Dushan-Wegner

16.09.2023

Himmel voller Clowns

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: »Wir bespaßen das!«
Wenn Baerbock nicht Russland den Krieg zu erklären scheint, pampt sie Xi Jinping gefährlich an. Das wirklich Gruselige: Internationale Reaktion? Kaum ein Schulterzucken. Weil man uns kaum noch ernst nimmt.
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Ich könnte und sollte über die Nachrichten des Tages schreiben und darüber, wie es uns auch heute gelingen kann, am Wahnsinn unserer Zeit nicht selbst wahnsinnig zu werden.

Da wäre die neueste hochgefährliche Peinlichkeit der Außenministerin. Wissen Sie noch, als die grüne Trampolinspringerin mal eben Russland den Krieg erklärte und die Regierung dann zurückrudern musste? (dw.com, 27.1.2023)

Nun, diese Woche erklärte die Trampolinspringerin immerhin China nicht den Krieg, sondern den chinesischen Staatschef zu einem »Diktator« wie Putin (Video: @BarrettYouTube, 15.9.2023).

Doch wissen Sie, was ausbleibt?

Der Skandal!

Als Baerbock erklärte, dass wir uns im Krieg mit Russland befinden, gab es ein paar halbernst gemeinte Protestnoten aus Russland.

Ich weiß nicht, ob China bereits auf diesen Affront und diese indirekte Drohung reagiert hat. Ich vermute aber, dass sich allerhöchstens ein diplomatisches Pflichträuspern ergeben wird.

Baerbocks Baerbockiaden sind kein großes Problem – und genau das ist ein riesiges Problem!

Die Außenministerin wirkt in ihren öffentlichen Auftritten auch weiterhin wie eine überforderte 15-Jährige beim ersten Referat in Sachkunde, die kaum einen Satz unfallfrei herauspressen kann. Es ist schwer, sich auch nur einen Schnipsel anzuschauen, ohne sich fremdzuschämen.

Und diese Person soll Deutschland vertreten? Wissen Sie noch, wie der kluge und weitsichtige Guido Westerwelle wegen jeder kleinsten Fehlleistung öffentlich verhöhnt und verächtlich gemacht wurde?

Nun haben wir eine Baerbock, über die tatsächlich buchstäblich die ganze Welt lacht, doch die Medien des deutschen Propagandastaates tun brav so, als sei die Trampolinspringerin ernstzunehmen.

Was soll man darüber noch schreiben? Fürs Erste dies: Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Welt durchdreht, versichere ich Ihnen, dass Sie damit nicht allein sind. Nach allem, was Ihnen und mir im Geschichtsunterricht über kluge Politik beigebracht wurde, wirkt das Treiben dieser Regierung täglich weniger klug (um es maximal höflich zu sagen).

Eine merkwürdige Sache!

An dieser Stelle aber eine ganz andere Frage: Wann haben Sie zuletzt einen richtigen Clown gesehen?

Ganz schön lange her, wenn überhaupt, oder?

Als Metapher und Sinnbild, klar, da begegnen sie uns ständig. Manchmal auch die rote Clownsnase zum Karneval als Last-Minute-Verkleidung. Doch so richtige, vollwertige Clowns scheinen wir in der Vergangenheit gelassen zu haben, zusammen mit Glühwürmchen, handgeschriebenen Liebesbriefen und papiernen Photoalben.

Es ist ja eine merkwürdige Sache um die Clowns!

Eigentlich sollten Clowns den Menschen ein Lachen aufs Gesicht und ins Herz zaubern, sollten Freude bereiten, etwas Ablenkung vom schweren Alltag.

Clowns in Limousinen

Sehr viel früher vor unserer Zeit durften Hofnarren als einzige den Königen die Wahrheit sagen, solange sie dabei eben Clowns blieben.

Clowns wurden früher auch zu Kindergeburtstagen eingeladen, so haben wir es in Hollywoodfilmen gesehen. Und dort sollten die Kinder vor allem unterhalten werden. Der Clown überbrückte die Zeit, zumindest in Filmen. Er beschäftigte die Kinder, während die Erwachsenen Wein tranken und ihre Erwachsenengespräche führten.

Wir alle haben das Gefühl, in einem Clownstaat zu leben. Clowns in teuren Limousinen und mit Sonderrechten, die sie vor allen Nichtclowns schützen.

Der Bürger fühlt sich von der Regierung ausgepresst und herumgeschubst, und er möchte auf seine Regierung wütend sein.

Jedoch: Wie könnte man auf einen Clown wütend sein? Nicht nur mit Nazi-Methoden operierende TV-Komiker mimen den Clown, um Kritik abperlen zu lassen.

Ein »Clown« zu sein ist eine Funktion, eine Art des Auftritts. Ein Clown schminkt sich für seinen Auftritt (meist allerdings selbst). Er zieht seine Clownerei durch. Dann schminkt er sich ab und geht heim.

Auch keine Rolle

Es spielt keine Rolle, ob Frau Baerbock »wirklich so ist« oder »nur so tut«. Ob Faeser sich tatsächlich von einem Fernsehclown vorsagen lässt oder eigene clowneske Motive hat. Ob Lauterbach … und so weiter.

Es macht im Endeffekt keinen Unterschied. Ich weiß, dass Linke von einer »Absicht« besessen sind, weshalb ihre »Gesinnungsethik« ihnen bescheinigt, dass der Ruin eines Landes, die Zerstörung von Natur und das Leid der Menschen moralisch »besser« sind, wenn man dabei nur die »richtige« Gesinnung hat. (Deshalb sind Linke so auffällig oft historisch und auch sonst ahnungslos und offen dämlich: Wenn man schlicht nicht die Folgen seiner Handlungen sieht, ist es gesinnungsethisch besonders einfach, sich »moralisch gut« zu »fühlen«. Zum Thema der zwei Ethiken siehe etwa »Die Schuld der Gutmenschen« von 2017.)

Nein, ich glaube nicht an die »Moral des hirnlosen Bauchgefühls im Moment«. Und es spielt auch keine Rolle, ob diese Politik nur den Clown mimt oder es bei ihren Protagonisten die tatsächliche Natur ist.

Doch ich beginne, eine bestimmte »metaphorische Verschwörungstheorie« täglich für plausibler zu halten: Wir werden von Clowns regiert, die ihrerseits auf Clowns hören, welche selbst wiederum mit Clowns zu Abend essen.

Tatsächlich wahr

Ich denke in letzter Zeit immer wieder an jene Metapher von der Schildkröte auf dem Zaunpfahl (erzählt im Essay vom 4.1.2023): Mit manchen Politikern ist es wie mit der Schildkröte auf dem Zaunpfahl. Du siehst sie da sitzen und weißt, dass sie nicht aus eigener Kraft dort hochkam. Offensichtlich weiß sie nicht, was sie dort tut, und es wäre freundlich, sie dort wieder herunterzunehmen.

Einst glaubte man, die Erde befände sich auf dem Rücken von Schildkröten, die selbst wiederum auf dem Rücken von Schildkröten stünden (siehe englische Wikipedia). Im Sinne der obigen Metapher scheint dies tatsächlich wahr zu sein.

Die zwei Systeme

Doch womöglich verhält es sich so auch in der anderen Richtung, nach oben und mit Clowns: Über uns sind Clowns, die wieder über sich Clowns haben und so weiter. Und einige in den höheren Rängen wollen zwar gar nicht Clown spielen, doch ihre Moral ist derart anders als unsere, derart Hollywood-Bösewichten ähnlich, dass uns deren Charakter auf andere Weise clownesk erscheinen würde.

Das aber sind wohl die zwei großen politischen Systeme unserer Zeit: Traditionelle Diktaturen halten sich die Bürger mit Gewalt fern, modernde Demokratien halten die Bürger mit Clownerei fern – wobei wir alle wissen, dass die stilistischen Schnittstellen nicht unerheblich sind.

Von Zeit zu Zeit

So viel zum kleinen Ereignis des Tages und dessen großer metaphorischer Bedeutung.

Im Text »Jetzt mal ernsthaft!« stellte ich fest: In einem Zirkus voller Clowns sind es die Ungeschminkten, die als »verrückt« gelten.

Heute kann es einen tatsächlich die Existenz oder sogar die Freiheit kosten, sich metaphorisch »ungeschminkt« zu geben, sprich: kein Clown zu sein.

Wer von Clowns regiert wird, doch aus persönlichen Gründen den Zirkus nicht verlassen will, wird nicht darum herumkommen, von Zeit zu Zeit selbst den Clown zu geben.

Umso wichtiger ist es, immer wieder, mit vertrauenswürdigen Freunden oder zumindest vor sich selbst, des Shakespeare-Wortes zu gedenken: »Dies über alles andere: Dir selbst sei treu.« – Im Englischen: »This above all: to thine own self be true.«

Weiterschreiben, Wegner!

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