04.11.2022

Warum musste erst ein Mensch sterben?

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Ravi Sharma
Es war eine Frage der Zeit. Nun ist es passiert. Eine 44-Jährige stirbt, nachdem Klima-Sektierer einen Stau verursachen und der Rettungswagen nicht durchkommt. Plötzlich findet die Politik deutliche Worte. Doch warum musste erst ein Mensch sterben?
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Nun ist es also passiert. Ein Mensch ist verstorben, nachdem Klima-Sektierer einen Stau verursachten und ein Rettungswagen nicht durchkam (bild.de, 4.11.2022). (Ich spreche weiter unten in diesem Essay über die am Freitag berichteten Erklärungen der Notärztin.)

Im Juli dieses Jahres schrieb ich den Essay »Reue, laut und deutlich«, und darin, gleich zur Einleitung: »Ökosektierer blockieren den Verkehr. Den Preis dafür zahlen Angestellte auf dem Weg zur Arbeit und Verletzte im Rettungswagen. Ein paar Politiker finden das knorke. So sind’se, die Sozialisten – zahlen am liebsten mit Geld und Leben anderer Leute.«

Damals, im Juli 2022, zeigte so mancher Politiker noch Verständnis für die gefährlichen Eingriffe der Klima-Sektierer in den Straßenverkehr und den Alltag der Menschen. Vergessen wir nicht, dass das grüne Habeck-Ministerium die Klima-Extremisten wohl indirekt unterstützt hatte – 165.000 Euro sollen auf ein »Gruppenkonto« geflossen sein (so tichyseinblick.de, 23.7.2022), aus dem sich wohl auch die »Letzte Generation« bedienen konnte, also genau die Gruppe, welche den Stau verursachte, der den Rettungswagen blockierte.

Es war eine Frage der Zeit, bis die »Aktionen« der diversen Öko-Endzeit-Sekten zum ersten Toten führen würden (und nicht bloß »nur« zu Verletzten wie die bekannten Aktionen von Greenpeace).

Politiker, die bislang auf dem linken Auge eher fehlsichtig bis blind wirkten, wagen nun auf einmal, ernsthaft kritische Worte zu den sogenannten »Klima-Aktivisten« zu finden (wie etwa Nancy Faeser, siehe bild.de, 3.11.2022).

Zumindest in Worten

Die Politiker, die sich hinsichtlich der »Klima-Killer« zu Wort melden, sind mir bislang nicht als sehr glaubwürdige Verteidiger des Rechtsstaates aufgefallen. Da wäre eine Innenministerin Nancy Faeser, für die es kein anderes Thema als »Kampf gegen Rechts« zu geben schien (siehe Essay vom 2.4.2022).

Doch jetzt stellt sie fest: »All das hat mit einer demokratischen Auseinandersetzung überhaupt nichts zu tun« (bild.de, 3.11.2022).

Auch Justizminister Buschmann hat zuletzt nicht wirklich als mutiger Wächter des Rechtsstaates reüssiert. Buschmann war es, unter dessen Ministerschaft eine Verschärfung des § 130 StGB bei »Nacht und Nebel« durchs Parlament gewunken wurde. Dadurch wurde es dem deutschen Verfassungsschutz möglich, jeden Bürger zu total-überwachen, bei dem auch nur der »Verdacht« besteht (was in Verfassungsschutz-Termini weiter verstanden wird, als mancher von uns denken könnte), dass der Bürger sich zweifelnd an Nachrichten über Kriegsverbrechen zu äußern planen könnte (siehe Essay vom 27.10.2022).

Die Innenministerin und der Justizminister wirken auf mich in Sachen »Rechtsstaat« und »Demokratie« bislang eher nicht wie »Überzeugungstäter«.

Und doch reden sie plötzlich starke, richtige Worte über die Klimaspinner! Was ist passiert?

»Im Folge dieser Straftatbestände kann es nicht nur Geldstrafen, sondern auch Freiheitsstrafen geben«, droht Buschmann (@marcobuschmann, 2.11.2022).

Wenn deutsche Regierungspolitiker ihr Herz für den Schutz der eigenen Bürger und einen starken Rechtsstaat entdecken – zumindest in Worten – dann muss sich der Wind gedreht haben!

Sogar ersetzen

Als ich die »Relevanten Strukturen« schrieb, ahnte ich zwar, dass die Verhandlung von »Gut und Böse« unsere Gesellschaft in Zukunft noch stärker kennzeichnen würde als bisher. Ich hätte aber nicht vorauszusagen gewagt, dass »moralische Gefühle« de facto streckenweise den Rechtsstaat und teils scheinbar sogar die Demokratie (siehe Thüringen) ersetzen würden.

Nach 2015 wurde deutlich, dass einige Deutsche bereit sein könnten, das Leben von Mitbürgern oder sogar der eigenen Kinder zu gefährden und letztendlich zu opfern, wenn sie nur damit der von Politik und Propaganda vorgegebenen »Moral des Tages« folgen. (Siehe dazu etwa den Essay vom 10.1.2018 oder den Essay vom 7.6.2018.)

Auch bei Klima-Sekten zeichnet sich seit einiger Zeit ab, dass deren aggressiver Wahn zu Toten führen könnte – es war eine Frage der Zeit.

Und jetzt ist sie halt tot, die Radlerin. Wissen wir, ob sie überlebt hätte, wenn der Rettungswagen rechtzeitig vor Ort wäre? Wir wissen, dass ihre Chancen besser gestanden hätten.

Einige Anhänger der Klimasekte versuchen, die mögliche Mitschuld der Klimasektierer am Tod der Radlerin kleinzureden. Man spricht von Falschparkern, die ebenfalls einen Stau verursachen können. (Der Falschparker aber tut es aus Doofheit oder Unwissenheit, und ist sich kaum dessen aktiv bewusst, dass er Menschenleben gefährdet. Man kann sein Auto zur Not wegschieben oder abschleppen. Die Klimaspinner aber kleben sich in voller Absicht fest, und nach geltendem Recht kann man sie nicht so einfach abreißen und entfernen. Klimaspinner wissen um das Risiko und nehmen bewusst Tote in Kauf.)

Unverdeckte Lücken

Es gibt tatsächlich noch immer Leute, die verteidigen die sogenannten Klima-Aktivisten damit, dass deren Ziele doch wertig und wichtig seien (siehe auch Essay vom 1.11.2022).

Man kann diese Leute fragen, ob sie es ebenso verteidigen würden, wenn durch eine vergleichbare Klebe-Aktion etwa der »Identitären Bewegung« ein Mensch zu Tode gekommen wäre.

»Natürlich nicht!«, heißt es dann – deren Ziele seien ja nicht so edel – und die IB-Aktivisten würde man dann wohl »Mörder« nennen. (Aber gut, Linke haben weniger Probleme mit tatsächlichen Mördern wie Che Guevara, wenn diese nur »charismatisch« und »links« genug sind. Wenn aber einer eine »falsche Meinung« sagt, der hat »sein Lebensrecht verwirkt«.)

Sektierer merken nicht die logischen Lücken und die verdeckten Prämissen in ihren Denkmustern – sonst wären sie ja nicht Sektierer.

Wer einen Toten als Folge von Klima-Protesten erträglicher findet als einen hypothetischen Toten in Folge von »rechten« Protesten, gibt damit zu, dass Tote als Folge von Klima-Protest in Kauf genommen werden – sonst wäre es ja kein Problem, eventuelle Tote durch Protestaktionen aller politischen Richtungen gleich schwer zu bewerten.

Nachtrag Freitag-Mittag

Kurz nachdem dieser Essay geschrieben und veröffentlicht war, hieß es aus Berlin plötzlich, weder »Rüstwagen« noch »Kran« zur Anhebung des Betonmischers sei notwendig gewesen (welt.de, 4.11.2022). Die Notärztin soll laut neuesten Meldungen gesagt haben, dass sie sich auch bei Anwesenheit anderer »Rettungsmittel« für genau diese Maßnahmen entschieden hätte – nämlich dass sich »der Betonmischer mit eigener Motorkraft fortbewegen« sollte – während ein Mensch schwer verletzt darunter lag!

Aha. Spannend und interessant.

Will man uns ernsthaft glauben lassen, dass wenn der Rüstwagen durchgekommen wäre, man dennoch den Betonmischer hätte wegfahren lassen, statt ihn anzuheben? – Sprich: Ein Kran ist am Unfallort angekommen und soll den Betonmischer heben können, aber die Rettungskräfte sagen »Ne, lass mal, der Betonmischer kann das selbst. Klar, da liegt jemand zwischen den Rädern. Schmeiß doch den Motor wieder an und pass halt auf.«

Ich sage mal: Ich habe Zweifel.

Und: Selbst wenn dem wirklich so wäre, wie nun behauptet wird, so würde es nichts am generellen Problem ändern, dass Klima-Sektierer bereit sind, Menschen zu Tode kommen zu lassen.

Der Rechtsanwalt Thomas Stadler bringt es auf den Punkt:

Es bleibt aber dabei, dass diese »Aktivisten« den Tod von Menschen in Kauf nehmen, weil sie glauben, ein hehres Ziel zu verfolgen. Das hat etwas zutiefst Totalitäres. (@RAStadler, 4.11.2022)

(Ende des Nachtrags)

Zweiter Nachtrag, etwas später

Ach ja, noch etwas später las man dann, dass die Feuerwehr wohl doch meine Befürchtungen des ersten Nachtrags bestätigte. Die Auswertung der Feuerwehr ergab, so welt.de, 9.11.2022: »Das Herunterfahren des Betonmischers von der Verunglückten sei ›grundsätzlich keine empfohlene Rettungstaktik‹.«

Nein? Doch! Oh!

(Ende des zweiten Nachtrags)

Dazugelernt

Ja, das Klima ändert sich – und zwar das Klima in der Gesellschaft zum Umgang mit Klimaspinnern.

Wir wollen alle unser Leben leben, wir haben genug von Sektenjüngern, für welche die Blockade von Städten und das Gefährden von Menschenleben im Namen ihres Endzeit-Wahns ein Ausbruch aus ihrer persönlichen Tristesse ist.

Die Debatten der Gegenwart sind noch viel »moralgeladener«, als ich erwartet hätte.

Im Essay »Islamisten, Klimaspinner … wir« beschrieb ich, einige Tage vor dem Fall der toten Radlerin, dass wir attackiert werden, von Leuten, »die das hassen und attackieren, was uns ausmacht« – und sie rechtfertigen ihren tödlichen Wahn mit »Moral«.

Es brauchte »nur« eine Tote, bis die Politik vernünftige, starke Worte zu den gefährlichen Klimaspinnern fand.

Vergessen wir bei aller Debatte nicht, dass irgendwo in Berlin eine Familie und ein Freundeskreis existieren, denen ab dieser Woche ein Mensch fehlt.

Die Politik findet nun starke Worte gegen Klimaspinner – wenn auch nur halb so starke Taten folgen, hätten wir tatsächlich kollektiv dazugelernt.

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