Dushan-Wegner

12.03.2024

8 Regeln aus 8 Jahren: Essay Nr. 2000

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
Vor acht Jahren veröffentlichte ein Essayist namens »Dushan Wegner« seinen ersten Text online. Und heute – wie die Zeit fliegt! – sind wir bei Essay Nr. 2000! Was haben wir bislang gelernt?
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Heute lege ich euch meinen Essay Nummer Zweitausend vor – genau diesen hier!

Der erste (als solcher online veröffentlichte und bis heute gespeicherte) meiner Essays trägt das Datum 11.5.2016 und den Titel »Die Tugend Zu-Ende-Denken«. (Ach, hätte ich mich nur immer an meinen eigenen Rat gehalten!)

Dieser zweitausendste Essay nun, fast acht Jahre später, trägt das Datum 12.3.2024. Und ich will euch acht Lehren, die ich in diesen acht Jahren lernte, vorlegen.

Die Regel Nummer 1 lautet, natürlich: Werde dir deiner relevanten Strukturen bewusst. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist deine relevanteste Struktur die Familie, oder so viel davon noch übrig ist. So weit, so naheliegend. Erinnere dich aktiv an deine relevanten Strukturen gerade dann, wenn es gerade hektisch und anstrengend ist. Zur humorvollen Inspiration kannst du ja die berühmte »Do it for her«-Szene der Simpsons anschauen (via YouTube).

Regel Nummer 2: Suche nach Wahrheit, jeden Tag, doch verlaufe dich niemals, zu glauben, die Wahrheit auch zu besitzen.

Wahrheit ist ein Ziel, ähnlich wie der Horizont. Wenn einer sagt, dass er zum Horizont geht, wissen wir recht genau, was er meint, und wir können prüfen, ob er es wirklich tut. Wenn einer aber behauptet, dass er am Horizont angekommen ist – oder eben sicher die Wahrheit bestimmen kann –, dann wissen wir, dass er Unsinn redet.

Regel Nummer 3: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst. Die Verkäufer der »Wahrheit« (»Glaubt der Wissenschaft! Zweifel ist Desinformation!«) und die Prediger der einzig wahren Meinung (»Abweichende Meinung ist Hass und Hetze!«) wollen dich glauben lassen, sie zu prüfen und zu hinterfragen sei Schwurbelei, destabilisierende falsche Meinung, »rääächts«. Es sind Umschreibungen des alten Konzepts »Tabu«.

Die offiziellen Wahrheiten nicht sofort zu glauben, sie erst einmal zu prüfen und so oft wie irgend möglich selbst zu denken – all das gilt als tabu. In diesem Geiste: Denkt selbst und werdet also zu Tabubrechern!

Regel Nummer 4: Tue etwas, das dir ein Gefühl von Sinn gibt. Vielleicht die Freude am Lernen und Tüfteln. Menschen zu dienen und nützlich zu sein. Ein Lächeln zu schenken oder den Menschen beim Heilen helfen. Und auf jeden Fall etwas, wofür die Menschen auch zu bezahlen bereit sind. Dein Geld kann nicht der Sinn des Lebens sein, doch wenn du es weise anstellst, fühlt sich auch das Geldverdienen sinnvoll an.

Regel Nummer 5: Du bist, gerade in Fragen des Glücks, viel weniger »besonders«, als du denkst – und das ist okay so. Glücklich zu sein ist eine Funktion des Gehirns, also einer bei den meisten Menschen doch ähnlichen Biologie. Die Chancen stehen gut, dass dich ähnliche Dinge glücklich machen wie deine Mitmenschen. Lerne, was deine Mitmenschen glücklich macht! Frage die älteren Mitmenschen, was sie rückblickend glücklich gemacht hat.

Falls ihr mir darin widersprechen wollt, dass der Einzelne entgegen der eigenen Wahrnehmung nicht so einzigartig ist, präsentiere ich …

Regel Nummer 6: Am Ende gewinnt immer die Realität. Ja, es kann sich vorübergehend »gut« anfühlen, störende Fakten zu ignorieren. Geradezu euphorisch kann man davon werden! Doch mutwillig die Realität zu ignorieren, ähnelt dem Glück durch Schnapstrinken. Es ist geborgtes Glück, ein Kredit auf die Zukunft, und die Zinsen sind zuverlässig verheerend.

Regel Nummer 7: Jeder Tag kommt nur einmal. Diese Regel ist angelehnt an ein Sprachbild und Gedanken von Allan Watts: Das Leben ist keine Reise zu einem Ziel hin – und schon gar nicht ein Wettrennen –, sondern ein Tanz, ein Musikstück.

Der Sinn eines Musikstücks liegt nicht darin, so schnell wie möglich fertig zu werden. Sonst wären die besten Musiker diejenigen, die am schnellsten fertig werden. Und die besten Musikstücke würden aus nichts als dem Schlussakkord bestehen. Der Sinn des Musikstücks besteht in dem Auskosten jeder Note, jedes Takts, jeder Melodie und jeder ihrer Variationen.

Ähnlich im Leben: Jeder Tag kommt nur einmal. Nutze ihn! Ja, das habe ich über die Jahre des öffentlichen Nachdenkens etwas besser verstanden: das Gewicht des alten Rates »carpe diem«, »pflücke den Tag«.

Regel Nummer 8 aber ist gar nicht von mir: »This too shall pass.« – »Auch dies wird vorübergehen.«

»Auch dies wird vorübergehen« gilt manchen Leuten, auch mir, als der klügste oder weiseste Satz aller Zeiten.

Wenn du vor Lebensfreude überschäumst, bleibe dir doch im Hinterkopf bewusst, dass auch dies vorübergehen wird.

1.999 Essays habe ich vor diesem geschrieben und euch vorgelegt. 1.999-mal habe ich mich aufgeregt und habe geschimpft, habe gehofft und angestachelt. Gelegentlich war ich guter Dinge, öfter schüttelte ich die Faust wütend gen leeren Himmel (»als wenn drüber wär‘ ein Ohr, zu hören meine Klage«).

Jedes einzelne Mal hätte man dazu die alte Wahrheit sagen können: Auch dies wird vorübergehen.

Ob die »kleinen« Themen – wie der Abend mit Freunden oder die Krankheiten des Einzelnen – oder die »großen« Themen – wie die Demokratie, der Frieden oder der Krieg –, zu allen ließe sich sagen: Auch dies wird vorübergehen.

Das sind die acht Regeln, die ich heute spontan aus den ersten acht Jahren und zweitausend Essays ableite. Wenn ich aber eine einzige von diesen Regeln als die wichtigste auswählen müsste, dann wäre es auch weiterhin die erste: Werde dir deiner wirklich relevanten Strukturen bewusst – und dann widme dein Leben der Aufgabe, diese zu stärken. Jeden einzelnen Tag.

Ich danke jedem Einzelnen von euch, ob ihr mich erst seit heute oder vom ersten Essay an begleitet. Schreibt doch in den YouTube-Kommentaren, seit wann ihr dabei seid, und verlinkt vielleicht euren Lieblingsessay!

2000 Essays!

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Auf danke.dushanwegner.com findet sich eine spezielle 2000-Essay-Edition von Leserbeiträgen, doch hier sind die Klassiker:

Jahresbeitrag(entspricht 1€ pro Woche) 52€

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