Dushan-Wegner

27.08.2023

Der Zettel, den er vor 30 Jahren in der Hand hielt

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Bild: »Wer ist schon unbeschrieben?«
»Journalisten« suchen im Stasi-Stil nach etwas, das ihr Zielobjekt als Minderjähriger angeblich getan hat. So wird auch klar, warum alle unsere Daten gespeichert werden: Will man dich erledigen, geht man dein gesamtes Leben durch, bis man »etwas findet«.
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In einer anderen, reichlich fremd wirkenden Galaxie, gibt es eine Region, die »EU-Besatzungszone Deutschland« heißt. Auch dort schreibt man das Jahr 2023.

Es herrscht Dauerwahlkampf, was absurd und ironisch ist, da Wahlen in dieser Zone zunehmend folgen- und damit bedeutungslos sind.

Dort wirken auch sogenannte Journalisten, die vor allem dazu da sind, die »guten« Politiker gegen Wahrheit und Realität zu verteidigen – und die »bösen« Politiker fertigzumachen.

In jener fremdartigen Welt galt es im Sommer besagten Paralleljahres, wenige Wochen vor der Wahl einen bestimmten Politiker fertigzumachen.

Mit der Eingliederung jenes Landes in seinen Nachbarstaat »DDR« hatte man sich auch einen gewissen Ungeist namens »Stasi« zu eigen gemacht. Oder dieser Geist war schon immer im Land, wurde mit der Eingliederung nur extra »angefeuert«.

Im Ungeist der Stasi machten sich die »Journalisten« eines linken Kampfblattes daran, in der Vergangenheit ihres feindlichen Zielobjekts zu suchen, bis sie meinten, »etwas« gefunden zu haben: Ein unschönes Pamphlet, das der zu vernichtende Politiker angeblich vor 30 Jahren geschrieben haben sollte. Mittlerweile hat sich der Bruder dazu bekannt. Journalisten verschieben also die Anklage, und klagen an, warum der heutige Mittfünfziger damals nicht deutlich gegen seinen Bruder einschritt.

Ach, so funktioniert der deutsche Propagandastaat im Jahre 2023: Auch wenn die Vorwürfe halb erlogen und absurd sind, Informationen zu diesem Dreck nehmen inzwischen einen erheblichen Teil des Wikipedia-Eintrags zum Politiker ein. Wikipedia ist die Toilettenwand, auf welcher immer etwas vom Dreck, der gegen einen politischen Gegner geworfen wird, hängen bleibt.

Wer vom System zum »Guten« erklärt wird, kann als Trotzkist gegen den Staat gekämpft haben, kann Steine auf Polizisten geworfen, reiche Juden verfolgt oder deutsche Daten ins Ausland weitergeleitet haben – alles kein Problem, solange man sich nur öffentlich und tief genug zum Kotau vor Globalismus und Postdemokratie durchknickt.

Doch wenn sie dich zum Feind erklären, dann wehe dir, wenn du vor 30 Jahren als Minderjähriger ein böses Schriftstück auch nur in der Hand hattest.

In Deutschland verjähren sogar Raub und Totschlag (20 Jahre, 30 für besonders schwere Fälle), und wenn du ein »junger Mann« bist, dann bleiben selbst Vergewaltigung und Mordversuche mit dem Messer schon mal folgenlos, doch als 17-Jähriger ein böses Schriftstück in der Hand gehalten zu haben, womöglich sogar mit dessen Autor verwandt zu sein, das verjährt nicht.

Die Stasi-artige Suche nach einer bösen Tat in der Jugendzeit des politischen Gegners ist nur ein Vorgeschmack. Sie lässt aber erkennen, warum totalitäre Politiker und die Geheimdienste wirklich Daten auf Vorrat speichern: Wenn es gilt, einen politischen Störenfried fertigzumachen, durchsucht man das digitale Protokoll seines Lebens, sprich: alles, was er je tat und sagte, bis man etwas findet, womit man ihn fertigmachen kann. Das sticht man dann an »Journalisten« durch. (Haben Sie sich schon mal gefragt, wie die »Rechercheverbünde« aus Staatsfunk und politiknahen Redaktionen regelmäßig bei ihren »Recherchen« auf Informationen stoßen, auf die neben den rechtmäßigen Besitzern eigentlich nur Geheimdienste einfachen Zugriff haben dürften?)

Das ist unsere schöne neue Welt, und wir fühlen uns bisweilen etwas hilflos.

Ich empfehle uns, an jedem Tag und mit jedem Schritt das zu tun, was unser Gewissen uns rät – wissend, dass wenn sie uns fertigmachen wollen, sie schon irgendwas finden werden, was sie dann als Böse ausdeuten.

Das nämlich haben die Sprache der Liebe und die Sprache des Totalitären gemeinsam: Nur selten geht es um das, was die Worte in ihrem wörtlichen Sinne bedeuten.

Ob also in dieser Galaxie oder einer ganz anderen: Unsere tägliche Aufgabe bleibt, nicht nur das Richtige zu tun, sondern auch zu erahnen, was deren Worte wirklich bedeuten – jeden Tag!

Weiterschreiben, Wegner!

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