Dushan-Wegner

20.12.2023

Was, wenn sie dumm bleiben?

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
Wir lesen seit Jahren, wie die Leistungen von Schülern immer schlechter werden. Lehrer klagen, dass Schüler heute messbar dümmer sind. Doch viel zu selten wird man sich bewusst: Das ist »die Zukunft«! Das ist demnächst »die Realität«!
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Wenn eine frischgebackene Torte hinfällt, wenn Ketchup auf das neu gekaufte Hemd spritzt, oder wenn man einsieht, dass man zu krank ist, um den Urlaub anzutreten, auf den man sich doch das ganze Jahr über gefreut hat oder vielleicht sein Leben lang, und jetzt ist es zu spät – es gibt diese Momente, in denen ein Mensch einsieht, dass eine Sache verloren ist.

Was geschieht in einem solchen Augenblick in der Mechanik der Seele?

Die einen Räder deiner Seelenmaschine halten plötzlich an, etwa die Räder »Vorfreude« und natürlich »Vorbereitung«.

Andere Räder drehen los, noch während du die Torte fallen siehst. Etwa das Rad »Enttäuschung«. Und das Rad »Bewältigung«, oder wie man in Internet-Meme-Culture sagt: »Copium«.

Bisweilen tritt auch Erleichterung ein.

Erleichterung vielleicht, weil der Verlust der Möglichkeit auch einen Verlust von Verantwortung bedeutet. Oder sogar Erleichterung, weil absehbar das Ende des Schmerzes bevorsteht.

Doch wenn alle Enttäuschung nicht hilft, auch Wut nicht, nicht einmal die Erlaubnis zum Sichbefreitfühlen, dann hilft vielleicht noch das Lachen.

Die frischgebackene Torte liegt kopfüber auf den Kacheln, die Unternehmung, der du deine Lebenszeit verkauft hast, hat dir gekündigt – hat dich »losgelassen« – und du, was tust du?

Kannst du »loslassen«?

Nun, du lachst.

Du lachst über die Absurdität dieser Szene.

Du lachst über die Absurdität des ganzen Theaterstücks namens »Leben«.

Du lachst über das Delta zwischen deinem Ernstnehmen der Dinge und dem Mangel an Ernsthaftigkeit in den Dingen selbst.

Letztens bei einer Party traf ich wieder mal eine Lehrerin, und im Smalltalk klagte sie darüber, wie dumm die Schüler in den letzten Jahren geworden seien.

Die Lehrerin unterrichtet Mathematik und Englisch, und sie sah eine bittere Ironie darin, dass eine Generation, die mit Computern (also Rechenmaschinen) – und mit englischsprachigen Influencern aufwächst, weder Mathematik (also die Sprache des Universums) noch Englisch (also die Sprache der Welt) beherrscht.

Es war wahrlich nicht das erste Mal, dass ich davon hörte, dass Schüler merklich dümmer werden. Die Ursachen dafür aber gehören zu jenen Wahrheiten, die lange öffentlich geleugnet wurden – bis sie ganz selbstverständlich wurden.

Wir wurden uns nicht einig

Als ich das erste Mal darüber schrieb, dass und wie Smartphones und Soziale Medien die Kinder aktiv dümmer machen, antworteten mir wütende Eltern noch, man müsse die Kinder eben verantwortungsvollen Umgang lehren. Ich fragte zurück, ob man Kinder auch den verantwortungsvollen Umgang mit Heroin lehren sollte. Wir wurden uns nicht einig.

Ja, lange war ich besorgt. Ich mahnte jeden, der hören wollte, und manchen, der es nicht wollte.

Der Mahner ist auch hier so hilflos wie einer, der Tsunami-Wellen mit dem Zuckerlöffel weglöffeln will.

2017 etwa schrieb ich den Essay »Scrollende Wracks sind keine Leser«. Darin schrieb ich zur knappen Einleitung: »Lesen ist nicht Scrollen. Das eine macht dich klug und glücklich. Das andere macht dich dumm und unglücklich.«

Ich habe gewarnt, ich war besorgt, und als Vater bin ich damit auch beschäftigt.

Doch dieses Mal, als die Lehrerin mir klagte, die Gesamtheit ihrer Schüler sei merklich dümmer geworden, deren Verstand sei ganz offenbar von TikTok & Co. zerschossen, da lachte ich.

Der sagt starke Sätze

Man sagt ja von den Frauen unter euch, ihr Frauen würdet uns Männer zu großen Taten inspirieren, und dann würdet ihr uns hindern, diese auszuführen.

Nun, Computer und Internet gaben uns Menschen die technische Möglichkeit, so klug und weise zu werden, wie wir wollen – nur leider nehmen sie unseren Kindern das Klugwerdenwollen und nachweislich auch das -können.

Ich lese etwa aktuell bei focus.de, 19.12.2023 das Interview mit einem leidenden Ex-Lehrer. Der sagt starke Sätze wie: »Die PISA-Ergebnisse sind nicht nur peinlich für die Kulturnation Deutschland, sie bedrohen die Zukunft unseres Landes.«

Aber auch: »Im Moment haben wir das Problem einer ganzen Generation, die mit TikTok aufwächst und entsprechende Inhalte teilweise exzessiv konsumiert. Wenn ein Kind mehrere Stunden täglich diese Shortclips schaut, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn seine Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird.«

Freunde, weder Sie noch ich können etwas daran ändern, dass es so ist, wie es ist. Aber wir können versuchen, uns vorzubereiten.

Größer als Sie oder ich

Social-Media-Plattformen, welche die Menschen aktiv besser informiert halten wie X (sprich: Twitter), werden von antidemokratischen, antiwestlichen Kräften wie der EU-Kommission attackiert und behindert, was den Weg freimacht für die weitere Zerstörung des kindlichen Denkvermögens durch Psychodrogen aus China. Dieser Krieg ist größer als Sie oder ich (uns noch immer vorstellen können).

Falls Sie als Eltern noch genug Autorität aufbringen können, um Ihre Kinder davor zu bewahren, dann beglückwünsche ich Sie. Ich wünsche Ihnen Kraft. Und ich wünsche Ihnen eines Tages die Gewissheit, dass sich dieser Kampf für Sie gelohnt haben wird.

Und uns allen wünsche ich, dass wir über die Absurdität dieser Weltlage lachen können.

Ein Großteil der zukünftigen Generation ist schlicht nicht in der Lage, im traditionellen Sinne zu denken. Während moderne Künstliche Intelligenz heute etwa so klug ist wie früher ein Student in den ersten Semestern, allerdings in allen Fächern der Welt und mit fast vollständigem Weltwissen, gehen heute junge Menschen von der Schule ab, die kaum lesen und schreiben können.

Wenn sonst nichts hilft

Die Wehklagen der Lehrer (und der Unternehmer, die versuchen, jemanden einzustellen) bezeichnen nichts anderes als das Fallen der »Torte« namens »Gesellschaft«.

Am Ende des Tages – und am Ende der Tage – ist aber jeder Mensch für sich selbst und seine Taten verantwortlich. Und deshalb: Bereitet euch darauf vor, dass diese Torte insgesamt aufklatscht.

Falls euch auch zukünftig nach Süßspeisen ist (sprich: einer funktionierenden Gesellschaft), dann müsst ihr wahrscheinlich genau schauen, was an den Resten der bisherigen Torte noch essbar sein wird.

Oder ihr sucht, ich sage mal, nach alternativen Torten.

Oder ihr backt selbst etwas, und seien es »kleine Brötchen«, wie euch euren eigenen »Innenhof der Vernunft« einzurichten.

Ich wünsche einen guten Appetit – und wenn sonst nichts hilft, viel Humor!

Weitermachen, Wegner!

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