24.01.2023

Unsere Werte als Waffen gegen uns

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: DW via AI
Islam- und Klima-Extremisten setzen beide unsere eigenen Werte gegen uns ein. Man verlässt sich darauf, dass wir uns lieber schaden lassen, als unsere Werte zu überprüfen. Wie richtig liegen die Extremisten?
Unsere Werte als Waffen gegen uns
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Beenden Sie bitte folgenden Satz: »Ich bin kein gewalttätiger Mensch, aber wenn …«

Die Chancen stehen gut, dass Ihr Nachsatz die Stichwort »Familie« oder »Kinder« enthielt. Gewaltlosigkeit ist Ihnen zweifellos eine relevante Struktur, doch es ist dann doch eine eher abstrakte und philosophische Struktur – die Strukturen »Familie« und »Kinder« dagegen wurden Ihnen von der Natur als maximal relevant einprogrammiert.

Was würden wir von einem Menschen halten, der aus sogenannter »Gewaltlosigkeit« einfach nur zusieht, wenn seiner Familie böse Gewalt angetan wird, obwohl er eingreifen könnte?

Wir würden mindestens mit ihm ins Gespräch kommen wollen. Wir würden ihm erklären, dass ein für absolut genommener Wert nicht mehr wirklich ein Wert ist, sondern mehr so eine Ideologie. Und dass solche Rigidität ihn bald zum Opfer anderer, weniger pazifistischer Ideologen machen wird.

Diese und andere

Profi-Klima-Extremisten haben neue Anschläge auf das öffentliche Leben in Deutschland angekündigt. bild.de, 24.1.2023, man wolle den Kampf gegen Deutschland »in jede Stadt und jedes Dorf tragen«.

Man könnte natürlich die bewährte »Cui Bono«-Frage stellen, also wem der Wahnsinn nutzt, den die teils wohl aus dem Ausland finanzierten Klima-Extremisten praktizieren. Freie Denker sollten auch weiter im Auge behalten, wer da welches Interesse verfolgt.

Ich möchte heute aber gezielt die Logik beleuchten, derer sich diese und andere Extremisten bedienen.

Im Essay »Islamisten, Klimaspinner … wir« (24.10.2022) beschrieb ich gewisse Denk-Ähnlichkeiten zwischen Extremisten, die sich auf den Islam berufen, und Extremisten, die sich aufs Klima berufen: Beide Arten von Extremisten kämpfen aktiv gegen westliche Kultur – während sie oft von dieser profitieren.

Beide greifen unsere Geschichte und Symbole an, unseren Alltag und unser Zusammenleben.

Beide sind bereit, Menschenleben für ihre Ideologie dranzugeben.

Beide scheinen eigene innere Konflikte auf die westliche Gesellschaft zu projizieren.

Bei beiden fragen wir uns, wer sie finanziert und was er sich wirklich davon verspricht. Und bei beiden merken die kleinen Fußsoldaten oft nicht (oder viel zu spät), dass sie im Namen vermeintlich höherer Moral doch für recht niedere Ziele eingesetzt wurden.

Jedoch, noch etwas haben Islam-Extremisten und Klima-Extremisten gemeinsam: Beide wenden unsere eigenen Werte als Waffen gegen uns.

»Zero« und dessen Konsequenzen

Der polnische Politiker Dominik Tarczyński ist bekannt für ein kurzes englisches Wort: »zero«, zu Deutsch: »null«.

Tarczyńskis englischsprachige Interviews, die jenes Wort »zero« samt Kontext enthalten, sind unter denkenden Menschen so beliebt, dass sie sogar zu Musik-Clips verarbeitet wurden (siehe YouTube).

Tarczyński meint mit »zero«: Er will null illegale Einwanderer, vor allem nicht aus Ländern, in denen ein nicht zu vernachlässigender Teil der Menschen die Werte der Länder, in die sie auswandern und von denen sie versorgt werden wollen, offen verachten. Und Polen will das umsetzen – null illegale Immigration. (Nach Russland ist Polen gleichzeitig das Land, das aktuell die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen hat, so etwa statista.com, 17.1.2023. Das führt dort wiederum zu eigenen Debatten, wie die über »Pendler«, die sich Sozialhilfe abholen und wieder in die Ukraine fahren.)

Länder wie Frankreich, Deutschland oder Schweden nennen Polens Haltung »intolerant«. Ein Preis der Toleranz ist aber womöglich, dass die Rangliste von Terror-Anschlägen in der EU für das Jahr 2021 von Frankreich angeführt wird, danach kommen Deutschland und Schweden – und Polen taucht in der Rangliste gar nicht auf. Dazu bedenke man all die Beinahe-Anschläge, wie etwa der erst kürzlich verhinderte Gift-Anschlag mit Cyanid und Rizin durch einen 32-jährigen Iraner (siehe Essay vom 1.2.2023).

Ich sage nicht, dass Toleranz für sich schlecht ist – doch sie ist auch nicht absolut gut. Deutsche Toleranz spielte eine Rolle bei 9/11 und bei Breitscheidplatz, bei den Attacken auf Rettungskräfte zu Silvester und beim sinkenden Sicherheitsgefühl außerhalb der durch bewaffnete Security und Panzerglas abgeschirmten Berliner Elfenbeintürme.

Ich sage, dass eine absolute Toleranz, wie alle anderen »absoluten« Werte, zu unmenschlichen Konsequenzen führen kann. Ein jeder Wert kann von einer böswilligen Instanz gegen den gutmeinenden Idealisten gedreht werden. Und genau das ist, was Islam- und Klima-Extremisten tun.

Wie Batman

Islam- und Klima-Extremisten wenden beide unsere Werte gegen uns.

Klima-Extremisten zählen darauf, dass brave Deutsche nicht »draufhalten«, oder auch »nur« die Extremisten ohne Rücksicht auf deren Hautverlust von der Straße reißen. (Die Klimaspinner werden sich wohlweislich nicht vor die getunten BMWs eines Clan-Treffens auf die Straße kleben.)

Die Comic- und Filmfigur »Batman« folgt dem Prinzip, keine Menschen zu töten. Im zweiten Nolan-Batman-Film wendet Joker dieses Prinzip dann aktiv gegen ihn, indem er ihn zwingen will, den Tod unschuldiger Menschen in Kauf zu nehmen, nur weil er nicht selbst töten will. (Siehe etwa die berühmte Verhörszene, via YouTube.)

Nach ähnlichem Prinzip zwingen uns Islamisten, sie zu »tolerieren«, wenn wir nicht gegen den »Superwert Toleranz« zu verstoßen bereit sind. Und ähnlich bauen Klima-Extremisten darauf, dass wir deren Recht auf körperliche Unversehrtheit aufrechterhalten, während sie Straftaten begehen, Rettungswagen blockieren, et cetera.

Sogar die meisten Grünen haben längst begriffen, dass »Frieden schaffen ohne Waffen« nur dann funktioniert, wenn jemand anders die Waffen liefert und/oder einsetzt – oder wenn man eben Unterwerfung und Niederlage als wünschenswerte Form von »Frieden« deutet. Ein durch Absolutheit zur Ideologie übersteigerter Wert endet nicht selten tödlich – für den Ideologen wie auch für seine Opfer.

Islam- und Klima-Extremisten bereiten beide ihre Taten im Schutz deutscher Werte vor, und greifen dann genau die Menschen und Infrastruktur an, welche die Vorbereitung erst möglich machten.

Werte sind längst nicht so absolut, wie Politik und Propaganda uns glauben lassen. Uns sitzt ja noch der Schrecken in den Knochen, als wir sahen, wie deutsche Polizisten mit Schlagstöcken gegen Bürger vorgingen, weil diese für ihre Grundrechte zu demonstrieren gewagt hatten. Wenn die Andersdenkenden deutsch sind, wirkt der Staat plötzlich gar nicht mehr »tolerant«.

Und diejenigen, welche uns die Werte einreden, leben regelmäßig selbst das Gegenteil dieser Werte. (Siehe dazu etwa den Essay »Aus Gutmenschen, die es selbst betrifft, werden schnell Bösmenschen« von 2018.)

Sollen wir unsere Werte also aufgeben? Wagen wir, »unsere« Werte zumindest neu zu bedenken oder sogar realistische (!) Kompromisse zu schließen?

Auch dann

Dies ist kein Text gegen Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden. Und dies ist auch kein Text gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit. (Ich wünsche mir vielmehr, etwa von der Pharmaindustrie gesponserte Politik und Presse würden das Recht auf körperliche Unversehrtheit so hoch halten wie ich.)

Dies ist ein Text – wie hoffentlich auch die übrigen bislang 1.589 Essaysfür etwas, und zwar für unsere Ehrlichkeit gegenüber uns selbst.

Seien wir auch und gerade dann ehrlich, wenn sich ein Dilemma auftut, für welches wir keine schnelle Antwort parat haben.

Es gilt auch weiterhin jenes Shakespeare-Wort: »This above all, to thine own self be true«, zu Deutsch etwa: »Dies über allem: zu dir selbst sei wahrhaftig«, oder auch: »dir selbst bleibe treu«.

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