06.08.2021

Wo geht es hier zum Markusdom?

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von canmandawe
In diesen Tagen ist de facto JEDE Nachricht eine »Schrödingers Nachricht«: Bis wir sie selbst überprüft haben, ist heute bei jeder Meldung davon auszugehen, dass sie genauso gut wahr wie falsch sein kann.
aerial view of orange concrete buildings and houses
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»Zum Markusdom«, so sagte es das Schild, auf Italienisch und Englisch, soweit ich mich erinnere, und es zeigte nach links.

Die Freunde allerdings, mit denen ich damals in Venedig unterwegs war, hatten eine Karte der Stadt dabei (früher, liebe Kinder, hatten wir Google Maps auf abenteuerlich gefaltetem Papier).

Gemäß der Karte hätten wir nach rechts abbiegen müssen, um zum berühmten Markusdom zu gelangen, doch das Schild zeigte unmissverständlich nach links.

Was war los? Wer lag falsch?

Wir waren neugierig, und wir hatten Zeit. Venedig ist ja wirklich schön, und damals standen da noch nicht diese schrecklichen Kreuzfahrtmonster herum.

Wir beschlossen, beides auszuprobieren!

Erst gingen wir nach Karte. Tatsächlich standen wir wenige hundert Meter später auf dem taubenreichen Platz vor dem Markusdom.

Dann gingen wir zurück, und wir folgten dem Schild, das in die andere Richtung gezeigt hatte.

Das Schild war nicht das einzige, es folgten weitere, auf denen es »Zum Markusdom« hieß. Ein Mysterium, fast so geheimnisvoll wie die Rätsel, die später ein Dan Brown beschreiben würde (über Rom oder Paris, nicht Venedig)!

Beinahe hätten wir vergessen, warum wir zurückgekehrt und den anderen Weg genommen hatten. Da waren wirklich schmucke Schmuckläden am Wegesrand. Glänzende Gelegenheiten zum Glaskauf. Da waren Geschäfte über Geschäfte, Gastronomie und manches Gewerk.

Wir begriffen halb ergriffen und zweifellos amüsiert, was die vermutete Absicht des Schildes war. Es führte die Touristen auf einen charmanten Spaziergang zwischen tausend Trödlern und Tandlern. Wenn den Touristen das Geld in den Taschen brennt, sind die Händler so freundlich dieses Feuer im Austausch gegen irgendwelchen venezianischen Kunstkram zu löschen.

Die Chancen sind real, dass du nie am Markusdom ankommst. Auf dem Rundweg könnten nicht nur deine Reisekasse, sondern auch dein Lebenswille vorzeitig zur Neige gehen.

Ja, solltest du enthusiastisch genug sein, dich bei der Stadtverwaltung von Venedig beschweren zu wollen, dann werden sie (nachdem der Psychiater dich als trotz eines derartigen Anliegens weitgehend ungefährlich zertifizierte) dir sagen: »Selbst schuld, wer nicht nach rechts geht, dort steht der Markusdom ja!«

Du als Beschwerdeführer wirst einwenden: »Aber woher soll der Besucher das denn wissen, wenn er keine Karte dabei hat?«

Du fragst weiter, die Antwort ahnend: Und wenn er keine Karte hat? Wo bekommt er eine her?

»Einfach«, sagt man dir, »wenn er keine Stadtkarte dabei hat, muss er einfach nach links gehen, wie das Schild sagt. Dann trifft er genug Läden, die ihm eine Karte verkaufen, welche ihm erklären, dass er eigentlich in die andere Richtung hätte gehen müssen.«

(Das aber ist der Moment, an welchem du fragst, ob jener Psychiater noch etwas Zeit hat; dein Gehirn habe sich eben übel verknotet.)

Doch welche?

Gestern, am 5. August 2021 schrieb ich über die skandalöse GEZ-Entscheidung des Verfassungsgerichts unter Merkels treuem Parteifreund Harbarth:

Das Bundesverfassungsgericht hat unzweideutig klargemacht, dass die Forderungen von ARD und ZDF über dem durch Volksvertreter geäußerten Wählerwillen, damit also über der Demokratie stehen.

Daraus aber folgt:

Seit Donnerstag, dem 5. August 2021 kann es nicht mehr sinnvoll geleugnet werden, da das Bundesverfassungsgericht es de facto bestätigte: Deutschland ist ein Propagandastaat.

Eine Staatsform kann nach ihrem obersten Ordnungsprinzip benannt werden. Im Rechtsstaat ist das Recht oberstes Ordnungsprinzip, im Gottesstaat eine bestimmte Gottesvorstellung – und im Propagandastaat haben sich alle Gesetze, Behörden und das Handeln der Bürger am Willen und Wohl der Propaganda auszurichten.

Ein weiteres Fundament des Begriffs »Propagandastaat« auf anderer Ebene gebe ich im Essay vom 16.6.2021: Im Propagandastaat ist der Bürger »in jeder Minute von politischen Botschaften umgeben«. – Diese Beschreibung trifft seit mindestens einem halben Jahrzehnt auf Deutschland zu, seit dem 5.8.2021 ist es de facto auch höchstrichterlich bestätigt, dass das Wohl der Propaganda über Demokratie und Wählerwillen steht.

Deutschland blickt ja bereits auf eine eigene Geschichte der Propaganda zurück. (Es war allerdings ein Österreicher, nämlich Sigmund Freud, der die  psychologischen Grundlagen moderner Propaganda legte. Es war ein anderer Österreicher, nämlich Edward Bernays, der Propaganda »salonfähig« machte. Man mag es kaum glauben, aber vor Freud und Bernays argumentierten Politk und Marketing tatsächlich mit den Vorteilen einer Sache, nicht mit dem von ihr geweckten Status und Gefühl. Es war ein wieder ganz anderer Österreicher, der – wenn auch tatsächlich in Deutschland – seine eigene Schule von Propaganda zu mörderischster Perfektion trieb.)

Die deutsche Propaganda-Maschine ist Teil globaler Strömungen. (Wir erinnern uns, als die deutsche Regierung die Propaganda der China-nahen, aber zum guten Teil von Bill Gates finanzierten WHO (devex.com, 5.6.2020) übernahm und beschwichtigte (siehe Essay vom 13.3.2020), und dann plötzlich um 180 Grad schwenkte, als klar zu werden schien, was für eine Geldmaschine das Virus für die Pharmainvestoren wie Bill Gates darstellen kann (fool.com, 24.9.2020).)

Unser Staat ist ein Propagandastaat – unsere Zeit ist eine Propagandazeit. Wir atmen durch (so wie der deutsche Staatsfunk einst riet, man es im Angesicht der von »Rechten« und »Rassisten« behaupteten Corona-Gefahr tun sollte), und wir fragen uns: Was nun?

Das Wissen um die eigene Existenz als Bürger eines Propagandastaates muss eine Konsequenz für den Einzelnen haben, so man weder abstumpfen noch sich treiben lassen will – doch welche?

Welche Wegmarken?

Im Propagandastaat zu leben, das bedeutet zuerst, sich zu jeder Sekunde dessen bewusst zu sein, dass keine Nachricht »einfach so« gesagt wird. Gehe davon aus, dass du zu jeder Zeit hintergangen wirst. Die Wegmarken, die sie dir geben, dienen deren Zielen, nicht deinen.

Die Markusdom-Schilder in Venedig dienten damals nicht unserem Ziel – nämlich den Markusdom zu sehen – sondern deren Ziel: Man wollte die Touristen zum Ausgeben von Geld bewegen, ob sie zuletzt den Markusdom erreichen oder nicht.

Man impft, ohne Rücksicht auf Kosten und Verluste – und ohne Haftung. Wenn aber ein Arzt mal nachschauen möchte, was es ist, woran Geimpfte gelegentlich sterben, wird er in merkwürdiger Panik angegriffen (augsburger-allgemeine.de, 1.8.2021). Dieser Arzt ist Chefpathologe der Uniklinik Heidelberg.

Ich zitiere @rosenbusch, 5.8.2021, wenn dieser fragt: »Warum gerade Heidelberg?« – Er hängt vier aktuelle Todesanzeigen an, in deren erster Zeile jeweils zu lesen ist, dass das Universitätsklinikum Heidelberg um jemanden trauert. Wir schließen uns der Trauer an – und sind nicht klüger.

Ich wage die These, dass die metaphorischen Schilder, die uns von der Propaganda hingehalten werden, nicht ganz ehrlich sind, was ihre wahren Ziele betrifft.

In den sozialen Medien stößt man bald im Minutentakt auf Posts von Doppeltgeimpften, die dann doch positiv getestet wurden. Mir liegt, während ich dies schreibe, ein solcher Fall vor. Es ist ein stramm linker und sehr gehorsamer Familienvater, dessen Weltbild schwere Risse bekam. Er war so gehorsam, ließ sich brav impfen und trug brav Maske – und es brachte alles nichts (ich verlinke ihn nicht, da es kein Prominenter ist, sondern ein echter, verängstigter Mensch). Auch in ihm könnte der Verdacht wachsen, dass die Schilder, entlang derer er seinen Weg wählte, ihn gründlich in die Irre führten.

Man findet diese Berichte ja weltweit! Auch aus Deutschland wird gemeldet, dass die berüchtigte Inzidenz »trotz steigender Impfquote« derzeit steige. Es bleibt ja jedem selbst überlassen, erstens zu fragen, was man statt »trotz« noch anderes in jene Aussagen einsetzen könnte, und zweitens, ob die metaphorischen Schilder, die uns hierhin brachten, jederzeit richtig und ehrlich beschriftet waren.

Ach, die Schilder der internationalen Propaganda werden ja längst aufgestellt für das, was hiernach kommen könnte. »Experten« merken, dass den Buchstaben-Paniken die Panik-Kraft abhanden kommt – also versprachen sie uns jetzt die »Doomsday-Variante« (newsweek.com, 4.8.2021) – »Doomsday« lässt sich frei mit »Tag des jüngsten Gerichts« übersetzen.

Während Leute wie Obama sich lachend mit ihren Freunden zu großen Partys treffen (siehe Essay vom 3.8.2021) – Masken nur fürs Personal, als Zeichen ihres niederen Ranges – wird der Rest der Welt, inklusive Deutschland, in ein Labyrinth und Netz von Propaganda-Wahrheiten geführt.

Woher nun die Karten?

Im Propagandastaat ist alle Vernunft und Vorsicht gebannt. In Berlin werden nicht nur Regierungskritiker von der Polizei zusammengeschlagen (was jetzt auch den UN-Sonderberichterstatter für Folter mal hinschauen lässt; siehe berliner-zeitung.de, 5.8.2021) – im selben Irrenhaus Berlin veranstalten sie jetzt auch »Vaccination Nights« (siehe ra.co), wo Menschen ohne Ausweispapier während einer durchtanzten Nacht (bestimmt alle mit Masken und Mindestabstand) die Gentherapie in den Arm gehauen wird. (Ob man dann auch weitere Party-Nächte mit Obduktionen durchführen wird…?)

Nein, ich weiß auch nicht genau, wohin die Schilder heute zeigen – aber der Markusdom ist es erstmal nicht.

Kein Grund, sie nicht auszustrahlen

Im Essay »Was soll man denken, wenn man denen-da-oben nicht traut?« (19.3.2020) schrieb ich vom »Rudé Právo«, dem Parteiblatt der Kommunistischen Partei der ČSSR, von welchem man als Bürger ausging, dass fast alles darin gelogen war (etwa manche bösen Dinge über den Westen) – doch später feststellte, dass zwar lange nicht alles, aber doch erstaunlich viel davon eben doch in etwa der Wahrheit entsprach.

Ähnlich ergeht es dem Bürger im Propagandastaat: Die zentrale Eigenschaft aller Nachrichten und Botschaften im Propagandastaat ist es, dass sie dem Zweck der Propaganda dienen. Wahrheit und Falschheit sind akzidentell.

Dass eine Nachricht gelogen ist, ist für die Propaganda kein Grund, sie nicht auszustrahlen – dass sie wahr ist, verhindert die Ausstrahlung aber ebenso nicht!

»Ist das wahr oder vom Staatsfunk?«, so fragt sich heute der kritische Bürger – und so zu fragen ist vernünftig und verständlich. Und doch: Dass die Propaganda etwas sagt, das allein macht eine Meldung auch nicht falsch!

Die Fragmente triangulieren

Das erste und letzte Kriterium für die Auswahl von Nachrichten ist, ob sie gewisse Absichten unterstützen – nicht ob sie wahr oder wirklich relevant sind.

Jede Nachricht im Propagandastaat ist »Schrödingers Nachricht«: Bis wir sie selbst überprüft haben, ist davon auszugehen, dass sie genausogut wahr wie falsch sein kann.

Es ist mehr als nur ein Kuriosum, dass man damals in Venedig die Karte mit der Information, wie man zum Markusdom gelangt, nur in den Geschäften kaufen konnte, die auf der Route weg vom Markusdom lagen.

Es passt zu unserer Situation als Bürger im Propagandastaat. Wir triangulieren die Fragmente möglicher Wahrheit aus Medien, die ihre jeweils eigenen Absichten haben. (So sympathisch der Radau ist, den die BILD unter Reichelt gerade veranstaltet – niemand wird doch bestreiten, dass das politische Interesse der BILD-Zeitung zuerst und zuletzt der BILD-Zeitung gilt – womit »BILD-ismus« wohl eine eigene politische Richtung wäre, und dazu noch eine, die deutlich klarer zu greifen ist als manch andere politische Richtung heute.)

Zwischen Wahrheit und offener Lüge liegt noch ein breites Spektrum der »strategischen Lücken« und »nur lokalen Bedeutung«. Nicht wenige der von Mainstream und Staatsfunk verbreiteten »Fake News« werden dadurch zur Pseudo-Nachricht, dass sie nicht wirklich das sind, was jeweils für das Leben des Bürgers am wichtigsten wäre – nicht dadurch, dass sie zwingend »falsch« sind.

(Es sei angemerkt, der sprachlogischen Vollständigkeit halber: Was nicht »wahrheitsfähig« ist, kann ja gar nicht erst unwahr sein! Man denke an die regelmäßigen moralischen Empörungen, die zur Ablenkung vom wirklich Wichtigen geschürt werden; siehe auch den Essay vom 23.6.2021: »Trickdiebe mit Regenbogenflagge«.)

Kein Runterfahren

Es gibt kein Zurück mehr. Dies ist der Propagandastaat. Die Administratoren haben genau kein Interesse ihn runterzufahren und an Stelle des Propagandastaates wieder echte Demokratie, echte Vernunft und die Werte der Aufklärung zu installieren.

Wer nicht zwischen Ständen der Tandhändler und Pizzabäcker verloren gehen will, der sollte recht bald seine Stadtkarte ausfalten und genau studieren.

Wo bin ich? Wo will ich hin? Und, per favore, wo geht es hier zum Markusdom?!

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