Dushan-Wegner

20.09.2023

Cliquentheoretiker

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Auf jedem Schulhof und in jeder Firma bilden sich Cliquen – aber ausgerechnet dort, wo man durch Cliquenbildung megaviel verdienen und die Welt unter sich aufteilen kann, sollen wir glauben, dass es auf keinen Fall welche gibt?
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Wenn Ihr Kind Ihnen vom Alltag in der Schule berichtet, was erzählt es dann?

Sie werden von doofen Lehrern hören und vielleicht auch von Erfolgen im Sportunterricht. Doch der größte Teil der Berichte wird von sozialen Beziehungen handeln.

Und das Kind wird von Cliquen berichten, von Grüppchen in den Klassen. Wer ist wessen neuer Freund, wer hat sich verzankt? Wer hat wem beim Abschreiben geholfen, und wer hat beide verpetzt?

Nun, ist das schlimm, dass das dem Kind so wichtig ist? Oder ist es schön? Oder ist es beides, weil es ein Teil der Kindheit ist?

Es ist lehrreich für uns, für die sogenannten Erwachsenen. Wir lernen daraus etwas über uns selbst. Nicht nur, weil wir auch Kinder waren, sondern weil wir immer noch Kinder sind.

Cliquenbildung ist menschlich und sogar notwendig.

Kein Mensch ist eine Insel. Wem es angeboren ist, seine Kräfte mit anderen Menschen zu bündeln, der wird eher überleben, wird eher seine DNA weitergeben – die biologische wie auch die philosophische DNA.

Wer zur richtigen Clique gehört, der hat bessere Chancen auf einen guten Sitzplatz im Schulbus, der wird in Schutz genommen und erfährt früher davon, wenn die Fragen der kommenden Prüfung vorab bekannt werden sollten.

Auf jedem Schulhof und in jeder Firma bilden sich Cliquen, ja nicht selten sogar im Verlauf eines simplen geselligen Kneipenabends!

Manchmal bietet es tatsächlich greifbare Vorteile, zur richtigen Clique zu gehören. Manchmal tut man es aus Spaß an der Sache. Es gehört zur menschlichen Natur, irgendwo dazuzugehören. In all seiner Verschiedenheit will der Mensch eben doch auch mal ein Gleicher unter Gleichen sein.

Um eine Firma, eine Partei oder eigentlich jedes menschenhaltige System wirklich zu verstehen, genügen nicht die offiziellen Organisationsbäume. Es gibt immer auch die inoffiziellen Machtverhältnisse – und die sind bisweilen die »eigentlichen«.

Wenn Sie innerhalb einer Organisation leben und überleben wollen, wenn Sie nicht zum ausgenutzten Opfer werden wollen, sondern sogar etwas Einfluss zu gewinnen hoffen, dann werden Sie nicht darum herumkommen, die wahren Machtverhältnisse zu verstehen.

Das gilt für die Schulklasse. Das gilt für die Firma. Das gilt für jedes komplexere Geschäftsverhältnis.

Und es gilt für die Gesellschaft selbst, für den Staat, für das Geflecht von Staaten, Konzernen und Finanzakteuren.

Doch ausgerechnet da, wo die wahren Machtverhältnisse den dramatischsten Einfluss auf unser Schicksal haben, will die Propaganda uns einreden, dass wir auf keinen, keinen, keinen Fall darüber spekulieren dürfen, welche Cliquen mit unserem Leben spekulieren.

Ja, auf jedem Schulhof und jedem Kindergeburtstag, in der Belegschaft jedes Supermarktes und in jeder besseren Nachbarschaft bilden sich Cliquen, auch wenn es dabei nur wenig zu gewinnen gibt.

Doch die, welche buchstäblich die Welt gewinnen und dabei längst ihre Seelen verloren haben, wollen uns zu glauben zwingen, dass ausgerechnet sie keine Cliquen bilden.

Wenn mein Kind mir erzählen sollte, dass es bei ihm in der Klasse keine Grüppchen gibt, dass alle sich immer an die Regeln des Lehrers halten, dass niemand niemanden besser behandelt als andere, und dass niemand seinen Freunden heimlich etwas zusteckt, dann würde ich vermuten, dass ich angeflunkert werde – und ich würde hinschauen, wer von dieser auffälligen Flunkerei profitiert.

»Es gibt keine Verschwörungen« ist eine neue Variante des orwellschen »2 + 2 = 5«. Und wenn du dich weigerst, die vier hochgehaltenen Finger als fünf zu zählen, werden sie dich »canceln«.

Nun, am Ende gewinnt immer die Realität, und die Realität bleibt, dass 2 plus 2 noch immer 4 ergibt, welches Ergebnis auch immer sie aktuell in den Abendnachrichten verkünden.

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