und in seiner Absicht edel ist, der sollte sich nichts so sehr wünschen, wie in seiner Prophetie und seinen düsteren Vorhersagen widerlegt zu werden (also nicht etwa wie der Prophet Jonah, als Niniveh entgegen seiner Prophezeiung von G-tt verschont wird, siehe Jonah 4).  Widerlegt zu werden, das ist für uns »Propheten des Unheils« nicht Niederlage, das ist unser Triumph!

Im Text »Das Lied der Innenhöfe« hatte ich die Idee vorgestellt, dass sich Abweichler und Andersdenkende in »Innenhöfen« schützen sollten. Durch die Dummheit und Gewissenlosigkeit gewisser Kreise stehen wieder Ereignisse bevor, die wir bis eben noch für unmöglich hielten. Nicht wenige Leser antworteten, dass auch in ihrer unmittelbaren Umgebung »die Einschläge näher kommen«.

Andere Leser fragten, ob ich das alles nicht zu düster sehe. – Ich kann diesen Leuten antworten und wiederholen: Wenig wünsche ich mir so sehr, wie falsch zu liegen und in allen Befürchtungen widerlegt zu werden. Und doch, bitte verstehen Sie, dass ich mich darauf vorbereite, richtig zu liegen. Meine Erfolgsgeschichte in dieser Art von Vorhersagen ist besser, als ich mir wünschen würde.

Neu und gründlich

Wie erkennen wir, was die Vorhersagen eines Propheten wert sind?  Lassen Sie mich die Frage umleiten: Woran erkennt man, ob es eine Affenhorde oder Shakespeare war, die den Hamlet geschrieben haben? Man erkennt es daran, was derselbe Autor sonst noch schrieb.

Wenn Sie nun, liebe Leser, zu erkennen meinen, dass meine düsteren Vorhersagen sich leider bewahrheiten, dass Demokratie von der »Gefühlsmoral« bedroht wird, und wenn auch sonst mancher Rat nicht gänzlich unrichtig war, dann bitte ich Sie, gerade heute, sich nochmal den zentralen Gedanken meiner Arbeit anzuschauen: Denken Sie neu und gründlich darüber nach, welche Strukturen, in die Sie eingebunden sind, Ihnen wirklich wichtig sind. Machen Sie sich neu bewusst, wie Ihre ethischen Urteile entstehen. Prüfen Sie genau, und dann prüfen Sie bitte noch einmal, wie Sie zu Ihren Werten gekommen sind.

Dies sind aufgewühlte Zeiten, und manche »Aufwühler« wollen uns auch aufgewühlt haben, denn so bleiben wir verängstigt und leicht steuerbar.

Es ist mathematisch praktisch ausgeschlossen, dass Affen den Hamlet schreiben werden. Es ist nicht ausgeschlossen, sondern vielmehr durchaus denkmöglich und nicht ohne Vorbild, dass eine Mehrheit der Deutschen eine Entscheidung trifft, die mit »äffisch« zu beschreiben geradezu eine Beleidigung unser haarigen Verwandten wäre.

Auch wenn eine Million Zweibeiner in zehn Millionen Sendern euch sagen sollten, dass Zwei plus Zwei gleich Fünf sei, dass Freundlich zu sein Faschismus sei, dass der Gehorsam gegenüber Merkel und Staatsfunk über Gewissen und Verstand stehen, dann kann es durchaus sinnvoll sein, für den Moment zu verstummen, euch in euren Innenhof zurückzuziehen oder sogar von politischen Ämtern zurückzuziehen.

Niemals aber glaubt wirklich die Lügen, die sie euch glauben lassen wollen. Wir sprachen von Hamlet. Im Text »Balkanroute und Hafermilch« zitiere ich diese shakespearische Tragödie, und erlauben Sie mir bitte, aus jenem Essay den letzten Absatz neu vorzulegen: Niemals, wirklich niemals, belüge dich selbst. Um es mit den unsterblichen Worten des William Shakespeare zu sagen (Hamlet, 1. Akt, 3. Szene): »This above all: to thine own self be true« – »dies über allem: zu dir selbst sei wahrhaftig«, oder auch: »dir selbst bleibe treu«.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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