Dushan-Wegner

02.07.2023

Kein »Versagen«, wenn Ziel erreicht

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Alle irgendwie gleich«
Journalisten tun selbstkritisch, sie hätten »Fehler« gemacht während Corona. Aber: Wäre es ein »Fehler«, wenn man erreichte, was man erreichen sollte? Und: Wenn sie aus »Fehlern« lernten, treiben sie es nun anders, etwa bzgl. Ukraine oder Migration?
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In der »Berliner Zeitung« schreibt ein ZDF-Journalist einen augenscheinlich selbstkritischen Kommentar, welcher von der Redaktion über einige Kanäle mit der Dachzeile »Corona und das Versagen der Medien« beworben wird (berliner-zeitung.de, 1.7.2023). Im Titel selbst fällt das »Versagen« dann weg. Doch es werden viele, viele Warum-Fragen gestellt.

Eine solche Warum-Frage: »Warum wurden immer wieder pessimistische Modellrechnungen verbreitet, obwohl die Prognosen wiederholt nicht eintrafen?«

Eine andere: »Warum gab es nicht, alternativ, eine starke moralische Positionierung für die Erhaltung der Grundrechte?«

Oder auch: »Warum wurden Menschen, die gegen Grundrechtseinschränkungen demonstrierten, oft trotz gegenteiliger Erkenntnisse als »rechts« oder »rechtsextrem« eingestuft?« und: »Warum wurden die Demonstranten diskreditiert, die keine Masken trugen, obwohl Aerosolforscher längst festgestellt hatten, dass an der frischen Luft praktisch keine Ansteckungsgefahr besteht?«

Und so weiter und so fort.

Wenig überraschend bleiben diese Fragen in jenem Kommentar weitgehend unbeantwortet.

Wir hier ahnen die wahre Antwort, doch es ist womöglich eine andere Antwort, als die, die der Journalist umkreist.

»Es gab also Fehler«

Der Journalist verwendet das verräterische Wort »Fehler«, andere sagen »Versagen« – an ihren Worten sollt ihr sie erkennen.

Er verwendet das Wort in der unpersönlichen Formulierung, wie Politiker, die den jüngsten Skandal herunterspielen wollen: »Es gab also Fehler.« (Überhaupt nutzt der ZDF-Journalist viele Formulierungen, die mit »Es« beginnen, bei denen man nicht den Akteur nennen muss und alle Taten so täterlos erscheinen wie die Taten rund um Herrn Epstein und Frau Maxwell.)

Hat da jemand heimlich vom Framing-Handbuch der ARD genascht?

»Fehler« impliziert, dass man nicht wusste, was man tat. Dass man kurz abgelenkt war. Ein Ausrutscher, ein Lapsus, ein Einzelfall.

Beim Wort »Einzelfall« haben wir allerdings gelernt, dass es oft eine politisch korrekte Lüge ist. Aus der Perspektive von Profi- und Amateur-Lügnern sind die jungen Männer mit Migrationshintergrund, die derzeit Frankreichs Städte in Flammen legen, auch nur besonders viele »Einzelfälle«.

»Wir Coronaversager« gab sich zuvor spiegel.de, 11.3.2023 selbstkritisch.

Doch handelt es sich wirklich um ein »Versagen«, um einen »Fehler«?

Ein Journalist, der über Monate und Jahre hinweg jede Evidenz des Gegenteils seiner Aussagen ignoriert oder als »rechtsextrem« niedergeschrieben hätte, er hätte nicht einen »Fehler« gemacht.

Er hätte etwas anderes getrieben.

Plötzlich vorbei

»Fehler« und »Versagen« implizieren, dass man sein gestecktes Ziel nicht erreicht. Einen Fehler stellt man spätestens dann fest, wenn das Gegenteil des ursprünglichen Zieles erreicht wird, und dann korrigiert man ihn.

Journalisten sahen, dass die Bevölkerung durch ihr Tun gespalten wurde, dass Kritiker diffamiert und notwendige, aber störende Wahrheiten unterdrückt wurden. Doch sie deuteten es nicht als »Fehler« – im Gegenteil, sie hetzten und diffamierten und verbogen die Wahrheit noch ärger, wie einer, der im Endspurt zur Ziellinie läuft. (Schon früh stellten sogar Uni-Forscher fest, wie auffällig gleich deutsche Journalisten schalteten, siehe researchgate.net.)

Und dann war es plötzlich vorbei.

Jetzt gilt es, die »Hitzetoten« medial zu etablieren. Das könnte helfen, die Übersterblichkeit zu erklären, für welche die »Corona-Versager« auch weiterhin keine plausible Erklärung haben.

Ich tue mich schwer, Mainstream-Journalisten zu glauben, dass sie wirklich eine Aufarbeitung ihrer Corona-Berichterstattung wünschen (siehe dazu auch berliner-zeitung.de, 6.4.2023).

In Deutschland ist bekanntlich Gesinnungsethik die einzig erlaubte, und Verantwortungsethik gilt als »rechtsextrem«. Ich erkläre den Unterschied etwa in den Essays vom 19.12.2017 und vom 3.12.2019. In Kurzform: Verantwortungsethik übernimmt konkrete Verantwortung für die realistisch absehbaren und dann auch realen Folgen von Handlungen. Gesinnungsethik kümmert sich nicht um die Folgen, sondern um die »Gesinnung« der Handlung, in der Praxis: um das »moralische Bauchgefühl«.

Mainstream-Journalisten in Deutschland müssen in ihrem Beruf radikale Gesinnungsethiker sein – sonst wären sie ja gezwungen, die Regierung für die schrecklichen Folgen ihres Tuns zu kritisieren, und wären damit die längste Zeit bezahlte Journalisten gewesen. Wenn Journalisten also ihre »Fehler« und ihr »Versagen« bezüglich der von ihnen selbst angeheizten Corona-Panik thematisieren, dann genügt es ihnen moralisch, ihren Wunsch verbalisiert zu haben. (Es war ein Arzt, kein Journalist, der die Geheimprotokolle zur Corona-Panik freiklagte; immerhin veröffentlichen sie einige Medien jetzt, etwa nordkurier.de, 2.7.2023.)

Sage, dass du aus deinen Fehlern lernst und das nächste Mal kritisch berichten willst. Das genügt – und jedes Jota mehr an Konsequenz könnte das Abbezahlen deiner Wärmepumpe gefährden.

Jetzt aber wirklich?

Journalisten sagen, sie wollten aus ihren »Fehlern« lernen.

Glauben wir das?

Wie kritisch und vielfältig ist denn die Berichterstattung zum Klima? Zur Ukraine? Zur neuesten inszenierten Panik mit den »Hitzetoten«? Zu den realistischen Hintergründen der Aufstände und Plünderungen in Frankreich und womöglich bald den Nachbarregionen?

Nein, ihr Mainstream-Journalisten, das war kein »Fehler« und ihr seid keine »Versager« (zumindest nicht in eurem Beruf).

Wer für eine Tätigkeit bezahlt wird, hat eine Aufgabe, und nicht immer ist er sich dieser Aufgabe bewusst. Vielleicht glaubte mancher Journalist, er treibe wirklich »Journalismus«. Er irrte, doch sein regelmäßiger Irrtum ist es womöglich, der ihm den Job sichert (siehe dazu auch den Essay »Darf man über ‚Lügen‘ reden?«).

In der Corona-Panik wurden einige Medien sehr großzügig bezahlt, teils als Sponsoring, teils als Werbung der Pharmaindustrie, teils direkt aus Steuergeld – und Staatsfunk immer durch Zwangsgebühren.

Ob man versagte oder erfolgreich war, hängt davon ab, welche Aufgabe man wirklich hatte.

Weiterschreiben, Wegner!

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