07.06.2022

»Wie kann ich Krisenbereitsteller werden?«

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von Diana Parkhouse
Neue Berufsidee: Ich stelle Krisen bereit. Sie brauchen eine Krise? Kein Problem, ich liefere Ihnen eine. (Für einen kleinen Preis, klar. Aber gern auch gratis, dann hole ich mir das Geld anders.)
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Wenn Kinder heute fragen, was sie werden sollen – oder, genauer: Was sie werden wollen sollen – dann könnte bereits diese Frage zu einer formidablen Entscheidungskrise werden.

Heute gibt es für gefragte Eltern die Möglichkeit, den Kindern eine neue, hoch spannende und wohl auch einträgliche Denkmöglichkeit bereitzustellen. – Ich will Ihnen, liebe Leser, diese neue Supermöglichkeit gleich nennen, doch zuerst etwas Kontext!

Eine bekannte Metapher: Stell dir vor, du siehst Rauch. Schweren, dunklen, bedrohlichen Rauch.

Du denkst sofort an das bekannte Sprichwort: »Wo Rauch ist, da ist auch Feuer.«

Wir könnten Feuer und Rauch mit Krisen vergleichen.

Ich finde, jenes Sprichwort unterschlägt einen weiteren wichtigen Aspekt! Ich werde hier gleich dokumentieren, was diesem Sprichwort fehlt, und ja, ich werde die neue »Möglichkeit« erläutern. – Ich schätze aber, dass Sie von selbst draufkommen, wenn ich nur ein wenig den Kontext ausmale.

Präziser Kontext

Unpräzise These: In der Krise können Politiker bisherige Gesetze brechen.

Präzisere These: In der Krise kommen Politiker damit durch, ein Gesetz zu erlassen, welches bisherige Gesetze aushebelt (und damit den zugrundeliegenden »moralischen Geist«). Denn, um Walter Ulbricht zu zitieren: »Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.«

Wenn Krise ist und »es demokratisch aussieht«, dann beugt sich der Bürger eher. Ja, dann zwingt der gute »Untertan« den Gehorsam sogar seinen Mitmenschen auf.

Was braucht also ein Politiker, der die Gesetze beugen will? Wessen bedarf ein Politiker, der die bisherigen Gesetze so beugen will, dass er damit extra einfach durchkommt?

Er braucht eine Krise!

Sollte der Politiker also die Krise »machen«?

Er könnte es versuchen, ja. Aber erstens will er dabei nicht erwischt werden. Und zweitens ist die Inszenierung einer Krise womöglich zu komplex für das Hirn eines gewöhnlichen Politikers. (Wir wissen ja, was für gescheiterte Gestalten in der Politik reüssieren.)

Politiker brauchen Krisenbereitsteller, wenn sie ohne (größere) Gewalt »durchregieren« wollen. Politiker brauchen jemanden, der ihnen die Krise bereitstellt – und das tun sie auch gar, wenn ihnen das gar nicht bewusst ist! Man kennt sich, man hilft sich.

Es gilt weiterhin das Churchill-Motto, auf das sich Obama-Berater Emanuel berief: »Never let a good crisis go to waste«, zu Deutsch: »Verschwende nie eine gute Krise!«

»Wo Rauch ist, da ist auch Feuer«, das stimmt. Außerdem ist jemand da, der die Evakuierung und die Löschmaßnahmen anleitet (und vielleicht an beidem etwas verdient).

Und manchmal gilt leider: Wo Feuer ist, da ist nicht selten auch einer, der das Feuer legte. All diese Funktionen aber, also die Opfer, der Feuerteufel und die Feuerwehr, sie sind meist durchaus verschiedene Instanzen. Manche Instanz weiß womöglich gar nicht, dass sie eine solche ist. Manchen Leuten kommen die bösen Taten ganz »natürlich«. Und doch, selbst ohne intrigante Absicht oder bösen Plan können ihre Lebenswege, äh, »verknüpft« sein.

Es ließe sich erwägen

Wenn man also unter großer Machtsucht leidet, und wenn einem zudem jedes Gewissen und jeder Skrupel fremd sind, und wenn man die Begabung zum Knüpfen bestimmter Beziehungen besitzt – und wenn man zu alldem die Freude am Schreiben gewitzter Texte aufgeben wollte – dann ließe sich durchaus erwägen, »Krisenbereitsteller« zu werden.

Wo Rauch ist, da ist Feuer. Und Leute, die es löschen. Und Leuten, die den Löschleuten die Schläuche verkaufen. Und manchmal ist da auch einer, der das Feuer bereitstellt.

Ob ihr nun Krisenbereitsteller werdet, Krisengewinnler, Krisenpersonal oder genervte Krisenausweichler (wie dann doch die meisten von uns) – sorgt rechtzeitig dafür, dass ihr euch weder die Finger noch das Dach über Kopf verbrennt.

Ja, vielleicht rate ich meinen Kindern, »Krisenbereitsteller« zu werden. Oder vielleicht halte ich sie auch weiterhin, so gut es überhaupt geht, aus allem Politischen raus. Ich will, dass sie glücklich werden.

Glücklich wird nicht der Mensch, der die Welt für etwas Profit in Flammen setzt und Unordnung verbreitet. Ach, ich bin sicher, dass es solche Menschen in Wirklichkeit gar nicht gibt – was für ein Charakter müsste das sein, der so etwas anstellt?

Glücklich wird der Mensch, der »seine Kreise ordnet«, und zwar möglichst so, dass sie gar nicht erst vom Feuer ergriffen werden.

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