17.8.2020

Der Hund der Menschheit

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Syed Ahmad
Je wütender die Rassisten über den »weißen Mann« herziehen, um so mehr dringt ein NEUES Bild hervor: Der weiße Mann, der treu der Menschheit dient, wie lieblos er dafür auch geschlagen wird.
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Es war einmal ein Hund, der war der treueste Hund, den man sich als Mensch überhaupt nur vorstellen kann. Wenn sein Herrchen am Morgen in die Welt loszog, winselte der Hund vor Abschiedsschmerz. Wenn das Herrchen weg war, winselte der Hund von Einsamkeit (und nicht selten vor Hunger). Wenn das Herrchen nach Hause kam, freute sich der Hund, sprang am Herrchen hoch und wedelte wie wild mit seinem Schwanz. Es war fürwahr ein treuer Hund!

Es geschah von Zeit zu Zeit, dass das Herrchen bei Gelegenheit etwas wütend war, und dann wurde der Hund geschlagen. Wenn das Herrchen wieder mal aus einer Tagelöhnerstelle noch vor Mittag nach Hause geschickt worden war, und wenn das Herrchen also wütend war, dann wurde der Hund wieder geschlagen. Wenn das Geld knapp war, und das Herrchen fühlte sich schwach, dann wurde der Hund erneut geschlagen, und das Herrchen schimpfte, als ob der Hund an der Armut schuld gewesen wäre.

War aber genug Geld da, so dass das Herrchen sich reich und stark fühlte, dann wurde der Hund vergessen, außer er machte sich bemerkbar, dann wurde der Hund sogar getreten – er war ja nur ein Hund.

Trotz all dem, bei allem und durch das alles hindurch war der Hund treu, und er kümmerte sich um sein Herrchen, so weit seine Kraft und seine Fähigkeit reichten. Wenn das Herrchen wieder mal Abends zurückkam, erst schwankte und sich dann schnell schlafen legte, dann kümmerte sich der Hund darum, dass das Herrchen nicht erstickte (es half auch ein wenig gegen den Hunger) – und am nächsten Tag verachtete das Herrchen den Hund dafür.

Einmal, als ein Räuber das Herrchen berauben wollte, warf sich der Hund dazwischen, bellte und schnappte, und am Ende hatte er selbst ein Messer im Bein stecken.

Das Messer tat ihm weh, doch nur am Bein – in seiner Seele war er glücklich, seinem Herrchen ein treuer Hund sein zu können. Was aber tat das Herrchen? Streichelte es den Hund, belohnte es ihn für seine Tat?

Nein, natürlich nicht. Für ihn war auch der treueste Hund nur ein Hund. Treu zu dienen ist Natur und Pflicht des Hundes!

Absurdes, Allzuabsurdes

Sie kennen, liebe Leser, einige meiner eigenen Lebensweisheiten, wie etwa »Am Ende gewinnt immer die Realität«, »Nichts ist nur deshalb wahr, weil du es so denkst«, »Wenn zwei sich widersprechende Aussagen beide richtig erscheinen, hast du wohl das Problem nicht verstanden«, oder: »Ich wäre lieber eine Meile weit vom Ziel weg, und wüsste es, als nur einen Fuß entfernt, jedoch irrtümlich wähnend, ich wäre schon dort« (Ja, ich weiß – ein guter Teil meiner Lebensweisheiten läuft auf den einen Fluchtpunkt zu: bringe dein Denken in Einklang mit der Realität!)

Es könnte an der Zeit sein, eine weitere Lebensweisheit zu formulieren und dann sogleich in unser Repertoire aufzunehmen – ich will es so versuchen: Dass es absurd ist, heißt nicht, dass niemand es ernst nehmen wird.

Es ist eine teuflische Eigenschaft absurder Thesen und Forderungen, dass in Geistesangelegenheiten kompetente Menschen sie quasi-automatisch ignorieren, während die Gefühlsgetriebenen und Gerngehorsamen die Absurdität umso heißer schätzen, je absurder sie ist.

Zu den absurdesten Moden des Jahres 2020 gehört der von (oft weißen!) Akteuren betriebene offene Kampf gegen Weiße – insbesondere weiße Männer.

In einigen von US-Democrats dominierten amerikanischen Städten prügeln und plündern sich noch immer Nacht für Nacht die Schlägerbanden von »Black Lives Matter« (und weiterhin: Antifa) durch Stadtteile, die ihnen ausreichend wenig rechtsstaatliche Gegenwehr bieten. Ihr Feindbild: der »weiße Mann« (Beispielvideo: @VenturaReport, 17.8.2020). Im symbolischen Kampf gegen den »weißen Mann« werden sogar Bibeln und amerikanische Flaggen verbrannt, wie die »Failing New York Times« wohl amüsiert notiert, und überhaupt sind da nur die Russen dran schuld, sagen sie (nytimes.com, 11.8.2020) – aber gut, die New York Times stellt auch eine sich offen rassistisch äußernde Linke wie Sarah Jeong ein, solange sie nur anti-weiß rassistisch ist (bbc.com, 2.8.2018). Nicht einmal eigentlich neutrale Bereiche wie Nuklearwissenschaften scheinen vor der neuen Ideologie sicher; Institute wie das amerikanische »Sandia National Laboratory« senden laut aktuellen Berichten ihre Mitarbeiter in Umerziehungs-Camps (vergleiche @realchrisrufo, 12.8.2020), wo die Männer mit der Lehre von der ewigen Schuld des weißen Mannes gehirngewaschen werden.

Nicht zwingend weniger

Es ist einiges absurd am neuen Hass auf weiße Männer – die erste Absurdität aber ist jene, dass er betrieben wird von… richtig: alten weißen Männern.

Nehmen wir etwa: Nike. Die Firma bekennt sich öffentlich zu »Black Lives Matter« (@nike, 13.6.2020). Müssen wir wirklich noch fragen, von welchem Geschlecht und welcher Hautfarbe Philip H. Knight (Co-Gründer & »Chairman Emeritus«), Mark Parker (Executive Chairman) und John Donahue (Präsident & CEO) und Andy Campion (COO) sind? (Wenn man weiter durch die Vorstands-Liste auf about.nike.com scrollt, trifft man dann aber später tatsächlich auf Schwarze und Frauen – immerhin.)

Es ist ja nicht nur Nike! Adidas: siehe Twitter und siehe Vorstand. Apple: siehe Sermon zu »Inclusion and Diversity«, und siehe Vorstand. Und so weiter.

»Black Lives Matter« und damit anti-weißer Rassismus sind Marketing-Gags, etwa so kohärent wie anti-kapitalistische T-Shirts auf Amazon.com – vielleicht sogar mit dem fotogenen Antlitz des rassistischen Mörders Che Guevara.

Ja, die Debatte ist absurd, inkohärent und widersprüchlich – doch das macht sie nicht zwingend weniger schädlich – im Gegenteil!

Aber und jedoch – einmal Luft holen: Ich halte es nicht für unmöglich, dass all dieser Anti-Weiße-Rassismus in sein Gegenteil umschlägt. (Hinweise: Ich meine nicht das »Gegenstück«! Das Gegenstück zum Anti-Weißen-Rassismus wäre ein Rassismus gegen Schwarze – das Gegenteil von Rassismus ist nicht ein anderer Rassismus sondern das Zusammenleben der Menschen, ohne den manischen linken Fokus auf Melaningehalt.)

Ein Gucci’s zu plündern

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass all die angeblichen Anti-Rassismus-Profis mit sehr großer Vorliebe genau dort leben (und kassieren!), wo sie angeblich all den Rassismus ausmachen. (Machen sie etwa einfaches Geld mit der »weißen Schuld«, zu englisch: »white guilt«?)

Die Aussage der kleinen, wenig reflektierten »Black Lives Matter«-Aktivisten, denen die Antifa die Steine zum Schmeißen anliefert (siehe Text vom 1.6.2020), deren Forderung ist ja im Kern: »Wir wollen nirgends anders leben als in der von weißen Männern begründeten und geformten Gesellschaft – und außerdem ist diese Gesellschaft total schlimm und schuldet uns Reparationen.«

Die Black-Lives-Matter-Aktivistin Ariel Atkins erklärte: »Es ist mir egal, ob jemand sich entscheidet, ein Gucci’s zu plündern, oder ein Macy’s, oder ein Nike’s, weil das macht es sicher, dass diese Person essen kann. Das stellt sicher, dass diese Person Kleider hat.« (u.a. Video auf thesun.co.uk, 11.8.2020)

Es wird wohl etwas dran sein: Dass es absurd ist, bedeutet nicht, dass niemand es ernst nehmen wird.

Black Lives Matter in Chicago stellt sich öffentlich auf die Seite der Leute, die Gucci oder Nike plündern. Es ist absurd, sicherlich, doch das heißt nicht, dass es keinem Muster folgt – und unbeabsichtigt das Gegenteil der vorgetragenen politischen Forderung bestätigt. (Wir müssen Gucci-Chef Marco Bizarri und den Chef des Gucci-Mutterkonzerns Kering, François-Henri Pinault, nicht weiter beschreiben, oder?)

Die Gewalt und Plünderungen im Namen des Kampfes gegen den »weißen Mann« bestätigen im Grunde nur eine simple Wahrheit: Diejenigen, welche am lautesten den »weißen Mann« zu verachten vorgeben, sehnen sich am heißesten nach seinen Erfindungen, seinen Ideen und der von ihm geschaffenen Lebenswelt.

Wenn ihr den weißen Mann und sein Denken so hasst, wieso seid ihr so manisch darauf versessen, euch die Früchte seines Geistes einzuverleiben, in seinen Denkwelten zu leben, seine Geschichte zu hören und, vor allem, in der Sicherheit seiner Waffen und Systeme zu leben?

Wenn die Black-Lives-Matter-Plünderer wieder nach Hause gehen, mit ein paar 120$-Nike-Turnschuhen (wahrscheinlich genäht von asiatischen Frauen für weit weniger Geld) oder sogar einem 200$-Gucci-Gürtel, wenn ihr Raubzug erfolgreich war, dann werden mit einiger Wahrscheinlichkeit es auch »weiße Männer« sein, welche die Straßen von Scherben und Dreck befreien, welche neue Scheiben einsetzen, welche die Steuern aufbringen um die Reparaturen zu finanzieren – nur um für das alles wieder beschimpft zu werden.

Milliarden Dollar Reparationen

Der weiße Mann, wie er von der Black-Lives-Matter-Schlägern angegangen und dadurch angezeichnet wird, erinnert mich an einen »Hund der Menschheit«, manchmal bissig, manchmal doof, wenn es drauf ankommt aber treu.

Ich habe dieses Thema nicht gewählt – es wurde mir von skrupellosen Finanzakteuren und ihren willigen Idioten in Straßen und Redaktionen aufgezwungen.

Der Anti-Weiße-Rassismus, der ironisch und zynisch von Konzernen lanciert wird, nur um so dumm wie zukunftsblind von Linken und Gerngehorsamen weiter betrieben zu werden, er wird nicht bestehen.

Es wird in sein Gegenteil umschlagen. Was ist es denn, was Anti-Weiße wirklich wollen? Wenn wir sie an ihren Taten und Forderungen messen und bestimmen, wohin sind sie wirklich unterwegs?

Irgendwer wirft Forderungen nach »Milliarden Dollar Reparationen« in den Raum. Konzerne werden applaudieren – es ist ja nicht der Steuer-Haushalt der Cayman-Inseln, der es finanzieren wird – und mit einiger Wahrscheinlichkeit würde das Geld ohnehin für ihre Produkte ausgegeben werden.

Ihr könnt mich treten

Ich habe mich Zeit meines Lebens nicht als »weißer Mann« gesehen. Als Vater, als Essayist, als Mann, ja, aber doch nicht über die Farbe meiner Haut!

Ein Mensch war für mich immer zuerst und zuletzt ein Mensch, mancher ernst, mancher lustig, aber immer gleich in seiner Würde.

Böse Mächte trennen uns wieder nach der Farbe unserer Haut auf. Man will mir einreden, dass ich – und mein Sohn – durch unsere Hautfarbe böse, schuldig und verachtenswert sind. Für die bin ich der Hund der Menschheit, weil meine Haut rosa ist.

Soll ich protestieren? Nun, spätestens wenn sie die Weißen jagen und foltern wie Hunde, wie es heute in Afrika passiert, dann sollte ich protestieren – unsere Regierung interessiert es ja nicht. Ich kann aber durchatmen. Für die bin ich ein Hund – ein »unreines« Tier, ich weiß. Ich kann es ja gleich annehmen.

Okay. Ich bin der Hund der Menschheit, so scheint es. Ihr könnt mich treten, mich ausbeuten und mich dafür verachten, dass ich euch dennoch diene – ich werde nicht aufhören, mein Bestes für uns alle zu geben.

Nein, »der Hund der Menschheit« ist nicht die Rolle, die ich gerne hätte – aber anders als ihr sah ich mich auch nicht zuerst als »weißer Mann« – vielmehr: als Mensch unter Menschen, weder mehr noch weniger.

Lieber wäre mir, wenn wir zusammenleben könnten, gemeinsam lernen statt gegeneinander zu kämpfen. Jedoch, ich schäme mich der Rolle nicht.

Ich bin der Hund der Menschheit, so schwant mir, und ich habe gelernt, manches hinzunehmen, was ich euch nie antun würde.

Ich bin der Hund der Menschheit, so lasst ihr es mich spüren, und ich werde gerne als solcher dienend bleiben. Jedoch: Wie schön wäre es, wenn wir bald das Gerede von den Farben unserer Haut wieder abstreifen könnten, um einander zu dienen!

Ich bin der Hund der Menschheit, ich werde die Rolle wohl annehmen müssen – doch versteht bitte, dass ich meine Welpen vor euch in Schutz bringen werde.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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