01.04.2021

Gib Pfötchen, Bürger!

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Fatty Corgi
Es ist nicht zwingend ein »Fehler« im System, dass deutsche Coronamaßnahmen widersprüchlich und unlogisch wirken. Indem man Menschen zwingt, unlogischen Befehlen zu gehorchen, dressiert man sie zu blindem Gehorsam.
brown and white short coated dog lying on white surface
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Hach, ist es nicht schön, wenn ein Hund gut dressiert wurde, wenn er auf Kommando sein Pfötchen gibt, wenn er artig »Platz macht« oder sich auf Zuruf um seine eigene Achse dreht?

»Gib Pfötchen!«, ruft der Besitzer, und er platzt halb voll Stolz, wenn das Tier wie ein haariger Roboter exakt ausführt, was man es lehrte.

Ergibt es denn einen Sinn, dass das Tier seine Pfote zum Gruß reicht? Was sollen Zweck und Nutzen sein? Nun, wenn es ein Blindenhund sein soll, oder ein Hund, der einem Hilfsbedürftigem im Haushalt helfen wird, dann könnte es sinnvoll sein, dass der Hund eine Tür öffnen oder ein Gerät bedienen kann – aber ein »gewöhnlicher« Hund?

Wir nennen den Hund ja den besten Freund des Menschen, den Wolf aber fürchten wir. Was unterscheidet den Hund vom Wolf? Die Dressierbarkeit! Was unterscheidet den »guten« Hund vom »problematischen«? Die Folgsamkeit natürlich!

Wenn der Hund folgsam ist, dann loben wir ihn und kraulen ihn zwischen den Ohren. Wenn der Hund aber nicht folgen will, dann schimpfen wir mit ihm – womit wir bei den Nachrichten des Tages wären!

Tatsächliche Optik

Was ist heute eigentlich der aktuelle Stand, ob, warum und an wen der Impfstoff von AstraZeneca verimpft werden darf?  Aus Deutschland werden Fälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung bekannt – und also soll man das Zeug nur an Menschen über 60 Jahren impfen (dw.com, 30.2.2021). Weil es bei denen nicht gefährlich ist? Weil sie sowieso »egal« sind? Fakt ist: Was eben noch als »Verschwörungstheorie« beschimpft wurde, das ist plötzlich ganz selbstverständliche Realität – Impfungen können töten, und die Gefahr ist real.

(Im Essay vom 26.11.2018 schreibe ich: »Wenn eine Organisation in das Visier von Missverständnissen gerät, etwa weil sie das Visier auf Unschuldige richtet, kann es notwendig sein, den Markennamen zu wechseln, und interessanterweise passiert das manchmal mehr als einmal in Folge.« – Laut aktuellen Meldungen, etwa rtl.de, 31.3.2021, soll »AstraZeneca« jetzt umbenannt werden, und zwar in »Vaxzevria«. Man denkt an einen doppelt gewieften PR-Trick: Der Bürger kann nicht kritisieren, was er nicht aussprechen kann!)

In Hamburg soll ab Freitag eine nächtliche Ausgangssperre gelten (ndr.de, 31.3.2021). Es soll Ausnahmen geben, fast als würde man alles erlauben, was nicht »Partygesellschaft« ist. Joggen ist erlaubt, Gassigehen auch. Nur »ohne triftigen Grund« umhergehen, das soll des Nachts verboten sein. Wer es dennoch tut, dem drohen Geldstrafen. Es wäre müßig, zu fragen, wer realistischerweise bestraft werden wird und wer nicht – wir ahnen es. Fakt ist: Was vor einiger Zeit noch als »Verschwörungstheorie« beschimpft wurde, das soll nun ganz selbstverständliche Realität sein – offiziell hat man sich ja gewiss die »Grundlage zur Ermächtigung« geholt (oder probiert halt aus, womit man durchkommt), tatsächlich wird die Optik dem ähnlich, wozu manchem das nicht-ganz-unproblematische Wort »Coronadiktatur« einfällt.

Gerade die Verbote von Treffen und Bewegung an der frischen Luft wirken allmählich wie Machtdemonstration und Schikane, nicht wie durchdachte Vorsicht. Haben nicht Studien gezeigt, dass das Ansteckungsrisiko draußen relativ gering ist, während der Mangel an Bewegung nachhaltig die physische wie psychische Gesundheit beschädigen kann? (Vergleiche etwa @mugecevik, 11.1.2021) – »Die Leute werden nervöser und aggressiver«, so die Polizeigewerkschaft (berliner-zeitung.de, 1.4.2021), und man fühlt sich versucht, im Geist von Politik und Journalisten zu Ende zu formulieren: »… also gilt es, sie gerade jetzt zu brechen.«  

Man hakt es ja bald nur noch ab, wenn eine weitere »Verschwörungstheorie« bestätigt wird. »Wir wissen aus den Bewegungsprotokollen der Fahrzeuge und der Handydaten, dass abends sehr viele Treffen stattfinden“, schien sich »Panik-Karl« im Staatsfunk zu verplappern (wdr.de, 29.3.2021). Die Themen des Tages sind für gewisse politische Mächte wenig mehr als austauschbare Vorwände, mehr Überwachung einzuführen. Terror? Mehr Überwachung! Illegale Bilder? Mehr Überwachung! Unfreundliche Worte im Internet? Mehr Überwachung! Viren? Mehr Überwachung! – Es geht um Macht und Gehorsam, um blinden Gehorsam wie ein durchdressierter Hund.

Einige der Empfehlungen der Regierung wirken geradezu kurios und belegen eine andauernde Abgehobenheit in jenem fälschlicherweise Marie Antoinette zugeschriebenen »Dann sollen sie doch Kuchen essen«-Stil. Da wäre etwa die Empfehlung, statt ins Fitnessstudio zu gehen, doch etwas im eigenen Garten zu arbeiten. (Deutschland hat übrigens die zweithöchste Steuerlast der OSZE, siehe welt.de, 26.4.2021, und dazu spiegelbildlich die zweitniedrigste Wohneigentumsquote Europas, siehe statista.de – und wollte Merkels Herzenspartei nicht ohnehin Einfamilienhäuser verbieten? (siehe Essay vom 28.1.2021))

Andere Maßnahmen scheinen widersinnig zu sein, etwa die deutschen Debatten zu Ausreiseverboten. Wie etwa Annabel Schunke richtig fragt: »Warum diskutieren wir eigentlich die ganze Zeit über Mallorca-Urlauber, während jeden Tag ganze Großfamilien in die türkische, tunesische, kosovarische und weiß der Geier welche Heimat noch fliegen?« (@ainyrockstar, 31.3.2021)

Mahlstrom der Möglichkeiten

Man ist ja verführt, die deutsche Corona-Politik als »chaotisch« zu beschreiben, doch mit Nietzsche erfuhren wir im Essay vom 5.3.2021, dass »Chaos« etwas Schöpferisches enthält, ein Mahlstrom der Möglichkeiten – es wäre nicht die präziseste Beschreibung des Vorliegenden.

Jedoch, es ist weit mehr als der sprachgeschichtlich unsaubere Gebrauch eines doch schönen Wortes, der uns heute an dem Durcheinander beschäftigt.

Widersprüchliche, unordentliche Maßnahmen haben wenig Chancen, erfolgreich zu sein, zumindest nicht im offiziellen Ziel – am Ende gewinnt immer die Realität.

In einer anderen Hinsicht aber werden diese Maßnahmen »erfolgreich« sein: Die Deutschen werden zum Gehorsam trainiert, zum blinden, gedankenlosen Gehorsam.

Du verstehst nicht, warum du in der U-Bahn fahren darfst, aber Restaurants schließen müssen? Du verstehst nicht, warum du eine Maske tragen musst, aber Politiker höchstens »Coronatheater« spielen? Du verstehst nicht, warum Geimpfte weiterhin eingesperrt werden?

Man stelle sich vor, ein Hund würde es erklärt bekommen wollen, warum er Pfötchen geben soll, warum er sich im Kreis drehen oder nicht auf den Teppich pinkeln soll!

Was für Hunde

Wer beruflich mit Software-Entwicklung zu tun hat, kennt vielleicht jenen sarkastisch gemeinten Spruch: »It’s not a bug, it’s a feature«, zu Deutsch: »Es ist kein Fehler, es ist eine geplante Eigenschaft.«

Es ist nicht zwingend ein Fehler im System, dass die Corona-Befehle keinen Sinn ergeben, dass und wenn sie widersprüchlich und unverschämt sind – es nutzt dem Merkel-Machtsystem.

Durch widersprüchliche und offensichtliche Anordnungen wird der Bürger trainiert, blind zu gehorchen.

Frage nicht, Bürger, sondern gehorche! Gehorche blind, Bürger, sonst brummt man dir Strafen auf (außer natürlich, seien wir realistisch, du gehörst zu Merkels »Lieblingsmenschen« – doch wenn du das hier liest, gehörst du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu diesen).

»Gib Pfötchen!«, befielt der Coronapolitiker, »Trag Maske! Lass dich impfen, auch wenn es dich umbringt, und bleib dann dennoch eingesperrt!« – und er platzt halb vor Stolz, wenn der Bürger wie ein steuerzahlender Roboter exakt ausführt, was man ihm befiehlt.

Geht es noch wirklich um eine Krankheit (andere Länder heben die Maßnahmen ja inzwischen auf)? Ich sehe es nicht (mehr).

Die Deutschen werden wie brave Hunde dazu trainiert, Befehlen zu gehorchen, ohne zu verstehen, warum sie gehorchen wollen.

»Gib Pfötchen!«, so befiehlt dir die Macht. Wir werden uns entscheiden müssen, was für Hunde wir sein wollen.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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