Der Verfassungsschutz agitierte gegen Opposition, mit verdächtigen und vermutlich intellektuell eher »simplen« Methoden. Böhmermann doxxte YouTuber, sprich: setzt die für Böhmermann (und damit ZDF) üblichen Nazi-Methoden ein. Deutschland im Jahr 2025.

Zu den Dingen, über die ich bis jetzt noch nie nachgedacht habe, die ich nur vom Namen her kannte, vielleicht noch ein grobes prototypisches Bild im Kopf, zählt das Instrument Drehleier. Nun aber stieß ich darauf, und die Angelegenheit ist charmant – lasst mich erklären!

Ihr kennt gewiss die Redensart »die alte Leier«. Wenn jemand sich wiederholt, bekommt er schon mal zu hören: »Nicht schon wieder die alte Leier!«

Wenn ich diese Formulierung höre – und ja, es geschieht –, dann fühle ich mich regelmäßig missverstanden. Ja, es scheint, dass ich mich wiederhole. Doch ich habe stets einen von zwei gute Gründen zur Verteidigung meiner Wiederholung!

Wenn es scheint, als ob ich Gedanken wiederholte, dann prüfe, schärfe und verbessere ich diese von Iteration zu Iteration. (Das ist meine erste Ausr…, pardon: mein erster guter Grund.)

Ein Pianist spielt ja auch ein Stück vieltausendmal, bis es sitzt. Der Violinist wird routinierter von Konzert zu Konzert. Der Handwerker mit jedem Werkstück und der Anwalt mit jedem Schriftstück. Warum nicht auch der Denker mit jedem Gedanken, bis zur Perfektion!

Ein zweiter Grund der Wiederholung ist mein (nachweislich scheiternder) Versuch der Gegenpropaganda. Lasst mich auch dies erklären!

Bis es kocht

Ihr kennt das bekannte Sprachbild vom Frosch, der im Topf sitzt, während das Wasser immer wärmer wird. Der Frosch reagiert nicht aufs Wärmerwerden, bis das Wasser schließlich kocht.

Nun, in der Realität würde der Frosch es merken, und er würde herausspringen. (Was ging im Geist des Menschen vor, der das testete?)

Anders als der tatsächliche Frosch harren zu viele meiner Mitmenschen im inzwischen brodelnd kochenden Wasser.

Ein Beispiel: Nein, es ist nicht normal, dass Kinder in der Schule fürchten, zusammengeschlagen zu werden – und noch mehr, ihre Angst auszusprechen und dafür »Rassisten« genannt zu werden. Wenn ich diesen Misstand aber anspreche – oder wenn ein Lehrer es tut –, dann heißt es schon mal von den Guten: »Nicht schon wieder die alte Leier!«

Die Wahrheit zu wiederholen bedeutet auch, sich der Normalisierung des Unnormalen entgegenzustellen.

In den letzten Tagen habe ich mich aber gleich zweimal dabei erwischt, etwas zu aktuellen Ereignissen sagen zu wollen – doch ich sagte mir selbst: »Nicht schon wieder die alte Leier!«

Da war etwa die Sache mit dem Verfassungsschutz, der auch bundesweit die in Umfragen insgesamt stärkste Partei, die einzige inhaltliche Oppositionspartei »AfD« als »gesichert rechtsextremistisch« diffamierte. Es war ein weiteres Tief in Deutschlands neuestem Abschied aus der Demokratie. (Aktueller Stand der Aufführung in totalitären Schmierentheater: Die Einstufung ist »zurückgestellt«; siehe tagesschau.de, 08.05.2025. Ich höre Leute vermuten, der Inlandsgeheimdienst braucht bloß die selbst-erteilte Genehmigung für irgendwas Schmutziges, was in drei Tagen erledigt werden konnte.)

Extra merkwürdig an der Angelegenheit war, dass die Behörde diesmal nicht das Gutachten zur Begründung der Diffamierung herausgeben wollte.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Verfassungsschutz in den deutschen Wahlkampf und gegen die Opposition eingreift. Ich schrieb allerdings schon oft darüber, dass der Verfassungsschutz sich auf dem intellektuellen Niveau eines »Amateur-Philosophiestadels« betätigt. Siehe etwa die Essays »In Ruhe mein Toast essen«, »Panik!«, »Der Verfassungsschutz, die AfD und die Medien« oder »Deutschland, gebacken und gegrillt«.

Sollte ich wirklich noch einen Essay darüber schreiben, dass das argumentative Niveau des »Verfassungsschutzes« im Propagandastaat erschreckend ist? Ich sagte mir selbst: »Nicht schon wieder die alte Leier!«

Nicht den schon wieder!

Und da war noch die Sache mit Böhmermann. Im Staatsfunk blies er zur Jagd auf Andersdenkende, via Einschüchterung und dem Geld des ZDF (siehe (apollo-news.net, 11.05.2025).

Ja, ich könnte darüber schreiben, doch ich schrieb schon 2018 über »Die Nazi-Methoden des Herrn Böhmermann«. Soll ich es wiederholen? Nein, nicht schon wieder die alte Leier.

Was heute in Deutschland passiert, war absehbar, und es wurde ausführlich vorab dokumentiert – von mir und anderen. Wer sehen will, sieht es schon länger, und wer nicht sehen will, wird auch heute sagen: »Nicht schon wieder die alte Leier!«

Hurdy Gurdy!

Eine Drehleier ist übrigens ein mittelalterliches Streichinstrument, bei dem die Saiten von einem eingebauten Rad angestrichen werden, das mittels einer Kurbel gedreht wird. Im Amerikanischen nennt man die Drehleier ein Hurdy Gurdy, und auf YouTube gibt es schöne Videos davon.

Die in der Drehleier gestrichenen Saiten erinnern im Klang an Orgelpfeifen. Es passt also, dass auch Kirchenmusik auf der Drehleier gespielt wurde (siehe dazu wieder YouTube).

Apropos Kirche

Der neue Papst Leo XIV. erklärt seinen Namen in Bezug auf seinen Namens-Vorgänger Leo XIII. (siehe @VaticanNews, 10.05.2025). Der veröffentlichte 1891 die berühmte Enzyklika Rerum Novarum, welche die katholische Soziallehre begründete.

Damit reagierte Leo XIII. auf die Herausforderung der Industrierevolution. Leo XIV. will auf die Herausforderung durch Künstliche Intelligenz reagieren.

Ein Papst, der auf die ethischen Herausforderungen durch KI reagiert – das ist doch keine »alte Leier«, das klingt wie neue Musik in meinen Ohren. Pardon: neue Kirchenmusik!

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Der Essay Deutsche Leiermusik von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/die-alte-leier/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!